Aufsichtspflicht bei Verlassen des Klassenzimmers

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IrisB
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Aufsichtspflicht bei Verlassen des Klassenzimmers

Beitragvon IrisB » 23.12.2018, 10:42

Hallo,

unser jüngerer Sohn ist dieses Jahr aufs Gymnasium gekommen. Er fühlt sich da sehr wohl, nette Klasse, guter Unterricht, aber natürlich gibt es viel mehr Unruhe (die Klasse ist doppelt so groß wie seine alte, viele Raumwechsel, viele unterschiedliche Lehrer etc). An manchen Tagen akkumuliert sich der Stress bis zu einem ausgewachsenen Meltdown im Klassenzimmer, was für alle Beteiligten ausgesprochen unschön ist.

In der Grundschule haben ihn die Fachlehrer, wenn sie merkten, dass er kurz vor einer Explosion steht, einfach aus dem Raum geschickt ("Junge, du brauchst eine Pause, geh' mal kurz raus") - das hat super funktioniert, er ist dann draußen ein Weilchen im Kreis gelaufen, bis er wieder im Lot war. Ich würde dies den Fachlehrern gern auch ans Herz legen, aber da ist natürlich die Frage der Aufsichtspflicht - dürfen die das überhaupt? Könnten wir Eltern ihnen ggf eine Genehmigung geben? Oder müsste man generell einen Umweg finden (Kind mit Zettel "bitte 5 min dabehalten und dann zurückschicken" ins Sekretariat schicken oder so)?

LG Iris
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JennyK
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Beitragvon JennyK » 23.12.2018, 11:25

Das müsste gehen. Zur Not wird er halt zur Toilete geschickt oder um irgendwas zu holen/nachzuschauen... weitaus größer ist das Problem, dass wahrscheinlich Fachlehrer, die ihn 1-2 mal pro Woche sehen, nicht erkennen, wann der Zeitpunkt zum Rausschicken ist...
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Beitragvon IrisB » 23.12.2018, 11:34

Ja, klar - auch dass er sich auf's Rausgeschicktwerden einlässt. Das war in der Grundschule kein Thema, weil ihn der Unterricht sehr unterfordert hat. Jetzt hat er Panik, Stoff zu verpassen. Aber das ist fürs Planen und Nachdenken der zweite Schritt. Wenn das grundsätzlich klar ist, kommt die Frage des "wann" - da schon ein Overload-Zustand bei ihm sehr deutlich sichtbar ist (er wird angespannt und hibbelig, läuft rot an oder wird ganz blass und hat Tränen in den Augen), überlege ich, ob ich ihm so eine Uhr, die die Herzfrequenz misst, besorge, vermutlich kann man's am Puls ablesen, wann er den Raum verlassen sollte, dann bräuchte er nur die Erlaubnis, das auch zu tun.
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Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 23.12.2018, 12:54

Vielleicht hilft es auch, mal zu gucken, woher der Stress im Detail kommt, so dass man dem vorbeugen kann und es gar nicht erst zum Melrdown kommt....

Die Aussage, er fühlt sich dort wohl, passt nicht zu der Tatsache, dass er dort so unter Stress steht, dass es zum Meltdown kommt!
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Beitragvon Engrid » 23.12.2018, 13:00

Hallo Iris,

Aufsichtspflicht dürfte innerhalb des Schulgebäudes kein Thema sein, selbst mein Sohn an der Förderschule für geistige Entwicklung wird taktisch für Botengänge rausgeschickt, auch ohne seine Schulbegleitung. Mülleimer ausleeren, Brief ins Sekretariat bringen, ...

Es würde mich interessieren, wie Ihr das löst, falls Du das dann hier schreiben magst.

Grüße
Engrid
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Beitragvon MoniRose » 23.12.2018, 13:43

Hallo,

wir haben für unseren Sohn etwas schriftliches für die Schule verpasst. Er verlässt (meist von sich aus) die Situation bevor es ganz zum Meltdown kommt.

Aufsichtspflicht bei Alleingängen / Marian R.

Wenn Marian in Situationen kommt, die er nicht mehr aushalten kann, verlässt er auf seine Entscheidung hin die Situation. Er bewegt sich dann auf dem Schulgelände, bis er der Meinung ist, wieder zurück kehren zu können.

Uns als Eltern ist klar, dass Marian das auf eigene Gefahr tut und eine Aufsicht von Seiten der Schule in der Zeit nicht erfolgen kann.

Damit sind wir einverstanden.

Das funktioniert sehr gut. Vielleicht ist das ja auch was für euch. Das Schreiben lag anfangs in Kopie im Tagebuch, damit es auch alle Fachlehrer wussten und umsetzen konnten. Davor wurde meist jemand hinter Marian her geschickt, was die Situation immer noch verschlimmert hat.
Ich hoffe ihr findet eine gute Lösung um möglichst die ganz schlimmen Situationen abzumildern.

Liebe Grüße
Moni
Moni *10/72; Nico *02/76; Marian *07/03 beidseitig mittelgradig hörgeschädigt, ADHS; Asperger; ausgeprägte Rechtschreibstörung; Jona *09/08

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Beitragvon IrisB » 23.12.2018, 14:47

Liebe Moni,

danke, das ist klasse! So etwas kann man ja auch per Mail in Kopie an die Fachlehrer schicken. Ich werde jetzt über die Feiertage mal gucken, dass ich mit meinem Sohn einen möglichst knappen "Notfallplan" verfasse. Ich könnte mich in den Hintern beißen wegen des letzten Ausbruchs - er war fürchterlich erkältet, war aber schon zwei Tage zu Hause gewesen und wollte unbedingt in die Schule um eine Klassenarbeit nicht zu verpassen. In den letzten zwei Jahren konnte ich solche Entscheidungen gut ihm überlassen, aber jetzt muss ich offenbar mal wieder eine Weile stärker steuern und ich krieg' bei so etwas oft zu spät die Kurve.

Liebe Engrid, ja, ich schreibe dann, wie's läuft. Es war klar, dass das erste Jahr nach Schulwechsel anstrengend wird, zum Glück läuft beim Großen gerade alles glatt, die beiden geben sich echt die Klinke in die Hand...

Liebe Grüße Iris
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