Kind verweigert die Mitarbeit im Unterricht

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Anna-Nina
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Kind verweigert die Mitarbeit im Unterricht

Beitragvon Anna-Nina » 13.12.2018, 17:45

Hallo zusammen,

meine Tocheter ist jetzt in der ersten Klasse Regelschule und verweigert dort total die Mitarbeit. Es liegt nicht nicht unbedingt daran, dass sie die Sachen nicht kann - wir haben die meisten Sachen schon zuhause geübt.
Sie macht einfach - vorallem in deutsch - nicht mit.

Kennt ihr das?

Wir suchen derzeit eine Förderschule für sie und sobald sie irgendwo genommen wird wird sie wechseln.
Aber wie wird das dort - warum sollte sich ihre Einstellung zu schulischen ändern? Was habt ihr für Erfahrungen? Sie fühlt sich in ihrer Schule auch Wohl und geht eigentlich gerne hin. Nur sie macht dort einfach nicht das was sie soll.

Sie bekommt jetzt seit einer Woche Medikinet - es geht zwar mit den Hausaufgaben besser, aber in der Schule hat sich noch nichts geändert.

Sie hat einfach keine Lust auf Lesen und Schreiben. Ich glaube auch nicht, dass sie es nicht kann - sie will einfach nicht. Was tut man da? Einfach nichts machen ist ja doof, dann lernt sie nichts....Aber dieses ständige Theater und diese Unlust sind schon schwer zu ertragen...

Vielen Dank für eure Antworten.

LG

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Line86
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Beitragvon Line86 » 13.12.2018, 18:54

Hallo,

verweigert sie nur die mündliche Mitarbeit oder jegliche Mitarbeit?
Wie gehen die Lehrer mit ihrer Verweigerungshaltung um?
Welche Diagnosen/Probleme habt ihr generell?
War sie früher im Kindergarten? Und wie war ihr Verhalten dort?

LG Line
Ich habe selbst viele Besonderheiten (u.a. Psoriasis Arthritis, Asthma, z.n 20 Operationen) und Sonderpädagogin mit FS GENT/L im SBBZ KMENT

mel1220
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Beitragvon mel1220 » 13.12.2018, 19:11

Wir kennen das alles.... mit einer Ausnahme. Ersetze Deutsch durchMathe und wir sind Zwillinge :0(

Schau mal in mein letztes Thema, hier stehen wir gerade. Morgen haben wir jetzt einen gemeinsamen Termin mit Schule, Therapeutin und Förderschullehrerin.

Wir sind aktuell mehr als am schwimmen.

Woher rührt denn die Verweigerung? Habt ihr eine Idee?

Wir wissen zwar woher es kommt, das hilft uns im Moment aber leider auch nicht weiter.

Ich kann Dir morgen gerne das neueste berichten.

Kopf hoch & durchhalten

Liebe Grüße
Mel

Anna-Nina
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Beitragvon Anna-Nina » 13.12.2018, 20:05

