Die Blicke der anderen....

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Lena_K
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Beitragvon Lena_K » 04.02.2019, 12:15

Ich wollte euch nochmal - passend zum Thema- fragen, wie ihr mit den Blicken von anderen Kindern umgeht?
" kann der nicht laufen?", "Boah, der arme", guck, guck, guck- Bums vor die Laterne gelaufen..., also wie rede ich da freundlich mit anderen Kindern die meinen Sohn wie ein Zootier bestaunen. Er bekommt das ja auch mit...und sowieso beginnt er gerade zu realisieren das er anders ist als die anderen Kinder. Manchmal wenn die Situation passt kann man ja erklären, aber manchmal hab ich auch keine lust
Was antwortet ihr Da? Wie reagiert ihr?

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Sia
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Beitragvon Sia » 04.02.2019, 12:52

Kinder schauen immer. Ein "behindertes" Kind ist etwas, das sie nicht kennen. Sie sind verwundert, neugierig und manchmal auch ängstlich. Deren Mütter bzw. Eltern wissen oft auch nicht wie reagieren!
Wenn ein jüngeres Kind interessiert schaut, vielleicht sogar näher kommt oder etwas zur Situation - also beispielsweise zu meinem Sohn im Rollstuhl - sagt, erkläre ich dem Kind wieso mein Sohn nicht laufen / sprechen etc. kann. Kurz und bündig. Meistens ist dann gut. Das Kind läuft mit Mutter weiter. Geglotzt wird dann meistens nicht mehr.
Sind es ältere Kinder, die interessiert schauen, erkläre ich auch freundlich was mein Sohn hat.
Sind es ältere Kinder, die glotzen und dumme Sprüche machen im Sinne von "schau mal der sabbert noch" oder "der kann noch nicht mal essen" oder "sitzt der im Rollstuhl weil er zu faul zum laufen ist"! Dann lasse ich einen Spruch fallen wie: sei froh, dass du nicht krank bist und laufen/essen kannst! Oder ich frage: Denkst du, er ist glücklich, dass er nicht essen/laufen kann?!? Danach wird auch nicht mehr geglotzt! Meistens rauschen sie verlegen ab. Mir ist in diesem Fall auch ganz egal, ob die Eltern dabei sind oder nicht! Es gibt solche, die Entschuldigen sich und solche, die einfach weitergehen.
Wenn ich ganz verärgert bin, habe ich auch schon gesagt: Du kannst gerne Eintritt zahlen für's anglotzen!

Ich denke, damit werden wir leben müssen. Es wird immer so sein, dass es Leute gibt, die andere anschauen!

Aber manchmal wird man auch zu unrecht beschimpft! Mich hat tatsächlich schon einmal eine behinderte Frau total blöd angemacht. Ich sass auf einer Bank und habe auf jemanden gewartet. Dabei total in Gedanken versunken ins leere gestarrt. Die Frau habe ich nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen. Sie hatte eine Gehbehinderung. Als sie an mir vorbei war, schaute sie zurück und motzte mich an, ob ich noch nie eine Frau mit Gehbehinderung gesehen hätte … und dann folgten noch einige Schimpfwörter. Als ich merkte, dass die tatsächlich mich meinte, war ich total schockiert. Ich hatte sie weder angestarrt noch sonst irgendwie etwas gemacht, dass sie sich hätte belästigt fühlen können. Die Frau hat sich einige Bänke weiter hin gesetzt.
Als ich mich "erholt" hatte, ging ich zu der Frau hin und habe mich entschuldigt. Ihr meine Sicht geschildert und ihr danach erzählt, dass ich selber einen schwer mehrfachbehinderten Sohn habe und gerade deshalb eigentlich vermeide, behinderte Menschen anzustarren - weil ich das Gefühl kenne. Danach hat sie sich auch entschuldigt und erklärt, dass sie oft angestarrt wird und es satt hat!

