IQ Tests...

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 19.01.2019, 12:24

AnnalenaO,

du fändest es also fair, wenn ein Mensch ohne Hände, der den IQ Test motorisch nicht durchführen kann, in einem Bericht einen unterdurchschnittlichen IQ bescheinigt bekäme? Macht man es sich damit nicht ein bißchen zu einfach?
Bei einem IQ Test soll das kognitive Können (Hirnleistung) beurteilt werden und nicht die Ungeschicklichkeit der Motorik (oder das Fehlen von Händen).
Deswegen macht man mit sprachbehinderten und hörbehinderten Menschen ja auch NONVERBALE Tests.
Sobald aber Probleme bei Sprache oder Hören UND Sehen vorhanden sind, GIBT es keinen Test. Trotzdem werden dann ungeeignete Tests durchgeführt.
Und ich soll dann als Mutter hinnehmen, dass dem Kind bescheinigt wird, etwas kognitiv nicht zu können?

Es geht auch nicht darum, dass ein Kind gewisse Dinge nicht kann, sondern dass fremden Menschen, die ein Kind testen, einfach viele Dinge entgehen, weil sie nicht wissen, worauf sie achten müssen.

Meine Tochter hätte diese Zuordnungsaufgabe spielend lösen können, wenn man sie kurz darauf hingewiesen hätte, dass ganz unten noch zwei weitere Objekte auf dem Blatt sind. Der Testerin ist es entgangen, uns war das Reden verboten. Ups!

Es wäre mir auch völlig wurscht, wenn so ein Test ein Kind nicht zu Unrecht schulisch abstempeln und einsortieren würde.
Es war in der Grundschule bei uns dann nämlich tatsächlich so, dass die Sonderpädagogin für GENT mit ihr nur basale Dinge gemacht hat, wie hart/weich und warm/kalt Unterscheidung. Das hatte sie als Kleinkind schon drauf.

Und so lange Ärzte und Pädagogen IQ Test derart wichtig nehmen, werden wir als Eltern nicht aufhören zu rebellieren.
Wen, wenn nicht uns, hat das Kind um für es einzustehen?

Natürlich kann meine Tochter einige Dinge nicht, aber das liegt nunmal nicht an ihrem Grips...

Genauso unverschämt finde ich es von Ärzten, wenn man erzählt, dass das Kind Fahrrad fährt, dass ein ungläubiger Blick kommt und die Aussage „ja sicher mit Stützrädern!“
Oder wenn man vom Skifahren erzählt, dass man gesagt bekommt, dass das unverantwortlich sei, weil sie sich ja sicher an keine Regeln hielte. ???
Doch, sie hält sich an alle Regeln und fährt rücksichtsvoller als so manch gesunder Erwachsener.
Es macht sich niemand mehr die Mühe, das Kind ansich kennenzulernen, wenn es diesen Stempel erstmal hat.

Natürlich ist mir bekannt, dass auch ein hoher IQ nichts über Können sagt.
Ich bin selbst hb, mein Bruder ist hb, mein Mann an der Grenze...
Bis zur 11. Klasse war ich schulisch im hinteren Mittelfeld. :wink: Ich hatte eben anderes im Kopf, als Schule.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 19.01.2019, 12:26

Man kann es eben nicht als „ein Baustein“ verwerten, wenn es das Gesamtergebnis verfälscht, weil das Testergebnis einfach wertlos ist. :lol:

Dann ist dieser Baustein wertlos...
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 19.01.2019, 14:53

Man kann es eben nicht als „ein Baustein“ verwerten, wenn es das Gesamtergebnis verfälscht, weil das Testergebnis einfach wertlos ist. :lol:

Dann ist dieser Baustein wertlos...
Da hast du durchaus recht, der Baustein ist wertlos. Aber wenn der Großteil der anderen Bausteine ok sind, darf auch durchaus mal der eine oder andere wertlose dabei sein, man kann trotzdem was schönes bauen.

Das Problem ist, dass ein IQ-Test von vielen Personen und Stellen nicht als Baustein sondern als Fundament gesehen wird. Und wenn das nicht wunschgemäß ist, wird gar nicht gebaut (um bei der bildlichen Sprache zu bleiben). So gesehen wäre schon ein "nur" als Baustein und nicht als Fundament gesehener IQ-Test schon ein Riesenfortschritt.

