Wahrnehmungsstörungen bei Adhs trotz /wegen Medikamenten

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 31.12.2018, 14:38

Hallo,

da geht es nach Deinen Beschreibungen beim Essen und Anziehen doch aber mehr um Zeit, um Strukturierung - wenn Du das Gefühl hast, die Wahrnehmungsproblematik wird ausgeprägter, dann scheint mir das eher daran zu liegen, dass er der zunehmend energieraubenden Kompensationsleistung, die er da auswärts erbringt, etwas „Eigen-Sinn“ und Selbstbestimmung entgegensetzt.
Auch bei meinem (autistischen) Sohn erkenne ich stressige Phasen daran, dass er zuhause zwängiger wird. Und dass er unruhiger schläft.
Vom AD(H)S (nicht beim Sohn) kenne ich es aber auch, das Stress und allgemein Belastendes, oder aufgelaufene Kleinigkeiten, tagsüber gut weggedrückt werden können, aber nachts zu Gedankenkreiseln führen, und damit zu Schlaflosigkeit.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Jakobspapa
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Re: Wahrnehmungsstörungen bei Adhs trotz /wegen Medikamenten

Beitragvon Jakobspapa » 01.01.2019, 20:10

Hallo Sabrin,
Wollte mich mal umhören, welcher Adhsler trotz/wegen der Medikamente noch arge Wahrnehmungsstörungen hat? Mein Sohn leidet echt arg, weil er jeden Tag Kämpfe mit seinen Kleidungsstücken ausfechten muss, da alles irgendwie zwickt und unangenehm ist. Zu Hause rennt er oft in Unterhose herum oder seiner Skiunterwäsche.
Er war schon seit Kleinkindalter ein mäkeliger Esser. Trotzdem nimmt gefühlt monatlich die Auswahl an Speisen ab. Mittagessen nimmt er gar nicht mehr zu sich, da alles komisch schmeckt.
Ich musste gerade lachen :lol:: unser Kleiner sitzt gerade in Unterwäsche neben mir am Boden und spielt vergnügt. Jeans gingen bis Anfang der Grundschule gar nicht, die blieben nach wenigen Minuten irgendwo liegen. Inzwischen toleriert er sie, bevorzugt aber eindeutig Jogginghosen.
Marmelade mit irgendwelchen Körnchen - ein Weltuntergang! Oft genügt das Aussehen des Essens schon, damit es für ihn ungenießbar wird. Fleisch bleibt meist auf dem Teller, und alles, was irgendwo aus dem Boden wächst, ist ohnehin sehr suspekt. Frühstücksflocken gehen - aber nicht zu knusprig, und auch nicht zu schlabberig. Während die Medikation wirksam ist, ist der Appetit tagsüber weg, da ist dann nicht die Konsistenz des Essens entscheidend, er isst einfach kaum etwas (Süßigkeiten, die gehen immer...)
Die Wahrnehmung, die Welt habe sich gegen ihn verschworen, verschwand allerdings mit der Medikation, er ist inzwischen recht gut in die Gemeinschaft integriert.

Er hat bisher eine ADHS-Diagnose, und ich denke nicht, dass daraus noch mehr wird - das wird ggf. die Zeit zeigen. Für untypisch halte ich all das bei ADHS nicht, das wird immer wieder beschrieben, und es gibt offenbar diverse Schnittmengen zwischen ADHS und Autismus.

Unsere Strategie ist derzeit, das Gewicht regelmäßig zu kontrollieren, und dann geht's eben auch mal in der Jogginghose in die Schule - unwichtige Nebenkriegsschauplätze sind vermeidbar, damit fahren wir recht gut.

"Eindeutige" Ausschlüsse dürften ein Problem in sich sein. Die Bezeichnungen der Krankheiten sind Sammelbegriffe für Symptomgruppen, bei keinem Patienten treten alle Symptome im gleichen Ausmaß und in jeder Situation auf.


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