Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

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Lisaneu
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 26.03.2019, 08:54

So, gestern war nach einem Monat! Wartezeit (die KK hatte das Ansuchen um Bewilligung verschlampt) der erste Tag mit Ritalin LA 20mg. Ob die Lehrerinnen eine Wirkung bemerkt haben, weiß ich nicht, das muss ich erst noch mit ihnen besprechen. Jedenfalls hatte er einige deutliche Nebenwirkungen. Also depressive Verstimmung ("ich war den ganzen Tag soooo traurig"), Appetitlosigkeit (hat zwischen 8h und 18h genau EINEN Fruchtzwerg gegessen) und heftige Kopfschmerzen. Daher habe ich ihn auch vorzeitig vom Hort abgeholt und seinen Psychologen-Termin nachmittags kurzfristig abgesagt.

Wir haben das alles am Abend besprochen und mein Sohn meinte, er wolle es heute noch einmal probieren und wenn die Nebenwirkungen wieder so stark sind, dann müssen wir ohnehin mit dem KJP Kontakt aufnehmen.

Wie schaut es bei euren Kindern mit Nebenwirkungen aus? Ganz ehrlich - mein Kind war gestern den ganzen Tag (also ca. 8 Stunden) total neben der Spur. Zwar nicht negativ auffällig (wie sonst leider manchmal), aber es ging ihm wirklich schlecht.

Bei den Versuchen mit unretardiertem Ritalin (zuerst 5mg, dann 10mg) hatten wir gar keine Wirkung, aber auch keine Nebenwirkungen. Jetzt frage ich mich gerade, ob die Nebenwirkungen selbst eine deutlich posivite Wirkung auf sein Verhalten rechtfertigen.

Hauptproblem meines Sohnes ist die Impulskontrolle. Bei allen Tests (durch die Kinderpsychologin, wo er wöchentlich Termine hat), wo es NICHT um Impulskontrolle ging, war er altersgemäß oder besser. Leider kommt es immer wieder mal in unregelmäßigen Abständen auch zu Vorfällen in der Schule. Vergangene Woche z.B. hat er einen Mitschüler, den er eigentlich als "Freund" bezeichnet, wegen einer Nichtigkeit in die Eier getreten. Ich weiß im Moment nicht so recht, wie es weitergehen soll. Mit Medikamente fühlt sich für mich nicht gut an, ohne aber auch nicht. Und ehrlich gesagt ist die Aussicht auf weitere Monate des "ausprobierens" verschiedener Präperate (also Medikinet, Concerta,...) auch nicht gerade beruhigend für mich. Zu Hause hat und macht mein Sohn keine Probleme. Er ist auch altersgemäß selbstständig, kann z.B. selbst zum Supermarkt gehen und sich seine Comics kaufen oder auch mit Roller und Linienbus allein von der Schule heimfahren. Das Problem ist wirklich nur die Impulskontrolle in Situationen, wo er (wie z.B. in der Klasse) unter vielen Kindern ist, und wo ihm irgendwann mal alles "zu viel" wird.

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Engrid
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Engrid » 26.03.2019, 09:33

Hallo Lisa,

zur Medikation kann ich nichts raten. Aber zur Impulskontrolle: es macht einen ziemlichen Unterschied, ob die Impulskontrolle schlecht ist UND er das auch gerne verbessern möchte, seine Fehler einsieht aber halt in dem Moment nicht mehr „bremsen“ kann. Oder ob er (wegen fehlender Perspektivübernahme) sein Verhalten mindestens teilweise in Ordnung findet, und es nicht versteht, dass zb Zuschlagen und Treten. Wenn zweiteres zutrifft, dann wäre es wert einen neuen Thread (oder passenden alten) dazu aufzumachen. Wir arbeiten da intensiv dran, und leider auch schon länger, und es gibt schon einiges, was man da trainieren und fördern kann, ich sehe auch Fortschritte beim Junior.
Da können wir dann einen konstruktiven Austausch machen.

