Erziehungsschwierigkeiten und die Sicht der 'anderen'

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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Lissy_s
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Erziehungsschwierigkeiten und die Sicht der 'anderen'

Beitragvon Lissy_s » 04.01.2019, 22:39

Hallo zusammen,

wir haben seit einiger Zeit große Schwierigkeiten im Bereich "Erziehung" und was Selbst- und Fremdaggression (Kratzen, Beißen, Haare ziehen, hauen) angeht. Dahinter stehen m.E. vor allem Probleme im Bereich der Kommunikation, wir arbeiten hier schon mit der Logopädin daran herauszufinden, welche Mittel aus der UK für meinen Sohn hilfreich sein können.

Eins von vielen Beispiel: Mein Sohn möchte etwas (z.B. zu meinen Eltern gehen) und signalisiert mir dies durch Zeigen. Aus irgendeinem Grund geht das aber nicht (z.B. sie sind nicht da, wir müssen los zur Kita o.ä.). Ich sage "Nein, das geht jetzt nicht." und ich sehe an seiner Reaktion (Mimik, haut nach mir/greift nach meinen Haaren --> Nebeninformation: unserer Wahrnehmung nach verfügt er nicht über Sprachverständnis, kann aber sehr wohl aus dem Kontext, bekannten Abläufen etc. erkennen, was gemeint/von ihm gefordert wird), dass er zumindest die Ablehnung seines Wunsches registiert. Seinen Unmut tut er daraufhin körperlich kund, indem er mich wie beschrieben haut, kratzt, Haare reißt o.ä., ggf. hysterisch anfängt zu weinen. Das Hauen etc. kann und möchte ich aber nicht tolerieren, setze ihn daher ab/schaffe räumliche Distanz zu ihm, um zu signaliseren, dass ich das nicht ok finde (sage das auch). Daraufhin folgt meistens ein gewaltiger Gefühlsausbruch, aus dem er nur mit viel Mühe und Ablenkung wieder zurückgeholt werden kann.

Wir haben ähnliche Situationen auch insbesondere beim Zubettgehen, Essenssituationen etc.

Mein Problem ist nun zum einen (was sich hoffentlich noch verändert, wenn wir geeignete UK-Mittel gefunden haben) mein Umgang mit der Situation, was mein Verhalten mit ihm macht und die Frage "Was versteht er?": Ist es einfach nur Trotz, weil er nicht bekommt, was er möchte oder ist er tief verzweifelt, weil er denkt ich verstehe ihn nicht? Wenn zweiteres zutrifft, finde ich es umso schlimmer ihn mit diesem Gefühl in seinem "Ausbruch" allein zu lassen. Oder ist er besonders frustriert, weil er nicht bekommt, was er möchte und obendrein nicht einmal verstehen kann, warum?
Kurzum: Ich bin sehr verunsichert, was meinen Umgang mit diesen Kommunikationsschwierigkeiten angeht und fürchte, dass er dies zusätzlich zu seinem Frust auch noch spürt, was die Situation noch weiter anheizt.

Zum anderen habe ich ein Problem im Austausch mit unserem Umfeld. Meine Eltern und enge Freunde bekommen natürlich mit, wie ausgeprägt die körperliche Aggression z.T. ist und wie sehr uns das belastet. Rundherum höre ich dann häufig gut gemeinte (Erziehungs-)Ratschläge, meistens à la "Da muss man dann halt mal ein paar Tage durch und dann hat er das auch verstanden, dass er das nicht soll." oder "Aber das muss er dann halt lernen, dass das dann und dann nicht geht" etc. und meistens mit dem Beleg, dass es ja bei den eigenen (gesunden) Kindern auch auf diese oder jene Weise geklappt hat, wenn man es nur durchzieht. Wenn ich dann versuche einzuwenden, dass es aufgrund der Kommunikationsschwierigkeiten und der Unkenntnis seiner kognitiven Fähigkeiten nicht so einfach ist, wird schnell der Eindruck vermittelt, ich wolle mich nur raus reden und mich quasi darauf ausruhen, dass er ja behindert ist/deshalb nicht die Anstrengung auf mich nehmen ihn zu erziehen.
Dabei ist mir natürlich klar, dass ich nur weil es schwierig ist, nicht einfach sagen kann, dann setze ich ihm halt keine Grenzen und lass ihn machen, was er will. Und dass ich Wege suchen muss, die für uns alle funktionieren. Aber ich will ihn nun mal auch nicht quälen. Ich denke trotzdem auch -und das hat auch die Neurologin bestätigt- dass sein (durch Sauerstoffmangel geschädigtes) Gehirn einfach anders/nicht normal funktioniert und dass man nicht einfach unterstellen kann, dass er wie ein normales/gesundes anderes Kind auf Erziehung/Grenzsetzung reagiert. Auch das wieder ein wunderbares "Ausrede"-Argument, könnte man meinen...

