Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

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Lisaneu
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Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 09.01.2019, 10:44

Nach viel überlegen haben wir uns bei unseren älteren Sohn entschlossen, es mit Ritalin zu versuchen. Der KJP hat einen Blindversuch empfohlen. Er richtet für 4 Wochen die Medis her, teilweise das Ritalin (1/2 10mg-Tablette pro Tag), teilweise ein Placebo.

Worauf müssen wir achten? Was können die Nebenwirkungen sein? Grundsätzlich habe ich natürlich schon im Netz recherchiert, hätte aber auch gerne Erfahrungsberichte. Dank im Voraus :) !
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Bika
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Beitragvon Bika » 09.01.2019, 11:08

Hallo,

Welches Präparat bekommt er denn, Ritalin unretardiert?

5mg/Tag ist derart niedrig dosiert, dass die Nebenwirkungen vermutlich sehr milde auftreten werden, was aber auch für die Wirkung gelten könnte.

Ich würde das jetzt ganz entspannt abwarten.

In den USA wird bis zu 1mg/pro Kilogramm Körpergewicht gegeben.

Also alles gaaaaaanz vorsichtig bei euch.

viel Glück!

LG
Bika

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Beitragvon Bika » 09.01.2019, 11:18

Manchmal tritt das Phänomen auf, dass trotz (vermeintlicher) fehlender positiver Wirkung, die Rebound-Effekte sehr viel offensichtlicher auftreten.
Das kann sich jedoch im Laufe der Gewöhnungsphase deutlich abmildern.

Bei uns hat das einige Wochen gedauert.

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nettie75
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Beitragvon nettie75 » 09.01.2019, 17:40

Hallo Lisaneu,
Meine Tochter bekommt ja kein Ritalin aber ebenfalls eines aus der Klasse (Concerta ret.)
Sie hat während der Wirkzeit (vormittags bis zum frühen Nachmittag) tatsächlich weniger bis keinen Hunger. Von daher achte ich darauf, dass sie vor der Einnahme wirklich gut gefrühstückt hat. Ansonsten stimme stimmlich Bika zu, die reboundeffekte lassen nach, das dauert aber etwas.
Wünsche euch viel Erfolg.
Lg Nettie
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T2 *2008, Asperger, leichte LRS, Laktose- und Fruktoseintoleranz, ADS und Angststörung
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 09.01.2019, 17:50

Danke Bika,

er wird in dieser Probephase Ritalin unretardiert bekommen. Je nach Reaktion und Verträglichkeit wird dann eventuell auf Medikinet retardiert umgestellt. Die Probezeit ist, um erst mal überhaupt seine Reaktion zu testen. Mein Sohn wiegt knapp 30kg.

Gerade jetzt, wo Alexander wieder etwas "leichter" zu händeln ist, hat sein Bruder wieder mal ne krasse Phase. Gestern musste ich ihn vom Programmierkurs vorzeitig abholen, weil er sich so aufgeführt hat. Es wechselt totale Überdrehtheit mit spontanen Kreischanfällen und eher depressiv anmutenden Phasen, wo er sich von niemanden geliebt fühlt und glaubt, an allem "schuld" zu sein. Seine soziale Isolation wird immer größer. Schon der Gedanke, wo mit anderen Kindern zusammen sein, läßt ihn vor Sachen, die er eigentlich mag (z.B. Skikurs) zurückschrecken.

Gestern hatten wir außerdem ein langes Gespräch, wo er mir mitgeteilt hat, dass er nicht mehr im Hort bleiben will, sondern entweder bei mir oder einer Leihoma. Ich habe dann versucht, die Gründe herauszufinden. Naja, viel ist da nicht gekommen. Angeblich hat ihn die "ganz strenge" Betreuerin mal vor Weihnachten dazu gezwungen, eine als freiwillig deklarierte HÜ zu machen. Das finde ich jetzt nicht so schlimm, vor allem vor dem Hintergrund, dass mein Sohn ständig erzählen will, alles sei "rein freiwillig", auch wenn es ganz offizielle HÜ ist und er das weiß.

Ach ja, ihm schmeckt auch das Essen im Hort nicht. Dabei sind die Smiley Menüs für die Wiener Kindergärten und Horte wirklich hochwertig und mMn auch gut. Aber da spielt auch sein Autismus rein. Er dachte nämlich ernsthaft, die Menüs würden EXTRA für die anderen Kinder im Hort so zusammengestellt, damit DIE was bekommen, was ihnen schmeckt, er aber nicht. Ist schon fast ein bißchen wie Verfolgungswahn, alle scheinen es darauf abgesehen zu haben, ihm das Leben schwer zu machen...

Ehrlich gesagt möchte ich ihn nicht aus dem Hort rausnehmen, weil er ohnehin so gut wie nie mit Gleichaltrigen spielt. Und dort hat er wenigstens die Gelegenheit. In der Klasse liest er in allen Pausen nur Comics und hat keine Freunde. Auch sonst hat noch keine Integration in eine Gruppe geklappt. Auch die Situationen, wo er mal 1:1 mit einem anderen Kind gut auskommt, werden immer seltener.

Also höre ich mir das Ganze an, weiß genau, dass ich in den nächsten Wochen sicher keine andere Betreuung als den Hort "auf die Beine stellen" kann und will, und hoffe, dass die Medikation etwas Erleichterung ins Leben meines Sohnes bringt.
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Bika
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Beitragvon Bika » 09.01.2019, 21:00

Hallo Lisa,

Oh mann, das klingt wirklich anstrengend, für alle Beteiligten (am meisten natürlich für deinen Sohn).
Ich drücke euch die Daumen, dass das Ritalin ein wenig Erleichterung bringt, auch wenn es bei 5mg noch keine extrem großen Veränderungen geben wird.

