Heilpädagogische Gruppe

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Melonie_0708
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Heilpädagogische Gruppe

Beitragvon Melonie_0708 » 14.01.2019, 07:59

Hallo zusammen,

wir waren am Freitag zum Entwicklungsgespräch im Kindergarten. Sie ist ja im Dezember 2 geworden und hat einen Entwicklungsrückstand von ca. einem Jahr. Sie hat seit der Zeit im Kindergarten tolle Fortschritte gemacht und es geht auch immer weiter vorwärts...die Zeit kann man eben nur natürlich nicht abschätzen, weil es auch noch keine Diagnose gibt.

Jetzt haben uns die Erzieherinnen geraten, so in eine heilpädagogische Gruppe zu geben, die jetzt ab März neu in der Kita "eröffnet" wird. Dort sind weniger Kinder (alle mit Defiziten) und natürlich richtige Pädagogen, die sicher mehr Möglichkeiten haben, sie zu fördern.

Aber es tut uns im Herzen weh, sie jetzt aus ihrer bestehenden Gruppe raus zu nehmen, weil sie sich dort ja wirklich wohl fühlt. Und es ist doch eigentlich auch so, dass sie sich von "normalen" Kindern viel mehr abgucken kann?

Wie seht ihr das?
LG :wink:
Marie 12/2016 Muskelhypotonie und Entwicklungsverzögerung noch ohne Diagnose

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finnja
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Beitragvon finnja » 14.01.2019, 08:21

Hallo Melonie,

pauschal lässt sich das nicht sagen, letztlich müsst ihr das entscheiden und die Konsequenzen tragen.

Es gibt für beide Lösungen gute Argumente dafür und dagegen, wir hatten für zwei Kinder einmal die heilpädagogische Lösung und einmal die integrative, unterm Strich klappte die heilpädagogische besser, weil die Zusammenarbeit einfach besser war und bei der integrativen Lösung die Kindergartenleitung häufig überfordert war (dafür war die zweite I-Kraft spitze!)

Argumente für heilpädagogische Einrichtung:
-kleinerer individuellerer Rahmen, besserer Personalschlüssel, mehr Erfahrung, weniger Überforderung des Kindes, bessere spezielle Förderung, besseres Fachwissen, eine unter vielen sein, Nervenschonender in der Beantragung

Argumente dagegen:
meist lange Anfahrtswege, Sondereinrichtung, die Messlatte hängt tiefer, Vernetzung und Freundschaften untereinander schwieriger

Argumente für Regeleinrichtung
Messlatte hoch, es kann viel abgeschaut werden, meistens in der Nähe, Kontakte nach Betreuungsende eher möglich, wenn das Personal + Betreuungsschlüssel gut ist, kann die Förderung genauso gut sein wie in der heilpädagogischen Einrichtung

Argumente dagegen:
Gruppengröße, Ausgrenzung, weniger Förderung (Personalmangel, Fachkenntnisse, Erfahrung)

Ich rate Dir, schau Dir alle möglichen Einrichtungen an, überprüft was für Euch und Eure Tochter das passende ist und dann zieh es durch. Bei uns waren in der Regeleinrichtung keinerlei Therapien möglich, das mussten wir alles privat machen, die heilpädagogische Einrichtung hat zB sehr gute Sprachförderung und GUK-Angebote gehabt und im Alltag all das gemacht, was ich beim anderen Kind zuhause und in der Ergotherapie gemacht habe...

UND:
aus der Erfahrung kann ich Dir schreiben, dass VOR Aufnahme immer alles schöngeredet wird, es lohnt sich, genau nachzufragen, bei allem (Qualifikation der Mitarbeiter, Betreuungsschlüssel, wie sind Krankheitsfälle geregelt, wie sieht die Förderung genau aus, was genau wird gemacht, wie werden Probleme angesprochen und gelöst, wie sind die Erfahrungen....)