Es ist einfach frustrierend so zwischen den Stühlen zu sitzen. Das eigene Bauchgefühl, die Anforderungen/der Input von außen und auch von sich selbst an ein "gut erzogenes" Kind und natürlich nicht zuletzt die Unsicherheit und Frage, wie sieht es in meinem Kind aus...

Meine Herr'n, jetzt ist das ein total langer Text geworden... Ich musste das einfach mal los werden. Ich hoffe das ist ok an dieser Stelle.
Vielleicht gibt es unter euch ja jemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder macht. Und vielleicht einen guten Tipp hat, wie ich mich besser abgrenzen oder auch meinen Umgang mit den herausfordernden Situationen verbessern kann.

Ich danke euch - auch einfach nur fürs "Loswerden-Dürfen"!!
L. mit Sohn *8/16 - V.a. idiopathische Epilepsie, ICP, Mikrozephalie, globale Entwicklungsverz., keine Sprache, PG 4, GdB 60

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LovisAnnaLarsMama
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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 04.01.2019, 23:36

Hallo Lissy,
Wir hatten fast ein Jahr lang sehr ähnliche Probleme. Inzwischen ist es etwas besser (ich habe auch von mehreren Seiten Tipps von Fachkeuten bekommen, u.a. eine videounterstützte Beratung) und für mich lag die Lösung darin, dass ich doch noch um einiges konsequenter sein musste, als bei den Großen.
Hier wurde auch gebissen, gekniffen, an den Haaren gezogen und gespuckt ohne Ende.
Bei Müdigkeit ist das immer noch so (ich werde immer noch täglich gekniffen, gekratzt oder die Neuentdeckung: beim Wickeln ins Gesicht getreten) ansonsten habe ich gerade ein Kuschelkind, das mir am Hals hängt, Küsse ohne Ende verteilt... Vielleicht liegt es daran, dass die Kommunikation besser wird, weil man mit wenigen Worten/ Lauten und Zeigen doch viel sagen kann.
Halte durch, bei uns kam die Besserung mit drei Jahren.
LG LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

LovisAnnaLarsMama
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Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 04.01.2019, 23:47

P.S. Inzwischen zucke ich auch nicht mehr innerlich vor den Küssen zusammen, eine Zeit lang wusste man nämlich nicht, ob man nicht doch schnell gebissen wird...
Natürlich kann es sein, dass er immer noch mitten im Spiel auf Rabauke umswitcht und einem das Gesicht zerkratzt, aber sehr viel seltener. Ich denke schon, dass Strafen (in unserem Fall räumliche Trennung) Erklärungen, bzw. auch schimpfen etwas bringen.
Manchmal erwische ich mich aber auch dabei, dass der Jüngste sich Sachen erlauben kann, die die Geschwister niemals in diesem Umfang gemacht hätten: wir haben gerade eine sehr kreative Phase mit wiederholt angemalten frischgestrichenen Wänden und Möbeln, weil gewisse Familienmitglieder ihre Stifte nicht "verstecken".
Bei den Großen hätte ich mehr gemeckert, beim Kleine bin ich froh, dass er so etwas macht, auch wenn ich dann trotzdem schimpfe.
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Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 05.01.2019, 05:15

Hallo,
ich bin echt kein Erziehungsprofi :D aber ich hatte beim Lesen die Idee, was denn wohl passiert, wenn du auf das Verlangen, zu den Großeltern zu gehen, erst mal mit „ja“ antwortest statt mit nein, und dann erklärst, wann ihr das wieder macht... vielleicht ist es das pauschale „nein“, das für ihn so alternativlos klingt und ihn deshalb überreagieren lässt?
Falls das jetzt aus deiner Sicht ein unnützer Tipp ist... einfach ignorieren! Es waren nur meine ersten Gedanken dazu.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (15): Gendefekt, Epilepsie, Skoliose etc.

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Beitragvon UrsulaK » 05.01.2019, 07:57

Hallo Lissy,
bei besonderen Kindern helfen häufig die üblichen Erziehungsmethoden überhaupt nicht. Nicht selten liegt dem auch ein Kommunikationsproblem zugrunde, weil die Kinder nicht alles verstehen und zum anderen auch selbst nicht gut kommunizieren können.
Ich finde zu dem Thema folgendes Buch sehr gut:
https://www.amazon.de/Herausforderndes- ... ords=elven

Das Buch hat mir sehr geholfen.

VG, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 05.01.2019, 09:17

Hallo Lissy,

wir hatten und haben diese Probleme auch. Hat gsd über die Jahre deutlich abgenommen, parallel mit dem Zuwachs an Kommunikationskompetenzen (Die UK und das Menschenbild der UK ist das super hilfreich).

