Integration in der Freizeit

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Lisaneu
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Integration in der Freizeit

Beitragvon Lisaneu » 03.01.2019, 14:40

Hallo! Angeregt durch einen anderen Thread frage ich mal, wie es euch bzw. euren Kindern mit außerschulischer Integration geht? Also Freundeskreis, Vereine, Kurse, Spielgruppen, Feriencamps,...

Meine Erfahrung ist da, dass ganz viel Willenssache der jeweils verantwortlichen Personen ist. Wenn ich z.B. vorsichtig nachfrage, ob Alexander am Kinder-Schwimmkurs in der Therme teilnehmen darf, heißt es, man müsse sich das "erst einmal anschauen" und "Wenn überhaupt, dann nur, wenn SIE (also ich) die ganze Zeit dabei sind..." man merkt ganz deutlich Beklemmung, Angst und trotzdem das Bedürfnis nicht ZU offen abweisend zu sein, aber unter dem Strich doch deutlich klar zu machen, dass der Kurs nur für gesunde Kinder gedacht ist.

Auch bei meinem sprechenden "nur" ASS- und ADHS-Kind habe ich immer wieder Schwierigkeiten. Im Programmierkurs hieß es, man müsse erst mal schauen, ob er für den Kurs "tragbar" sei...das war dann zwar der Fall, aber wenn er dort "schlimm" war musste er in einer Ecke sitzen und durfte nicht weiter programmieren - bis er dann keine Lust mehr hatte!

Im Freundes- und Bekanntenkreis kenne ich einige wirklich nette, weltoffene Leute, die meine Kinder mögen und die selbst auch Kinder haben. Leider klappt es auch hier nicht mit wirklich "gemeinsam" - was überhaupt nicht an den Eltern oder Kindern liegt, sondern schlichtweg an der Besonderheit MEINER Kinder. Es ist schwer, mit jemanden spielen zu wollen, der einen nicht versteht und auch nicht verstehen WILL. Es ist auch schwer, sich mit jemanden zu unterhalten, der ständig selbst reden will und es nicht schafft, einfach mal zuzuhören! Und mehr als Kontaktaufnahme zu VERSUCHEN können andere Kinder ja nicht!

Meinem jüngeren Sohn ist das egal, es geht ihm gut in "seiner" Welt und er vermisst keine Freundschaften. Mein älterer Sohn denkt viel darüber nach, warum ihn "außerhalb seiner Familie niemand mag" und ist traurig, dass er NIE wo eingeladen wird. Wenn ich dann mit meinen ungeschickten Erklärungsversuchen komme hört er immer irgendwie raus, ER sei schuld...es ist wirklich schade!

Meine Jungs sind außerdem unterschiedlich "gruppentauglich". Während sich mein jüngerer Sohn in einer ihm fremden Gruppe geraume Zeit gut "anpassen" kann, ohne wo anzuecken (aber auch ohne mir irgend jemanden in Kontakt zu treten), gibt es bei meinem älteren Sohn fast immer in kürzester Zeit Streit. Wenn überhaupt, schafft er nur 1:1 Situationen mit ausgewählten Kindern, die so sozial sind, hauptsächlich auf IHN einzugehen und die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. In der Gruppe klappt es gar nicht. Auch bei schulischen Veranstaltungen macht er praktisch nie was mit anderen Kindern gemeinsam sondern sitzt im besten Fall mit einem Comic in irgendeiner Ecke rum.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich sie außerschulisch integrieren sollte. Gerade beim älteren Sohn habe ich schon einiges versucht (Kung-Fu-Training, Schwimmkurs, Skikurs, Schnuppertauchen, Programmierkurs,...) aber nichts hat wirklich geklappt. Auch im Hort fühlt er sich nicht wohl weil ihm die anderen Kinder einerseits "auf die Nerven gehen", es ihm andererseits aber leid tut, dass ihn "keiner mag". Den Klassiker "andere Kinder einladen" haben wir im Kindergarten öfter probiert. Da sind auch noch wirklich Kinder gekommen. Aber beim letzten Geburtstag sind von 7 eingeladenen Kindern dann genau 0 gekommen! Ich frage meinen Sohn zwar immer wieder mal, ob er wen einladen will, aber er meint dann, dass ihn sowieso keiner mag. Wie mit so was umgehen? Ich weiß es nicht!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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GretchenM
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Beitragvon GretchenM » 03.01.2019, 15:16

Hallo,

bei meinem Sohn ist es ähnlich wie bei deinenm älteren Sohn. In der Grundschule hatte er irgendwann dann einen Kumpel, mit dem er sich aber nie verabreden wollte, nur für den Schulhof wegen eines gemeinsamen Interesses.

