Ich bin pro Inklusion!

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 01.01.2019, 23:10


Außerdem finde ich es schwierig wie Menschen mit Mehrfachbehinderung hier nach meinem Empfinden in gewisser Weise diffamiert werden, da wird angemerkt, auch sie könnten wahrscheinlich in irgendeinerweise gefördert, beschäftigt oder auch nur "unterhalten" werden :evil: Wird da "nach unten getreten"?! Genauso schick wie wenn ein Hochbegabter gehaupten würde kein Normalo sollte zum Abi zugelassen werden :(
Sorry, aber diejenigen, die deiner Meinung nach hier "nach unten treten" sind teilweise Eltern von Kindern mit so schweren Handycaps, dass du dir das nicht mal vorstellen kannst! (damit meine ich nicht mich). Warum sollten die Eltern ihre eigenen Kinder diffamieren? Du bist doch für Selbstbestimmung der Eltern und traust ihnen dann nicht mal zu, einzuschätzen was ihre Kinder schaffen können und was nicht?
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 01.01.2019, 23:53

Hallo Uschi,

was sollen Eltern denn sagen. Das es nicht super läuft, wenn niemand für genügend Personal, Platz und Mittel sorgt, kann man ja hier im Forum deutlich sehen. Ich kann nicht sagen, dass ich alles toll finde und es prima läuft. Den Gefallen werde ich den Politikern nicht tun. Und Inklusion hängt nunmal am Geld und nicht nur am guten Willen der Beteiligten. Ich habe mit meinem Sohn erlebt wie gemeinsames Lernen gescheitert ist, obwohl die Schule sich IGS nannte. Und so lange mir niemand zusichern kann, dass mein Kind nicht wieder in so einem Chaos landet, werde ich diese Schulform leider meiden. Ich gebe den Lehrern nur bedingt die Schuld und den Kindern mit anderem Leistungsniveau überhaupt nicht. Ich kann aber alle Eltern verstehen, die für ihr Kind nicht den schweren Weg der Inklusion gehen und verurteile sie auch nicht. Und Kritik müssen wir am System äußern, sonst wird nichts passieren.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 02.01.2019, 00:43

Hi Uschi!

Was mich mal intetessiert > kommt deine Einstellung zum Thema Inklusion durch eigene familäre Erfahrung oder im Zusammenhang mit deinem Beruf?? >> hab auf die Schnelle nichts über. eigene "kranke/behinderte" Kinder in deinen Fäden finden können.

Aus meiner Sicht hat das auch Auswirkung auf die Einstellung zu diesem Thema - aus welchem Blickwinkel man das betrachtet > und das es deshalb auch zu einem Dissens kommt.
Denn diese Erfahrung habe ich in meinem Beruf (Ergotherapeutin) selbst machen dürfen - dass es einen Unterschied macht - ob man als Professioneller oder als unmittelbar bzw. mittelbar Betroffener an etwas herangeht, darüber spricht o.ä.
>> Das ist aber auf keinen Fall etwas negatives!!!!
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Christiane81
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Beitragvon Christiane81 » 02.01.2019, 08:05

Guten Morgen,

Ich bin zunehmend verwundert bis entsetzt über die Diskussion.

Inklusion kann eine tolle Sache fürs Kind sein. Ob das so ist, hängt von vielem ab, äußeren Rahmenbedingungen sowieso. Aber das Wichtigste ist doch das Bedürfnis des Kindes! Inklusion heißt für mich viel mehr als die zwangsweise Integration in die "Welt" der nicht behinderten Menschen. Gemeinsames Leben ist nicht zwangsläufig an gemeinsames Lernen gebunden.
Manchmal habe ich den Eindruck, vor lauter Kampf und political correctness werden die Kinder ganz vergessen, die all das leben (müssen).

Viele Grüße
Christiane

UrsulaK
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Beitragvon UrsulaK » 02.01.2019, 13:10

Hallo,

ich bin ganz klar pro Inklusion, weil ich denke, das bei gut gemachter Inklusion die Kinder profitieren.

Ich spreche nicht von schlecht gemachter Inklusion, bei denen Kinder mit Förderbedarf in eine große Klasse einfach dazu gesetzt werden, ohne zusätzliche sonderpädagogische Begleitung usw..

Ich bin nicht der Meinung das eine inklusive Beschulung für alle besonderen Kinder geeignet ist. Die Entscheidung darüber sollte bei den Eltern liegen.

