Ich bin pro Inklusion!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 05.01.2019, 09:47

Hallo mariannna,

ja, ich weiß, dass du damit vollkommen recht hast. Nur bin ich nicht der Typ, der sich das äußern der eigenen Meinung verbieten lässt. Und wenn wirklich ein Thread erwünscht wird, wo alle nur eine klar definierte, bestimmte Meinung vertreten werden dürfen, dann soll man das klar definieren. Blöderweise fällt dann die Diskussion weg und keiner kann mehr vom anderen was lernen oder mitnehmen - aber wenn das von denjenigen, die keine andere Meinung dulden, in Kauf genommen wird, bitte...

Der Titel sagt für mich aus, dass die TE "für Inklusion" ist, nicht dass es nicht erlaubt ist, abweichende Meinungen zu vertreten. Wenn ich einen Thread eröffne "Ich bin FÜR Gebärdensprache" muss ich auch damit leben können, dass wer anderer schreibt "Ich bin FÜR Lautsprache" oder "Ich bin FÜR unterstützte Kommunikation"und dass im Thread das FÜR und WIDER der verschiedenen Möglichkeiten diskutiert wird. Das ist ja unter anderem der Sinn eines Forums wie diesem hier!
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anke505
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Beitragvon anke505 » 05.01.2019, 10:14

Hallo,

ich denke, in diesem Forum befindet sich niemand, der möchte, dass sein Kind ausgegrenzt wird.

Also gegen Inklusion ist.

Ich vermisse nur hier immer wieder den Gedanken , sind unsere Kinder auch mit
der Inklusion um jeden Preis glücklich .

Es geht doch nicht nur um den Willen der Eltern, doch so kommt es mir hier vor.

Der Alltag selbst für unseren Sohn , ich sage mal provokant, nur mit Körperbehinderung , ansonsten kognitiv sehr fit , sieht oft nicht nur rosarot aus.

Gerade Kinder in der Pubertät können doch sehr gemein sein, da wird gemobbt und sich verglichen, ist normal.

Kinder mit Handicap müssen sehr stark sein , leider müssen sie auch mehr leisten , um anerkannt zu werden.

Ist es für einige Kinder nicht doch besser , in einem geschützten Raum unterrichtet zu werden?

LG Anke

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 05.01.2019, 10:40

Hallo ihr Lieben,

... ja hier sind wir wieder beim Kern der Sache: Was ist eigentlich Inklusion?
Was bedeutet das jetzt für den Betroffenen und seine Umgebung?

Also kein Mensch möchte ständig mit allen in Kontakt sein und treten müssen... gewisser Wettbewerb ist sicherlich erforderlich um sich entwickeln zu können... aber muss nun bei diesem Wettbewerb alles in einer Gruppe statt finden? - Ein Nebeneinander soll es nicht sein, ein Miteinander ist auch nicht so unbedingt mit allen Betroffenen möglich... - egal ob ich jetzt z. B. ein Mädchen habe, welches bereits sexuell schlechte Erfahrungen gemacht hat und deshalb eine Angst vor den jungen Männern in seiner Klasse hat, oder so vieles andere... - es müssen ja nicht immer die "Wahrnehmungskinder" sein, die hier die Probleme verursachen... (obwohl auch das wieder eine Wahrnehmung ist...)
Wie gesagt, ich hatte halt in den ersten 4 Jahren eine Pädagogin in der Klasse meines Kindes, die es liebte ihre Schüler in ständigen Konkurrenzkampf zueinander zu sehen und es liebte, wenn Kinder die nicht so mithalten konnten von den anderen runtergemacht wurden... "That´s life..." - Ich bereite die Kinder aufs Gymnasium vor... und dort geht es einmal nur um Konkurrenz und "wer ist besser"...

Was ist nun Sinn der ganzen Unternehmung? Die Schule ist dazu da um die Kinder auf das Arbeitsleben vorzubereiten... Sie sollen gewisse Fertigkeiten erlangen, auf ein gewisses Niveau und Level gebracht werden... sie sollen auch - nach Möglichkeit - eine gewisse Teamfähigkeit mitbringen, motiviert und ausdauernd bei einer Sache bleiben können...

