IQ Tests...

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Beate139
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Beitragvon Beate139 » 13.01.2019, 11:47

Hallo,

der Sohn meiner Schwester ist hochbegabt. Und er war restlos unterfordert in der Schule, hat entsprechend ständig den Unterricht gestört und die Lehrer ewig belehrt oder in Mathe weitere Lösungsmöglichkeiten vorgerechnet. Er hatte es absolut nicht leicht in der Schule, denn kein Lehrer lässt sich gerne belehren. Ihm wurde ebenfalls auch ADHS nachgesagt, weil er ständig den Unterricht störte.

Ich denke, sowohl das "zu wenig", als auch das "zuviel" im IQ ist in der heutigen Gesellschaft nicht förderlich und prinzipiell brauchen beide Seiten passende Förderungen, um nicht unter zu gehen

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 13.01.2019, 11:52

Hallo,

IQ-Tests sind natürlich nicht in Stein gemeisselt und man muss gerade bei zusätzlichen Einschränkungen sehr genau aufpassen, dass das Ergebnis nicht verfälscht wird. Kann bei ADHS, Autismus, mangelnder Sprachkenntnis... leicht passieren.
Trotzdem gibt so ein Ergebnis, bei einem gut durchgeführtem Test, natürlich eine Richtung an. Ein Kind mit Wert 70 wird wahrscheinlich nie nach Regelplan unterrichtet. Was aber nicht festgelegt werden sollte bei Grenzbereichen, ob das Kind eher LB oder GB ist. Da ist es wichtig das Kind anzuschauen.
Zu Silvias Frage: Natürlich gibt der IQ durchaus Auskunft auf die Alltagsfähigkeit. Und natürlich sind Menschen mit niedrigem IQ oft nicht fähig alleine zu leben. Sonst bräuchte es ja kein betreutes Wohnen. Aber auch dort muss geschaut werden. Es gibt Menschen, die trotz GB alleine zurecht kommen und es gibt Menschen, die trotz hohem IQ z.B. wegen einer psychischen Erkrankung , Hilfe benötigen.
Ich denke, dass ein IQ-Wert die Richtung angibt und Eltern ein ungefähres Bild gibt. Man kann bei Regel- IQ davon ausgehen, dass das KInd alleine und unabhängig leben wird. Bei sehr niedrigem IQ wird das wahrscheinlich nicht so sein und man muss sich auch Alternativen zur eigenen Wohnung überlegen.

LG Rike
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 13.01.2019, 12:04

Beate139 hat geschrieben:Hallo,

der Sohn meiner Schwester ist hochbegabt. Und er war restlos unterfordert in der Schule, hat entsprechend ständig den Unterricht gestört und die Lehrer ewig belehrt oder in Mathe weitere Lösungsmöglichkeiten vorgerechnet. Er hatte es absolut nicht leicht in der Schule, denn kein Lehrer lässt sich gerne belehren. Ihm wurde ebenfalls auch ADHS nachgesagt, weil er ständig den Unterricht störte.

Ich denke, sowohl das "zu wenig", als auch das "zuviel" im IQ ist in der heutigen Gesellschaft nicht förderlich und prinzipiell brauchen beide Seiten passende Förderungen, um nicht unter zu gehen


Hier wird ganz viel falsch interptetiert. Der IQ keinesfalls "schuld" wenn ein Kind den Unterricht stört, weder ein hoher noch ein niedriger. Und wie wenig oder viel man hat kann man sich nun mal nicht aussuchen.

Sollte das Kind wirklich ADHS gehabt haben wäre das viel eher die Erklärung für die beschriebenen Schwierigkeiten als der hohe IQ!

Zu glauben, überall "Durchschnitt" zu sein, wäre das Beste ist viel zu kurz gedacht! Es ist außerdem nicht immer machbar, nur Kinder in die Welt zu setzen, die "der Gesellschaft förderlich" sind :roll: !
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Beitragvon Regina Regenbogen » 13.01.2019, 12:20

RikemitSohn hat geschrieben:Trotzdem gibt so ein Ergebnis, bei einem gut durchgeführtem Test, natürlich eine Richtung an. Ein Kind mit Wert 70 wird wahrscheinlich nie nach Regelplan unterrichtet.


Ich mag solche pauschalierenden Aussagen gar nicht.

Unsere Söhne wurden jeweils zu Anfang ihrer Diagnostik einem IQ-Test unterzogen, bei beiden kam es zu einem Ergebnis von gerade mal 69 und 68.

