Ich bin pro Inklusion!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 02.01.2019, 21:14

grace hat geschrieben:
SandyErgo hat geschrieben:Ok, einer muss imer der erste sein > es aber unter Zwang zu machen [also einklagen oä], das aus meiner Sicht ist der falsche Weg, den so wird noch mehr blockiert. Denn mit einem Mal von 0 auf 100 % ist einfach nicht realisierbar - auch wen das hier einigen nicht gefällt.



Inklusion ist ein Menschenrecht und kann nicht durch falsches handeln in Frage gestellt werden, solche Sätze wie „ich bin nicht gegen Inklusion, ABER ... haben den faden Beigeschmack von “ich habe nichts gegen Ausländer/Schwule/Moslems usw., ABER..... diskriminierend.


Was ich hier eher auch meinte: mit reden und erklären bzw. aufklären kann man im Normalfall viel mehr erreichen als unter Druck und Zwang. Und wenn sich die Schule im Ort gar nicht "bekehren" lässt, dann ist die Schule im Nachbarort vielleicht eher bereit.
Ich bin eben der Meinung, das eine Lehrkraft, die zu etwas (von oben + von aussen) "gezwungen" wird, viel weniger Elan und Energie in ein Projekt steckt, als wenn sie selbst dahinter steht >> man muss ja immer noch beachten, dass die Lehrer diese ganze Thematik bislang nicht wirklich im Studium behandeln und sich auch erst aneignen müssen - und wer nicht dahinter steht wird dies auch nicht mit der gebotenen Energie und Sorgfalt tun. Und was wir uns wünschen, dass unsere Kids ja bestmöglich betreut also gefördert werden sollen.


LG Sandra
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 03.01.2019, 11:34

Hallo Sandra,

Was ich hier eher auch meinte: mit reden und erklären bzw. aufklären kann man im Normalfall viel mehr erreichen als unter Druck und Zwang. Und wenn sich die Schule im Ort gar nicht "bekehren" lässt, dann ist die Schule im Nachbarort vielleicht eher bereit.


Früher hätte ich dazu geneigt, daß genauso zu sehen. Mittlerweile bin ich davon abgekommen, weil meine Erfahrung die ist, manchmal kann man nur mit Zwang die Rechte des Kindes durchsetzen.
Um mal ein Beispiel zu nennen, ich habe mal von einer Familie gehört, deren Kind im Rollstuhl saß, die Gemeinde der Schule wollte die Aufnahme an der wohnortnahen Grundschule verweigern. Bis zur nächsten inklusiven Schule wäre es wieder eine Stunde Busfahrzeit gewesen. Die Eltern konnten dann mit Rechtsanwalt das Recht ihres Kindes durchsetzen. Heute geht das Kind in die wohnortnahe Grundschule!

Gruß,
Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 03.01.2019, 13:01

UrsulaK hat geschrieben:Hallo Sandra,

Was ich hier eher auch meinte: mit reden und erklären bzw. aufklären kann man im Normalfall viel mehr erreichen als unter Druck und Zwang. Und wenn sich die Schule im Ort gar nicht "bekehren" lässt, dann ist die Schule im Nachbarort vielleicht eher bereit.


Früher hätte ich dazu geneigt, daß genauso zu sehen. Mittlerweile bin ich davon abgekommen, weil meine Erfahrung die ist, manchmal kann man nur mit Zwang die Rechte des Kindes durchsetzen.
Um mal ein Beispiel zu nennen, ich habe mal von einer Familie gehört, deren Kind im Rollstuhl saß, die Gemeinde der Schule wollte die Aufnahme an der wohnortnahen Grundschule verweigern. Bis zur nächsten inklusiven Schule wäre es wieder eine Stunde Busfahrzeit gewesen. Die Eltern konnten dann mit Rechtsanwalt das Recht ihres Kindes durchsetzen. Heute geht das Kind in die wohnortnahe Grundschule!

Gruß,
Ursula


Ich glaube SandyErgo meinte, dass ALLGEMEINER Zwang zur Inklusion nichts bringt. Ob in Einzelfällen der Rechtsweg sinnvoll und erfolgversprechend ist müssen die Eltern ohnehin selbst beurteilen. MMn ist das bei rein körperlichen Handycaps meistens der Fall. Da hat mit im Härtefall auch die Medien meistens hinter sich. Was bei anderen Handycaps schon ganz anders aussieht (siehe Beispiel Henry mit DS)
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
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r.bircher
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Beitragvon r.bircher » 03.01.2019, 13:10

Hallo Ursula

In vereinzelten Fällen mag das einschalten eines Anwaltes vielleicht sinnvoll sein. Zum Beispiel dann, wenn der Hinderungsgrund rein Bauliche Massnahmen sind und sonst der Inklusion nichts im Wege steht. Denn da geht es meist nur drum, etwas anzuschieben was man ohnehin schon lange machen sollte. Nämlich das Ganze einigermassen Behindertengerecht ausstatten.