Wir erleben es hier ja auch, dass jene, die diese Skills nicht erreichen keinen Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt finden. 'Warum muss ich dann alle in eine Klasse stecken? - Reicht es nicht, wenn sie in einem Gebäude sind? - Und jene, die wirklich Schutz brauchen vielleicht sogar etwas abgelegener untergebracht werden und zwar dort, wo sie auch die Therapien, die Art der Bewegung die Art der Entwicklungsmöglichkeit erleben können, die sie brauchen? - Also vielleicht Bewegungstraining, Esstraining, Schlucktraining, WC-Training... Training wie man sich an- und auszieht... warum soll das genau im gleichen Raum sein, wo die anderen gerade ein chemisches Experiment machen, oder Schularbeit schreiben, Fremdsprachen erlernen...

Was bringt denn das, wenn diese Kinder zwar jetzt in den Stunden dort anwesend sind, deren Sehnen und Muskeln, der ganze Bewegungsapparat verkümmert, weil das ja niemand dort machen kann...

WAS IST DANN INKLUSION??

Wenn die Kinder in verschiedenen Räumen eines gemeinsamen Gebäudes ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert und gefordert werden, dass ist ja scheinbar keine... denn sonst würde das jetzt nicht als Inklusionsgegner gesehen werden...

Müssen die Kinder denn wirklich rund um die Uhr dann zusammenkleben damit man von Inklusion sprechen kann? Muss dann wirklich jeder Wandertag so gestaltet werden, dass das beatmete und sehr infektanfällige Kind mitgenommen werden kann?

Leider erlebe auch ich es in der Realität, dass es schon sehr schwer ist z. B. ein Kind mit Diabetes einige Tage mitzunehmen... vor allem in der Pubertät... (wenn die Mutter als Betreuerin mitkommt, hat das Kind kein gutes Gefühl, das Kind selbst kann vielleicht auch nicht immer in jeder Situation richtig handeln und die Lehrer müssen sich auch absichern wegen der Verantwortung, haben die medizinische Ausbildung auch nicht dafür...)

Also, wenn das schon nicht funktioniert, wie will man dann erst wirklich stärker Beeinträchtigte Kinder ohne Begleitperson oder KS oder ähnliches auf solche Veranstaltungen mitnehmen und was haben diese wirklich davon? - Wenn ich da nur so gewisse Syndrome anschaue, WEST-Syndrom z. B.
oder auch andere Formen der Epilepsie...

Bzw. wie viele Begleitpersonen müssten denn dann mitfahren?
- Wie groß wäre denn dann der Aufwand, was würde das an Kosten verursachen und wer müsste das dann bezahlen?

einige Gedanken zum Thema Inklusion...

vor allem auch in Klassen von 25 Kindern und mehr...
und nur einer Lehrkraft dazu...
ohne weiteren Betreuern in diesen Klassen...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 05.01.2019, 13:14

[quote="Silvia&iris")] ja hier sind wir wieder beim Kern der Sache: Was ist eigentlich Inklusion?[/quote]
Genau das ist die Frage. Inklusion ist Zulassen von besonderen Menschen und besonderen Kindern, denn es gibt keine "normalen" Kinder sondern nur ungenügend getestete.

Deshalb geht es genau darum, die Fährigkeiten der Kinder zu entwickeln. Wenn man defizitorientiert an die Sache rangeht, hat man schon verloren, sozusagen. Man muss nicht fragen, "welche Einschränkungen hat das Kind", sondern, "Was kann das Kind?". Und die zweite Frage muss dann sein: "Wo soll das Kind hin?" - Also die Frage nach dem Arbeitsleben eventuell oder die Glückseligkeit oder schlichtweg das Leben.
Wenn man so an die Sache rangeht, stellen sich andere Fragen gar nicht erst. Wenn ich so an das Thema rangehe, dann muss ich nicht mehr argumentieren, dass
Muss dann wirklich jeder Wandertag so gestaltet werden, dass das beatmete und sehr infektanfällige Kind mitgenommen werden kann?
. Dann muss ich auch nicht begründen, warum ich mich ärgere, wenn mein autistisches Kind zu 50 Wandertagen im Jahr mitgeschleift werden soll und dass ich es unnötig finde, dass er in der vierten Klasse mindestens 12 Mandalas akribisch ausgemalt haben soll - mit viel Rosa(!) :twisted:
Wenn ich von den Fähigkeiten und Bedürfnissen komme, dann setze ich die Planung gleich von Anfang an anders auf. Das machen wir im familiären Rahmen doch auch. Und deshalb funktioniert da auch mehr, als im schulischen Umfeld. Dort wird noch viel zu viel auf Zwang gesetzt. Weniger aus Bosheit, mehr aus Gleichgültigkeit und Dummheit. Und die Dummheit wird dann mit allen Mitteln verteidigt - das Totschlagargument ist immer die finanziellen Mittel.

