Erstversuch mit Ritalin - worauf muss ich achten?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 10.03.2019, 18:39

Hallo JohannaG,

vielen lieben Dank für deine Erfahrungen. Dass Ritalin LA auch retardiert ist, aber nicht für den ganzen Tag, ist uns bewusst. Der KJP meinte aber zu Medikinet und Concerta, dass diese möglichst durchgehend genommen werden sollten, also auch an Wochenenden und in den Ferien. Abgesehen davon seien die Nebenwirkungen häufiger und stärker.

Bei Concerta bin ich insofern voreingenommen, weil der ältere Sohn meines Mannes das lange Zeit genommen hat. Und der hatte als Nebenwirkungen starke Stimmungsschwankungen teilweise mit extremen Weinkrämpfen. Natürlich weiß ich, dass das bei meinem Sohn nicht der Fall sein muss! Abgesehen davon hat sich die ADS-Diagnose des älteren Sohns meines Mannes nachträglich als falsch herausgestellt. Aber trotzdem ist es im Hinterkopf.

Ich werden auf jeden Fall noch mal mit dem KJP sprechen und auch meine befreundete Kinderärztin (deren Sohn selbst Ritalin unretardiert bekommt) befragen, ob man mal 15mg pro Tag probieren kann. Vom Körpergewicht her (34kg) müsste es locker gehen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
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JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 10.03.2019, 19:19

Hallo Lisa,

also das ist meiner Meinung nach Quark, daß man Medikinet und Concerta durchgehend nehmen soll, Ritalin aber nicht. Das ist wurscht, welches der Präparate ihr da nehmt, am Ende des Tages ist es immer durch. Ich gebe es, wie gesagt, durchgehend - das ist für meine Kinder einfach besser, weil sie sich nicht so unterschiedlich erleben. Aber das hat nix mit dem Präparat zu tun.
Auch das mit den Nebenwirkungen kann ich so nicht bestätigen.

Bei 34 kg ist 10 mg tatsächlich eine sehr niedrige Dosis. Zum Vergleich: Mein Sohn mit etwa 40 kg bekommt Concerta 36 mg, meine Tochter mit 45 kg bekommt 2x20 mg Ritalin LA.
Probiert es mal mit höher.

Liebe Grüße, Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 10.03.2019, 20:09

Hallo Lisa,

die verbesserte Aufmerksamkeitssteuerung mit MPH macht sich bei mir auch ganz deutlich im sozialen bemerkbar.
Man kann dem anderen einfach länger entspannt folgen, ohne schon wieder an 20 andere Dinge zu denken, die mit der Unterhaltung nur peripher zu tun haben.
Grundsätzlich sehe ich es aber auch so, dass nicht die Medikamente den Menschen fit für seinen Alltag machen sollen. Sondern (auch) der Alltag dem Menschen angepasst werden sollte.

Strattera ist übrigens überwiegend zur Steuerung der Impulskontrolle.
Deutliche Wirkung hatte ich nach ca. 1 Woche.
Es gibt einem einfach die paar Millisekunden mehr, um die Situation noch mal neu zu bewerten, bevor man hoch geht, wie eine Rakete.

Bei der Dosierung bin ich raus. Das ist bei Erwachsenen noch mal etwas anders als bei Kindern. :wink:

LG
Simone
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atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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Beitragvon Sia » 10.03.2019, 20:49

Hallo Zusammen

@Johanna - so Quark ist das nicht. Gerade am Freitag habe ich mit der Kinderpsychologin darüber diskutiert. Es ist tatsächlich so, dass Ritalin besser dafür geeignet ist, zwischendurch abzusetzen (Ferien, Wochenende etc.) als Medikinet, Concerta etc.
Es ist auch einfacher mit Ritalin die optimale Dosierung zu finden!

Und es ist schon sehr individuel wie hoch die Dosierung ist. Wenn du zwei Jugendliche im selben Alter mit gleichem Gewicht nimmst, reichen dem einen vielleicht 10 oder 20 mg und der andere braucht möglicherweise das Doppelte!

Und wie lange die Wirkung von Ritalin LA ausreicht, muss man wahrscheinlich auch zuerst selber ausprobieren. Möglich, dass es einem Jugendlichen, der es nur während der Schule braucht, reicht!