@Line:
Sie verweigert eigentlich jegliche Mitarbeit. Wobei sie z.B. in Sport und beim Basteln, Malen glaub ganz gut dabei ist.Mathe hat sie auch relativ ausgefüllt - da war ich echt erstaunt, dass sie das alles so hinbekommt. Es ist schon primär ein Deutsch-Problem.
Elisa hat eine schwer einstellbare Epilspsie im Frontallappen (dieser ist ja leider für jegliche Arbeitsplanung, Regelverständnis uvm zuständig und das Sprachzentrum befindet sich auch noch in diesem Bereich). Sie ist erst seit ein paar Wochen Anfallfrei - davor waren es richtig viele Anfälle und ihr Verhalten war mieserabel. Seit vier Wochen sind die Anfälle weg und das Verhalten ist nun auch sehr gut geworden. (sie hatte keine Ausraster/Zusammenbrüche mehr).
Von der Epi wissen wir erst seit einem Jahr (obwohl sie das schon von Geburt an hatte - leider wurde es nicht erkannt). Die ersten Medis gingen schief, es kam zur total Anfallshäufung bis zum epileptischen Dämmerschlaf. Sie stand eigentlich den ganzen Tag total neben sich und hat nichts mitbekommen. Im Kindergarten wurde sie komplett ausgegrenzt, gemobbt und wenig beachtet - sie hat sich quasi in ihre eigene Welt dort geflüchtet.
Und ich glaube das macht sie in der Schule immer noch. Sie hat aber mittlerweile eine Freundin dort - deswegen geht sie so gerne hin. Diese Freundin gibt ihr soviel Elan, dass sie jeden morgen freiwillig in die Schule geht - es war wirklich nie ein Problem.
Im Epilepsiezentrum beim Monitoring wurde Elisa eine Woche beobachtet und es steht jetzt im Raum, dass sie zur Epilepsie noch ein AD(H)S hat - uns wurde dort Medikinet empfohlen.
Das mit dem ADS war schon immer Thema - sie zeigt alle Symptome. Wir hofften aber, dass diese wenn die Epi behandelt wird verschwinden - war aber nicht so.
Die Lehrer sind am verzweifeln - sie kommen mit der Situation nicht zurecht - obwohl für 8 h die Woche eine Schulbegleitung dabei ist und nur 15 Mitschüler in der Klasse sind. Es scheinen aber noch ein paar sehr auffällige Kinder mehr in der Klasse zu sein. Es wurde uns auch nichts mitgeteilt, erst als die frist für die Anmeldung für eine Förderschule bzw Inclusion fast vorbei war. (Dann musste ich innerhalb einer Woche diesen Antrag druchboxen und den Lehrern/der Schule noch erklären wie das geht...)

@mel: Woher ihre Verweigerung rührt bin ich mir nicht ganz sicher. Es könnte sein, dass sie eine LRS hat (haben wir in der Familie). Es kann aber auch nur davon kommen, dass diese Epilepsie genau auf dem Sprachzentrum liegt.
Wie kann ich denn dein letztes Thema ansehen?
Woher kommt es bei euch?
LG

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.12.2018, 20:06

Hallo Anna-Nina,

gib mal in die Suchmaske „verweiger*“ ein, verenge auf Unterforum Autismus (bei Verweigerung bzw. Blockaden gibt es viele Parallelen zu AD(H)S), dann solltest Du eine ganze Menge finden. Ich habe ja auch so einen Kandidaten, ich finde es sehr hilfreich, da einen Satz vergleichbarer Fälle zu finden, man kommt der Sache dann doch auf die Spur.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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JennyK
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Beitragvon JennyK » 13.12.2018, 20:18

Mein Großer hat auch lange Jahre vieles verweigert, gerade schriftliche Arbeiten. Tatsächlich geholfen hat Medikinet, weil er nun zeigen kann, was er kann. Er verweigert immer noch ab und zu etwas, besonders sind das dann Dinge, die er nicht sofort perfekt beherrscht. Das war von klein an das Problem. Er konnte von der Feinmotorik her nicht so gut malen und schreiben, also hat er es verweigert. In der Grundschule hat es meist geholfen, ihn zu loben, ihn zu motivieren und ihm kleine Erfolge zu verschaffen. Aber manchmal half nichts... mittlerweile schreibt er ganz toll, viel und auch flüssig. Zeichnen ist ein Hobby geworden und mit dem schulischen Erfolg ist auch sein Selbstbewusstsein gestiegen.