Hier als Beispiel ein älterer Thread:
ftopic130209.html

Grüße
Engrid
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Lisaneu
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 26.03.2019, 11:08

Hallo Engrid,

das mit der Perspektivenübernahme ist teils/teils. Es gibt Situationen, da sieht sich mein Sohn als Opfer weil der andere doch wissen hätte müssen, dass er (mein Sohn) z.B. nicht will, dass der andere das jetzt so sagt oder macht. Oder er fühlt sich provoziert, was meistens (nicht immer) auf einem Irrtum beruht. Aber z.B. bei der letzten Auseinandersetzung mit dem Schulfreund hat es meinem Sohn im nachhinein wirklich sehr leid getan, in so heftig getreten zu haben, und er war lange ziemlich betrübt und enttäuscht von sich selbst, weil er sich nicht besser unter Kontrolle hatte. In dem Fall hat er mir die Sache auch von sich aus unbeschönigt erzählt (sonst wüsste ich gar nichts davon) und er hatte sich davon schon aus freien Stücken ehrlich entschuldigt.

Wir haben momenten (noch) das Glück, dass sowohl den Lehrerinnen als auch der Mutter des anderen Buben die Besonderheiten meines Sohnes bekannt sind, und dass es bisher bei solchen Vorfällen noch nie gröbere Konsequenzen gab. Aber so kann es natürlich trotzdem nicht weitergehen. Man kann im nachhinein mit meinem Sohn gut über das Vorgefallene reflektieren und Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft erarbeiten. Das macht er von sich aus und er WILL wirklich nicht so impulsiv sein und andere verletzen. Und er hat sich auch von selbst (ohne Medikamente) schon besser im Griff, als z.B. noch vor einem Jahr. Aber auch, wenn so Vorfälle wie einen Schulfreund in die Eier treten nur alle paar Monate vorkommen, ist das noch zu viel...
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Bika
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Bika » 28.03.2019, 10:28

Hallo Lisa,

Wenn es bei deinem Sohn “nur“ um die fehlende Impulskontrolle geht, er ansonsten jedoch kaum Leidensdruck durch die AD(H)S erfährt, stellt sich die Frage, ob die
Medikamentengabe bei der Abwägung von Nutzen und “Kosten“ noch sinnvoll erscheint. Vielleicht gäbe es Alternativen in Form eines Sozialkompetenztrainings, wo er in der Gruppe lernt, auf Reize die ihn triggern angemessen zu reagieren?
Unsere KJP bietet das an und ich weiß von einer Bekannnten, dass ihnen das sehr geholfen hat. Natürlich nicht sofort, eine sichtbare Wirkung trat erst nach unzähligen Sitzungen auf, Medikamente alleine verbesserten die Situation aber auch nicht.

Manchmal kann eine Verhaltensmodifikation ohne Zuhilfenahme von Psychostimulanzien nicht erfolgen, das muss man ausprobieren aber alleinige
Medikamentengabe ohne begleitende Therapie kenn ich von hier so gar nicht.

Oder habe ich das falsch verstanden?

LG

NicoleWW
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon NicoleWW » 28.03.2019, 11:09

So, gestern war nach einem Monat! Wartezeit (die KK hatte das Ansuchen um Bewilligung verschlampt) der erste Tag mit Ritalin LA 20mg. Ob die Lehrerinnen eine Wirkung bemerkt haben, weiß ich nicht, das muss ich erst noch mit ihnen besprechen. Jedenfalls hatte er einige deutliche Nebenwirkungen. Also depressive Verstimmung ("ich war den ganzen Tag soooo traurig"), Appetitlosigkeit (hat zwischen 8h und 18h genau EINEN Fruchtzwerg gegessen) und heftige Kopfschmerzen. Daher habe ich ihn auch vorzeitig vom Hort abgeholt und seinen Psychologen-Termin nachmittags kurzfristig abgesagt.

Wir haben das alles am Abend besprochen und mein Sohn meinte, er wolle es heute noch einmal probieren und wenn die Nebenwirkungen wieder so stark sind, dann müssen wir ohnehin mit dem KJP Kontakt aufnehmen.

Wie schaut es bei euren Kindern mit Nebenwirkungen aus? Ganz ehrlich - mein Kind war gestern den ganzen Tag (also ca. 8 Stunden) total neben der Spur. Zwar nicht negativ auffällig (wie sonst leider manchmal), aber es ging ihm wirklich schlecht.

Bei den Versuchen mit unretardiertem Ritalin (zuerst 5mg, dann 10mg) hatten wir gar keine Wirkung, aber auch keine Nebenwirkungen. Jetzt frage ich mich gerade, ob die Nebenwirkungen selbst eine deutlich posivite Wirkung auf sein Verhalten rechtfertigen.

