Ich bin pro Inklusion!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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grace
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Beitragvon grace » 03.01.2019, 18:20

Hallo,

Schule für ALLE sieht hier so aus:

Grundschule 1. bis 5. Klasse, kleine Schulen, höchstens zweizügig, meistens kleine Klassen (circa 20 Kinder), jeder wird nach dem Stichtag ohne irgendeinen Test aufgenommen, sitzenbleiben gibt es nur sehr selten. Die ersten beiden Jahre wird langsam vorangegangenen, ab der dritten individuelle Förderung stärkerer Schüler, Wiederholungen für schwächere Schüler. Es gibt Vollzeit bis 16 Uhr oder Normalzeit bis 13 Uhr und auch gemischte Züge. Nach 13 Uhr ist allerdings die richtige Schule vorbei, es gibt danach essen, spielen und Hausaufgaben. Für Behinderte Kinder mit Diagnose wird individuell entschieden ob spezielle Förderlehrer oder schulbegleitung notwendig, sind. Generell wird noch viel gebastelt, gemalt, gespielt und gesungen, Inklusion ist bei so jungen Kindern eigentlich eher einfach.

Mittelschule von 6. bis 8 Klasse: die Schulen sind größer und mehrzügig, Klassen werden bewusst zusammen gestellt und möglichst gut gemischt, kleinere Klassen für verhaltensauffällige Schüler, lernen steht im Vordergrund, Haupschulabschluss für alle zielgleich unterrichteten Kinder, wer ihn nicht schafft muss wiederholen, wer zieldifferenziert unterrichtet wird läuft automatisch weiter. Die meisten Mittelschulen sind um 13 Uhr zuende, Hausaufgabenbetreuung möglich.

Oberstufe von 9. bis 13. Klasse: jetzt wird nach Talenten, Interessen und Motivation differenziert, es können aber theoretisch alle Regelschüler mit Hauptschulabschuss jede Schule besuchen, praktisch wird sich aber kein lernfauler Schüler das klassischen Gymnasium aussuchen weil schon vorher weiß das er nicht stundenlang Latein und Griechisch pauken will, ebensowenig geht der Mathehasser auf das naturwissenschaftliche Gymnasium, manchmal bestehten Eltern auf eine bestimmte Schule, aber das erledigt sich meistens mit einem Wechsel nach dem ersten Jahr. Außer den Gymnasien gibt es noch technischen Schulen und Berufsschulen. Behinderte Jugendliche müssen auf allen Schulen akzeptiert werden, erreicht man allerdings das Lernziel nicht, bekommt man keinen Abschluss und das ist auch richtig so. Die meisten Schulen gehen bis 13 Uhr, Nachmittagskurse sind freiwillig, es bleibt also genug Zeit für außerschulische Interessen.

Ich sehe dieses System sehr positiv, keine frühe Auslese, kein Stress um das Gymnasium, keine Ungerechtigkeitsdrama alla „der Bub mit DS darf aufs Gymnasium und mein Sohn nicht“, außerdem haben Spätzünder und Migrationskinder viel Zeit sich zu entwickeln und die Sprache zu lernen.

LG

Grace

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Werner I
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Beitragvon Werner I » 03.01.2019, 19:42

grace hat geschrieben:Schule für ALLE sieht hier so aus:

Hallo grace,
wo ist dieses "hier"? (Bundesland)

LG
Franziska

Susanne1887
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Beitragvon Susanne1887 » 03.01.2019, 19:44

Hallo :-)

mich hat etwas in unserer SVE Zeit sehr stutzig gemacht: Meine Tochter ging ja ein Jahr in die SVE wegen ihrer sprachlichen Schwierigkeiten. Es waren ca 20 schulpflichtige Kinder. In der SVE wurde wirklich sehr viel mit den Kindern gemacht und sie wurden bestmöglichst gefördert. Trotzdem hat KEIN Kind auch nur die Empfehlung erhalten, es mit der normalen Regelschule inklusiv wenigstens zu versuchen. Uns wurde vorgeworfen, Mia hätte eine katastrophale Stifthaltung, sie könne NIEMALS in die Regelschule; Lösung: wir haben ergonomische Stifte gekauft :!:

Trauen wir Kindern mit Handicap zu wenig zu :?: Ich habe mal eine Reportage über Verena Bentele gesehen und ich war überrascht und überwältigt was Menschen mit Handicap leisten können. Ich habe ja immer noch regen Kontakt mit Eltern aus der SVE Zeit: manche sagen sich, mein Kind besucht eh nur die Förderschule, warum sollte ich mit ihm lernen ? Manche ältere Kinder haben auch völlig aufgegeben und die Motivation verloren.

Was glaubt ihr, wird in der Förderschule wirklich das Kind bestmöglichst gefördert ? Wie sind eure Erfahrungen ?