Auf welche Förderschule soll sie gehen? Also welchen Förderbedarf hat sie? Gäbe es nicht die Möglichkeit, eine Stundenerhöhung für die Schulbegleitung zu erwirken? Und auch die Wirkung von Medikinet in der richtigen Dosierung abzuwarten?
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), gesund

Anna-Nina
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Beitragvon Anna-Nina » 13.12.2018, 20:32

Welche Förderbedarf sie wirklich hat sind wir uns noch nicht ganz im klaren - sie ist ja in allen Bereichen Entwicklungsverzögert. Die Frühförderstelle empfahl uns eine Schule für KB aber da sehe ich sie gar nicht - weil das einzige wo sie richtig fit ist und Spass hat ist alles was mit Sport zu tun hat. Radfahren, Schwimmen, Skifahren, Reiten, Klettern.
Alternativ könnte sie über eine Schule für geistige Entwicklung als Inclusionskind an eine Dorfschule in der Nähe gehen. Das wäre eine ganz gute Sache...Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie dann nicht zu wenig gefördert wird.
Ich hätte sie gerne auf der Sprachheilschule - die würden sie evlt auch nehmen und sogar extra wegen uns den Bus in unser Dorf schicken. Aber die ist weit weg und ich habe Angst, dass sie das mit dem Busfahren nicht hinbekommt. Bzw. es da zu wild zu geht....

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Beitragvon HeikeLeo » 13.12.2018, 21:16

Inclusionskind an eine Dorfschule in der Nähe

Das klingt doch gut.

Schlechter als die "Förderung", die sie in der jetzigen Schule bekommt geht ja kaum noch. So, wie Du die Situation schilderst, scheint die Schule ihre Aufgabe nur sehr ungenügend zu erfüllen. Andererseits ist es schade, wenn sie wechselt, da sie ja eine Freundin gefunden hat.

Wie viel Beratung bekommen die Lehrkräfte? Es gibt überall schulpsychologische Beratungen/Autismusberatungen. Das Thema Blockade im Unterricht ist ja nicht so selten. Es wird nur gerne so dargestellt.
Ist es in allen Fächern die gleiche Lehrkraft?

Liebe Grüße
Heike

Anna-Nina
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Beitragvon Anna-Nina » 13.12.2018, 21:39

Finde im Prinzip diese Option auch gut. (Wenn ich nicht selber mich bei der Schule gemeldet hätte und gefragt hätte wie es läuft - wäre diese Option jetzt gar nicht möglich gewesen, weil wir die Frist verpasst hätten....)
Was laut Schulamt auch möglich ist, dass an E.´s Schule selber eine Inclusion angefangen wird - aber ob das stimmt? Die Schule sagt "nein" - die haben aber keinen Rektor im Moment. Weiß nicht wer das schlussendlich bestimmt und in dem Fall Recht hat....Das muss man jetzt alles aussitzen. (Dann könnte sie evtl. bei ihrer Freundin und Zwillingsschwester bleiben)

Die Lehrer bekommen keine Beratung. Ich glaube auch, dass mind. zwei weitere Kinder solche Blockkaden in der Klasse haben. (Zumindest habe ich das über ein paar Ecken mitbekommen).

Es ist in Deutsch eine andere Lehrkraft.

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Ayden
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Beitragvon Ayden » 13.12.2018, 21:51

Liebe Anna- Nina,

vielleicht ist die Motivation in der Schule bei vielen Kindern gleichzeitig zu schwach, vielleicht die anderen zu laut.

Wenn Du versuchen willst, zu testen, was deie Tochter intellektuell erreichen kann, suche Dir doch

eine klassische (pensionierte?) Grundschullehererin, die in den Weihnachtsferien 1:1 den Deutschstoff mit ihr übt. Wenn deine Tochter da plötzlich alles kann, solltest Du den Fokus auf individualisiertes 1:1 Lernen in Deutsch legen. Dann kann es einfach sein, dass die Epilepsie auch die Aktionsplanung im präfrontalen Cortex bei Deiner Tochter beeinflusst, und ein Lehrer `Hilfscortex´ spielen muss.

Viel Glück!!!!

LG Ayden

Ich würde es probieren! Mehr als scheitern geht nicht.


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