Aber das Entscheidende ist, meiner Erfahrung nach, dass die Kinder durch das regulierende Medikament erstmals erfahren, ihrer Impulsstörung NICHT IMMER hilflos ausgesetzt zu sein.
Das kann eine Dynamik in Gang setzten, die am Ende besser zur Selbstregulation befähigt, weil die Kinder peu a peu, durch erlebte und bewusst gesteuerte Kontrolle, mehr Selbstvertrauen erlangen.

Das braucht jedoch Zeit , kann aber auch schon bei niedriger Dosierung positiv angestoßen werden.
Viele machen, glaube ich , den Fehler, zu schnell, zu viel an Veränderungen zu erwarten, ohne die kleinen Erfolge wahrzunehmen.

Kind reißt sich z.b. etwas länger zusammen, bevor es explodiert, es verwendet ein klitzekleines bißchen weniger Beleidigungen oder es beschäftigt sich zwei Minuten länger mit ungeliebten Dingen.
Solche kleinen Erfolge zu loben, ist für die Betroffenen enorm wichtig, kann aber total untergehen, wenn sie im Rebound dann den Nachbarsjungen verprügeln, weil er ein falsches Wort gesagt hat. :(

LG

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Beitragvon Engrid » 09.01.2019, 21:51

Hallo Lisa,

zur Medikation kann ich nichts sagen aber was anderes fällt mir auf:
Schon der Gedanke, wo mit anderen Kindern zusammen sein, läßt ihn vor Sachen, die er eigentlich mag (z.B. Skikurs) zurückschrecken.

Gestern hatten wir außerdem ein langes Gespräch, wo er mir mitgeteilt hat, dass er nicht mehr im Hort bleiben will, sondern entweder bei mir oder einer Leihoma.
Wir Nichtautisten gehen da gerne mit unseren eigenen Maßstäben heran. Kann es sein, dass es für Deinen Sohn einfach zuviel socialising ist, sie kommen ja mit dem Schulalltag oft schon an und über ihre Grenzen.

Ich würde das ernst nehmen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Beitragvon AnnalenaO » 10.01.2019, 10:32

Hallo Lisa!
Oh je, das klingt wirklich wahnsinnig anstrengend.
Zum Hort: Für meinen Asperger Sohn wär Hort viel zu viel. Er kommt nach der Schule nach Hause. Da ich nicht die ganze Zeit nur zu Hause sitzen kann ist er halt relativ viel allein zu Hause, das macht ihm aber nichts aus. Kann dein Sohn alleine zu Hause bleiben? Wenn ja dann würde ich das mal eine Woche ausprobieren wie es ohne Hort klappt.
Bei uns ist es so dass mein Sohn weil er eben nicht in den Hort geht Ressourcen frei hat und dannerfomgreich an so Aktionen wie Programmierkurs teilnehmen kann. Wenn er im Hort wär würde sowas gar nicht gehen. Einmal pro Woche kommt sein Schulfreund mit zu uns nach Hause. 1:1 ist es für meinen Sohn super und er kann so diese Freundschaft pflegen. Das ist qualitativ denke ich mehr wert als jeden Nachmittag mit vielen gleichaltrigen zusammen zu verbringen. Vielleicht gibt es ja ein Kind in der Klasse deines Sohnes mit dem es in einer 1:1 Situation funktionieren würde wenn dein Sohn ansonsten mehr Ruhe hat?
Hat dein Sohn eigentlich Hobbys? Darüber wäre er ja auch mit anderen Kindern in Kontakt.
Es hängt wohl davon ab ob dein Sohn alleine zu Hause sein kann.könnte meiner das nicht dann könnte ich ihm den Hort wohl auch nicht ersparen.
Ich drücke ganz fest die Daumen dass sich die Situation bald entspannt!
Liebe Grüsse, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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Beitragvon LasseUndJohannes » 10.01.2019, 16:11

Hi,
Ein Blindversuch mit Ritalin erscheint mir extrem merkwürdig. Ritalin muss eingestellt werden! Wie soll das in einem Blindversuch funktionieren? Vielleicht ist Ritalin das falsche Medikament für​ deinen Sohn. Vielleicht das richtige. Aber wenn es das richtige ist, dann benötigt dein Sohn eine vorher unbekannte Dosierung, die sich auch​mit der Zeit ändern kann. Und er muss sich ggf erst an die veränderte Wahrnehmung gewöhnen, sprich man sollte es langsam steigern. Medikinet macht zum Beispiel in den ersten Wochen oft Kopfschmerzen. Bis sich das legt. Da geht man langsam steigernd ran. Weil Kopfschmerzen machen ein Kind oft schwieriger und man sieht die​ Medikament Wirkung nicht. ???
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

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Bika
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Beitragvon Bika » 10.01.2019, 16:38

Hallo Lisa,

Hast du das schon gelesen?
https://web4health.info/de/answers/adhd ... ersuch.htm

Dieser Doppelblindversuch mit Methylphenidat scheint ein mittlerweile nicht mehr allzu gängiges Verfahren zu sein, weil er genau das Problem aufwirft, was meine Vorschreiberin schon erwähnt,—->
für Ritalin muß jeweils die individuell wirksame Dosis erstmal ermittelt werden.
Bei einer gleichbleibenden Gabe von 5mg, kann es ja sein, dass diese noch keine ausreichende Wirkung erzielen kann.
Was wäre in so einem Fall denn nach Ablauf der 4 Wochen geplant?
Wirkt nicht, bringt nichts?


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