Meiner Meinung nach könnte man in vielen Fällen auch gleich darauf verzichten. Nur kann ich mir bei der deutschen Mentalität denken, dass da sicher sofort wer meckert "Da kann ja jeder kommen und verweigern...!". Aber es gibt nun mal Fälle wo eine IQ-Testung einfach nur sinnlos ist und es gibt durchaus auch Fachleute (Schulpsychologen, KJPs, Pädagogen,...) die beurteilen könne, wo das der Fall ist.

Gehörlosen Schülern wird z.B. auch bei der Englisch-Matura das "listening" erlassen. Es gibt genug andere Möglichkeiten, die Englischkenntnisse zu überprüfen.

Genauso gibt es bei Kindern, wo ein IQ-Test keinen Sinn macht, ebenfalls genug andere Möglichkeiten, die kognitiven Fähigkeiten festzustellen.

Da gab´s ja mal vor einigen Jahren ein Experiment, was bezeichnend dafür ist, wie wichtig z.B. Pädagogen einen IQ-Wert nehmen. Ein Tester-Team kam an die Schulen um die Kinder dort einem IQ-Test zu unterziehen. Dann pickte man aus den durchschnittlich intelligent getesteten Kindern ein paar heraus, die man den Lehrern als "hochbegabt" bzw. "mit sehr hohem Entwicklungspotential" präsentiert hat. Wie gesagt, war alles fake! Doch als das Team ein oder zwei Jahre später wieder kam, und dieselben Kinder getestet hat, war der IQ diejenigen, die den Lehrern so vielversprechend präsentiert worden waren, tatsächlich gestiegen! Auch die Noten dieser Kinder hatten sich eindeutig gebessert! Warum liegt auf der Hand. Mit dem Wissen, ein so kluges Kind vor sich zu haben, haben sich die Lehrer mehr bemüht, mehr ermutigt, öfter das Selbstwertgefühl der Kinder gestärkt. Das hat dann zu einem real messbarem Anstieg im IQ geführt.

Persönlich finde ich IQ-Tests vielleicht interessant um mögliches Potential zu erkennen. Aber sie sollten keinesfalls zum "aussieben" Kinder mit niedrigem Wert missbraucht werden. Ja, das IST Missbrauch!

Es wird so getan, als wären die Tests standardisiert, dabei sind das bestenfalls die Fragen, keinesfalls die Bedingungen. Und allein die machen einen gewaltigen Unterschied! Wenn schon IQ-Tests, dann bitteschön auch unter gleichen Bedingungen! Alle Bedingungen kann man nicht gleich machen, aber zumindest bei manchen ist das möglich. In der Praxis werden aber gerade im IQ-Testbereich ständig Äpfel mit Birnen verglichen!
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Beitragvon Beate139 » 19.01.2019, 15:22

Hallo Lisa,

du schreibst, das es andere Möglichkeiten gibt, die kognitiven Fähigkeiten festzustellen.

Ich stehe vor dem Problem, das bei der Pflegebegutachten durch den MDK genau dieser Punkt nicht bewertet wurde, weil für den MDK KEINE relevanten Gutachten vorlagen, die die kognitiven Defizite aufzeigten.
Es gibt keine Demenz-Test, es gibt lediglich Tests zur Bewertung der Merkfähigkeit, die Bestandteil des IQ Tests sind. Und genau diese sind für den MDK nicht relevant. Und es gibt die Aussagen von mir und der Ergotherapeutin und den Schulen über die Schwierigkeiten beim erlernen und behalten von Dingen. Aber das wird vom MDK als "persönliche Meinung" gewertet...

Welche Möglichkeiten gibt es denn noch, um fest zu stellen, wie es bei einem Kind mit dem Gedächnis, explizit dem Kurzzeitgedächnis bestellt ist ... ?

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Beitragvon Tanja2014 » 19.01.2019, 15:51

Hallo Beate,
Wenn eine Stellungnahme/Diagnose zum Kurzzeitgedächtnis für Euch sehr wichtig ist, müsstest Du Dein Kind wohl bei einem Neuropsychologen vorstellen.
Viele Grüße
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Beitragvon HeikeLeo » 19.01.2019, 16:02

Es gibt keine Demenz-Test, es gibt lediglich Tests zur Bewertung der Merkfähigkeit

