Erfahrungen mit Sertralin und anderen Antidepressiva

In dieser Rubrik könnt ihr euch über diverse Krankheitsbilder austauschen - z. B. Skoliose, Kyphose, Cerebralparese usw.

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Jojo111
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Erfahrungen mit Sertralin und anderen Antidepressiva

Beitragvon Jojo111 » 14.01.2019, 19:34

Hallo zusammen,

unser 12jähriger Sohn hat im Moment eine sehr schwierige Phase, es geht ihm einfach nicht gut.
Seine Psychiaterin geht von einer mittelgradigen depressiven Episode aus und möchte nun zusätzlich zu Risperidon ein Antidepressivum probieren und zwar Sertralin. Ihrer Erfahrung nach wirkt Sertralin bei Kindern mit ASS besser als Fluoxetin.

Hat jemand Erfahrung damit oder mit Antidepressiva im Kindes- und Jugendalter allgemein?

Die Psychiaterin meinte, dass sich bei allen modernen Antidepressiva Aggressionen verstärken können und das können wir nicht grade gut gebrauchen, da Aggressionen bei unserem Sohn ohnehin häufig auftreten (daher sollen wir das Risperidon auch weiterhin geben).

Danke für Eure Erfahrungen!
LG, Jojo
mit dem bezaubernden Trio (Mademoiselle 2006, JIA, sehbehindert, SH rechts mit HG versorgt, ADHS --- Monsieur 2006, Asperger, ADHS, LRS, AVWS --- kleiner Charmeur 2010, HFA, SEV, VED, V.a. Tourette)

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Senem
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Beitragvon Senem » 14.01.2019, 19:40

Hallo Jojo111,

kann dir bei deinem Anliegen leider nicht helfen, da ich selbst noch auf der Suche nach dem richtigen Medikament bin!

Aber eine Frage habe ich:

nimmt dein Sohn das Risperidon auch gegen seine Depression??
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 14.01.2019, 20:08

Mein Sohn wurde durch das Antidepressivum, auch ein SSRI, nicht aggressiv, im Gegenteil.

Kann es sein, dass die Psychiaterin schnell Medikamente verschreibt? War das AD das einzige, was sie empfiehlt? Bekommt Dein Sohn Therapie und wird an den Ursachen und am Umfeld gearbeitet? Ich frage das ganz bewusst, denn ich habe manchmal das Gefühl, dass Autisten mit Medikamenten passend bzw. umgänglich gemacht werden sollen und nicht an den Ursachen und an einem passenden Umfeld gearbeitet wird. Damit hilft man aber im wesentlichen dem Umfeld und nicht den Autisten.
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Beitragvon NataschaSte » 14.01.2019, 20:27

Hallo,

Meine Schwester hat seit sie 16 ist cipralex genommen. Jetzt ist sie 21.War das einzige das bei ihr gewirkt hat. Sie hat weit über ein Jahr probieren müssen was hilft... War ne echt lange, anstrengende Suche... Allerdings ist bei ihr ptbs das Grundproblem.

Lg
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Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern von guter Anpassungsfähigkeit. - Gerald Hüther

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Beitragvon Anna-Nina » 14.01.2019, 20:32

Ich habe Sertralin vor ca. 6 Jahren selbst genommen. Die Wirkung an sich war super. Ich hatte eine schwere Depression - nicht nur mental sondern gerade der Antrieb war total gehemmt - ich war quasi wie gelämt dadurch.
Schon mit der ersten Tablette ging die Lähmung weg und nach ein paar Tagen war ich wieder handlungsfähig in allen Bereichen (Ich hatte damals Zwillinge im alter von 1,75 Jahren und musste schnell wieder funktionieren). Das hat super geklappt - NW hatte ich keine.

ABER: ich hatte ein massives Absetzsyndrom hinterher beim ausschleichen nach ca. 12 Monaten. Das war echt heftig. Das möchte ich nicht nochmal durch machen müssen.

https://de.wikipedia.org/wiki/SSRI-Absetzsyndrom

Dadurch das ich erwachsen war - konnte ich das aushalten - aber ein Jugendlicher der das durchmachen muss - der hat ja seinen Körper noch nicht im Griff, kann u.U. mit den dann auftretenden Gefühlschaos nicht umgehen. Ich wusste damals was es war und konnte das irgendwie aushalten - aber es war schon echt unangenehm.
Ich denke man muss den Nutzen schon gut abwägen. Ansich ist es ja eine tolle Sache sofort wieder Leistungsfähig zu sein.....Aber ich finde die Ärzte verharmlosen diese Medikamente schon ein bisschen - mir hat von diesem Abeseztsyndrom niemand was gesagt...Weiß nicht, ob ich sie genommen hätte wenn ich davon gewusst hätte....

Jojo111
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Beitragvon Jojo111 » 14.01.2019, 20:54

Danke für Eure Antworten! :D

@ Senem: Das Risperidon nimmt er, da er sehr impulsiv reagiert. Es hat eine Weile gut geholfen, nun aber nicht mehr.