Beide hatten nach mehreren Jahren Therapie (und einem normalen Regelschulbesuch) einen erneuten IQ-Test, der Ältere kam auf 100, der Jüngere auf 105. Der Große hat die Hauptschule ordentlich mit 3,0 abgeschlossen und absolviert eine Ausbildung im Handwerk, der Jüngere besucht erfolgreich die 9. Klasse der Realschule mit einem Notendurchschnitt von 2,7 - ich persönlich gebe auf IQ-Tests nichtdiagnostizierter und untherapierter Kinder mal so gar nichts mehr. Das bringt Eltern und Diagnostiker oftmals nur auf eine falsche Spur.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

melly210
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Beitragvon melly210 » 13.01.2019, 12:38

RikemitSohn hat folgendes geschrieben:

Trotzdem gibt so ein Ergebnis, bei einem gut durchgeführtem Test, natürlich eine Richtung an. Ein Kind mit Wert 70 wird wahrscheinlich nie nach Regelplan unterrichtet.


Ich mag solche pauschalierenden Aussagen gar nicht.

Unsere Söhne wurden jeweils zu Anfang ihrer Diagnostik einem IQ-Test unterzogen, bei beiden kam es zu einem Ergebnis von gerade mal 69 und 68.

Beide hatten nach mehreren Jahren Therapie (und einem normalen Regelschulbesuch) einen erneuten IQ-Test, der Ältere kam auf 100, der Jüngere auf 105. Der Große hat die Hauptschule ordentlich mit 3,0 abgeschlossen und absolviert eine Ausbildung im Handwerk, der Jüngere besucht erfolgreich die 9. Klasse der Realschule mit einem Notendurchschnitt von 2,7 - ich persönlich gebe auf IQ-Tests nichtdiagnostizierter und untherapierter Kinder mal so gar nichts mehr. Das bringt Eltern und Diagnostiker oftmals nur auf eine falsche Spur.


Sehe ich ganz genau so. Selbst bei komplett gesunden Kindern schwanken die Ergebnisse von IQ Tests mitunter noch stark, ohne weiteres auch 20,25 Punkte. Bei Kindern mit diversen Baustellen noch ganz deutlich mehr. Der einzig richtige Weg ist das was laut diverser Richtlinien sowieso gemacht werden sollte, nämlich sich 1. das Gesamtbild anzusehen und nicht nur den Wert eines einzigen Tests und 2. nicht zu sehr vom aktuellen Zustand auf die Zukunft zu schließen.

Da dem aber so extrem viel Bedeutung beigemessen wird, halte ich es momentan ehrlich für besser IQ Tests so gut es geht zu vermeiden bzw zu verweigern. Es gibt viel zuviele Kinder und auch Erwachsene, denen durch irgendeinen IQ Test bei dem sie nicht gut abgeschnitten haben sehr viel verbaut wurde. Leider sind die Eltern die so wie Regina Regenbogen solche Ergebnisse mehr oder minder ignorieren, das Gesamtbild sehen und an ihre Kinder glauben deutlich in der Minderzahl. In den meisten Fällen geht es für solche Kinder ab auf die Förderschule, wenn sie Glück haben lernen, wenn sie Pech haben geistige Entwicklung, und da versauern sie dann ohne daß jemals wieder jemand in Frage stellt ob das überhaupt notwendig ist. Die können dann von Glück sagen wenn sie überhaupt einen Schulabschluß bekommen.

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 13.01.2019, 13:27

melly210 hat geschrieben:In den meisten Fällen geht es für solche Kinder ab auf die Förderschule, wenn sie Glück haben lernen, wenn sie Pech haben geistige Entwicklung, und da versauern sie dann ohne daß jemals wieder jemand in Frage stellt ob das überhaupt notwendig ist. Die können dann von Glück sagen wenn sie überhaupt einen Schulabschluß bekommen.

Leider ist das so. Es entspricht aber in keinster Weise dem Bild, das Förderschulen von sich geben möchten. Und trotzdem ist es so.

Und da ist auch wieder der Test nicht an sich schuld daran, sondern eher, dass gerade im schulischen Bereich IQ-Tests nicht fachgerecht durchgeführt werden und dass die Ergebnisse nicht problemorientiert ausgewertet werden.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon melly210 » 13.01.2019, 14:52

Leider ist das so. Es entspricht aber in keinster Weise dem Bild, das Förderschulen von sich geben möchten. Und trotzdem ist es so.