Als Screening-Test für Demenz gibt es den Minimental-Test und den Uhren-Test. Das wird zwar meistens mit alten Leuten gemacht, aber der Test ist vielleicht noch besser standardisiert als IQ-Tests. So einen Test sollte auch der Hausarzt/Hausärztin machen können. Die Testfragen findest Du vorher auch im Internet und die Auswertung. Du kannst den Test also vorher auch mal so durchprobieren quasi als Vortest.
Persönlich finde ich IQ-Tests vielleicht interessant um mögliches Potential zu erkennen. Aber sie sollten keinesfalls zum "aussieben" Kinder mit niedrigem Wert missbraucht werden. Ja, das IST Missbrauch!
Eben das hatte ich früher im Thread gemeint. Das Risiko, dass der Test nach oben abweicht ist viel kleiner, als eine Abweichung nach unten - und eine Abweichung nach unten kann sehr viele Erklärungsmöglichkeiten haben, die nichts mit dem eigentlichen IQ zu tun haben. In dem Fall ist ein Wert nicht aussagekräftig und eine Verwendung verbietet sich. Im richtigen Leben wird aber munter ALLES benutzt. Und das sehe ich auch als MISSBRAUCH. Bleibt nur die Frage, wie man sich effektiv dagegen wehren kann, besonders, wenn Unterstützung notwendig ist. Durch ungeeignete Tests wird man mit Sicherheit nicht die geeignete Unterstützung finden können. Und wenn doch, dann ist es wirklich purer Zufall.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Lisaneu » 19.01.2019, 16:10

Hallo Beate139,

ich meinte in erster Linie solche Beobachtungen und Stellungnahmen, wie du sie ohnehin beschreibst. Und genau die Tatsache, dass der MDK das als "persönliche Meinung abtut", ist mMn ein großer Fehler. Wenn außer dir auch noch die Ergotherapeutin (die dein Kind vermutlich schon länger behandelt) und ein oder mehrere Lehrer dasselbe berichten dann wäre dem einfach Glauben zu schenken.

Wenn die Eltern, der Turnlehrer und die Ergotherapeutin unisono feststellen, dass ein Kind z.B. Probleme mit dem Gleichgewicht hat, wird dem ja auch geglaubt.

Es ist schon grotesk, dass der IQ einerseits missbraucht wird, um Kinder auszusieben und in Schubladen zu stecken, wenn man aber auf Grund von IQ-Testergebnissen Defizite ableitet, für die einen Leistungen zustehen, wendet sich plötzlich das Blatt und nichts gilt mehr!
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AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 19.01.2019, 16:16

Hallo Alexandra,

Ich kann verstehen dass du verbittert bist. Daran dass deid Tochter unterschätzt wird hat aber nicht der Test an sich Schuld sondern das was daraus gemacht wird. DAS istdas Problem. Ärzte agieren nach Schema F anstatt sich mit dem MENSCHEN der vor ihnen sitzt zu befassen. Deine Tochter erreicht bei IQ Testungen keine guten Ergebnisse warum auch immer. Das bedeutet man gibt ihr keine Chance zu zeigen was sie kann. Und DAS ist falsch. Dem Ergebnis dieses Tests wird eben zu viel Bedeutung beigemessen. Der Test erlaubt gewisse Aussagen über kognitive Fähigkeiten, aber da sollte es noch mehr geben als nur dieesen einen Test. Eben weil die Bedingungen nicht immer für alle fair sind.

Liebe Grüsse, AnnalenaO
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Tochter 10/2012 Topfit

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Beitragvon HeikeLeo » 19.01.2019, 17:07

Ich kann verstehen dass du verbittert bist.
Das hat doch mit Verbitterung nichts zu tun, dass ein Test falsch benutzt wird. Alexandra darf doch sagen, dass ein Fehler oder mehrere Fehler gemacht werden, ohne dass an ihrer Bewertung gedeutelt wird. Der Fehler liegt eben nicht bei Alexandra, sondern bei der Verwendung des IQ-Tests.

Alexandra sagt eben nur deutlich:
Dann ist dieser Baustein wertlos...
Dass sie sich darüber ärgert ist auch klar. In Verbitterung schwingt immer auch eine ungelöste psychische Verarbeitung mit - das ist hier aber nicht das Problem.
Sie darf doch sagen, dass der Test Mist ist, ohne dass dieser Vorwurf auf sie zurück fällt.

Liebe Grüße
Heike

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 19.01.2019, 17:42

Wer macht Vorwürfe?
Ich nicht.
Natürlich darf jeder sagen was er will.
Ich verstehe dein Problem nicht, tut mir leid.
Liebe Grüsse, AnnalenaO
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