Jetzt in der Oberschule besteht gar kein Kontakt, er ist in der 5.

Einerseits fehlt es ihm, andererseits will er nie Verabredungen... zum Geburtstag werden die Kinder aus der Familie eingeladen.

Nachmittags ist er total platt, dann noch die Aufgaben, das Lernen... ich habe schlicht keine Ahnung, ob es für ihn nicht noch eine größere Belastung wäre dann nachmittags noch in einen Verein zu gehen. Ich fürchte, ja, er hat jetzt schon nur halbtags Unterricht und ist platt von der ganzen Anpassung.

Ich hoffe sehr, dass er mit der Zeit wieder weniger ausgelaugt ist und mehr Energie hat. Im Moment wehrt er sich mit Händen und Füßen gegen den Gedanken, Nachmittags dann auch irgendwohin zu „müssen“. Leider.

Lg

GretchenM

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 03.01.2019, 15:31

Liebe Lisa,

das ist das coole an Geschwistern. Man hat damit automatisch eine Sozialgruppe, die auch nicht ausweichen kann. Gut, bei Euch ist es nur eine Kleingruppe mit zwei Kindern - aber das ist auch schon eine Gruppe.

Bei uns sind die Geburtstage immer stramm durchgetaktet, so dass es auch nicht passiert ist, dass die Geburtstagsgäste totgequatscht wurden. Ich habe meine Kinder zu den Gegeneinladungen meistens gehen lassen, aber IMMER mit einem schlechten Gefühl und es ist auch öfters etwas passiert.

Zu Kursen: Sobald ein Kurs mal angelaufen war, sind meine eisern bei der Stange geblieben. Wenn wir etwas ausprobiert haben, dann mindestens ein halbes Jahr und unter zwei Jahren haben wir nichts aufgegeben. Gerade wenn dann die Aktivität darin besteht, aus der Bannecke zuzuschauen, ist das durchaus eine Zumutung für die Kinder. Und selbstverständlich musste ich dabei sein.

Aber wir haben tolle Nachbarn mit gleichaltrigen durchaus auch speziellen Kindern, so dass wir wirklich ausgesprochen viel Gruppenaktivität haben - und da bin ich selbstverständlich meistens dabei.
Es gab ein paar wenig betreute afrikanische Kinder, die uns gerne besucht haben. Sie sind leider weggezogen. Mit ihnen konnte man nur im häuslichen Bereich spielen, weil es nicht berechenbar war, wann sie auftauchen würden - aber bei uns gab es immer Kekse und Spiele. Sie haben dann noch andere Kinder mitgebracht, die ebenfalls weniger behütet waren. Das kam uns entgegen, war aber nicht wirklich planbar - das heißt, wenn wir anderweitig einen Kurs hatten, musste entweder das eine oder das andere Event sterben.
Leider haben sie dann auch Kinder bei uns angeschleppt, die uns beklaut haben. Ab da habe ich nur noch die beiden Brüder reingelassen - bis sie dann weggezogen sind.

Ach ja, die Kommunikationssprache war viel mit Händen und Füßen und gebrochenem Deutsch. Und nachdem diese Kinder eingenässte Hosen sehr lange duldeten (gelegentlich habe ich ihnen Umziehsachen aufgedrängt), waren sie auch sonst sehr duldsam, das heißt sie konnten das ständige Lautieren meines nonverbalen Sohnes wegstecken - immerhin gab es im Gegenzug Kekse und ein Dach über dem Kopf (besonders bei Regen und im Winter) und bei uns bekamen die Kinder keine Schläge (manche der Kinder waren entsetzt, dass es bei uns keine Schläge gab, wenn mal ein Glas umkippte oder ein Keks auf dem Boden landete!). Ich war etwas entsetzt, dass es solche Kinder heute noch gibt (Alter 5 - 10). Aber sie haben uns gefunden und sie haben uns geholfen. Wir hatten dazumal wegen Baustelle einen Schotterhaufen vor der Haustür. So haben sie uns gefunden.