Und da ist auch wieder der Test nicht an sich schuld daran, sondern eher, dass gerade im schulischen Bereich IQ-Tests nicht fachgerecht durchgeführt werden und dass die Ergebnisse nicht problemorientiert ausgewertet werden.


Ja. Wir haben in unserer Stadt eine Stelle speziell für Inklusion und Integration. Ist von der Stadt bezahlt und die sollen eben bei passender Schulwahl helfen, wenn es Probleme in der Schule oder bei Behördenwegen gibt etc. Ich hatte da mal ein telefonisches Gespräch mit einer Sozialarbeiterin dieser Stelle, und die hat mir auch gleich gesagt, daß sie wenn es nicht offensichtlich ist, daß ein Kind geistig behindert ist dazu raten wenn möglich vor Schuleintritt keine IQ Tests machen zu lassen. Erst falls es in der Schule wirklich zu Problemen kommt und man dann ein sonderpädagogisches Gutachten will/braucht.

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Beitragvon RikemitSohn » 13.01.2019, 15:14

Hallo,

@ Regina eigendlich war es gar nicht so pauschal von mir gemeint. Und bei solch falschen Ergebnissen würde ich sagen, dass die Tests nicht gut und ohne Berücksichtigung anderer Probleme gemacht wurden. Ich denke auch, dass man bei genauerem Hinschauen und Kennenlernen deiner Kinder, diesen Fehler hätte bemerken können von Seiten der Ärzte.
Ich halte diese Tests nur für einen Anhaltspunkt, der ins Gesamtbild passen muss. Sprich zu den Leistungen, die das Kind sonst zeigt.
Und ich bin auch dafür nur bei Problemen solche Tests zu machen, da sie hauptsächlich zur Einschätzung der nötigen Förderung dienen.
Ganz wegschieben der Ergebnisse finde ich auch schwierig, denn irgendwie muss geguckt werden, wo das Kind steht. Kenne halt leider einen Fall, wo die Eltern darauf bestehen, dass der Junge so lernt, wie seine Brüder und er wird dies niemals schaffen. Der Kleine begeistert mit dem was er schafft, aber er kann die Erwartungen der Eltern nicht erfüllen.
Und ich muss noch sagen, dass ich etwas entsetzt bin, dass Schulen IQ-Tests machen. Das würde für mich unter unseriös fallen.

LG Rike
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Regina Regenbogen
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Beitragvon Regina Regenbogen » 13.01.2019, 15:39

RikemitSohn hat geschrieben:Und bei solch falschen Ergebnissen würde ich sagen, dass die Tests nicht gut und ohne Berücksichtigung anderer Probleme gemacht wurden.


Welche Probleme unsere Jungs haben, sollte ja erstmal festgestellt werden. Und generell wird im Zuge der Diagnostik so ziemlich zu Anfang ein IQ-Test gemacht. Die Tests waren schon in Ordnung (fanden in zwei verschiedenen SPZ statt), alleine die Tatsache, dass ein IQ-Test als Diagnosekriterium bei ADHS und Autismus herhalten muss, finde ich einfach nicht richtig.

Unser KJP (der die abschließenden Tests gemacht hat) hat uns später gesagt, die Autismustherapeutin hat das bestätigt (und das kann man auch in vielen Foren nachlesen), dass die Ergebnisse sehr häufig genau so von einander abweichen. Denn ein erfolgreich therapiertes Kind muss zwangsläufig andere Ergebnisse vorweisen als ein nichttherapiertes Kind. Das erzählt aber niemand den Eltern beim ersten Test. Und schon machen sich viele Eltern Gedanken, auf welche Förderschule ihr Kind wohl hingehört.

Ich kenne keine Schule, in der IQ-Tests durchgeführt werden. Und die Erwartungshaltung vieler Eltern an ihre Kinder sind auch ohne ADHS und Autismus oftmals eine große Hürde für die Kinder.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)



Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS

Sohn * 09/2001 - ADS

Tochter * 04/1998 - nix

Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Beitragvon melly210 » 13.01.2019, 17:57

Ich kenne keine Schule, in der IQ-Tests durchgeführt werden. Und die Erwartungshaltung vieler Eltern an ihre Kinder sind auch ohne ADHS und Autismus oftmals eine große Hürde für die Kinder.


Nicht die Schulen selber, aber der sonderpsychologische Dienst macht das. Also die übergeordnete Stelle die die Schulen einschalten können wenn sie bei einem Kind Förderbedarf vermuten.


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