LG, finnja
Sohn 06 ,SBA seit 06 mit 100 GdB und PS II (die nicht seit 06), Mutation, mit Auswirkungen in allen möglichen Bereichen,
PS 06, AVWS, V.a. FAS(D)
PT 07, FAS mit gB, lebt inzwischen in einer Einrichtung
LT 12, so normal, wie bei uns als Eltern möglich ;-)

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 14.01.2019, 08:33

Hallo,

zusätzlich zu dem, was Finnja schreibt:
1. Kritisch nachfragen, zur Verbindung der HP-Gruppe mit dem Rest des Kiga - eine Gruppe mit Behinderung intern abgrenzen wird leicht NOCH ausgrenzender als gleich an anderen Ort, weil die „Grenze“ vor Augen ist. Da muss konzeptionell ausgeprägt gegengesteuert werden, pro Inklusion.
2. Wenn das Kind tatsächlich gut abgucken kann bei Regelkindern, und viel übernimmt, dann ist das ein klarer wichtiger Punkt pro Inklusion. Wenn sie sich wohlfühlt, Freundschaften entwickelt, echt integriert ist, dann ist das sehr viel wert.
3. Auf die konkrete Förderung hier wie da genau gucken, mitdenken, hinterfragen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 14.01.2019, 08:41

Hallo Mellonie,
das ist doch Klasse wenn die HP- Gruppe im gleichen Kindergarten ist. Ich denke mal, dass dann trotzdem regelmäßiger Kontakt zu anderen Kindern aus den normalen Gruppen besteht?
Mehr Förderung ist doch auch gut. Bei uns kommen z.B. keine Therapeuten in den normalen Kindergarten, die Ü3 Gruppen sind riesig- dort würde mein Kind auch mit Helfer untergehen.
Im Zweifelsfall kannst du ja auch zurückwechseln, wenn sich deine Tochter besser als erwartet entwickelt.
LG LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 14.01.2019, 08:55

Hallo Melonie,

ich denke das hängt stark von dem Kind und den Gegebenheiten ab. Mein Sohn besuchte komplett inklusiv den Kindergarten. Es gab dort in jeder Kindergruppe 4 Kinder mit Behinderung.
Es wurden immer wieder verschiedene Projekte gemacht, wobei die Kinder gruppenübergreifend gemischt wurden.
Einmal ergab es sich, daß eine Gruppe nur aus den besonderen Kindern bestand, bei welcher auch mein Sohn dabei war. Das hat aber überhaupt nicht geklappt, weil die Kinder und auch mein Sohn nicht mitgemacht hat. Dann hat eine andere Erzieherin meinen Sohn mitgenommen in eine Tanzgruppe mit gemischter Zusammensetzung (also Regelkindergartenkinder und besondere Kinder) und das hat dann gut geklappt. Mein Sohn hat sich sehr stark an den anderen Kinder orientiert. Es ist für ihn sehr wichtig gute Vorbilder zu haben.

Die Therapien habe ich selbst organisiert, nur Ergo hat er damals im Kindergarten bekommen. Den Vorteil von selbst organisieren sehe ich darin, daß man einfach dichter dran ist und weiß was gerade in der Therapie läuft.

VG,
Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon Melonie_0708 » 14.01.2019, 10:19

Wir haben ja eine Komplexleistung bestehend aus Physio und Frühförderung im Moment. Das machen wir alles nach der Kindergartenzeit.

Und ja, da es in der selben Einrichtung ist, sehen sie sich trotzdem hoffentlich. Schlimmer wäre es, wir würden sie jetzt nicht da anmelden und in einem halben Jahr sagen die Erzieherinnen dann, dass sie sie nicht mehr halten können...und dann müssen wir uns eine Einrichtung ganz woanders suchen.

ICh werde das Gespräch auf jeden Fall nochmal mit der Leiterin suchen und genau nachfragen, welche Vorteile sich dann für sie ergeben. Wir fahren jetzt auch bald zur Reha...vielleicht macht sie da ja auch nochmal so große fortschritte, dass sie sich doch in der normalen Gruppe halten kann. Oder ja, dass sie dann wieder zurück wechseln kann.