Liebe Grüße
Heike

Susanne1887
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Beitragvon Susanne1887 » 05.01.2019, 15:25

Hallo,

ich finde die Hänseleien zwischen den Kindern (behindert - nichtbehindert), entstehen ganz besonders dadurch, dass die Kinder ohne Beeinträchtigung von klein auf nie mit Kindern mit Beeinträchtigung zusammen waren und sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. Dabei gehört das Thema eigentlich in jeden Lehrplan, denn die meisten von uns werden auch irgendwann "behindert" sein (Demenz, Schlaganfall, Alter ... etc...)

Gerade in der örtlichen Förderschule Lernen soll es extrem mit dem Mobbing sein. So extrem, dass jetzt schon vermehrt Schulpsychologen, Sozialpädagogen und Security in den Pausen vor Ort sein müssen. Das ist für mich erst recht kein geschützer Raum.

Ich weiß nicht, wie es euren Kindern ging. Mia wurde in ihrer Kindergartenzeit so oft auf Herz und Nieren getestet. Gerade bei den Intelligenztests habe ich mir oft gedacht... PUUH das hätte ich auch nicht besser hinbekommen. Ich glaube, ich wäre da bei manchen Aufgaben gnadenlos durchgefallen (und ich bin Chefsekretärin von Beruf). Und möchte nicht wissen, welchen niedrigen IQ manche Erwachsene hier und dort erreicht hätten, die ein ganz normales Leben führen. Ich bin für mich überzeugt, wenn alle Kinder diese vielen Tests hätten durchlaufen müssen, dann wären einige als beeinträchtigt eingestuft worden, mit unzähligen Therapien.

Ich habe mich in den letzten Jahren sehr oft mit Fachleuten, aber auch betroffene Eltern unterhalten. Viele Fachleute haben mir versichert, dass die Kinder sehr oft von den Therapeuten durch eine defizitäre Betrachtungsweise bezogen auf einzelne Symptome gesehen werden, und der der Gesamteindruck verloren geht. Je mehr Therapie - desto weniger wird den Kindern zugetraut Entwicklungsschritte von alleine zu gehen = diese Tendenz scheint es häufiger zu geben. Der Oberarzt des SPZ hat in einem langen Gespräch mir versichert, dass er immer wieder beobachte, dass manche Eltern ihren Kindern automatisch weniger zutrauen, sobald sie von den vielen furchtbaren Diagnosen erschüttert sind. Intuitiv findet bei vielen Eltern der Impuls statt: "Mein armes Kind, es hat so schreckliche Diagnosen, ich muss ihm jetzt ganz viel helfen." Genau diesen Impuls verspürte ich auch ganz extrem und ich musste sehr an mir arbeiten um meinem Kind ganz viel zuzutrauen. Wir mussten sogar kinderpsychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Ich musste lernen loszulassen und meine Ängste über Bord zu werden, und Mia musste lernen dass sie ganz ganz stark ist und dass sie viel mehr kann als sie eigentlich glaubt.



LG
Susanne
Mia'10: auditive Wahrnehmungsstörung nach langjähriger sehr starker Schwerhörigkeit,
Hypersensibilität, LRS

Fabienne'14: gesund

grace
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Beitragvon grace » 05.01.2019, 15:28

Lisa Maier hat geschrieben: Allerdings verrate mir, wo die Behinderten sind. In insgesamt 6 Wochen im südlichen Italien sind uns genau 9 Rollstuhlfahrer begegnet. In zwei Tagen Florenz genau einer.
Lisa


Ich hoffe das ist nicht polemisch gemeint und du verstehst das ich auf so allgemeine Fragen unmöglich antworten kann...