LG

Susanne
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Hypersensibilität, LRS

Fabienne'14: gesund

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Beitragvon AnnalenaO » 03.01.2019, 20:03

Hallo Susanne!
Ich habe nur die Erfahrung mit der GE Schule meiner Nichte. Ich bin da in sehr engem Kontakt mit meiner Schwester. Es sind kleinklassen (6-8 Schüler) mit 2 Lehrern undeinem Assistenten, es gibt zu jeder Klasse einen Ruheraum und es gibt Zb eine Tanzcompany für Kinder die da ein Talent haben. Es gibt auch ein Schuleigenes Schwimmbad. Dort wird auf jedes Kind individuell eingegangen. Und sie lernen nicht nur Lebenspraktische Dinge, Lesen und schreiben und rechnen wird auch gelehrt je nach Vermögen des Schülers. Meine Schwester ist sehr zufrieden.
Mein Sohn (Asperger Autist) geht auf die Regelschule. Er hat auch eine ganz katastrophale Stifthaltung. Er schreibt viel am PC, vor allem wenn es bewertet werden soll. Er hat auch in Kunst und Sport einen Nachteilsausgleich. Da wird die Anstrengungsbereitschaft höher gewertet als das outcome. Sonst hätte er mindestens eine 5 in diesen Fächern. So hat er in beidem eine 3 und mag Kunst und Sport trotz seiner Probleme in dem Bereich.
Was du beschreibst ist wirklich sehr traurig wenn den Kindern nichts zugetraut wird. So sollte es nicht sein!
Liebe Grüsse, AnnalenaO

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Beitragvon Lisa Maier » 03.01.2019, 20:09

Hallo Susanne,

deine Frage läßt sich gewiß nicht allgemein beantworten. Ich war ab der 5ten Klasse in einer Sondereinrichtung für Körperbehinderte - aber wir hatten den ganz normalen Lehrplan und wurden, was die geistigen Anforderungen betriff, genau so gefordert wie nichtbehinderte Schüler an einer Regelschule. Ob man dem Stoff z. B. des Gymnasiums gewachsen ist, hängt ja nicht an der Stifthaltung. Mit mancher körperlichen Behinderung kann man nie einen Stift halten. Das ist aber für den schulichen Erfolg belanglos, denn das Gehirn sitzt im Kopf und nicht in den Fingern. Bei einer Einrichtung, die sich an der Stifthaltung orientiert, würde ich ehrlich gesagt nicht das Meiste erwarten.

Viele Grüße

Lisa

grace
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Beitragvon grace » 03.01.2019, 21:50

Werner I hat geschrieben:
grace hat geschrieben:Schule für ALLE sieht hier so aus:

Hallo grace,
wo ist dieses "hier"? (Bundesland)

LG
Franziska


Italien, hatte vergessen es dazuzuschreiben, sorry!

Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 03.01.2019, 22:10

Hallo Grace,

für mich ist, da ich Inklusion nicht als rein schulischen Aspekt ansehe, Italien generell ein sehr schlechtes Beispiel für Inklusion. In einer inklusiven Gesellschaft sieht man die Behinderten auch in der Öffentlichkeit. In mehreren Wochen Italien sieht man weniger Behinderte wie in einer deutschen Kleinstadt an einem Mittag. Und das trotz ziemlich guter Infrastruktur.
Außerdem wurde mir mal erklärt, daß schwerst Mehrfachbehinderte dort mitunter gar nicht beschult würden. Ob letzteres wirklich stimmt, weiß ich nicht.

Viele Grüße

Lisa

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Beitragvon grace » 03.01.2019, 22:42

Hallo Lisa,

Nur weil du in einigen Wochen in Italien wenige Behinderte gesehen hast findest du die Inklusion dort schlecht? Naja, ich kann dir da nicht folgen...

Und wie schon in anderen Threads beschrieben in die Klasse meiner Tochter (13. Gymnasium) geht ein schwer mehrfach behindertes Mädchen...

Die Infrastrukturen finde ich übrigens Katastrophal, da ist Deutschland viel besser!

Es gibt natürlich immer viel zu verbessern und es ist nicht alles Gold was glänzt , aber die Menschen hier sind behinderten Kindern gegenüber sehr viel aufgeschlossener, besonders geistig behinderten Kindern, das kann man mit Deutschland gar nicht vergleichen!

Die italienische öffentliche Grundschule finde ich übrigens von der Struktur her eine der besten Europas.

LG

Grace

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Beitragvon Lisa Maier » 03.01.2019, 23:19

Hallo Grace

daß die Italiener sich sehr positiv gegenüber Behinderten verhalten, habe ich auch festgestellt. Davon könnten sich viele in Deutschland eine Scheibe abschneiden. Allerdings verrate mir, wo die Behinderten sind. In insgesamt 6 Wochen im südlichen Italien sind uns genau 9 Rollstuhlfahrer begegnet. In zwei Tagen Florenz genau einer. Ich fragte später mal eine Rollstuhlfahrerin aus Südtirol und die bestätigte meine Beobachtung. Sie meinte, die meisten würden in der Herkunftsfamilie betütelt und würden kaum etwas unternehmen.
Was die Infrastruktur betrifft, hat es mich dort erstaunt, daß ziemlich viele Restaurants zum Teil zwar skurile aber mit Rollstuhl benutzbare Toiletten hatten.

Viele Grüße

Lisa

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uschi brand
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Beitragvon uschi brand » 04.01.2019, 10:33

Hi,
Muß mich dann doch nochmal einschalten ;)
Deutsche Hochschulen unternemen übrigens gerne mal mit ihren Studierenden der Pädagogik etc. Exkursionen nach Italien zwecks Anschauung in vorbildlicher Inklusion  8)
Gehts hier im Faden eigentlich nur noch ums Bestehen auf der eigenen Meinung, ums Recht behalten---mein Kind ist... das von der Cousine hat... ich habe gesehen, daß...?
Find ich ganz schwierig, warum können wir uns nicht im eigentlichen Sinne austaschen?
LG Uschi


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