ADS und sehr gutes Arbeitsgedächtnis

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Angela77
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ADS und sehr gutes Arbeitsgedächtnis

Beitragvon Angela77 » 12.01.2019, 17:02

... und Verarbeitungssgeschwindigkeit im HAWIK IV?

Bei unserer Tochter wurde vom SPZ ADS unter anderem aus diesem Grund verneint. Auch Logik und Sprache entsprachen in etwa den oben genannten Werten. Also ein insgesamt ein sehr homogenenes IQ- Profil.

Ursache für die Aufmerksamkeitsprobleme (erkennbar an den Fragebögen!) sollen feinmotorische Störungen sein, die viel geistige Kompensationsleistungen erfordern. Wir sollen zur Ergo. So weit so gut. Werde ich tun.

Die Argumentation halte ich auch keineswegs für abwegig. Andererseits kann ich mir kaum vorstellen, dass das alles sein soll, zumal ein enger Verwandter von ihr als Kind hochgradigs ADHS hatte ....

Daher würde es mich interessieren. Habt ihr Kinder mit ähnlichen Befunden im HAWIK und der Diagnose ADS?

Liebe Grüß
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 13.01.2019, 08:08

Zumindest bei den ADHS-Kindern, die ich kenne, war bzw. ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Tests immer deutlich schlechter als der Rest. Bei mir selbst vermute ich ja auch unbehandelte ADHS. Ich habe vor einiger Zeit den "Berufseignungstest" gefunden, den ich mit 14 gemacht habe. Überall gute bis sehr gute Ergebnisse, aber Arbeitsgeschwindigkeit unterdurchschnittlich. Ich merke auch heute noch am Arbeitsplatz dass ich langsamer bin als meine Kollegen (und ich bin 16 Jahre in derselben Firma, daran liegt es nicht).

Ob eine schnelle Verarbeitungsgeschwindigkeit AD(H)S aber ausschließt kann ich dir nicht sagen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Beitragvon MamaMonika0912 » 13.01.2019, 09:49

Mein Sohn hat zusätzlich zu ASS auch die Diagnose ADS erhalten. Er hat extrem gut im Arbeitsgedächtnis abgeschnitten (sehr deutlich im Bereich Hochbegabung), in der Verarbeitungsgeschwindigkeit im unteren noch durchschnittlichen Bereich (WISC V).

Das ist nicht ganz die gleiche Ausgangssituation, aber auch bei ihm wurde die Zusatzdiagnose ADS schon angezweifelt. Auch ich bin mir da nicht ganz sicher, denn so richtig passen tut es nicht, trotz Abwesenheitszuständen und Zerstreutheit im Alltagsleben.

Er wäre also eher der umgekehrte Fall mit falsch-positiver Diagnose ADS.

Bei ihm beobachte ich, dass er durch seine hohe Intelligenz viel kompensiert und sein, obwohl durchschnittliches Ergebnis in der Verarbeitungsgeschwindigkeit (immerhin 46 Punkte niedriger als das Arbeitsgedächtnis), ihm im Alltag trotzdem großen Frust bereitet. Er denkt schneller als er umsetzen kann was oft zu stottern und Wortfindungsstörungen führt und automatisierte Vorgänge setzt er so schnell um, dass garantiert etwas schief geht (Glas einschenken, Müslischüssel füllen, Hefte in Schulranzen räumen, ...).

Wenn deine Tochter Schwierigkeiten im Alltag hat kann ich sehr gut verstehen, dass du dir dazu Gedanken machst und dass es eine erbliche Komponente gibt ist mittlerweile ja auch unumstritten. Mein Mann ist meinem Sohn in einigen dieser Dinge auch recht ähnlich.

Bika
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Beitragvon Bika » 13.01.2019, 10:20

Hallo Angela,

Ein homogenes Hawik-Profil ist kein Ausschlußkriterium für eine ADS.
Es ist für die Diagnose ein Puzzleteil unter vielen und meist sehr heterogen, aber nicht immer.
Gerade begabte Kinder können, wenn sie Lust haben, bei dem Untertest zur Verarbeitungsgeschwindigkeit durch geschicktes Anwenden einer Strategie, diesen Wert deutlich nach oben ziehen.
ADS-ler können ja kurzfristig gut hyperfokussieren. Vielleicht mag deine Tochter solche Aufgaben, wo man blitzschnell aussortieren (hier durchstreichen) muß, sogar gerne bearbeiten.
Motivation ist bei Aufmerksamkeitsstörungen alles und viele Betroffene hassen diese Durchstreichaufgaben und bearbeiten sie daher ohne Ehrgeiz.
Das muß aber nicht für alle gelten.

