Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Forumsregeln
Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1885
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 30.03.2019, 19:48

Hallo SandyErgo!

Wir haben das Ritalin 10mg in den Ferien begonnen, das stimmt. Da hat er es 2x bekommen und es zeigte keine Wirkung. DANACH haben wir es zwei Wochen lang MO-FR vor der Schule gegeben und einmal am Samstag, damit ich selbst beobachten kann, ob sich was verändert - ebenfalls keine Wirkung! Ich habe nach den 2 Wochen mit den Lehrerinnen und den Hortbetreuerinnen gesprochen. Alle (4 Personen) meinten, mein Sohn wäre gewesen "wie immer" - dasselbe, wie wir in den Ferien und an dem einen Samstag zu Hause beobachtet haben. Die Jause war zwar 2x nicht aufgegessen, aber das haben wir auch ohne Medis manchmal. Beim Mittagessen im Hort und bei der Nachmittagsjause war der Appetit normal. Auch keine Spur von einem Rebound oder so!

Wir würden auch Ritalin LA länger als 2 Tage ausprobieren, wenn die Nebenwirkungen ganz so krass wären. Aber tatsächlich war es so, dass es vor lauter Nebenwirkungen gar keine Wirkung gab. Denn ein apathisches, trauriges Kind, das auf nichts Lust hat, ist selbstverständlich NICHT überdreht oder aggressiv. Ehrlich gesagt WILL ich das auch nicht länger ausprobieren. Mein Sohn hat mir unter anderem erzählt, dass er immer "ans sterben" gedacht hat - da brauche ich wohl nicht lange zu überlegen, ob ich mit diesem Medikament noch weiter Experimente mache.

Unser KJP hat übrigens nach dem Bildversuch, wo mein Sohn 2 Wochen Ritalin 5mg hatte, auf Ritalin 10mg erhöht. Dann waren auch noch mal die oben beschriebenen 2 Wochen (NACH den Ferien), wo er Ritalin 10mg genommen hat. Und dann hätte eigentlich gleich auf Ritalin LA 20mg gesteigert werden sollen. Ich habe ehrlich gesagt nicht viel nachgedacht, als sich die Bewilligung dann so verzögert hat, und daher auch nicht gefragt, ob wir erst mal wieder 2 Wochen Ritalin 10mg geben sollen, bevor wir auf Ritalin LA umsteigen.

Beim letzten Telefonat meinte der KJP dass Wirkung und Nebenwirkungen auch bei gleichem Wirkstoff wegen der veränderten Zusammensetzung der einzelnen Präparate wirklich von Kind zu Kind verschieden sind. So nehme ich das auch wahr.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Werbung
 
Benutzeravatar
Sia
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 609
Registriert: 03.12.2009, 20:36
Wohnort: Schweiz

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Sia » 01.04.2019, 13:33

Hallöchen Zusammen

Es ist wirklich sehr erstaunlich wie unterschiedlich Ritalin wirken kann und es ist sehr schade, Lisa, dass es bei euch so gar nicht funktioniert!

Mein Sohn (13) bekommt seit einer Woche Ritalin 5mg. Beginnen mussten wir mit 1x morgens. Inzwischen darf er 5mg morgens und nochmals 5mg nachmittags nehmen. Er hat vom ersten Tag an die Wirkung gespürt und konnte auch sehr gut erkennen, dass es ungefähr 2.5h wirkt und danach abklingt!
Ihm geht es sehr gut damit. Wir haben keinerlei Nebenwirkungen. Am dritten Tag war seine Aussage: er würde zum ersten Mal gerne in die Schule gehen. Er sei motiviert. Dieses Gefühl kenne er nicht!
Bin sehr gespannt, wie es weitergeht. In 10 Tagen dürfen wir erhöhen auf 10mg morgens und 5mg nachmittags. Wenn er das weiterhin gut verträgt, wird der nächste Schritt sein, Ritalin so anzupassen, dass er morgens für die Schule eine "durchgehende" Wirkung hat. Da der Schulbeginn 07.20 Uhr ist und die Wirkungsdauer 2.5h beträgt, reicht es momentan nur bis zur grossen Pause (10 Uhr). Für die beiden Lektionen nach der Pause reicht das Ritalin bereits nicht mehr aus! Bin gespannt, ob die 10mg länger halten und er den ganzen Schulmorgen profitieren kann. Wenn nicht, werde ich versuchen, dass er 5mg morgens nimmt, 5mg in der Pause und nochmals 5mg mittags.
Auch in der Freizeit sehen wir positive Auswirkungen. Er war am Wochenende viel offener und kontaktfreudiger. Eigentlich genau das, was wir uns erhofft haben!