Liebe Grüße
Heike

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Andrea5
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Beitragvon Andrea5 » 03.01.2019, 15:34

Hallo Lisa, hallo Gretchen,

auch mein Jüngster hat keine privaten Kontakte. Er war ja ein paar Jahre im Sportverein in einer Integrationsgruppe, was ich eigentlich ganz toll fand. Entweder fuhr ich oder sein Betreuer. Leider mussten wir den Sport aus zeitlichen Gründen kanzeln. Der Tag, wo er ab 17 Uhr konnte, dass ging nicht mehr mit dem neuen Nachmittagsunterricht bis 15:30 Uhr. Zu Hause war er oftmals kurz vor fünf. Ben war dann auch immer sehr kaputt. Und da bleiben auch nicht so sehr viele Tage über. Dienstag ist Logo um 16:15 Uhr, da ist er um 14:30 Uhr zu Hause. Hausaufgaben müssen auch noch gemacht werden. Die anderen Tage sind noch ein zweiter Nachmittagsunterrichtstag und freitags fahren wir zu meiner Mutter ins Pflegeheim abends. Bleibt nur noch montags, diesen Tag kann entweder nur mein Mann oder unser Betreuer übernehmen. Das würden wir auch machen. Nur etwas passendes finden. Bis jetzt war es Schwimmen, aber Ben hat auch nicht immer Lust dazu. Aber mehr ist in der Woche nicht drinne. Das eigentliche Freizeitleben findet am Wochenende statt.
Ansonsten wird alles viel zu spät. Und um 18 Uhr gibt es kaum Freizeitangebote. Was für mich irgendwie unverständlich ist. Viele Kinder haben auch wie mein Sohn Nachmittagsunterricht und haben dann auch kaum zeitlich noch Möglichkeit am Vereinssport teilzunehmen.

LG Andrea
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), Legasthenie mit kormobide AVWS
/Ben 01/04 KISS(KIDD)2 Jahre blockadefrei , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, expressive Sprachstörung , Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)

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Inga
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Beitragvon Inga » 03.01.2019, 15:41

Hallo Lisa,

ja uns geht es genauso, eben darum stehe ich Inklusion auch etwas kritisch gegenüber. :?
Ja, Nico z.B. könnte problemlos als I-Kind auf die Regelschule, in den ersten Jahren hätte er dort auch sicher noch Freunde gehabt, hätte aber auch ganz deutlich gespürt, dass er Alles (schulische) weniger gut kann. Welch ein Frust... Spätestens in ein paar Jahren wird die Schere zwischen ihm und "den anderen" so groß sein, er dort keine Freunde mehr finden würde.
Aktuell passt es noch, wenn das Gegenüber 2-4 Jahre jünger ist.
Danielo, Steven, Michelle, Joshua, nein, "normale Kinder" können nichts mit ihnen anfangen, das ist nur Frust auf beiden Seiten.
Unsere Lösung ist nicht ideal, aber für uns die Beste. :oops:
Wir suchen uns andere beh. Kinder mit denen es passt. Nico hat gute Freunde in der Förderschule, die ihn besuchen.
Danielo war früher in einem Schwimmtreff für Behinderte, das war echt super. Leider kann er dort wegen einem Umzug nicht mehr hin.
Für Danielo & Michelle werden wir nun einen privaten "Freizeittreff" machen, alle 2 Wochen steigen dann aus dem Schulbus und aus dem Arbeitsbus ne Handvoll junger Leute bei Danielo´s Wohnung aus und es wird zusammen Pizza gebacken, gegrillt, Dart gespielt, Musik gehört,... Die Eltern müssen nur einen kleinen Unkostenbeitrag leisten und abends abholen.
Ansonsten bleiben nur die teuren Freizeitangeboten von Lebenshilfe und co.

Gruß, Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278

kati543
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Beitragvon kati543 » 03.01.2019, 16:58