Ich brauche momentan weniger als ich nehmen dürfte. Und ich habe festgestellt, dass Ritalin LA sehr gut wirkt, wenn ich es versetzt nehme. Zuerst hatte ich nur das schnellwirkende Ritalin. Danach umgestiegen auf 1 x 40 mg LA. Das hat mir überhaupt nicht gut getan. Dann habe ich kombiniert mit schnellwirkendem Ritalin und das war dann manchmal zu viel! Dann hatte ich die Idee 2 x 20 mg LA versetzt zu nehmen! Das passt nun sehr gut und hat den Vorteil, dass wenn die Wirkung der ersten Dosis nachlässt bereits die zweite voll wirkt und so tatsächlich 10h hält!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
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Beitragvon JohannaG » 10.03.2019, 21:42

Hallo,

keine Frage, die Dosierung ist sehr individuell. Aber ebenso ist es sehr individuell, wie man auf die verschiedenen Präparate anspricht.
Meinen Kindern tat bBeiden Medikinet retard nicht gut, inzwischen ist eines bei Ritalin LA und das andere bei Concerta. Bei beiden haben wir das jeweils andere auch getestet und haben festgestellt: passt nicht.

Aber genau weil es so individuell ist, rate ich Lisa ja auch dazu, noch weiter auszuprobieren, und nicht aufzugeben, wenn Ritalin LA auch nicht paßt.

LG Johanna
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Sia
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Beitragvon Sia » 11.03.2019, 10:33

... ja, das stimmt. Es braucht lange. Bei mir hat es Monate gedauert, bis ich für mich das richtige Medikament in der optimalsten Dosierung hatte bzw. bei mir ist es auch ein Kombination, die passt!

Ich kann mir vorstellen, dass es noch schwieriger ist, die richtige Dosierung für ein Kind zu finden.
Mein Sohn hat sich nun auch entschieden Ritalin zu probieren. Bin gespannt, was es bei ihm für Auswirkungen hat!

Hab da noch eine andere Frage an die Profis … mehr nur so zu meinem Verständnis ... der Begriff Asperger soll wegfallen und in Zukunft spricht man nur noch von Autismus-Spektrums-Störung (ASS). Das wird dann wohl eingeteilt in leicht/mittel/stark.
Wird das bei euch auch schon so kommuniziert?
Ausserdem musste ich mich belehren lassen, dass es hochfunktionaler Asperger nicht gibt. Der Begriff Asperger beinhalte "hochfunktional". Niederfunktionale Asperger gebe es nicht, weil es dann nicht Asperger sein kann! Nur bei ASS spreche man von hochfunktionaler ASS, weil es ASS in allen Formen geben könne. Wird das bei euch auch so gehandhabt?

Eigentlich stimmt die Diagnose Asperger-Autist, die mein Sohn gerade erhalten hat, nicht wirklich oder bereits nicht mehr. Es müsste dann bei ihm "hochfunktionale Autismus-Spektrums-Störung leichte Form" oder so ähnlich heissen!

Passt ihr euch den neuen Normen an oder sprecht ihr trotzdem weiter von Asperger?

Sorry, weiss, passt eigentlich nicht zum Thema :oops:
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Beitragvon Lisaneu » 11.03.2019, 11:20

Hab da noch eine andere Frage an die Profis … mehr nur so zu meinem Verständnis ... der Begriff Asperger soll wegfallen und in Zukunft spricht man nur noch von Autismus-Spektrums-Störung (ASS). Das wird dann wohl eingeteilt in leicht/mittel/stark.
Wird das bei euch auch schon so kommuniziert?
Ausserdem musste ich mich belehren lassen, dass es hochfunktionaler Asperger nicht gibt. Der Begriff Asperger beinhalte "hochfunktional". Niederfunktionale Asperger gebe es nicht, weil es dann nicht Asperger sein kann! Nur bei ASS spreche man von hochfunktionaler ASS, weil es ASS in allen Formen geben könne. Wird das bei euch auch so gehandhabt?

Eigentlich stimmt die Diagnose Asperger-Autist, die mein Sohn gerade erhalten hat, nicht wirklich oder bereits nicht mehr. Es müsste dann bei ihm "hochfunktionale Autismus-Spektrums-Störung leichte Form" oder so ähnlich heissen!

Passt ihr euch den neuen Normen an oder sprecht ihr trotzdem weiter von Asperger?

