Avws zusätzliche Schülermikrofone abgelehnt-was nun?

Hier könnt ihr euch über Hör- und Sehbehinderung austauschen.

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Paulina622
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Avws zusätzliche Schülermikrofone abgelehnt-was nun?

Beitragvon Paulina622 » 26.01.2019, 21:45

Hallo zusammen.
Erst einmal möchte ich euch wenig über uns und unsere Situation erzählen, bevor ich zu unserem momentanen Problem komme.
Meine kleine hat jetzt im Sommer auf die weiterführende Schule gewechselt. Sie besucht nun die 5. Klasse einer Gesamtschule mit GL. Folgende Diagnosen haben wir :AVWS, LRS und fraglich eine Adhs (Massive Konzentrationsstörung und Impulskontrollstörung) . Sie ist seit 2014 mit einer Fm-Anlage versorgt. Leider wurde sie in der Grundschule kaum genutzt. Jetzt auf der weiterführenden Schule wird sie konsequent genutzt. Dies ist auch der guten Personal Struktur zu verdanken (2 Klassenlehrer, Sonderpädagogin) Ausserdem hat die Kurze eine I-Kraft, momentan 15 Stunden pro Woche. Desweiteren bekommt sie einmal pro Woche für eine Stunde Unterstützung durch eine Sonderpädagogin für Hören und Kommunikation. Diese hat als Ergänzung zur Fm - Anlage einen Digimaster beim LVR beantragt und auch bekommen (Soundfield System). So ich glaube das war es soweit an wichtigen Infos. Nun zu meinem Problem. Die Fm-Anlage hilft meiner Tochter sehr den Lehrer zu verstehen. Da es heute aber kaum noch Frontal Unterricht gibt und Lerninhalte meist gemeinsam erarbeitet werden hat meine Tochter große Probleme ihre Mitschüler zu verstehen, da sie große Probleme mit dem Hören im Störschall hat. Deshalb bekam meine Tochter von der Pädaudiologie 4 zusätzliche Schülermikrofone verordnet. Diese Verordnung wurde auch von der Sonderpädagogin für Hören und Kommunikation unterstützt. Die Übernahme wurde durch die Krankenkasse wurde abgelehnt. Die Begründung war, daß das Lehrermikro zumutbar vom Lehrer weitergereicht werden kann. Dies gestaltet sich aber schwierig, da es dadurch zu einer nicht zumutbaren Zeitverzögerung kommt. Desweiteren besteht die Gefahr einer Beschädigung des Senders. Der Widerspruch wurde nach fast einem Jahr, nach Androhung einer Untätigkeitsklage, ebenfalls abgelehnt. Die Begründung hier war, daß meine Tochter ja ein voll funktionierendes peripheres Hörvermögen hat. Dies ist meiner Meinung nach aber völlig unerheblich. Ob die Schädigung in der peripheren oder zentralen Hörverarbeitung liegt, macht für den Betroffenen keinen Unterschied.
Nun meine Frage. Hat jemand Erfahrungen mit einer Klage vor dem Sozialgericht?
Wie lange dauert es?
Wie sind die Chancen?
Sorry das der Text so lang geraten ist. Aber ich denke es wichtig um zu verstehen worum es geht.

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LarissaD
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Beitragvon LarissaD » 27.01.2019, 22:18

Ich habe keine Erfahrung damit, denke aber, dass das so nachvollziehbar ist, warum Eure Tochter die Mikrofonebenötigt, so dass ich auf jeden Fall klagen würde. Am besten natürlich mit Unterstützung einer guten Anwältin.

Ich wünsche Euch viel Kraft und Erfolg und alles Gute für Eure Tochter!
Viele Grüße, LarissaD

AgnesH
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Beitragvon AgnesH » 28.01.2019, 07:54

Habt ihr es schon mal die 4 Mikrophone im Unterricht ausprobiert?
Wenn nein, dann unbedingt ausprobieren und dann könnt ihr sehen, ob eine Klage sinnvoll ist.