Konsequenz ist wahnsinnig wichtig dabei, denn nur so entsteht fürs Kind Klarheit, wo die Grenze ist. An den Stellen würde ich vielleicht auch mit Visualisierung nachhelfen, zb mit einer Stoppkarte (rot?), oder einer Gebärde.
Gleichzeitig möchte ich aber dazusagen, dass Deine Umwelt NICHT recht hat, sondern Du - einfach ein paar Tage „durchziehen“ ist keine gute Idee. Und mit diesem „das ist bei unseren Kindern auch so“ liegen die Leute schlicht falsch. Was bei uns gut klappt ist: glasklar konsequent sein, aber ohne negative Emotionen, und ich entziehe mich nicht, sondern halte seine Gefühle mit ihm aus. Ich bin also zb soweit auf Distanz, dass er mir nicht weh tut, bleibe aber im Raum, wenn ich merke dass er das braucht.

Bei Ursula unterschreibe ich auch. „Nein“ hören ist ein bisschen wie an eine Wand fahren. Wenn das noch zu schwierig ist, dann (natürlich trotzdem inhaltlich glasklar konsequent sein) und den Fokus vom Negativen (xyz darf ich nicht) auf Alternativen (guck, hier darfst du reintreten) lenken.

Wünsche Dir gute Nerven für diese schwierige Phase, und ich finde es super, wie reflektiert Du damit umgehst.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Sophie*
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Beitragvon Sophie* » 05.01.2019, 09:20

Ich habe keine Tipps, aber ich wollte nur kurz hier lassen, dass ich mit dir fühle. Unser Kind spricht zwar etwas, aber ansonsten ist es hier ähnlich. Halt zum einen Autonomiephase/"Trotzphase", aber zum anderen denke ich, dass die Besonderheiten das definitiv verstärken.
(Bei uns ist es konkret so, dass der Mini z. B. Ursache-Wirkung von physikalischen Gegebenheiten total erstaunlich herleiten kann, aber emotionale Reaktionen, Begründungen oder auch Zeitabläufe gar nicht versteht und dann riesig Frust bekommt und auto- und fremdaggressiv wird.)

Bei uns wird es auch besser, je mehr Sprache und Gebärden sich entwickeln.

Mehr Konsequenzen im Sinne von "wenn ich etwas ankündige, bleibe ich auch dabei uns erkläre das immer wieder, rücke aber nicht davon ab" haben einen positiven Effekt. Meine Eltern z.B. empfehlen Konsequenzen im Sinne von Strafen, die wiederum würde Mini nicht verstehen (und ich lehne bestrafen eh ab).

"Ja, aber ..." wird hier leider gar nicht verstanden.

Ich hatte schon mal die Idee, Tagesstrukturen, Abläufe und Bedingungen mit Metacom zu visualisieren und damit irgendwie verständlich zu machen. Weiß aber auch nicht, ab wann sowas kognitiv verstanden wird. Aber vielleicht kann eure Therapeutin mehr dazu sagen?
Sophie* mit Mini *2015 (Muskelhypotonie, globale Entwicklungsstörung, v. a. kognitiv und statomotorisch, Knick-Senkfüße, Makrozephalus, Epilepsie u. a. mit Myoklonien und Absencen, GdB 50)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 05.01.2019, 10:10

Wir haben ein großes Whiteboard, wo mit Metacom-Symbolen und Fotos auf Magnetpapier der Tagesablauf klar gezeigt wird. Also in der Früh das Foto meines jüngeren Sohnes neben dem Foto vom Bus neben dem Foto bzw. Symbol der Schule (früher des Kindergartens).

Am Nachmittag z.B. die Fotos von mit und beiden Kindern und das Symbol vom Spielplatz. Am Abend dann das Symbol "Zähne putzen" und "schlafen gehen".

Da meine beiden Autisten zeitliche Abläufe immer schon sehr gut verstanden haben, stand und steht bei den Symbolen auch immer eine Uhrzeit und der Wochentag dabei. Auch ein Abreißkalender für jeden Tag ist bei uns sehr wichtig für die Orientierung.

Klar gibt es trotzdem mal Diskussionen, wenn die Jungs mit dem Tagesplan nicht einverstanden sind. Mein gehörloser, autistischer Sohn konnte z.B. schon früh schreiben. Der hat z.B. mit 5 Jahren den Text "Alexander fährt mit dem Bus in den Kindergarten" gelöscht und deutlich "Kein Kindergarten!" hingeschrieben :P . Und dann gab es natürlich Streit. Aber grundsätzlich war und ist es trotz solcher Zwischenfälle mit fixem Tagesplan viel, viel leichter für meine Jungs.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 05.01.2019, 13:24

Liebe Lissy,

den Frust des Kindes muss man natürlich aushalten, ohne dabei zu sehr zerkratzt zu werden. Ich bin regelmäßig angepinkelt worden...

