Ist eine Beendigung des KiGa-Vertrages möglich?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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SandraO
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Ist eine Beendigung des KiGa-Vertrages möglich?

Beitragvon SandraO » 17.01.2019, 13:48

Hallo!
Eine Kollegin kam heute verweint ins Büro: sie hat einen 6jährigen Jungen, der im Sommer eingeschult wird und zur Zeit noch in den KiGa geht. Nun ist relativ frisch bei ihm ADHS diagnostiziert worden, derzeit noch ohne Medikation.
Heute Morgen hat ihr die KiGa-Leiterin verkündet, dass der Kindergarten das Verhalten des Jungen nicht mehr hinnehmen würde (er hat keine IKraft an seiner Seite). Er wäre sehr aggressiv gegenüber Kindern und Erziehern, würde nicht hören, so das Übliche halt...
Auf jeden Fall hat die KiGa-Leitung den Vertrag kurzzeitig zu Mitte Februar gekündigt und die Familie steht nun da...
Ist so etwas rein rechtlicht überhaupt möglich? Das ist doch ein Unding, das letzte halbe Jahr im KiGa einfach zu kündigen und die Eltern im Regen stehen zu lassen!!!!!
Liebe Grüße,
Sandra
Tochter, geb. 2007, globale Entwicklungsstörung mit Sprachentwicklungsstörung, kleinere Herzfehler, Geist. Behinderung,
Sohn, geb. 2011, Powermännchen, ADHS-Diagnose Ende 2015

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rena99
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Beitragvon rena99 » 17.01.2019, 14:51

Hallo Sandra,

erst einmal: in NRW gibt es einen Anspruch auf einien KiGa Platz:

Jedes Kind hat ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz und ab dem vollendeten 3. Lebensjahr einen Anspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung.

Quelle: https://www.kita.nrw.de/eltern/kinderta ... -westfalen

Zweitens: die Eltern haben einen KiGa-Vertrag abgeschlossen, da müssen auch Kündigungsbedingungen genannt sein.

Drittens:
SandraO hat geschrieben:Er wäre sehr aggressiv gegenüber Kindern und Erziehern, würde nicht hören, so das Übliche halt...

Wenn "sehr aggressiv" richtig fremdgefährdent ist, dann mag sich daraus eine besondere Situation ergeben. Und normal oder üblich ist eine Fremdgefährdung nicht, auch nicht bei ADHS.

Was ist also zu tun:
1. Kündigungsbedingungen im Vertrag lesen.
2. Gespräch mit dem KiGa suchen und nachfragen, was konkret die Vorwürfe sind. Dabei wäre auch zu klären, ob in einem Elterngespräch schon mal darauf hingewiesen wurde. Haben die Eltern bislang da gar nichts mitbekommen. Dann wäre eine Kündigung schon sehr merkwürdig.
3. Kontakt zum zuständigen Amt aufnehmen, was für die Verteilung der KiGa-Plätze und den Rechtsanspruch zuständig ist (bei uns ist es das Jugendamt, aber das kann von Gemeinde zu Gemeinde anders sein) und da nachfragen, wie es weiter gehen kann.


SandraO hat geschrieben:Ist so etwas rein rechtlicht überhaupt möglich? Das ist doch ein Unding, das letzte halbe Jahr im KiGa einfach zu kündigen und die Eltern im Regen stehen zu lassen!!!!!

Na ja, sollte es da zu massiven Fremdverletzungen gekommen sein, kann ich mir vorstellen, dass das zulässig ist. Bei "nur anstrengend" scheint mir das deutlich schwieriger. Von daher muss man unbedingt klären, was da vorgefallen ist.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

JanaSnow
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Beitragvon JanaSnow » 17.01.2019, 14:53

Hallo,

ähnliches haben wir auch erlebt. Uns wurde der Kindergartenvertrag gekündigt, weil sich der Kindergarten durch unsere Krankenschwestern, die das Kind begleiten mussten gestört gefühlt hat. Der Text lautete dann einfach..... können wir eine entwicklungsgerechte Betreuung nicht gewährleisten ...
Wir durften dann auf Kulanz noch ein paar Tage bleiben, bis wir einen neuen Kindergarten gefunden hatten.
Ob das rechtlich okay ist, weiß ich nicht, wir wollten danach jedenfalls selbst nicht mehr dort bleiben, weil wir anzweifelten, dass das Kind dort gut aufgehoben ist.