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LasseUndJohannes
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Beitragvon LasseUndJohannes » 28.01.2019, 14:32

Hi,
pauschale Aussagen sind schwierig. Es kommt auf viele Details an und dann auch noch darauf wie die Gegenseite argumentiert. Ist die Begründung, der Lehrer könne das Mikrofon weiterreichen im Widerspruchsverfahren von der Kasse zurück genommen? Wenn nein, dann musst du den Richter von deiner Sicht überzeugen. Es auszuprobieren und das Ergebnis zu dokumentieren klingt sinnvoll. Im Zweifelsfall wird der Richter abwägen zwischen den Kosten und dem Nutzen deiner Tochter. Je plakativer du belegen kannst, was deiner Tochter ohne die Mikrofone verloren geht, umso besser.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

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Beitragvon betty33 » 01.02.2019, 10:47

Hallo Paulina,

also die Begründung der Ablehnung ist ja völliger Quatsch, schließlich hat die KK euch ja auch die FM-Anlage genehmigt. Es gibt einen Passus der besagt:

"Nach der HilfsM-RL können Funkübertragungsanlagen verschrieben werden
§ 25 (2): “(...) wenn nach differenzierter fachärztlich-pädaudiologischer Diagnostik 1, bei Bestehen einer auditiven
Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung, auch eine Einschränkung des Sprachverständnisses im
Störschall besteht.“

Die Einschränkung des Sprachverstehens wird euer Pädaudiologe ja sicherlich schwarz auf weiß haben, durch die Diagnostik.

Von daher habt ihr nichts zu verlieren. Ich würde auch erwähnen das deinem Kind ein möglichst barrierefreier Unterricht zu ermöglichen ist und ihr daher die Schülermikrofone dringend benötigt. Die zeitlichen Differenzen die ein Rumreichen des Lehrermikrofons zur Folge hätten, sind nicht tragbar. Die stören massiv den Unterrichtsablauf. Wenn Mitschüler spontane Antworten geben möchten, kann die Lehrkraft nicht ständig von A nach B springen. Außerdem würden dadurch wieder Störgeräusche verursacht und es bringt einfach extrem Unruhe in den Unterrichtsablauf.
Fragt euren Akustiker ob ihr die Schülermikros mal testen dürft. Hier noch ein Link zu Argumentationshilfen von einem Akustiker: http://www.kinderakustiker.de/wp-conten ... indern.doc

Viel Erfolg!
LG Betty
Tochter: ADS, Dyskalkulie
Sohn: Gehörlos, vis. Wahrnehmungsstörung, F82.1, F83, V.a. ADS/ASS

Kerstin74
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Beitragvon Kerstin74 » 06.02.2019, 09:39

Inhaltlich kann ich leider relativ wenig zum Thema beitragen. Allerdings ist es immer gut, Richter sehr konkret mit Argumenten zu überzeugen, vor allem, wenn ihr praktisch Erfahrungswerte habt.

Da bei Verfahren vor den Sozialgerichten keine Gerichtskosten anfallen müsstest du im schlimmsten Fall lediglich die Anwaltskosten tragen (ggf. übernimmt das auch die Rechtschutzversicherung, wenn eine vorhanden ist). Das ist im Sozialrecht schon mal ein großer Vorteil.

Zeitlich betrachtet ist es völlig unterschiedlich. Eine "normale" Klage kann sich je nach Auslastung der sozialgerichte schon mal 1-2 Jahre hinziehen. Anders sieht es beim vorläufigen Rechtsschutzverfahren aus, das in der Regel innerhalb weniger Wochen entschieden wird - aber hierbei handelt es sich nur um eine vorläufige Entscheidung, die endgültige Entscheidung wird im meist zeitlich eingereichten Klageverfahren getroffen.

Ohne einen fachkundigen Anwalt (fachkundig sowohl im Sozialrecht und idealerweise auch vertraut mit dem Störungsbild, um das es geht) wirst du nicht viel weiter kommen fürchte ich. Dazu ist das Sozialrecht zu verschlungen.

Viel Erfolg!

LG
Kerstin
der Große (10/06) mit ADS, LRS und senso-/graphomotorischer Schwäche

der Kleine (10/11) mit pFAS, ADHS, SIS, Hyperakusis, Hypermobilität, Beckenschiefstand mit skoliotischer Fehlhaltung, Vorhofseptumdefekt (ASD II), Fruktoseintoleranz, globale Entwicklungsverzögerung, Hypomotilität des Ösophagus, V.a. ASS => PG 3, GdB 70%


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