Tatsache ist aber daß in Deutschland für diejenigen Eltern, die sich für eine inklusive Beschulung einsetzen, immer noch gegen viele Hindernisse durchsetzen müssen. Sie müssen sich viele dumme Sprüche anhören, wie zum Beispiel die Frage "was man denn seinen Kind da antut". Wie aber eine inklusive Beschulung tatsächlich auch mal erfolgreich laufen kann, davon haben sie keine Ahnung. Viel lieber klebt man an seinen altbewährten Vorurteilen, statt mal zu versuchen neue Wege zu denken.

VG, Ursula
Eric, (März 2005), Autismus Spektrum Störung, Verbale Dyspraxie, Dysgrammatismus

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 02.01.2019, 14:12

Und Inklusion hängt nunmal am Geld und nicht nur am guten Willen der Beteiligten.
Wir erleben leider das Gegenteil. Es fehlt nicht am Geld und an Ressourcen, sondern am guten Willen.
Und die alten Strukturen schieben nicht in die richtige Richtung, sondern zementieren die Probleme:
Probleme bei der adäquaten Umsetzung der Inklusion liegen häufig auch auf Seiten des Schulwesens und dessen veralteten, erstarrten Strukturen ansich, nicht an der eigentlichen Sache.

Und aus diesem Grund müssen wir schon bei uns Eltern anfangen, positive Beispiele zu suchen. Auch schon bei den Eltern klemmt es am Willen. Deshalb ist dieser als positives Beispiel gestartete Thread jetzt auch wieder ins Gegenteil gekippt.
Was nicht funktioniert, hat die Historie schon gezeigt. Wir sind jetzt gefragt zu sehen und zu suchen, was geht.

Und das Wichtigste beim "Was geht" ist die Einbeziehung der Eltern. Das steht auch schon in den politischen Richtlinien, in pädagogischen Handreichungen und es ist auch klarer Menschenverstand. Denn die Eltern von allen Kindern kennen diese und gehen mit diesen Kindern um.
Wenn die Eltern richtig in die schulische Bildung einbezogen werden, dann funktioniert Inklusion. Und das fängt eben schon bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Schule an.

Die Eltern, die sich in die Entscheidungen einbezogen fühlen, beschweren sich auch nicht. Aber Elternarbeit ist eine Kunst. Das hat noch nicht einmal so viel mit Geld zu tun, als mit Wollen und Können. Und es betrifft natürlich ALLE Eltern. Wenn man die Eltern von besonderen Kindern und von besonders gesunden Kindern einbeziehen will, braucht man dafür natürlich noch mehr Kunst.

Trotzdem ist es wesentlich eine Frage des Wollens.

Liebe Grüße
Heike

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 02.01.2019, 17:24

Sorry, aber weil nicht alle der gleichen Meinung sind - hat der Faden das Thema verfehlt?? Ich glaube eigentlich, das hier Meinungsfreiheit herrschen sollte und die Einstellung der anderen akzeptiert werden sollte!! Jeder hat andere Erfahrungen machen müssen/dürfen!!

Es hat hier keiner was gegen Inklusion!!!

Die meisten Eltern hier sehen einfach nur die Realität, die bei ihnen vor Ort in den Regelschulen herrscht - und ich denke, es ist deren Sache, zu entscheiden, ob eine Inklusion dem Kind etwas bringt - zu diesem Zeitpunkt. Was bringt es, wenn die Schule + Lehrer nicht dahinter steht - und es dann so lala läuft.
Ok, einer muss imer der erste sein > es aber unter Zwang zu machen [also einklagen oä], das aus meiner Sicht ist der falsche Weg, den so wird noch mehr blockiert. Denn mit einem Mal von 0 auf 100 % ist einfach nicht realisierbar - auch wen das hier einigen nicht gefällt.

Wenn ich mir mal unsere Schulen hier ansehe - ok, Fahrstuhl haben die meisten. Dann hapert es aber schon an zusätzlichen Räumen, selbst der Hort ist schon ausgelagert (GS) bzw. Fachkabinette sind Klassenzimmer. Es gibt Lehrermangel - der versucht wird - mit Seiteneinsteigern aufzufangen > 2. Lehrer in der Klasse bleibt ein Traum - man ist froh, wenn vor jeder Klasse 1 Lehrer steht. Qualifizierte Schulbegleiter, längsz nicht so viel, wie jetzt schon benötigt würden.
>> Was hilft es mir dann, auf Dinge zu bestehen - wenn es jetzt schon mit der Aufrechterhaltung eines normalen Unterrichts Probleme gibt. Ok, Räume könnten gebaut werden, dann fehlen aber imer noch Lehrer, Betreuer, .....
~~} das ist die Situation bei uns hier vor Ort. Da überlege ich mir genau, ob mein Kind in eine Förderschule geht und dort so gut wie möglich gefördert wird - zumindest darüber kann man sich hier nicht beschweren - oder in der Regelschule zwar pro Forma Inklusion läuft, diese aber nicht realisiert wird.