Vielleicht kann Deine Kollegin sich kurzfristig mit der KIGA-Leitung zusammensetzen und nach Lösungen - zum Beispiel Integrationskraft - suchen? Vielleicht wäre es so kurz vor der Schule auch wirklich nicht schlecht, eine bessere Betreuung für das Kind zu suchen, die ihn besser auf die Schule vorbereitet.
Aus dem Bauch raus würde ich nicht vermuten, dass einem Kind gekündigt werden darf, weil die Erzieher nicht mir ihm klar kommen ohne dass versucht wurde Lösungen zu finden.
Wenn es ein städtischer Träger ist, würde ich direkt bei der Stadt auftauchen und das Problem schildern. Ansonsten weiß ich, dass jede Stadt Notfallplätze vorhält, die genau für solche Fälle dann genutzt werden. Wer weiß, vielleicht ist ein Wechsel für das Kind auch eine Befreiung.

Jedenfalls: SO einfach wie es sich die KIGA-Leitung macht geht dasmenschlich nicht. Recht auf Betreuung - zumal die Kollegin berufstätig ist - so mit den Füßen zu treten ....
Rechtlich bin ich leider überfragt. Würde als erstes mal die genaue Vertragsgestaltung lesen.
Viel Kraft Deiner Kollegin.

kati543
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Beitragvon kati543 » 17.01.2019, 15:35

Hallo,
ja, es ist möglich. Letztendlich ist es ein Vertrag, der natürlich von beiden Seiten jederzeit gekündigt werden kann. Unter welchen Bedingungen steht im Vertrag - ABER, der Kindergarten beruft sich, laut deiner Aussage ja auf eine Ausnahmesituation und da gelten sowieso andere Regeln:
1.: Das Kind hat keinen I-Status, obwohl ihm evtl. einer zusteht - warum hat das Kind keinen I-Status? Lehnen die Eltern ab, das zu beantragen? Dann darf der Kiga kündigen.
2.: Fremdgefährdung - bei Fremdgefährdung muss die Einrichtung prinzipiell erst an die anderen Kinder und die Angestellten denken. Ohne zusätzliche I-Kraft geht es nicht.
3.: Ein leichter Grund für eine Kündigung ist sowieso immer, wenn der Kiga das Kind nicht mehr fördern und fordern kann - dann MUSS er sogar kündigen.

Haben die Eltern denn überhaupt dem Kiga die ADHS-Diagnose bereits mitgeteilt? So eine Diagnose bekommt man ja nicht „umsonst“. Da steckt ja auch ein bestimmtes Verhalten dahinter. Ich könnte mir also schon vorstellen, dass der Kiga überfordert ist. Evtl. könnte das Kind bisher von anderen I-Kräften der Gruppe mit kontrolliert und betreut werden, aber vielleicht sind die Kinder eben eingeschult wurden und nun ist es seit einem knappen halben Jahr ganz arg und der Kiga ist überfordert. Nicht selten werden von Kigas und Schulen zu viele I-Kräfte als störend empfunden, aber gar keine ist eben auch schlecht, wenn man entsprechende Kinder in der Gruppe hat.

Die Kollegin soll sich DRINGEND mit dem Sozialamt und dem Jugendamt in Verbindung setzen - einmal um eine I-Kraft zu beantragen und zum zweiten um einen Kigaplatz vermittelt zu bekommen. Vielleicht kann das Jugendamt vermitteln und der Junge kann bleiben mit I-Kraft. Allerdings muss sich da das Sozialamt (entgegen der üblichen Gewohnheit) mal echt beeilen.
Gleichzeitig muss sie mit dem behandelnden Arzt, der Schule und dem Jugendamt kommunizieren, wie das mit der Schule werden soll. Die Zeit ist knapp und es geht hier um einen Erstantrag.