Ich hoffe, dass unser Bericht denen Mut macht, die es auch ausprobieren möchten! In unserer Familie gibt es nun schon zwei Personen, die positives dank Ritalin erleben durften!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
J. 2004 MPS3a / K. 2005 hochfunktionale ASS / M. 2010 ADHS

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1885
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 02.04.2019, 13:37

Hallo Sia,

schön, dass es bei euch eine so deutliche Wirkung gibt! Ich kenne auch eine Jungen, der auf Ritalin sehr gut angesprochen hat, persönlich. Mir mangelt es auch nicht grundsätzlich an Mut zum ausprobieren. Aber die zwei Tage, wo mein Sohn nur "wie ein Zombie" (Wortlaut der Lehrerin) haben mir einen ziemlichen Schock versetzt. Nicht, dass ich nicht mit Nebenwirkungen gerechnet hätte. Aber so krass hatte ich sie mir bei weitem nicht vorgestellt.

Ich hätte mir auch gewünscht, meinem Sohn mit dem Ritalin über die Schulzeit und in der Freizeit, wo er mit anderen Kindern zusammen ist, helfen zu können. Denn zu Hause klappt es auch ohne recht gut. Seine spezifischen Schwierigkeiten treten in erster Linie auf, wenn er in Kontakt mit anderen Kindern ist, und sich nicht richtig zurückziehen kann.

Ansonsten wird es schon von selbst immer besser mit der Selbstwahrnehmung. Bei seiner eigenen Geburtstagsfeier hat er sich 2x mit einem Comic zurückgezogen, was voll in Ordnung war. Und vergangenes WE, wo er selbst zum ersten Mal seit Schulstart zu einer Geburtstagsfeier bei einem Schulfreund eingeladen war, hat er das auch so gemacht. Wo er die Möglichkeit hat, tut er das schon selbst, und das ist eine gewaltige Verbesserung. Aber in der Schule bzw. in Freizeitkursen geht das eben nicht immer bei Bedarf und das sind dann genau die Situationen, wo die Gefahr eines "Auszuckers" groß ist.

Naja, wir werden sehen, wie es weiter geht. Euch alles, alles Gute!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

NicoleWW
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1339
Registriert: 11.05.2012, 16:13
Wohnort: Hülben

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon NicoleWW » 02.04.2019, 13:46

Hallo Lisa,

eventuell würde es mit Medikinet besser funktionieren, die Medikamente wirken bei den Kindern unterschiedlich auch wenn manche Apotheker behaupten dass das nicht sein kann, bei uns ist es definitiv so. Man muss da manchmal leider etwas rumprobieren, ich weiß nicht wieviele Medis es mit dem Wirkstoff gibt, aber unsere KJP meinte es gäbe noch ein paar Möglichkeiten (da war das Ritalin LA nicht lieferbar).

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

toto35
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7818
Registriert: 05.12.2006, 13:16
Wohnort: Rheinland -Pfalz

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon toto35 » 03.04.2019, 08:13

NicoleWW hat geschrieben:Hallo Lisa,

eventuell würde es mit Medikinet besser funktionieren, die Medikamente wirken bei den Kindern unterschiedlich auch wenn manche Apotheker behaupten dass das nicht sein kann, bei uns ist es definitiv so. Man muss da manchmal leider etwas rumprobieren, ich weiß nicht wieviele Medis es mit dem Wirkstoff gibt, aber unsere KJP meinte es gäbe noch ein paar Möglichkeiten (da war das Ritalin LA nicht lieferbar).

Liebe Grüße
Nicole


Hallo,

ich bin da ganz bei Nicole, die ADHS Medikamente wirken alle unterschiedlich.
Wir haben über Jahre alle durchprobiert- unretardiert und retardiert- und da gab es welche mit schlimmsten Nebenwirkungen über welche die 0 wirkten über welche die zwar wirkten aber nicht wirksam genug bis zu denen die gut wirkten.