Bei uns hat es noch geholfen, ALLES für das Kind zu entrümpeln. Also weniger Aktionen, weniger Transporte, weniger Kita, weniger Besuche. Parallel dazu an der Kommunikation arbeiten - das dauert aber. Stundenplan entrümpeln geht schneller - das stößt beim Umfeld aber natürlich nicht auf Gegenliebe.
Und wichtig für Dich als Mutter: Erholungsphasen für Dich planen!

Liebe Grüße
Heike

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Lissy_s
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Beitragvon Lissy_s » 05.01.2019, 20:36

Hallo ihr Lieben,

wow - erstmal vielen vielen Dank für die vielen Tipps, Denkanstöße, Literaturhinweise und das Mitfühlen! Die Vielzahl an jeweils sehr gehaltvollen Antworten hat mich sehr gefreut und ich danke euch sehr für die Zeit, die ihr euch genommen habt!

Wichtiger Anstoß war für mich z.B. der Hinweis: Alternativen aufzeigen! Total logisch eigentlich! Haben wir vor einiger Zeit auch versucht (mit Hilfe von Bildkarten), damals noch nicht erfolgreich. Aber vor kurzem habe ich mit der Logopädin besprochen, dass wir aus einer Visitenkartenmappe eine Art "Entscheidungs"-Buch herstellen wollen, das wir mit Bildern füllen. Also 1. Seite lauter Bilder von Spielsachen (was will ich spielen), dann eine Seite mit Personen (mit wem will ich spielen), dann eine Seite mit Essen (was will ich essen) usw. - so die grobe Idee. Das könnte man ja dann auch zum Alternativen aufzeigen verwenden. Bleibt nur evtl. die Schwierigkeit, es nicht immer zur Hand zu haben... Ich habe vor langer Zeit, als das erste Mal das Beißen auftrat, auch versucht ihm eine Alternative (immer dasselbe Kuscheltier, damit es "Symbolwirkung" hat) anzubieten - selbes Problem: In der jeweiligen Situation nie zur Hand... Aber vielleicht habt ihr dazu aus euren Erfahrungen noch einen Tipp?

Gebärde oder Stoppkarte ist auch eine sehr gute Idee! Gebärden haben ja den Vorteil, dass sie quasi immer zur Hand sind. Allerdings reagiert er leider nicht so gut darauf bis jetzt... Ich habe auch schon versucht ihm eine Gebärde für "Frust ausdrücken" anzubieten. Aber das ist vielleicht auch noch ein bisschen abstrakt... Ich werde das mit der Stoppkarte o.ä. auf jeden Fall mal versuchen!

Grundsätzlich verlasse ich auch nicht den Raum/in Sichtweite - außer ich brauche für mich selbst mal kurz die Distanz um durch zu atmen, damit ich nicht die Beherrschung verlieren, dann gehe ich mal um die Ecke/in den Flur, komme aber nach wenigen Sekunden zurück. Ich bin mir nur unsicher, wie viel Begleitung und Unterstützung er bei seinem Wutanfall braucht. Ich glaube sogar "nur da sein" hilft mehr, als wenn ich jetzt noch viel rede und versuche ihn zu beruhigen. Mein Gefühl ist, dass er sich da nur noch mehr rein steigert.

Abläufe visualisieren finde ich auch eine super Idee und steht eigentlich schon laaange auf meiner Agenda *schäm*. Ich hatte ursprünglich auch vor, den ganzen Tag zu visualiseren, aber das wäre den Therapeuten zufolge für sein Alter noch zu viel. Daher war eigentlich geplant erst mal immer nur den nächsten Schritt "anzupinnen". Leider noch nicht umgesetzt... :oops: Aber wie gesagt - Danke für den Anstoß!!! Metacom kannte ich übrigens noch gar nicht!

Ansonsten habe ich mir vorgenommen nochmal genauer hinzuschauen, in welchen Situationen das Verhalten auftritt. Wir haben da u.a. die Kategorie "Frust wegen darf nicht/geht nicht", "Du musst kurz warten" (hierfür will ich als Symbol mal eine Sanduhr probieren), "Ich will deine Aufmerksamkeit/Kontaktaufnahme", "Das was du machst, gefällt mir nicht (z.B. Zähne putzen) usw., sowie manchmal (aus meiner Sicht, aber da übersehe ich bestimmt was) aus heiterem Himmel - und dann je nach Situation zu schauen, was wir für bessere Kommunikation untereinander tun können. Ich bin gespannt. Wenn ich es schaffe und es interessant für euch ist, berichte ich gerne mal!

Vielen vielen Dank nochmal und liebe Grüße!
L. mit Sohn *8/16 - V.a. idiopathische Epilepsie, ICP, Mikrozephalie, globale Entwicklungsverz., keine Sprache, PG 4, GdB 60


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