Selbstverletzendes Verhalten

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Bika
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Selbstverletzendes Verhalten

Beitragvon Bika » 02.01.2019, 10:42

Hallo,

Hat jemand damit Erfahrung?
Uns hat es hier grad kalt erwischt.
Mein ADS-Kind (15) ist betroffen. Wir hatten keine Ahnung.

Ich dachte wirklich sie wäre auf einem guten Weg.

Wir sind damit überfordert.

Kann jemand hilreiche Literatur empfehlen?

In der KJP waren wir kurz vor Weihnachten zur Wiedervorstellung.
Sie hatte im Einzelgespräch nur Banalitäten thematisiert und hat uns später sehr eindetig signalisiert, dass sie zur Zeit eine psychotherapeutische Hilfe verweigern würde. Wir wollen den kleinen Zugang zu ihr nicht aufs Spiel setzen.

Nachahmung oder neugieriges Ausprobieren fallen als Ursachen leider weg.

Sie wusste schon früh erstaunlich viel über Depressionen und ist in dieser Thematik erschreckend bewandert.

Ich weiß nicht, was wir tun sollen.

LG

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 02.01.2019, 11:06

Hallo Bika,

kürzlich drübergestolpert: http://ze.tt/wie-ich-es-schaffte-vom-ri ... mo.link.sf

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Bika
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Beitragvon Bika » 02.01.2019, 14:28

Vielen Dank für den Link, Engrid.

Muss meine Gedanken sortieren.

Vor einiger Zeit habe ich ähnliches bei einer entfernten Bekannten mitbekommen.

War damals so selbstgerecht und der Meinug, dass das bei zugewandten Eltern nicht passieren dürfte und wenn doch, dass es dann nicht verheimlicht werden könnte, weil man einander schützend wahrnimmt.

Darf man in so einm Fall eigentlich das Tagebuch seines Kindes lesen?

Meine Tochter weiß, dass das wir das (grundsätzilich und eigentlich) niemals tun würden. Daher könnte dort Wichtiges stehen.

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 02.01.2019, 16:12

Hallo Bika,
selbstverletzendes Verhalten hat manchmal die Funktion, dem seelischen Schmerz der Depression ein kurzes Gegengewicht entgegenzusetzten, quasi einmal einen anderen Schmerz zu fühlen.
Wenn sich deine Tochter gut mit Depressionen auskennt, gäbe es eventuell eine Möglichkeit, dass sie sich auf eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva einlassen könnte?
Und noch ein Gedanke: Mein Patenkind hat ausgepägtes ADHS. Unter Mediknet entwickelte sie urplötzlich schwerste Depressionen :shock, die mit Absetzen des Medis genauso urplötzlich verschwand. Einen Medikamentennebenwirkungen kann es nicht sein, oder?

Liebe Grüße und viel Kraft
wünscht Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Senem
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Beitragvon Senem » 02.01.2019, 17:10

Hallo Bika,

habt ihr schon mal was vom Notfallkoffer gelesen oder gehört?

Das wird auch bei selbstverlezendes Verhalten empfohlen!

Man nimmt eine Kiste oder Karton und tut alles rein, was einem gut tut und davon abhalten soll, sich selbst zu verletzen!
Und um sich abzulenken!

Ein schöner Spruch, Duftöl, ein Buch, Telefonnummern von Freunden und Familie, Schokolade mit scharfem Geschmack usw.
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

rena99
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Beitragvon rena99 » 08.01.2019, 10:13

Hallo Bika,

lös dich erst einmal von deinen Selbstvorwürfen, auch wenn das schwer fällt. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, wir haben jahrelang (!) nichts von der Zwangserkrankung unserer Tochter mitbekommen. Und auch ich hätte Stein und Bein geschworen, dass uns das nicht passieren kann. Stimmt eben nicht. Also: an dir oder mangelndem Kontakt oder was auch immer liegt es nicht.

Mit 15 hast du praktisch keine Möglichkeit mehr, deine Tochter zu irgendwelchen Behandlungen zu zwingen, die nicht unter akute Selbst- oder Fremdverletzung fallen. Also nur, wenn sie akut selbstmordgefährdet sein sollte, kannst ud therapeutische Maßnahmen "durchsetzen".

Ich würde auf jeden Fall einen zügigen Beratungstermin für dich ohne deine Tochter in der KJP veranlassen und dort auch nachfragen wollen, ob die Medikamentierung Auslöser sein kann.

Das Thema Selbstverletzung sollte auf keinen Fall alle eure Gespräche dominieren. Insebesondere sollte es nicht am Esstisch vorkommen. Stell einen Ordner mit Hilfsangeboten zusammen (z.B. Kontaktadresse des KJP und ähnliches) und erkläre deiner Tochter, wo der steht und dass sie da jederzeit um Hilfe nachsuchen kann. Und dass du natürlich auch alles organisierst, wenn sie das dann möchte. Auf keinen Fall solltest du in ihre Tagebücher schauen, das ist eine dermaßen großer Verletzung der Privatsphäre deiner Tochter, das ist bei einem pubertierenden Kind nicht mehr zu kitten.

Ich verstehe, dass du dir Sorgen machst. Von daher sprich mit der KJP und die sollten dir auch erläutern können, wie man akute Depressionen erkennt, bei denen man direkt eingreifen sollte.

Und löse dich von allen Selbstvorwürfen. Sei für deine Tochter da, aber auf "normale" "unaufgeregte" Art. Sie braucht dich auf jeden Fall, auch wenn sie es nicht zeigt. Aber eben als Mutter, nicht als Kontrollinstanz, die Vorwürfe macht. Versuch ihr schöne Aktivitäten anzubieten, eine Einkaufstour oder bring ihr einfach mal einen Tee ans Bett. Frag nicht zu viel nach, sondern lass sie einfach "kommen" mit ihren Sorgen und Nöten. Wenn sie nicht reden will, dann könnt ihr auch einfach mal zusammen schweigen. Gib ihr Halt durch wenige, aber strikte (nachvollziehbare) Regeln, die du dann auch durchsetzt.

Wenn deine Tochter eh Tagebuch schreibt, dann mach ihr den Vorschlag, jeden Tag 3 positive Dinge aufzuschreiben, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Damit man positiv aus dem Tag herausgehen kann.

Ich wünsche dir Kraft und Geduld, die wirst du brauchen. Und: du bist nicht alleine mit diesem Problem!

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)


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