Hauptproblem meines Sohnes ist die Impulskontrolle. Bei allen Tests (durch die Kinderpsychologin, wo er wöchentlich Termine hat), wo es NICHT um Impulskontrolle ging, war er altersgemäß oder besser. Leider kommt es immer wieder mal in unregelmäßigen Abständen auch zu Vorfällen in der Schule. Vergangene Woche z.B. hat er einen Mitschüler, den er eigentlich als "Freund" bezeichnet, wegen einer Nichtigkeit in die Eier getreten. Ich weiß im Moment nicht so recht, wie es weitergehen soll. Mit Medikamente fühlt sich für mich nicht gut an, ohne aber auch nicht. Und ehrlich gesagt ist die Aussicht auf weitere Monate des "ausprobierens" verschiedener Präperate (also Medikinet, Concerta,...) auch nicht gerade beruhigend für mich. Zu Hause hat und macht mein Sohn keine Probleme. Er ist auch altersgemäß selbstständig, kann z.B. selbst zum Supermarkt gehen und sich seine Comics kaufen oder auch mit Roller und Linienbus allein von der Schule heimfahren. Das Problem ist wirklich nur die Impulskontrolle in Situationen, wo er (wie z.B. in der Klasse) unter vielen Kindern ist, und wo ihm irgendwann mal alles "zu viel" wird.

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Hallo Lisa,

so wie du die Nebenwirkungen beschreibst würde ich sagen er ist zu hoch dosiert , das mit 20mg begonnen wird ist eigentlich untypisch. Mein J.E. hatte solche Nebenwirkungen wenn man ihn überdosiert hat, ging man dann wieder auf die normale Dosierung runter waren die wieder weg.
Bei uns wurde mit 10mg begonnen und dann gesteigert wenn die Wirkung nicht wie gewünscht war, also mit 10mg wurde begonnen, weil das nicht reichte (mein Sohn S. war da 13 Jahre und über 180cm groß)hat man dann auf 20mg erhöht, jetzt mussten wir letzten Herbst auf 30mg umsteigen. Davor hatte er Medikenet, das wirkt bei im aber gar nicht, Nebenwirkungen hat er nicht. Auch bei meinem Sohn J.E. wurde es damals langsam gesteigert, genauso wie bei unserer Tochter A. (die ist jetzt mit 14 Jahren bei 20mg Medikenet, sie hatte auch mit 10mg begonnen). Also ich schreibe jetzt von den Retard-Produkten, bei den unretadierten Medis wurde aber gleich vorgegeangen, erst 5mg, dann 10mg unsw.

Die Nebenwirkungen unter guter Dosierung waren bei J.E. Appetitlosigkeit mittags (abends hat er normal gegessen) und ein Wachstumseinbruch allerdings machte das bei ihm nichts er ist heute 2m. S. hat keine Nebenwirkungen (wir hatten auch auf den Wachstumseinbruch gehofft, der blieb leider aus) und A. leidet unter Appetitlosigkeit mittags wenn sie nach einer großen Einnahmepause (Ferien) wieder mit der Einnahme beginnt, dass gibt sich aber nach ein paar Tagen.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

Lisaneu
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 28.03.2019, 18:58

@Bika:

Nein, es ist keine alleinige Medikamentengabe. Mein Sohn bekommt besucht einen heilpädagogischen Hort und bekommt 1x pro Woche Psychotherapie nach Mate Meo. Wir wollen auch Neurofeedback ausprobieren, aber beides zeitgleich ist aus Kostengründen leider nicht möglich. Ist ja alles privat zu bezahlen!

Für das Sozialkompetenztraining war mein Sohn schon mal angemeldet. Bei uns hat es das Autismuskompetenzzentrum angeboten. Aber das hätte schon um 13h30 am anderen Ende der Stadt stattgefunden, was mit beruflich (ich arbeite bis 12h30) absolut nicht möglich ist. Abgesehen davon hätte das Ganze Euro 45,- pro Stunde gekostet - in der Gruppe! Die Einzel-Psychotherapie, die mein Sohn aktuell bekommt, kostet Euro 70,- pro Stunde. Nun, wenn es zu halbwegs vertretbaren Zeiten gewesen wäre, hätte ich es trotz der Kosten ausprobiert. Aber so...