Sorry, weiss, passt eigentlich nicht zum Thema :oops:
Hallo Sia,

angeblich gibt es wirklich nur noch "ASS" und das entweder "mit expressiver Sprachentwicklungsstörung" oder "ohne expressiver Sprachentwicklungsstörung" und "mit Intelligenzminderung" oder "ohne Intelligenzminderung". Tastsächlich wir aber von den Personen (Psychiatoren, Psychologen, Neurologen, etc.) die diese Störung diagnostizieren, weiter die Namen verwendet werden (Asperger, Kanner, hochfunktional, frühkindlich,...), die sie mal "gelernt" haben.

Ich persönlich finde die Einteilung in leichte, mittlere oder schwere Form schwierig, weil sie sich meistens an der Anpassungsfähigkeit orientiert und nicht an den tatsächlichen Problemen des Autisten. Nicht immer ist der am schlechtesten angepasste Autist auch der am schwersten "betroffene".

Das Prolem, dass Autismus mit seinen Symptomen verwechselt wird, wird unabhängig vom korrekten Namen der Störung aber leider weiterhin bestehen bleiben.
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Beitragvon Engrid » 11.03.2019, 11:25

Hallo Sia,

den Begriff Asperger wird es sicher auch weiterhin geben, weil viele sich darin wiederfinden.
„Hochfunktional“ = „hohes Funktionsniveau“ meint immer (auch) relativ gute Intelligenz, insofern fallen da alle Aspergerautisten rein.
Der Begriff der ASS wurde eben grade deshalb eingeführt, weil sich Autisten nicht in drei Schubladen (fkA, Asperger, atypisch) sauber sortieren lassen. Insofern ist es auch Unsinn, jetzt fixe neue Unterschubladen ASS aufzumachen, die dann wieder nicht sauber passen. Ohne Sortierung, bzw ohne saubere interne Differenzierung, das halten viele (grade auch Ärzte) nicht gut aus,deshalb wird es doch gemacht.

Asperger kann man also durchaus sagen, weil viele schon ein Bild damit verknüpfen; mit „leichte Form“ wäre ich vorsichtig, wenn er ohne Leidensdruck und unauffällig wäre, keine Hilfen bräuchte, hättet Ihr ja keine Diagnostik gemacht?
Weil geistige Einschränkungen ein ziemlich schlechtes Image haben, kann es sinnvoll sein zu sagen „ASS, mit guter Intelligenz“, oder „ASS, hohes Funktionsniveau“, oder eben Asperger.

Ich persönlich finde die Einteilung in leichte, mittlere oder schwere Form schwierig, weil sie sich meistens an der Anpassungsfähigkeit orientiert und nicht an den tatsächlichen Problemen des Autisten. Nicht immer ist der am schlechtesten angepasste Autist auch der am schwersten "betroffene".

Das Problem, dass Autismus mit seinen Symptomen verwechselt wird, wird unabhängig vom korrekten Namen der Störung aber leider weiterhin bestehen bleiben.
👍👍👍 So ist es.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Lisaneu » 11.03.2019, 11:32

Hallo Engrid,

"sauber" diagnostizieren lässt sich mit der neuen Benennung aber auch nicht. Mein jüngerer Sohn ist nach der alten Nominierung irgendwo zwischen "frühkindlich" (also Kanner) und "Asperger".

Frühkindlicher Autismus ist ja normalerweise mir expressiver Sprachentwicklungsstörung und verminderter Intelligenz. Abgesehen davon, dass es bei einem Kind mit Erstsprache Gebärdensprache schwer ist, die Sprachentwicklung korrekt einzuschätzen, gebärdet mein Sohn einfach zu gut für eine expressive Sprachentwicklungsstörung und erreicht im IQ-Test zu gute Ergebnisse für eine "Intelligenzminderung". Aber trotzdem ist beides (Sprachentwicklung und Intelligenz) schlechter als "normal". Kurz: er sitzt sowohl mit der alten als auch mit der neuen Namensgebung irgendwo zwischen den Stühlen :wink: .
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Beitragvon Engrid » 11.03.2019, 11:40

Hallo Lisa,

wir sind uns einig. „Sauber diagnostizieren“ geht weder innerhalb der ASS, noch letztlich nach außen. Alleine die diagnostischen Hauptkriterien sind ja nur Beschreibungen des Sichtbaren, der Oberfläche. Der innere Zustand, das „Betriebssystem“, die Variante Autismus des neurodiversen Spektrums werden damit nicht erfasst (und gehen ja auch weit über medizinische Klassifikationssysteme hinaus).
Das hier finde ich ganz interessant: https://autismus-kultur.de/autismus/aut ... n-autismus
Engrid
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