Die Blicke der anderen....

Diese Rubrik braucht man einfach immer! Sie umfasst alle Infos, Tipps, Fragen und Antworten zu Themen, die sich nicht in die oben genannten Kategorien einordnen lassen.

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Monika77
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Beitragvon Monika77 » 21.01.2019, 08:01

Es hilft wirklich nur ein dickes Fell, und ein paar sorgsam vorbereitete gute Sprüche, die zu dir und deiner Art passen. Es gibt hier im Forum auch Diskussionen über Tshirts, die entweder aufklären, oder gleich einen guten Spruch draufhaben, der klarstellt, dass der Träger anders ist. Ist halt eine Geschmacksfrage. Mir geht es besser, seitdem mein Sohn im Rollstuhl sitzt. Dem Gegenüber ist klar, dass da was nicht stimmt. Ich gehe auch recht offen mit seiner Behinderung um, und komme mit eineigen Leuten darüber ins Gespräch. Aber es gibt genauso Tage, wo mich ein Spruch kalt erwischt und ich völlig fassungslos bin ob der Dreistigkeit/Dummheit der Leute.
Ich empfinde es auch je nach Gegend, in der man sich bewegt, völlig unterschiedlich. Im Urlaub in Schweden zum Beispiel werden wir grundsätzlich nicht angestarrt, in Holland dafür war es eine Katastrophe.
Diese alten Leute im Supermarkt, die zu lange starren, starre ich grundsätzlich in Grund und Boden. Ein kurzes "Ist was?" hat hier auch schon geholfen.

Ich wünsch Euch allen ein dickes Fell und Nerven wie Drahtseile und allezeit ein fröhliches Herz!

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MelSch
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Beitragvon MelSch » 21.01.2019, 13:50

Hallo!

Meinem Sohn sieht man seine Besonderheiten auch nicht gleich an. Wir meiden auch viele Situationen - aber nicht wegen den Blicken, sondern um Junior nicht übermäßig zu stressen.

Was mich mal interessieren würde: WIE reagiert man richtig?! Ich schaue auch, wenn ich ein besonderes Kind sehe. Aber nicht aus Sensationslust, sondern aus Interesse! Darf man denn fragen, was das Kind hat? Oder ist das zu neugierig?

Liebe Grüße,
MelSch

LuisaM
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Beitragvon LuisaM » 22.01.2019, 14:29

Hallo,

hätte nie gedacht, dass das Thema soviel Resonanz findet... was für tolle, verschiedene Antworten. ich danke euch sehr <3

Ich habe gestern an diesen Faden und die Antworten gedacht, als ich in einer Klinik ein entwicklungsverzögertes, älteres Kind gesehen habe, was uns von weitem zum Spielen aufgefordert hat und ich habe mich ihr mit meiner Tochter genähert und die beiden zusammen spielen lassen. Und die Eltern des Kindes sahen dem Ganzen sehr freudig und gelassen zu. Mir war es irgendwie wichtig, ihre Gefühle nicht zu verletzen, so wie meine zuvor durch die vielen Blicke verletzt wurden.

mein Lebensgefährte meinte noch, dass er den Eindruck hat, dass in Deutschland besonders Kleinkinder wie Maschinen angesehen werden. alle müssten standardisiert etwas können, zum gleichen Alterszeitpunkt und dass dann auch freiwillig abrufen. Und wenn nicht, dann kommt gleich die Therapiekeule. Sowas gibt es in seinem Land nicht, es gibt dort eine höhere Toleranz für -Abweichungen ... abgesehen davon, dass Kinder auch wirklich Kinder sein dürfen. und Erwachsene "messen" nicht einfach so die Fähigkeiten zum Regelzeitpunkt, es würde nie jemandem einfallen.

Natürlich ist unser Gesundheitssystem besser, aber diese Art von Akzeptanz würde ich mir hier auch wünschen...

liebe Grüße an alle
Luisa mit Lina (*2017)
22q13.3 - Phelan Mc Dermid Syndrome

LuisaM
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Beitragvon LuisaM » 22.01.2019, 14:35

Hallo MelSCH,

meine Tochter hatte lange Zeit einfach ein auffälliges Gangbild, sie stakst und ist leicht umgefallen beim Laufen. Mittlerweile ist es eigentlich schon viel besser geworden..
Luisa mit Lina (*2017)

22q13.3 - Phelan Mc Dermid Syndrome

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 22.01.2019, 18:09

Hallo LuisaM,

mit der Zeit merkt man, welche Blicke positiv neugierig sind, welche sensationsgierig und welche feindseelig. Ich denke es ist auch eine Art "Falle", immer gleich, wenn wer mal ein bisschen länger als gesellschaftlich üblich hinschaut, negative Gedanken zu vermuten.