An sonsten halte ich wenig von der Methode. Es ist eine gruselige Vorstellung, täglich an einen Ort zu müssen, wo man gar nicht willkommen ist. Damit tust du niemandem einen Gefallen. Und nur weil man Behindert ist, müssen einem nicht alle mögen. Du wirst wohl auch als Behinderter Leute haben die dich hassen. Und es gibt unter Behinderten auch Leute die ganz schön fordernd sind (um es mal schön auszudrücken). Manchmal hab ich das Gefühl, es läuft ein bisschen auf "Nehmt mich, ich bin Behindert" hinaus. Das finde ich komplett den Falschen Ansatz. Also ich will nirgends dabei sein, nur weil ich Behindert bin.

Gruss Raphael
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Beitragvon r.bircher » 03.01.2019, 13:21

Hallo zusammen

Ich möchte mal eine Frage in den Raum werfen: Warum dreht sich eigentlich beim Thema Inklusion immer alles nur um Schule? Mindestens so wichtig finde ich die gesellschaftliche Inklusion. Bei mir hat zum Beispiel die Schulische Inklusion ab der dritten Klasse nicht mehr geklappt (Ist ja auch schon Jahre her). Die Gesellschaftliche Inklusion war aber ein voller Erfolg. Da könnte ich mehrere Blogs mit positiven Erlebnissen füllen.

Gruss Raphael
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UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 03.01.2019, 13:25

Hallo Raphael,

ich denke alle Eltern, die sich für eine inklusive Beschulung entscheiden, schauen sich mehrere Schulen genau an und entscheiden danach, wo sie ein gutes Gefühl haben. Ich wollte mit meinem oben erwähnten Beispiel nur aufzeigen, daß es im Einzelfall sehr wohl nötig sein kann, das Recht des Kindes auch mit anwaltlicher Hilfe durchzusetzen.

Davon abgesehen, sind in Ba-Wü die Schulämter federführend bei der Auswahl der inklusiven Schulen. Die Eltern haben aber ein Wahlrecht und können die gewünschte Schule in der Meldung ans Schulamt mit angeben. Wenn das Schulamt die inklusive Beschulung an einer Schule festlegt, dann muß die Schule das auch umsetzen. Dies bedeutet die Schulen sind hier auch weisungsgebunden.

Gruß,
Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

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Beitragvon AnnalenaO » 03.01.2019, 13:40

Lieber Raphael,
Ich halte mich aus dieser ganzen Diskussion bislang raus weil ich nicht glaube dass sich das Menschenrecht auf Inklusion streng auf die Schule bezieht. Eine Schule für alle, alle sind gleich. Gerade in der Schule halte ich gewisse Spezialisierung für wichtig um gute Qualität zu sichern. Es sind nunmal nicht alle Kinder gleich. Und Kinder haben unterschiedliche Talente. Ich kann meinen völlig unsportlichen Sohn auch nicht in die Leichtathletik Klasse der hiesigen Gesamtschule schicken weil ich gerne hätte dass er in Leichtathletik gefördert wird. Oder meine Tochter die leidlich Geige spielt in die Musikklasse. Da kommen nur Talente rein nach vorheriger Sichtung. Gemein? Nein. Auch in Hochbegabten Klassen gehen nur hochbegabte. Gemein? Nein. Ich finde es gut dass es Schulen gibt die sich auf unterschiedliche Behinderungen spwzialisieren und so ganz passenden engagierten und tollen Unterricht für diese betroffenen Kinder anbieten. Wenn Eltern möchten dass ihr Kind in die Regelschule geht, warum auch immer, sollten sie Unterstützung erfahren. Aber prinzipiell eine Schule für alle zu wollen, das finde ich persönlich nicht gut. Ich finde gut dass es viele verschiedene Wahlmöglichkeiten gibt. Für meinen Sohn wär Ganztag ein Graus! Ich bin froh dass es beides gibt. Ganztagesschulen und „normale“ Schulen mit Hort wer mag. Auch Montessori oder Waldorf, moderne Schule mit offenem Unterricht oder altmodisches Modell. Jedes Kind braucht etwas anderes.
Meine Nichte geht in eine tolle GE Schule und nach dem Vormittag in einen Hort mit Kindern mit verschiedenen Behinderungen und ohne Behinderung. So haben alle Unterricht von dem sie gut profitieren und dann gemeinsame Zeit und Aktivitäten alle zusammen. Das ist für mich Inklusion.
Liebe Grüsse, AnnalenaO
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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 03.01.2019, 15:43

Aber prinzipiell eine Schule für alle zu wollen, das finde ich persönlich nicht gut. Ich finde gut dass es viele verschiedene Wahlmöglichkeiten gibt.