Ich hatte mit meinem Beitrag auch nur zeigen wollen wie ein inklusives Schulsystem anderswo aussieht und ich bin auch nur eine Mutter deren Kinder eben inklusive Schulen besuchen mit denen ich sehr zufrieden war bzw. bin.

Das heißt nicht das alles immer 100% geklappt hat und wir keine Kompromisse eingehen mussten, aber es gibt halt keine perfekten Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern.

Was für mich zählt ist die Akzeptanz und das willkommen, es darf nicht nur nach Leistung bewertet werden, sondern nach Anstrengung, dann gibt es auch keinen „Schlechtesten“ mehr sondern nur noch individuelle Entwicklungen.

Wie auch von anderen Usern schon angemerkt ist das deutsche dreigliedrige Schulsystem Inklusionuntauglich und ich denke es wird in den nächsten 20 Jahren ersetzt werden.

Meine Tochter galt bis zu 5 Jahren entwicklungverzögert, sie schien gar keine Logik zu verstehen und konnte bei ihrer Einschulung weder schreiben noch lesen. Ich frage mich oft ob sie in Deutschland überhaupt eingeschult worden wäre? Sie hat erst in der vierten Klasse aufgehohlt und dann ist die Schere erstaunlicherweise in die andere Richtung aufgegangen, sie war den anderen Schülern ihrer Klasse weit voraus und entwickelte ungewöhnliche Interessen. Meine Tochter ist keine Ausnahme, auch hier im Forum liest man von sehr vielen ähnlichen Fällen! Was bringt das frühe aussortieren also außer Frust?

Es freut mich übrigens sehr das die letzten Inklusionsthread in REHAkids so gut verlaufen, keine schrecklichen Shitstorms mehr wie ich sie von früher kannte!
Ich bin auch froh das einige User weg sind welche diese Threads immer ganz bewusst mit pseudointerlektuellen ellenlangen contro Texten regelrecht zugekleistert haben und das auch mal andere User zu Wort kommen.

LG

Grace

Sheila0505
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Beitragvon Sheila0505 » 06.01.2019, 00:10

@Lisa: Weißt du, ich habe heute einen sehr langen Text geschrieben. Immer wieder wenn ich kurz Zeit hatte, hatte ich weiter geschrieben. Dann am Abend, habe ich eine falsche Taste gedrückt, dann war der Text futsch.
Vielleicht gut so, weil sowieso alles nur so verstanden wird, wie man es verstehen möchte.
Ich finde es ganz furchtbar, dass hier User/innen als radikale Idealisten tituliert werden und Vergleiche mit extremen Dschihadisten und radikalen Linksextremisten angestellt wurden. Aber klar bedankst du dich dafür, denn es geht hier ausschließlich ums Recht haben (entschuldige, aber mich ärgerten diese Vergleiche sehr, ich fand sie mehr als grenzwertig!) und selbstverständlich ist es angenehm zu lesen, wenn neben dieser Titulierung auch noch geschrieben wird, dass diverse Ansichten die einem nicht in den Kram passen nicht beachtenswert sind, weil sie ja von "Radikalen" kommen. Aber selbstverständlich ist die eigene Ansicht als "gemäßigt" zu bewerten - Örgs, ne ist ja klar. Sehr grenzwertig was hier geschrieben wurde. Und deine Dankeschön Reaktion zeigt mir, dass jene "gemäßigte Inklusionsbefürworter" (finde diese Wortwahl ziemlich affig, weil allein diese Differenzierung impliziert, dass Inklusion nicht als Solche verstanden worden sein kann) im Grunde festgefahren sind in ihren Ansichten. Bei einer gelungenen inklusiven Beschulung gibt es rein gar nichts "Radikales", es gibt auch keine radikale Ideologie welche dorthin führen könnte.