LG und viel Glück für deine Kollegin
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

joris
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Beitragvon joris » 17.01.2019, 15:37

Hallo Sandra,

die Kündigung würde ich überprüfen lassen. Allerdings würde ich ebenfalls überlegen, ob ich mein Kind dort weiterhin (bei Rücknahme der Kündigung) betreuen lassen MÖCHTE. Ich weiß nicht, was genau vorgefallen ist, aber mir fehlt von Seiten des Kindergartens der Wunsch, dem Kind (und seiner Mutter!) zu helfen. Es gibt definitiv andere Möglichkeiten als eine Kündigung!

Alles Gute für deine Kollegin und ihren Sohn,
Joris

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Beitragvon SandraO » 17.01.2019, 16:04

Danke für eure Antworten!

Natürlich weiß ich die Einzelheiten auch nicht genau. Ich war heute nur echt wütend. Wir haben selber ein ADHS-Powermännchen zuhause, er hatte bereits mit 4 Jahren die Diagnose erhalten. Unser Kindergarten war super entgegenkommend, hat sogar Gespräche mit seiner Ergotherapheutin geführt und immer wieder mit uns, um weitere Vorgehen und Maßnahmen zu besprechen.
Ich hoffe, dass sich die Angelegenheit für alle so gut es geht lösen lässt...

Vielen Dank nochmal und liebe Grüße,

Sandra
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Kaja
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Beitragvon Kaja » 17.01.2019, 21:18

Hallo Sandra,

schau mal hier:

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_det ... _id=395391

Die Aufnahme eines Kindes in eine Kindertageseinrichtung darf nicht aus Gründen seiner Rasse oder ethnischen Herkunft, seiner Nationalität, seines Geschlechtes, seiner Behinderung, seiner Religion oder seiner Weltanschauung verweigert werden.

Das heißt im Umkehrschluss auch, dass die Beendigung der Betreuung im Kindergarten nicht ihre Ursache in der Behinderung des Kindes haben darf.

Viele Grüße Kaja

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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 18.01.2019, 07:54

Hallo Kaja, das stimmt so nicht.

Hallo Sandra,
in Salzkotten ist doch mit St. Martin eine HP- Gruppe reingekommen?
An Stelle der Kollegin würde ich den Kontakt zum Jugendamt/ und evtl. einen dieser Kindergärten suchen. Die sind zwar voll, aber können garantiert den einen oder anderen Tipp zum Thema geben.
Ohne Vorwarnung kündigen geht überhaupt nicht, besonders wenn die Mutter berufstätig ist.
Dann: eventuell funktioniert es ja mit einer I- Kraft, das dauert gar nicht so lange, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen... Das Kind hat doch eine Diagnose.
Lg
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

SandraO
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Beitragvon SandraO » 18.01.2019, 09:41

Hallo!
Ja, der Kindergarten in Salzkotten ist echt super, wir waren beim Tag der offenen Tür dort.
Meine Arbeitskollegin kommt leider nicht aus Salzkotten. Ich arbeite auch nicht dort, sondern wohne dort und pendel mit dem Bus hin und her. :-)))
Trotzdem danke und viele liebe Grüße!
Sandra
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MamavonNoelia
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Beitragvon MamavonNoelia » 02.02.2019, 23:39

in kündigen sind die momentan wohl sehr schnell.
klar gibt ja genug familien die suchen einen kitaplatz die weniger probleme machen:-(

ich denke aber in dem fall eher nein man kann doch nicht jedes kind einfach so wieder los werden wollen nur weil es anders ist.
wie viele normale kinder sage ich mal kenne ich die nur agressiv in den gruppen sind etc, werden auch nicht gleich alle sagen wir mal aus der kita geworfen.
ich denke das diese aussage daneben ist sorry.


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