Danke erstmal für eure Antworten.
Marie 12/2016 Muskelhypotonie und Entwicklungsverzögerung noch ohne Diagnose

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Beitragvon Rita2 » 14.01.2019, 12:30

Hallo,

mein erster Gedanke war, als ich las, daß die Gruppe neu eröffnet wird, die brauchen noch Kinder für diese Gruppe.

Ich bin immer für Inklusion, solange es für das Kind gut ist.
Und so wie du schreibst ist es ja zur Zeit für das Kind gut.
Viele Kinder schauen sich mehr von anderen Kindern ab, als sie je in einer Therapie lernen können.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

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Beitragvon melly210 » 14.01.2019, 12:38

Ich würde das Gespräch suchen und ganz offen fragen ob sie denken, daß sie als I-Kind in den normalen Ü3-Gruppen zurecht käme. Ich denke in der Krippe, die ja auch für Babies und Kleinstkinder ausgelegt ist, ist es ganz anders als in den Kindergartengruppen. Da wird von den Kindern ein deutlich höheres Maß an Selbstständigkeit erwartet.

Wenn sie denken, daß sie das schaffen wird, sie generell gut integriert ist und sich viel von den anderen Kindern abschaut, würde ich sie wohl eher als I-Kind in der Regelgruppe lassen. Mein Sohn ist auch musjelhypotin, fast 4, und in manchen Teilbereichen ein halbes Jahr bis Jahr verzögert. Er geht als Regelkind in einen ganz normalen Kiga und er liebt es. Er ist gut integriert und lernt dort sehr viel von den anderen Kindern ab.

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Beitragvon RikemitSohn » 14.01.2019, 12:52

Hallo,

ich wäre mit einem Wechsel vorsichtig, einfach weil sie sich jetzt wohl fühlt. Das ist sehr viel Wert und neben guter Förderung ein ganz wichtiger Punkt.
Was ich unbedingt in die Überlegungen einfließen lassen würde, was sie dort für Kinder um sich hätte. Kann sie sich auch dort bei Kindern etwas abgucken,braucht sie Kinder die sie etwas mitziehen. Denn gruppenübergreifendes Spielen wird wahrscheinlich kaum stattfinden. Sie wird mit den Regelkindern nur noch losen Kontakt haben und Freundschaften entstehen in diesem Alter in der Regel innerhalb der Gruppe.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 14.01.2019, 13:06

Hallo Melonie_0708,

ganz ehrlich - nur weil im März diese neue Gruppe im Kindergarten eröffnet, heißt das ja noch nicht, dass deine Tochter sofort dort hin soll oder muss.

Wenn diese Gruppe dann ohnehin im selben Kindergarten untergebracht ist kannst du einfach mal abwarten, wie sich das mit dieser Gruppe entwickelt und z.B. nach einem Monat mal reinschauen, welche Kinder dort sind. Nur, weil andere Kinder ebenfalls Defizite haben, heißt das noch lange nicht, dass deine Tochter von ihnen nichts lernen kann. Du kennst deine Tochter selbst am besten. Vermutlich kannst du, wenn du dir die HP-Gruppe mal angeschaut und mit den dortigen PädagogInnen gesprochen hast, sicher beurteilen, ob diese Gruppe für deine Tochter geeignet erscheint oder nicht.

Wenn es spruchreif werden sollte kannst du deine Tochter vermutlich auch mal in der HP-Gruppe "schnuppern" lassen.

Klar will der KIGA die HP-Gruppe gleich mal "voll kriegen" und wenn deine Tochter für die PädagogInnen der momentanen Gruppe mehr Arbeit (als bei Gleichaltrigen) bedeutet, ist es nur natürlich, dass sie dir zu dieser Gruppe raten. Ist auch ihr gutes Recht. Aber dein gutes Recht ist (wenn du das so empfindest) zu sagen: Nein danke, vorläufig nicht! Wenn die neue Gruppe mal etabliert ist werde ich sie mir näher ansehen und DANN entscheiden, ob meine Tochter dorthin wechselt oder in der akutellen Gruppe bleibt!".
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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