Wer hat denn ernsthaft diese Wahlmöglichkeiten? Hier empfiehlt das Schulamt genau eine Schule und sagt dann, sie machen gegebenenfalls den Sprengel auf. Hm.

Warum dreht sich eigentlich beim Thema Inklusion immer alles nur um Schule?

Weil Schule in Deutschland eine Pflichtveranstaltung ist. Schule muss man absitzen. Und die Kontrolle der Schulpflicht beschränkt sich im Wesentlichen auf Anwesenheitspflicht. Das genügt für die Erfüllung der gesetzlichen Pflicht. Wir als Eltern wollen aber, dass unsere Kinder auch etwas von der Schule haben, also den Gegenzug Bildungsrecht. Und das steht nunmal jedem geetzlich zu. Und leider müssen einige Institutionen dazu gezwungen werden, weil sie gedanklich noch in einer anderen Zeit steckengeblieben sind.
Gerade bei Schulen zeigt sich eine große Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und bei Schulen hat man leider nicht viel Auswahl. Manche haben Glück und andere müssen für viel weniger massiv auf die Barrikaden gehen. Aber es geht eben nicht nur wie im Arbeits- oder Privatbereich drum, dass es gut läuft, sondern es geht auch viel derum, dass kein zu großer Schaden gesetzt wird. Und mit der Schulpflicht ist man gegebenenfalls zur Duldung von Schäden gezwungen. Deshalb drängt sich das Thema Schule so in den Vordergrund.

Liebe Grüße
Heike

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 03.01.2019, 17:37

HeikeLeo hat geschrieben: Wer hat denn ernsthaft diese Wahlmöglichkeiten? Hier empfiehlt das Schulamt genau eine Schule und sagt dann, sie machen gegebenenfalls den Sprengel auf.


Und das ist das, was erstmal das Ziel sein söllte > nicht unbedingt eine Schule für alle Förderschwerpunkte - sondern in erreichbarer Entfernung, wenn schon nicht im Wohnort - weil momentan vielleicht noch nicht räumlich bzw. personell bereit, dann zumindest in den Nachbarorten Schulen für 2-3 Förderschwerpunkte und in Orten mit 2 Schulen gleichen Typs (GS,Oberschule) sollte dann aber alles abgedeckt sein. Das würde bei uns hier vor Ort bedeuten - 3 Orte in 5,15 und 20 km, die dann entsprechende Schulen hätten, falls unsere Schule nicht in der Lage ist.
Auf längere Zeit könnten in den einzelnen Schulen natürlich noch weitere Förderbereiche dazukommen > es wäre aber zumindest ein Anfang geschaffen.
>>> das wäre in unserer Region zumindest schon mal eine Verbesserung der momentanen Situation!
Mama 12/77
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 03.01.2019, 18:00

Hallo HeikeLeo,

es ist regional sehr verschieden, wie viele und welche Schulen zur Auswahl stehen. Das Schulamt kann eine Schule EMPFEHLEN, aber zwingen kann es nicht.

Was das "Bildungsrecht" betrifft, so sehe ich nicht, warum dieses grundsätzlich in I-Klassen besser gewährleistet sein soll, als in Sonder-Klassen. Das Dumme daran ist, dass I-Klassen für manche Politiker wie eine Super-Sparmöglichkeit aussehen. Denn wenn man - wie das in Österreich geplant ist - alle Kinder ohnehin in Regelschulklassen integriert, braucht man keine Sonderschullehrer mehr - daher wurde auch dieser Berufszweig hier schlichtweg abgeschafft :twisted: ! Klar, damit kann man super sparen! Nur frage ich mich echt, ob ein Kind mit vielen besonderen Bedürfnissen, das bisher in einer Kleinklasse mit 3-6 Kindern und doppelter Sonderschulpädagogen-Besetzung beschult wurde, tatsächlich in einer I-Klasse mit 20 NT-Kindern, 1-2 anderen besonderen Kindern, EINEM Regelschullehrer und mit viel Glück noch einer Schulbegleitung, MEHR Chancen auf Bildung hat!

Für ECHTE Integration wären Sonderschullehrer (mindestens in Doppelbesetzung mit Regelschullehrern), kleine Klassengrößen (damit meine ich NICHT "nur" 15-20 Kinder!) und auch bauliche und infrastrukturelle Veränderungen das Minimum der Veränderungen, welche die Politik bewirken müsste. Von den Veränderungen in den Köpfen derjenigen, die das Ganze dann tragen und verbessern sollen, mal ganz zu schweigen.

Was den Schaden betrifft, so entsteht der mMn oft durch uneinsichtige, selbstherrliche Pädagogen und zu starre Strukturen. Allein durch die Schulform, welche ein Kind besucht, entsteht kein Schaden.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)


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