@ Michaela:
Du hast vollkommen recht, dass das Umfeld eine große Rolle spielt. Unser Sohn hat viele Jahre diverse Therapien bekommen. Derzeit hat er keine Lust mehr darauf, wir suchen aber gerade nach einer Verhaltens- oder Gesprächstherapie für ihn. Leider gibt es hier kaum Therapeuten, die sich mit ASS auskennen, da ist es sehr schwierig, jemanden zu finden. :?
Ich habe morgen noch einen Termin in der KJP, da gehts dann auch um die Option Tagesklinik. Er sagt, dass er einfach keine Kraft mehr hat und Pause vom Alltag braucht. Leider richtet er die Wut (und Frustration) gegen sich selbst und auch andere, zuletzt hat er auch Suizidgedanken geäußert.
Wir wollen einen runden Tisch mit Schule, Schulbegleitung, MSD, KJP etc. machen, um zu besprechen, wie man ihn noch zusätzlich unterstützen kann. Die Schule ist nicht ideal, aber aktuell die einzige Möglichkeit, leider. :roll:
Die Medikation kam deshalb zur Sprache, weil er sich momentan auf gar nichts einlassen möchte und keine anderen Hilfen annehmen kann. Es gibt auch eine starke familiäre Vorbelastung mit Depressionen und dazu kommt natürlich die Pubertät.
Wir haben schon so viele Anforderungen wie möglich rausgenommen, aber selbst in den Ferien konnte er gar nicht entspannen (obwohl wir gar nichts gefordert haben, kein Programm etc.). Das Medikament soll ihm helfen, erstmal wieder stabiler zu werden, damit er überhaupt wieder etwas abnehmen kann.
Risperidon hat er schon länger, aber in kleiner Dosierung, es hat auch nicht mehr gewirkt. Das hat er wegen unkontrollierbarer Impulsdurchbrüche bekommen, unter denen er selbst sehr gelitten hat. Er fand es anfangs auch gut und hat gesagt, dass er „klarer“ ist. Leider hat die Wirkung aber schnell nachgelassen.
Ich wünschte, ich könnte ihm das perfekte Umfeld basteln, leider geht das ja nur begrenzt. Und derzeit ist es eben so massiv, dass gar nichts mehr geht. :(
LG, Jojo
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Beitragvon RikemitSohn » 14.01.2019, 23:04

Hallo,

ich würde in der beschriebenen Situation auch zu einem Medikament raten. Vergleiche es mit hohem Fieber. Das wird doch auch erst einmal mit Medis gesenkt, damit der Patient in der Lage ist zu Inhalieren, Rotlicht bestrahlen... .
Bei einer Depression kann eine Veränderung des Umfelds helfen, aber sie kann auch verhindern, dass die Dinge wahrgenommen werden. Erst wenn ein Kranker stabiler ist, kann er Dinge, die helfen, überhaupt annehmen und verarbeiten. War bei meinem Sohn mit seinem Adhs so.
Ausserdem muss man sich im klaren sein, dass Depressionen bis zu Suizidäusserungen eine ernste Erkrankung ist, bei der erst einmal schnelle Unterstützung her muss. Auf lange Sicht kann dann auch am Umfeld gearbeitet werden.

LG Rike
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Beitragvon JanisQ » 15.01.2019, 09:50

Hallo,
ich hatte Sertralin selbst vor einigen Jahren.
Es gab heftige Ansetzerscheinungen, nach 3 Wochen legte sich das wieder.
Da reagiert jeder anders, aber man sollte das auf jeden Fall auf dem Schirm haben.
Absetzen war auch heftig und dauerte Monate.

Viele Grüße
Janis
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Kind mit ehemals Asthma, Reflux 3.Grades in beide Nieren, Sphinkter-Detrusor-Dissynergie, hat sich alles mit der Zeit ausgewachsen

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Beitragvon lisa08 » 16.01.2019, 19:03

Hallo,

ich nehme Trazodon und mir hat es sehr viel Lebensqualität wiedergebracht. Nehme es seit 5 Jahren und habe auch nicht vor, das wieder abzusetzen da ich sehr lange gebraucht habe, das richtige Präparat zu finden.

LG,
Lisa
Selbstbetroffen: Faktor VII-Mangel, heterozygote Faktor V-Leiden-Mutation, von-Willebrand-Syndrom (Typ 1), strukturelle Epilepsie, Autismus, SBA 80 GdB

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Re: Erfahrungen mit Sertralin und anderen Antidepressiva

Beitragvon dodoris » 12.09.2019, 13:59

Ich nehme jetzt auch Trazodon gegen meine Depressionen und innerer Unruhe. Die Wirkung ist immer sehr gut und ich habe keine Nebenwirkungen mit diesem Praparat. Wegen meine Depressionen, hat ich mit meinem Freund gestreitet...ich war immer ohne Lust, hatte keine Energie und ich denke immmer über Tod..meine Gedanken waren immer grausam und traurig, und ich habe mehr uber meine Leben denken, jetzt ist alles in Ordnung
Diese Tabletten habe ich online bei [Admin-edit: Werbelink entfernt] bestellt, zu einem günstigen Preis.


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