Bei uns schauen z.B. Leute auch oft zu wenn ich mich mit meinem Sohn in Gebärdensprache unterhalte. Einfach weil ich simultan auch spreche (damit mein Sohn auch das Mundbild sieht) und weil sie einfach neugierig sind, ob sie rein von den Gebärden her auch was "verstehen" würden.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

grace
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Beitragvon grace » 22.01.2019, 21:23

MelSch hat geschrieben:Was mich mal interessieren würde: WIE reagiert man richtig?! Ich schaue auch, wenn ich ein besonderes Kind sehe. Aber nicht aus Sensationslust, sondern aus Interesse! Darf man denn fragen, was das Kind hat? Oder ist das zu neugierig? Lh


Diese Frage hatten wir hier schon oft und die Antwort ist: Es gibt kein richtiges Reagieren/Verhalten.

Die einen Eltern regen sich auf wenn ihr behindertes Kind angeschaut wird, die Anderen wenn ihr behindertes Kind NICHT angeschaut wird!
Die eine Mutter redet gerne und viel über die Besonderheiten ihres Kindes und ist froh wenn andere Leute nachfragen, die andere Mutter will gar nicht darüber reden und empfindet Interesse nur als Neugier und Einmischung.
Familie X möchte das ihr Rollikind ganz normal behandelt wird, Familie Y dagegen ist beleidigt wenn auf den Rolli wenig Rücksicht genommen wird.
Der Eine empfindet einen Blick von 2 Sekunden schon als aufdringlich, der Andere einen nett gemeinten Satz schon Übergriffig.
Usw.
Usw.
Die Menschen sind nicht alle gleich und empfinden deshalb auch nicht alle gleich.

Es braucht Tolleranz auf beiden Seiten!

LG

Grace

Tina&Andi
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Beitragvon Tina&Andi » 25.01.2019, 18:26

Hallo,

würde oder habt ihr irgendwas geändert nur weil es Blicke oder Bemerkungen gabe.

Ich frage mich wann würde den Druck nachgeben?

LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,

Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul

Anton09
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Beitragvon Anton09 » 25.01.2019, 20:46

Hallo,

auch wir haben einige " abgefahrene" Situationen erlebt.
In fast 10 Jahren kommt da einiges zusammen.
Von anlächeln, bis direkt anpöbeln bis einige Meter entfernt lästern.
Natürlich gibt es auch tolle Begegnungen.
Schlimm ist es nur, wenn man selbst mal nicht so gut drauf ist.
Nur verstecken tun wir uns nicht.
Die Vergleiche der Eltern über ihre Kinder finde ich total schrecklich.
Aber die Gesellschaft achtet teilweise mehr auf Äußerlichkeiten als innere Werte.
Bei uns sieht man ja eindeutig, dass was nicht stimmt.
Da ist es bei anderen Kindern vielleicht mühsamer sich zu erklären.
Gute Tipps aus der Familie sehe ich nun schon etwas gelassener.
Aber die haben es langsam verstanden.
Geht trotzdem raus mit euren Kindern und macht sie zu starken Persönlichkeiten.
Andere Leute ändern wir sowieso nicht.

Viel Kraft und eine schöne Zeit mit euren Kindern

Frauke
Anton 30.01.2009, Therapie-refraktäre Epilepsie, fokal kortikale Dysplasie - epilepsiechirurgische Resektion, Shunt, Button, schwere psychomotorische Entwicklungsretardierung, zentrale Bewegungsstörung, interstitielle Duplikation im Xq-21.1 Gen, VNS-Implantation, PG 5

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 25.01.2019, 20:51

Hallo Tina,

meine Erfahrung als Mama ist: wenn ich entspannt damit umgehe (also mit dem Auffälligen am Junior UND mit den Reaktionen der Leute), also zb lächelnd die Achseln zucke, wenn Junior jemand Wildfremden komisch anredet, oder einen Schrei los lässt, dann reagieren die Leute auch viel entspannter, positiver.
Mein Sohn würde das anders sehen, den regen so Blicke und Reaktionen oft auf. Und wenn er dann schimpft, dann wird natürlich erst recht geguckt (versteh ich auch).

Dem Druck nachgeben würde ich nur da, wo es mir selber WIRKLICH besser tut. Also nicht extra ins „Haifischbecken“ steigen, wenn ich mich grade verletzlich fühle. Ansonsten aber möglichst gar nicht nachgeben. Die Leute sollen wieder lernen dürfen, dass nicht alles der 0815-Norm entsprechen muss. :wink:
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Tina&Andi
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Beitragvon Tina&Andi » 25.01.2019, 22:59

Hallo Engrid,

du hast recht. Wie sollen unser Leben so gestalten wie wir es am besten meisten können.
Aber machen wir manchmal keine Kompromisse weil wir uns an nichtbehinderten Menschen orientieren.
Habe oft die Möglichkeit dies so zu machen wie ich will, aber muss dann höher Anstrengung oder fehlender Komfort in kauf nehmen. Weiteres muss ich auf Sachen verzichten.
Aber ich akzeptiere es, weil nur so kann man gut leben.
Gerade manchmal möchte mich bischen schick anziehen, aber Kleidungsstücke muss ich Kompromisse machen.

LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,



Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul


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