Im Moment überlege ich Ernährungsumstellung, nachdem alle Medis, die wir bisher ausprobiert haben (Ritalin 5mg, Ritalin 10mg und Ritalin LA 20mg) entweder wirkungslos waren oder in erster Linie Nebenwirkungen hatten. Von ratardierten Produkten (Concerta, Medikinet) hat uns einerseits der KJP eher abgeraten, andererseits kenne ich auch hier Kinder persönlich, wo die Nebenwirkungen dieser Präperate sehr krass waren.

Nächste Woche haben wir den nächsten Termin beim KJP, dann werden wir weiter sehen.
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Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 28.03.2019, 19:14

Hallo NicoleWW!

Wir haben vorher Ritalin unretardiert probiert, erst 5mg, dann 10mg. Es war aber ein Monat Pause zwischen der Einnahme von Ritalin 10mg und Ritalin LA 20mg, weil eben die KK die Bewilligung verschlampt hat). Aber wenn ich es richtig verstanden haben, werden die 20mg auf 2x freigesetzt, also sind es eigentlich 2x10mg. So gesehen wäre es gar nicht höher dosiert als bei Ritalin 10mg, nur eben auf einen längeren Wirkungszeitraum ausgelegt (so, als würde er 10mg je einmal um 7h30 und dann noch einmal um 11h einnehmen). Und bei Ritalin 10mg unretardiert hatten wir gar keine Wirkung und auch keine Nebenwirkungen. Daher war ich ja so erstaunt, weil die Nebenwirkungen bei Ritalin LA so krass waren!

Ritalin LA ist ja kein "richtiges" Retard-Medikament, sondern - wenn ich den KJP richtig verstanden habe - wird hier der Wirkstoff auf 2x freigesetzt (während er bei den retardierten Medis kontinuierlich freigesetzt wird).

Sowohl die Lehrerin als auch die Hortbetreuerin meinten, mein Sohn wäre nur wie ein Zombie herumgelaufen, hätte an nichs Interesse gehabt (nicht mal an Comics) und über Kopfschmerzen und Bauchschmerzen geklagt. Gegessen hat er am ersten Tag zwischen 8h und 18 h genau EINEN Fruchtzwerg und am zweiten Tag gar nichts. Und er meinte, er hätte immer ans sterben denken müssen :cry: .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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SandyErgo
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon SandyErgo » 28.03.2019, 21:33

Hi Lisa!

Wenn ich das richtig gelesen habe, hatte er in dem ersten Versuch ja die 10 mg unretardiert > was keine Wirkung und aber auch keine Nebenwirkung zur Folge hat.

Jetzt nimmt er morgens die Ritalin LA 20 mg - und das ist aus meiner Sicht ja doch ein retardiertes Medikament, weil es den Wirkstoff in 2 Dosen abgibt und nicht auf einmal.

Was war in der Zwischenzeit? Hat er da auch etwas genommen (die 10 mg) oder seit ihr jetzt von 0 auf 20 mg eingestiegen?

Wenn ja (also Neueinstieg nach Pause gleich mit 20 mg), dann würde mich die heftige Reaktion nicht wundern
Normalerweise fängt man dann auch wieder mit einer Dosissteigerung an und tastet sich schrittweise an die optimale Dosis heran.

Letztendlich ist er nun aber von einer Tagedosis von 10 mg gleich auf eine doppelte Dosis gesteigert worden > was ja doch recht schnell ist - auch wenn es nicht auf einmal an den Körper abgegeben wird. Vielleicht wäre genau das Zwischenmass das richtige.

Das mit der Appetitlosigkeit kenne ich bei meinem Sohn aber auch. Der hat sich früher manchmal richtig vollgestopft (eher schon zu viel gegessen). Seitdem er die Medikation bekommt, frühstückt er gut und nimmt erst nachher ein. In die Schule nimmt er manchmal nur ein Drittel dessen mit, was seine pubertierende große Schwester haben will. In der Schulspeisung isst er gut. Vesper hängt davon ab, ob es etwas gibt, was ihm schmeckt und abends mal ne halbe, mal ne ganze Scheibe Brot. Vom emotionalen her muss ich sagen, dass er auch mal schneller in Tränen ausbricht (z.B. bei Standpauken, ...) - das tritt aber eigentlich nur zu Hause auf.
In der Schule kommt er gut zurecht.
Er bekommt nun seit fast 1,5 Jahren Ritalin LA 20 mg (bei 45kg auf 1,45m) > aber das kann man eben nicht vergleichen >> jedes Kind reagiert ja anders auf die Dosis.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon Lisaneu » 30.03.2019, 10:32