Es gibt Schulen, wo Inklusion schon gut klappt - und diese sollten ihre Erfahrungen auch an andere Schulen/Lehrer weitergeben.
Aber der Großteil der Schulen steckt noch in den Kinderschuhen oder ist aus oben genannten Gründen noch nicht wirklich in der Lage > obwohl sie vielleicht auch gerne wöllten.
Und das ist die Erfahrung einiger hier, die auch akzeptiert werden sollte.
Also noch mal: es ist keiner gegen Inklusion - nur, um es richtig zu machen, sollte in Schritten vorgegangen werden und nicht alles auf einmal.
Mama 12/77
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und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 02.01.2019, 17:41

Was bringt es, wenn die Schule + Lehrer nicht dahinter steht - und es dann so lala läuft.
Da überlege ich mir genau, ob mein Kind in eine Förderschule geht und dort so gut wie möglich gefördert wird - zumindest darüber kann man sich hier nicht beschweren
Die Probleme, die hier bei Regelschulen beschrieben werden, habe ich leider in der Förderschule mit meinem Kind erlebt. In der Regelschule war es BESSER. Seit aber auf die Inklusion geschrieben wird, wandelt sich die Regelschule mehr zum Stil der Förderschule und es wird in der Regelschule auch SCHLECHTER.

Ich möchte, das meine Hilfe als Elternteil angenommen und wertgeschätzt wird. Ich möchte, dass die Schule klar mitteilt, was sie tut und dass sich die Schule an ihre Aussagen hält. Das ist für mich Inklusion.

Liebe Grüße
Heike

grace
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Beitragvon grace » 02.01.2019, 18:37

Ok, einer muss imer der erste sein > es aber unter Zwang zu machen [also einklagen oä], das aus meiner Sicht ist der falsche Weg, den so wird noch mehr blockiert. Denn mit einem Mal von 0 auf 100 % ist einfach nicht realisierbar - auch wen das hier einigen nicht gefällt.
Zum Glück gibt und gab es diese mutigen Eltern die nicht so dachten bzw denken.
Vor mehr als 30 Jahren setze sich eine Mutter aus Sizilien tagelang vor das Büro des Schulleiters der dortigen weiterführenden Schule um auf die Aufnahme ihres schwer behinderten und non verbalen Sohnes zu bestehen. Das Gesetz war da, aber die Schule wollte nicht, der Sohn sei geistig behindert und die Mutter wolle das nicht wahrhaben! Nach ein paar Tagen war das dem Schulleiter dann zu peinlich, die Presse war auf diesen Fall aufmerksam geworden und die Mutter lies nicht locker... wiederwillig wurde der Bub aufgenommen und am ersten Tag unter allgemeinem Protest der anderen Mütter/Schüler von der Polizei an seinen Platz begleitet...

Dieser Bub hieß Fulvio Frisone und ist hinterher ein bekannter Nuklear Physiker geworden mit internationalen Anerkennungen. Als er die Universität besuchte sprach man von einem kleinen Wunder...in Wirklichkeit waren es seine Eltern gewesen die das alles möglich gemacht hatten, der selbstgebastelte Helm des Vaters mit einer Art Arm dran hatte zur Wende beigetragen, Fulvio hatte nur etwas kopfkontrolle (sonst starke tetraplegiche Spastik) und konnte mit diesem Helm zum ersten Mal in seinem Leben alleine einen Computer benutzen.

Heute scheint das alles so selbstverständlich, aber damals wurde Fulvios Mutter als krank, depressiv und lächerlich bezeichnet....

Nicht jeder wird als Kämpfer geboren, aber man sollte den notwendigen Respekt bewahren und immer daran denken das viele unsere heutigen Rechte (Gleichberechtigung, Religionsfreiheit usw. hart erkämpft worden sind.

Inklusion ist ein Menschenrecht und kann nicht durch falsches handeln in Frage gestellt werden, solche Sätze wie „ich bin nicht gegen Inklusion, ABER ... haben den faden Beigeschmack von “ich habe nichts gegen Ausländer/Schwule/Moslems usw., ABER..... diskriminierend!

LG

Grace

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Tina&Andi
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Beitragvon Tina&Andi » 02.01.2019, 18:48

Hallo,

Inklusion, ist schon gut.

Aber ich fühle mich in der Werkstatt ein pudelwohl. Die Menschen gehen auf meine Schwäche ein.
Ich will einfach dort bleiben.

LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,

Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul


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