Mein Sohn hatte in diesem Untertest immer sehr unterschiedliche Werte, je nach Lust.
Bei seiner letzten Testung war sein Profil homogen , alle Bereiche eindeutig im HB-Bereich und TROTZDEM
ist seine Konzentration oft grottenschlecht.
Eine leichte ADS, ist laut Ärztin, sehr wahrscheinlich, muß aber nicht behandelt werden.

LG

Bika
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Beitragvon Bika » 13.01.2019, 10:36

Was meinen die mit “feinmotorischen Störungen“?
Welche Ursache steckt dahinter?

Bei allem, was in diese Richtung geht (motorische Dyspraxie z.b.) ist, soweit ich das mitbekommen habe, ebenfalls die Verarbeitungsgeschwindigkeit eher schlecht.

Feinmotorische Störungen könnten ja auch durch die gestörte Wahrnehmungsverarbeitung bei einer ADS, als Begleiterkrankung, entsehen.

Mich hat das immer wahnsinnig gemacht, wenn man uns mit so schwammigen Diagnosen abgespeist hat :(

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Beitragvon RikemitSohn » 13.01.2019, 12:16

Hallo,

mein Sohn und ich haben beide Adhs und haben beide sehr schlechte Ergebnisse in der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Das wurde bei uns neben den anderen Symptomen als letzter Beweis gewertet. Bei mir wurde gesagt,, wie zu erwarten, sind diese Werte schlecht".
Ich würde sagen, dass ein gutes Ergebnis eher auf etwas anderes schließt, denn es gibt noch viele andere Dinge, die ADS-Symptome machen.

LG Rike
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Re: ADS und sehr gutes Arbeitsgedächtnis

Beitragvon Regina Regenbogen » 13.01.2019, 12:32

Angela77 hat geschrieben:Habt ihr Kinder mit ähnlichen Befunden im HAWIK und der Diagnose ADS?


Unser ADSler hat definitiv eine schwache Verarbeitungsgeschwindigkeit (jahrelange Ergo hat da aber gut geholfen, da er auch eher ein Grobmotoriker ist), das Arbeitsgedächtnis ist in Ordnung. Sein Bruder mit "nur" begleitender ADHS hat beide Werte absolut im Normbereich, das Arbeitsgedächtnis sogar sehr gut.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 13.01.2019, 20:02

Hallo zusammen,
danke für den Input bzw Eure Erfahrungen :D
Meine Tochter war von Geburt an sehr hypoton (bis auf die Mundmuskulatur :). Sie konnte extrem früh extrem deutlich und mit sehr guter Grammatik sprechen :lol: ).

Sie lief erst mit 26 Monaten und das auch sehr, sehr unsicher. Feinmotorik war auch nie dolle.
Sie bekam ab dem 4. LM bis sie 5,5 JAhre war unfassbar viel Therapie und hatte mit 5 einigermaßen aufgeholt. Sie hatte und hat körperlich auch Ehrgeiz, hat sogar Kunst und Sport als Lieblingsfach, obwohl sie weiß, dass es ihre schlechtesten Fächer sind :lol: Weil sie kognitiv so fit war, hat sie die Schuleingangsphase in einem Jahr gemacht. Noten war und sind sehr gut, aber Arbeitsorganisation, Schrift, Anstrengungsbereitschaft, Frustrationstoleranz ziemlich grenzwertig.
Schriftlich werden ganze Aufgaben überlesen etc. pp., aber das weist sie die Lehrerin notfalls darauf hin. Sie hat faktisch NTA ....

Problem ist bei uns der Alltag (Anziehen etc.), aber v.a. der Straßenverkehr. Sie ist da echt sehr, sehr ablenkbar ....
Kind ist durch die Symptomatik laut Psychologin nicht wirklich belastet (sehe ich auch so, aber mir wird Angst und Bange wegen des Großstadverkehrs!!!), hat sozial überhaupt keine Probleme, was objektiv wohl auch gegen ADS spricht.
Anderseits sie hat die Fähigkeit zum Hyperfokus (und bei der Testung war sie sehr fokussiert, da kaum motorische Anforderung, auch 1:1 Kontakt zur Testerin) ...
Kann sich ADS so gut verstecken? Oder ist sie wirklich nur physisch gehandicapped? Ich fürchte, das kann uns nur die Zeit zeigen ...

LG
Angie
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Beitragvon Regina Regenbogen » 14.01.2019, 05:20

Angela77 hat geschrieben:Kann sich ADS so gut verstecken?


Eigentlich nicht. Ehrlich gesagt, sehe ich auch nicht so viele (eher keine) ADS-Symptome. Aber das muss in einem Forum ja nun wirklich nichts heißen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)



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Engrid
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Beitragvon Engrid » 14.01.2019, 07:41

Angie, habe Dir eine PN geschrieben. :wink:
Engrid
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"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)


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