Hallo Lisa,
außerschulische Inklusion ist praktisch unmöglich, weil die Schule den ganzen Tag geht und das Kind zu Hause nur noch schläft, frühstückt und Abend isst. Sämtliche Hobbies, AGs,... laufen bei uns über die Schule und finden auf dem Schulgelände statt. Während der offiziellen Schulzeit (8:30-16:15 Uhr) stehen meinen Kindern natürlich ihre Schulbegleiter zur Seite. Freitags endet die Schule bei uns schon 13:35 Uhr (ganz katastrophal für uns, da zu der Zeit kein Bus fährt) und dann nutzen beide Kinder noch die von der Schule angebotene Betreuung - meine Jungs gehen nun schon seit einem halben Jahr freitags in Hip Hop und wollen das auch weiter machen. Es sind nur 12 Kinder aus den Klassen 4, 5 und 6 in der AG - es ist also eine überschaubare Gruppe. Wir hatten auch erst Angst wegen unserem Jüngsten, aber er findet es toll. Eine extra Begleitperson hat er nicht. Jedoch ist sein Bruder anwesend und die Beiden sind ein ziemlich gut eingespieltes Team. Ohne den großen Bruder würde der Kleine es nicht schaffen.
Einladungen zu Spieltreffen oder Geburtstagen sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen. In meiner Kindheit gehörte das dazu. Ich habe Kindergeburtstag gefeiert und Gegeneinladungen bekommen. Ich war auch täglich bei meinen Freunden spielen. Aber meine Kinder sind Autisten. Sie haben gar nicht das Verlangen danach. Meine Söhne sind glücklich, wenn sie ihre Ruhe haben. Der Kleine liebt es Kindern zuzuschauen. Der Große kann super auf dem Spielplatz mit fremden Kindern in Kontakt kommen und mit ihnen spielen - aber sobald er sich umdreht, hat er sie vergessen und er will auch, dass es so ist. Mal abgesehen von seinem Bruder gibt es kein Kind, mit dem er länger und häufiger spielen möchte. Warum also soll ich meine Kinder zu etwas zwingen, was sie nicht wollen? Das ATZ hat damals geraten sie zu unterstützen, FALLS sie irgendwie von sich aus den Wunsch nach etwas Sozialleben und Freundschaft verspüren - aber eben keinen Zwang.
Bei uns ist es auch so, das weniger Betroffene Kind spürt die Beeinträchtigungen deutlich mehr als das stärker betroffenene Kind. Mein Ältester leidet schon teilweise richtig. Er hat schon im Kindergartenalter gefragt, warum er so komisch spricht. Nach und nach wurde ihm eben immer klarer, dass er anders ist. Irgendwann gab es dann auch das Gespräch mit uns Eltern zum Thema Behinderung. Mein Jüngster hingegen...er lebt in seiner Welt.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

JennyK
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Beitragvon JennyK » 03.01.2019, 17:07

Bei unserem Großen ist es wie bei Gretchen. In der Grundschule hat er ein paar Kinder gehabt, mit denen er gespielt hat, aber keine wirklichen Freunde. Zu Geburtstagen war er nur sehr selten eingeladen, schon im Kindergarten.
Es gibt in der Nachbarschaft einen Jungen, mit dem er spielt. In derSchule hat er ein paar Kumpels, versteht sich auch wohl ganz gut mit einigen Mädchen, aber Privatrechten will er keinen davon, Ausnahme an seinem Geburtstag, da lädt er den Nachbarsjungen und zwei Jungs aus der Schule ein.

Vereine haben wir mehrere probiert, zuerst war es kein Problem (Eltern-Kind-Turnen), aber außer Schwimmkurse hat er nichts länger gemacht. Die Schwimmkurse auch nur zielgerichtet, um die Abzeichen zu bekommen. Alles, was Interaktion mit anderen bedeutet, hat er abgebrochen.

Er hat jetzt auch Ganztagsunterricht und macht gar nichts mehr nach der Schule. Das höchste der Gefühle ist dann, dass er mit dem Nachbarsjungen mal draußen spielt, aber das ist nur sehr unregelmäßig der Fall.
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

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Beitragvon MonikaE » 03.01.2019, 17:28

Hallo,
ich erlebe es ähnlich:" Das müssen wir uns erst einmal anschauen, ob es klappt...", oder wir müssen dabei bleiben.
Besonders bei den Angeboten in den Ferien z.B. im Nationalpark finde ich das sehr schade, da es unseren PS sehr interessiert.Hier richtet sich die Inklusion an Blinde und Hörgeschädigte.
Beim Ferienprogramm im Urlaub traut sich niemand zu, ihn ohne uns zu betreuen.Wir fahren wegen ihm jedes Jahr ins gleiche Hotel, er kennt sich gut aus, aber....
Sportverein geht gar nicht, ist jedoch auch nicht seine Welt.
Die Angebote des FUD finden seit einigen Jahre nur noch in der Kreisstadt statt und das sind 35 km hin und 35 km zurück.