Hallo SandyErgo,

tja, dazwischen war nichts. Mein Sohn hat nichts genommen, weil ja mit dem KJP besprochen war, dass das Ritalin 10mg keine Wirkung zeigt. Ich habe 3x interveniert bis die Bewilligung für das Ritalin LA 20mg endlich durch war - das hat einen ganzen Monat gedauert! Lag daran, dass ich (auf Anraten des KJP) nicht direkt bei der KK war, sondern über die Apotheke, wo wir die Medikamtente beziehen, habe einreichen lassen. Nachdem es sich dann bei uns so verzögert hat meinte der KJP zu uns, sein Tipp (die Apotheke einreichen zu lassen) sei wohl doch nicht so gut gewesen, er werde das zukünftig niemanden raten.

Jedenfalls habe ich mir nicht viel dabei gedacht, auch nach einem Monat Pause das Ritalin LA zu geben, eben weil beim Ritalin 10mg wirklich keinerlei Wirkung (und auch keine Nebenwirkungen) bemerkbar waren. Mein Sohn wiegt 34kg auf 1,28m - ist also nicht ein ganz zarter Typ. Ich habe mit Nebenwirkungen gerechnet, aber eben nicht gleich so krass. Vor allem ging es meinem Sohn so schlecht, dass man gar keine positive Wirkung mehr feststellen konnte. Er saß bzw. lag wie ein Häuflein Elend in der Gegend herum, wollte nicht sprechen, nicht lesen, nicht essen, gar nichts! Klar hat er in dem Zustand mit niemanden Streit angefangen, aber das macht die Sache auch nicht besser.

Nächste Woche Donnerstag haben wir den nächsten Termin beim KJP. Ich weiß nicht, ob wir dann erst mal eine Pause mit Medikamenten-ausprobieren machen und uns eher auf andere Dinge (z.B. Ernährungsumstellung) konzentrieren, ober ob er was anderes vorschlägt. Laut letztem Gespräch mit seiner Lehrerin ist die Impulskontrolle trotz vereinzelter "Ausrutscher" im heurigen Jahr von selbst kontinuierlich besser geworden. Auch in der Klassengemeinschaft ist er mittlerweile anerkannt.

Heute ist er zum ersten Mal, seit er in die Schule geht, auf eine Kinder-Geburtstagsfeier eingeladen. Gleich mit vollem Programm: Kino, Spiele und essen, insgesamt 6 Stunden Dauer! Ich hoffe, er schafft das, denn obwohl er sich sehr darauf freut ist es für ihn doch viel auf einmal. Aber die Mama des Schulfreundes, der Geburtstag feiert, hat uns zugesichert, dass genug Comic vorhanden sind, um meinen Sohn bei Laune zu halten. Es ist bekannt, dass er nicht stundenlang mit anderen Kindern nur-spielen kann (und will). Daher hoffe ich, dass meinem Sohn die Feier Spaß macht und er sich wohl fühlt.
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SandyErgo
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Re: Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Beitragvon SandyErgo » 30.03.2019, 11:52

Da kann es wirklich damit zusammenhängen, dass ihr gleich von 0 auf 100% - also von 0 auf 20 mg eingestiegen seid. Was vermutlich für ihn in dem Moment zu viel war.

Auch wenn das Ritalin kein Spiegelmedikament ist - man also "theoretisch" einfach absetzen und auch wieder ansetzen kann > z.B. in den Ferien - ist es gerade zum Einstieg besser, sich an die optimale Dosis heranzuarbeiten (so wurde uns erklärt). Die 10 mg hattet ihr ja in den Ferien - vielleicht lässt sich jetzt in der Schulzeit doch eine Veränderung feststellen?!? Und dann geht man meines Wissens nach in 5 mg Schritten höher - die Geschwindigkeit ist ein bisschen auch vom Verschreibenden abhängig > manche wollen, dass aller 3-4 Tage höher gegangen wird - unsere Ärztin bevorzugt die Dosissteigerung nach 10/14 Tagen. Denn in diesem, doch etwas längerem Zeitraum hat man genügend Zeit zu schauen - wie die Wirkung und ggf. auch Nebenwirkung ist und ob diese Wirkungen/Nebenwirkungen auch bestehen bleiben, abnehmen oder sich evtl noch verstärken >> das ist aus meiner persönlichen Sicht nach 2-3 Tagen noch nicht zuverlässig erkennbar.
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