ICH habe auch nirgends irgendwas in die Richtigung geschrieben, dass irgendwer hier Inklusionsgegner wäre - genau das ist ja der Punkt. Wenn man Inklusion als solche tatsächlich versteht - auch hinsichtlich inklusiver Bildung -, kann es keine Inklusionsgegner hier in diesem Forum geben. Diese Argumente wie "auf Biegen und Brechen im gemeinschaftlichen Klassenzimmer Zeit verbringen zu müssen, damit Inklusion stattfinden kann" hat rein gar NICHTS mit inklusiver Beschulung zu tun. Das ist schlicht und ergreifend keine Inklusion im Sinne der inklusiven Bildung.

Das es vielerorts zum jetztigen Zeitpunkt (noch) so vonstatten zu gehen scheint, ist genau der Punkt wo ich geschrieben hatte, dass man auf das System schimpfen kann, welches sich noch nicht in der vollumfänglichen Verantwortung sieht, sich flexibel umzustrukturieren, seine Ansätze zu überdenken/-arbeiten, seine Inhalte und Strategien umzudenken, Lernräume zu schaffen.

Selbstverständlich geht die Vision einer inklusiven Beschulung/Bildung mit der konsequenten Reduktion der Exklusion einher. Ein schwieriger Umbruch in welchem sich unser Land derzeit befindet, sehr schwierig lösbar. Auf kurz oder lang wird sich unser System neu strukturieren und umdenken müssen, damit inklusive Bildung funktionieren kann.
Dennoch ist bereits vieles passiert, allein die Vision setzt ein deutliches Zeichen zum Wohle aller Menschen mit Besonderheiten in unserem Land.

Ziel sollte es sein, dass der Fahrdienst nicht um 5:00 Uhr in der Früh vor der Türe stehen muss, um ein schwerbehindertes Kind zur 100 km weit entfernten Förderschule zu fahren. Das schwerbehinderte Kind sollte ab Schuleintritt nicht mehr "verschifft" werden müssen, sondern im Kreise seines Lebensumfeldes unter den erforderlichen Bedingungen bleiben dürfen.
Ich weiß noch wie es zu meinen Kindertagen war. Damals waren Wörter wie "Behindie" oder "Du Mongo" noch klassische, allgegenwertige Schimpfwörter. Klar, man kannte ja schließlich auch niemanden den es tatsächlich betrifft. Denn Betroffene begegnete man auf dem Schulhof nicht, denn Diese wurden seperat in den berüchtigten Sonderschulen beschult, weit weg von der Erlebenswelt des "normalen" Schüleralltags. Und dann beim Einkaufen wurde geglotzt wenn man einen von "Ihnen" sah, bekam man ja nicht häufig zu Gesicht, irgendwie "wie von einem anderen Stern".

Ich erinnere mich noch gut an ein Mädchen hier aus der Gemeinde mit der wir gut befreundet waren und oft zu Besuch waren. Aber ihre schwermehrfachbehinderte Schwester bekam man kaum zu Gesicht. Sie war ganztags in einer weit entfernten Schule untergebracht.

Eine inklusive Bildung ist hierzulande noch eine Vision und wir sind noch sehr weit weg von einer gelungenen Umsetzung. Aber die Vision per se ist richtig und wichtig.
Schulpflichtigkeit ist wieder ein ganz eigenes Thema, zu welchem es einen ganz eigenen Thread gibt.

Zitat:
"Noch mal, wenn hier nur wer schreiben darf, der ohne WENN und ABER für die Inklusion ALLER besonderen Kinder ist, dann werden hier schon im Thread etliche andere Meinungen eindeutig EXKLUSIV ausgeschlossen.

Frei nach dem Motto "Wer nicht für den Frieden ist, wird verhauen!"

Lisa, ich möchte nicht noch 10x schreiben, dass es darum gar nicht ging. Dir geht es hier offenbar primär nur mehr ums Rechthaben. Ich schätze deine Beiträge sehr sehr oft und mag dich auch als Userin sehr gerne leiden. Aber das ist mir hier zu anstrengend und zeitintensiv.
Die Vergleiche die hier gefallen sind, haben dann echt den Vogel abgeschossen.