Er hat keine Spielkameraden und die Klassenkameraden der Förderschule wohnen alle mehr als 30 km entfernt.Hier hat er auch noch nie den Wunsch nach einem Besuch geäußert.
Er kommt bis auf den Freitag erst um 16.00 Uhr aus der Schule, da bleibt nicht viel Zeit.
Aber ich wünsche mir etwas für die Ferien, was ihn interessiert und wo er Kontakt zu anderen haben kann, nicht muss.
Aber hier auf dem "platten " Land tut sich da nix und ich fühle mich zu müde um etwas derartiges auf die Beine zu stellen.

Viele Grüße und einen schönen Abend

SimoneChristian
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Beitragvon SimoneChristian » 03.01.2019, 20:42

Hallo Lisaneu,

du sprichst ja mehrere unterschiedliche Probleme an.

Ich kann verstehen, wenn der durchschnittliche Sporttrainer, der meist ja keinen pädagogischen Beruf hat, sich mit besonderen Kindern überfordert fühlt. Er kann ja meist das Verhalten nicht einschätzen und auch nicht umlenken.
Bisher habe ich gute Erfahrungen mit einem offenen Umgang mit den Besonderheiten und dem Angebot, dabei bzw. kurzfristig erreichbar zu bleiben, gemacht.

Dass keine Kinder zum Kindergeburtstag kommen, sollte man vielleicht differenzierter betrachten.
Ich mache z.B. einen ziemlichen Aufstand :oops: darum, dass mein Sohn Freunde haben kann.
Angefangen bei attraktivem, angesagten Spielzeug, über das C. sich mit seinen Kumpels unterhalten kann. Planung der Treffen bezüglich welche Zimmer und welches Spielzeug darf bespielt werden. Snacks und ein bis zwei "geleitete" Aktivitäten, die beide Kinder interessieren (basteln, backen, Musik machen etc.) falls es mal nicht so läuft.
Und dann moderiere ich häufig schwierige Situationen und bespreche sie mit C. nach.
Was willst du? Was will dein Freund? Wie könnt ihr einen Kompromiss finden?
So ist C. ein meist gern gesehener Spielpartner. Er ist kompromissbereit, teilt meist gerne und "schwafelt" nur gelegentlich über seine Spezialthemen.

Ich versuche auch immer, mir die Mütter "warm" zu halten, so, dass es nicht so auffällt, dass C. bisher nicht alleine bei seinen Freunden bleiben möchte.
Bei Kindergeburtstagen biete ich immer gerne meine Hilfe an.

Eigene Kindergeburtstage plane ich länger im Voraus, verteile sehr rechtzeitig die Einladungen und kommuniziere mit den Müttern und C. parallel über die Wünsche. So weiß er dann meist sehr genau, was wer schenkt, und hat so viel mehr Kapazitäten für die weitere soziale Interaktion übrig.

LG
Simone
C. (*9/11) Sprachentwicklungsverzögerung, Regulationsstörungen des Kindesalters
atypischer Autismus (Diagnose 07/15)

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r.bircher
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Beitragvon r.bircher » 03.01.2019, 21:20

Hallo zusammen

Die Skepsis am Anfang ist nichts als normal. Wenn man nicht gerade das Glück hat an jemanden zu gelangen der schon Erfahrungen damit hat, ist das für die Nichtbehinderten erst mal das grosse Unbekannte. Da sind einfach Berührungsänste. Je offener man auf die Nichtbehinderten zu geht, desto schneller legen sich diese. Beim Sportverein kann man ja ein paar Probetraining vereinbaren.

Wertet das skeptische verhalten nicht gleich als Ablehnung, sondern eher als "Wir wissen nicht recht wie damit umzugehen." Die Nichtbehinderten stellen sich das erst oft viel zu kompliziert vor. Hier ist etwas Geduld gefragt. Anders ist es vielleicht, wenn die Leute schon Erfahrungen haben. Und natürlich kann es auch scheitern, Doch auch daraus kann man lernen und manchmal muss man ein paar Vereine durchprobieren, bis man seinen Saftladen findet.

Also nur Mut, es lohnt sich und zwar für alle Seiten. Ich kam an den meisten Orten relativ einfach rein... raus gehen ist allerdings eine andere Geschichte.

Ich spreche allerdings als körperlich Behinderter.

Gruss Raphael
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