Tja, seither bin ich auch ein bisschen vorsichtig mit "gemeinen" Äusserungen gegenüber Personen, die meinen Sohn anstarren!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem SturmBild Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
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Katja_S
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Beitragvon Katja_S » 04.02.2019, 13:18

Hallo,
hmm, wenn sich die Gelegenheit ergibt, erkläre ich, dass mein Sohn nicht so gut laufen kann, weil seine Beine zu schwach sind. Meist geht es bei Kindern aber meist "nur" darum, warum er denn im Rolli sitzt. Dann sage ich einfach, dass er eben nicht so gut laufen kann und sich mit Hilfe des Rollis alleine fortbewegen kann. Das leuchtet den meisten Kindern dann ein.
Es ist für andere Leute aber auch schwer, sich richtig zu verhalten :shock: . Ich persönlich empfinde es als wesentlich unangenehmer, wenn ich den Eindruck habe, jemand schaut ganz bewusst weg und ignoriert uns ganz offensichtlich, um auch ja nicht in den Verdacht zu kommen, uns anzustarren. Oder wenn Mütter ihre (selbstverständlich) neugierigen Kinder von meinem Sohn wegzerren (damit sie eben keine Fragen stellen oder sich nicht für den Rolli interessieren) und evtl. sogar die Straßenseite wechseln (habe ich bisher 2-3 x erlebt). Da ist es mir lieber, ich werde freundlich direkt angesprochen. Oft ebtwickeln sich da ja auch ganz nette Gespräche (und wenn es dabei um die Pferde auf dem Speichenschutz geht).
Es ist ja bis zu einem gewissen Grad wirklich normal, dass mehr geschaut wird, wenn etwas nicht alltäglich ist (und sei es, dass er blaue Haare hat oder im Winder in kurzer Hose rumläuft). Solange es eben nicht ins totale Starren abrutscht. Das Mittelmaß ist da schwierig.
Viele Grüße
Katja
Katja mit E. (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), gehörlos (2 CIs), Epilepsie, geistige und körperliche Behinderung

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Beitragvon RikemitSohn » 04.02.2019, 13:26

Hallo,

ich glaube, gerade bei kleineren Kindern ist erklären das Beste, auch wenn es manchmal anstrengend ist. In der Regel meinen sie das nicht böse und so verlieren sie Berührungsängste. Ich denke, dass es bei jüngeren Kinder eher Neugier ist als Glotzen. Sie denken dabei auch nicht unbedingt schlechtes, wenn sie gucken und fragen.
Mein Sohn ist mit vier Jahren in der Stadt mal einen Mädchen im Rollstuhl hinterher gerannt und hat dabei laut rufend auf den Rolli gezeigt. Sah erst einmal komisch aus. Aber als ich näher kam, sah ich, dass auf dem Speichenschutz des Rollis Lauras Stern gedruckt war und mein Sohn darüber einfach begeistert. Er hat den Rolli gar nicht komisch gefunden, auch wenn das auf den ersten eindruck für Aussenstehende so wirkte.
Jugendlichen mit dummen Sprüchen würde ich wie Sia einen blöden Spruch zurückschicken, dann kriegen sie was zum Nachdenken.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

MelSch
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Beitragvon MelSch » 04.02.2019, 14:06

Hallo!

Ich war mit meiner Tochter (4.-6.Lebensjahr) mehrmals auf Ferienfahrten der OBA dabei. Meine Tochter war das einzige nicht-behinderte Kind unter 12 anderen Kindern. Sie hat Rollis geschoben, Windeln geholt, mitgespielt, beim Essen eingeben geholfen... Das hat ihr sehr gefallen.

Immer wenn wir danach ein behindertes Kind gesehen haben (egal ob im Rolli, gehbehindert, oder sonstetwas), ist sie losgestürmt oder hat hingedeutet und gefragt, ob ich das Kind kenne. Manche Eltern waren belustigt, andere richtig genervt.
Ich habe ihr dann erklärt, daß sie bitte nicht deuten oder schreien soll. Sie hat nicht verstanden warum. Sie hatte keinerlei Berührungsängste, sie war völlig offen und gehandicapte Kinder waren ganz norma..
Jetzt (mit 11 Jahren) zieht sie lieber den Kopf ein und schaut verstohlen zu den Kindern. Das ist dann auch wieder nicht recht!

Ich finde es echt schwierig, was die Reaktionen/ Blicke angeht!

LG,
MelSch


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