Ich verabschiede mich aus diesem Thread, welcher mittlerweile dem anderen sehr sehr ähnelt. Einen schönen Abend noch und liebe Grüße

Sheila

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Beitragvon Dario » 06.01.2019, 00:40

Sheila0505 hat geschrieben:Ich finde es ganz furchtbar, dass hier User/innen als radikale Idealisten tituliert werden und Vergleiche mit extremen Dschihadisten und radikalen Linksextremisten angestellt wurden.


Den Vergleich fand ich auch daneben, denn gewaltbereite Inklusionsaktivisten (nur dann wäre die Analogie berechtigt) habe ich noch nicht erlebt, weder hier noch woanders. :roll:

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Beitragvon Sheila0505 » 06.01.2019, 00:43

Nachtrag:

Zitat von Lisa:"Von wem wird Inklusion hier auf was, was sie eigentlich "nicht ist" reduziert? "

Lisa, der Ausgangsthread war folgender, Zitat:
"Hi,
Ich will hier nix neues starten, bin nur sehr traurig, daß gerade hier Diskussionen über Inklusion so "eskalieren" müssen und dann schließlich im Sande verlaufen.
Danke an alle die an dem Glauben an gelingendes Miteinander für alle weiter festhalten <3
LG Uschi"

Inklusion ist weit mehr als das Thema "inklusive Beschulung/Bildung". Inklusion ist seit 2009 auch hierzulande ein Menschenrecht - basierend auf die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen -, sie ist eine gesellschaftliche Wertehaltung, Aufgabe und ein Prinzip, welche sämtliche Lebensbereiche und -Umstände betreffen, ob jung oder alt.
Und dieses Menschenrecht ist wichtig und richtig.

http://www.inklusion-als-menschenrecht.de/

Daher ist es auch ganz ganz großer Quatsch von "Inklusionsgegner" zu sprechen. Inklusion ist ein Menschenrecht, ein Recht welches wir alle schützen sollten.
Doch Inklusion wird hier nur auf das Thema inklusive Bildung reduziert und zusätzlich auch noch missverstanden.

Liebe Grüße, Sheila

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 06.01.2019, 20:01

Sheila0505 hat geschrieben:Doch Inklusion wird hier nur auf das Thema inklusive Bildung reduziert und zusätzlich auch noch missverstanden.


Ich wäre gern bereit, zu lesen, wie Inklusion außerschulisch aussehen kann und würde auch gern Beispiele dazu lesen - positive wie skeptische. Ich denke man kann was nur "besser machen" wenn man darüber diskutiert.

Hier sehe ich ganz grob zwei Gruppen: bedingungslose Inklusionsbefürworter und Inklusionskeptiker was die Machbarkeit und Sinnhaftigkeit betrifft. Von Inklusionsgegnern habe ich hier noch nichts gelesen.

Daher frage ich nochmal ganz klar: ist es wirklich von den bedingungslosen Inklusionsbefürwortern GEWOLLT dass die Skeptiker hier nicht mehr schreiben dürfen? Glaubt hier wer, schon die perfekte Idee, wie es funktionieren kann, zu haben, so dass nichts mehr hinzugefügt werden muss und einfach alle skeptischen Kommentare und negativen Erfahrungen als "schlecht reden" gesehenwerden?

Hat jemand das Patentrecht, zu wissen, was Inklusion wirklich "ist" und gibt es für alle jemals dabei auftretenden Probleme klare, perfekte Lösungen? Glauben die bedingungslosen Inklusionsbefürworter, etwas BESSER zu machen, indem sie sogar den schriflichen Austausch mit Menschen mit anderer Meinung kategorisch ablehnen? Ich kann Inklusion nicht so schön definieren wie manche hier, aber das kommt für mich eher absoluter Exklusion gleich!

Wir, die eigentlich alle als Eltern von besonderen Kindern in einem Boot sitzen, sind nicht mal imstande, MITEINANDER zu debattieren, zu distutieren, von mir aus auch zu streiten, um eine bessere Zukunft für unsere Kinder zu ermöglichen? Schade!

Aber bitte, wenn es so sein sollte, dann eröffne doch noch einen Thread, wo nur bedingungslose Befürworter der Inklusion, wie du sie dir vorstellst, schreiben dürfen.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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