Wir sind immer wieder beim unretardierten Medikinet gelandet.
LG

____________________________________
Sohn (17 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1885
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 03.04.2019, 10:35

Ich stelle mir im Moment die Frage, ob die Auffälligkeiten und der Leidensdruck meines Sohnes weitere Experimente mit Medikamenten mit so starken Nebenwirkungen rechtfertigen. Nicht, weil ich gegen Medis wäre (dann hätten wir gar nichts ausprobieren brauchen), sondern weil ich einfach Nutzen und Schaden gegenüberstelle.

Wenn es dem Kind (ohne Medis) oft schlecht geht bzw. es ständig Schwierigkeiten hat oder macht, ist es sicher sinnvoll, auch länger herumzuprobieren, bis endlich das passende Medikament in der richtigen Dosierung gefunden ist. Ich frage mich gerade, ob das bei uns auch so ist.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

JennyK
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 233
Registriert: 10.05.2018, 15:23
Wohnort: NRW

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon JennyK » 20.06.2019, 11:10

Was sagt dein Sohn dazu? Uns hat letztlich die Aussage unseres Sohnes, dass die Anwesenheit in der Schule alleine für ihn schon so anstrengend sei, dass er sich gar nicht auf den Unterricht konzentrieren könne, dazu bewogen, es mit Medikamenten zu probieren. Dazu das Ergebnis des Konzentrationstests, das deutlich zeigte, dass er in ablenkender Umgebung gar nichts leisten kann, in Ruhe aber Spitzenleistung bringt. Und vor allem, der massive Leidensdruck unseres Sohnes. Ich hatte die Vermutung, dass er eine Depression entwickelt und habe deswegen eine neue Diagnostik angestrebt. Mit den Ergebnissen (ADS und Asperger) hatten wir überhaupt nicht gerechnet!
Unserem Sohn helfen die Medikamente super gut, er nimmt sie auch gerne und zuverlässig ein. Das ist mMn ein gutes Zeichen.
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

Werbung
 
silkemausk
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 44
Registriert: 08.03.2013, 19:56
Wohnort: bei Hamburg

Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon silkemausk » 21.06.2019, 11:16

Hallo Lisa,

ich verfolge diesen Thread mit großem Interesse. Es tut mir sehr leid, dass es bei Deinem Sohn - noch - nicht so richtig gut funktioniert mit dem Medikament.
Mein Sohn bekommt retardiertes Medikinet. Damit haben wir auch angefangen und es ist auf Anhieb das richtige gewesen. Insbesondere der Schultag funktioniert so viel besser. Konzentration im Unterricht und vor allem wesentlich bessere Impulskontrolle. Nebenwirkung - ja die Appetitlosigkeit tagsüber. Mal mehr mal weniger.
Er wurde nun zum Konfliktlotsen ausgebildet und wird ab dem nächsten Schuljahr als 4. Klässler dann in den Hofpausen andere Kinder bei der Lösung von schwierigen Situationen helfen. vor 2 Jahren wäre daran nicht im Traum zu denken gewesen. Das auch mal als Mutmachgeschichte für Eltern, die noch überlegen, ob Medikamente probiert werden sollen oder nicht.

Nun noch zu der Wirkung. Ich bin in einer ADHS-Selbsthilfegruppe und habe dort erfahren, dass tatsächlich jedes Medikament bei jedem Kind ganz unterschiedlich wirkt/auswirkt. Insofern kann man noch ganz viel probieren/kombinieren/ändern. Im Laufe der Entwicklung - insbesondere Pubertät wird auch häufig eine Umstellung erforderlich.
Es wird dort in der Gruppe aber auch immer wieder betont, dass man immer gucken muss, wie es in der Familie etc. läuft und wie hoch der "Leidensdruck" tatsächlich ist. Und das gilt immer in beide Richtungen. (Mehr) Medikamente/Therapien etc. oder eben keine/weniger. Es bleibt immer alles im Fluss, gibt nicht die eine Lösung auf Dauer. das muss man sich auch immer wieder vor Augen führen.

Also, höre auch auf dein Bauchgefühl, dein Sohn kommuniziert ganz offensichtlich auch sehr toll mit dir. Dann findet ihr auch eine gute Lösung.

Schönes Wochenende Allen

Silke
Silke *1970, Z.n. Hinterwandinfarkt 2017, BurnOut 2016
N. *2005, möglicherweise hochbegabt und aktuell Pupertier
L. *2009, ADHS


Zurück zu „Krankheitsbilder - ADS/ADHS“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 13 Gäste