Ferienreisen für Menschen mit Behinderung

Mit einem besonderen Kind in den Urlaub zu fahren ist gar nicht so einfach - schließlich müssen tausend Dinge berücksichtigt werden. Welcher Urlaubsort ist besonders behindertenfreundlich?
Wo habt ihr gute Erfahrungen gemacht?
Eure Infos sind für so manche Familie mit einem besonderen Kind sicherlich Gold wert!

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Anne81
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Ferienreisen für Menschen mit Behinderung

Beitragvon Anne81 » 13.12.2018, 11:30

Hallo Zusammen,

unser Sohn ist zwar erst drei Jahre alt, so dass es für uns erst in einigen Jahren wirklich relevant wird, aber ich beschäftige mich schon mit möglichen Ferienfreizeiten bwz Urlaubsreisen ohne Eltern, da ich von einigen Familien gehört habe, dass es jedes Jahr schwieriger wird, passende Angebote zu finden.

Wie macht ihr das? Plätze in Kurzzeitpflegeeinrichtungen sind in den Schulferien angeblich schwer zu kriegen und Freizeiten von Lebenshilfe und Co werden immer teurer. Ich kann doch nicht für meinen behinderten Sohn alleine über 2000€ ausgeben wenn ich dann parallel mit dem Rest der Familie auch noch in den Urlaub fahren möchte.

Unser Sohn hat Pflegegrad 4 und die Anbieter verweisen laut Aussage meiner Bekannten, auf die Refinanzierung durch die Pflegekasse. Aber die Entlastungsleistungen und die Verhinderungspflege brauchen viele doch zur Unterstützung im Alltag und können sie nicht komplett für die Ferien ansparen.
Wie macht ihr das? Habt ihr Tipps oder Erfahrungen?

Liebe Grüße
Anne

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 13.12.2018, 12:39

Hallo Anne,

Plätze in der KZP sind in den Ferien mit langem Vorlauf verbunden, spontan reisen geht also schlecht. Es gibt zu wenige, aber es gibt schon welche. Ein Kind wie meins (körperlich topfit und entsprechend agil, hoher Betreuungsaufwand, herausforderndes Verhalten) passt in kaum eine KZP. Ob es für Dein Kind passt, schaust Du Dir einfach schon mal an. In München habe ich zb die KZP der Helfenden Hände mal besichtigt, hat mir gut gefallen, ist aber halt für mein Kind nix, für Deins vielleicht schon? Die entsprechenden Einrichtungen, in Deiner Region oder sonstwo passend, mal abklappern. Und vielleicht kann er ja nächstes Jahr schonmal schnuppern für eine Nacht.
Dann wächst er da rein, und ihr könnt euren KZP-Topf nutzen, und behaltet die ZBL und Verhinderungspflege für die alltäglichen Entlastungen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

NinaMarie
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Beitragvon NinaMarie » 13.12.2018, 14:23

Liebe Anne,
ich kann dir nur einen Tipp für eine schöne Kurzzeitpflegeeinrichtung oder für Urlaub mit besonderem Kind geben.
luftikus-kinderintensiv.de. Die Einrichtung nimmt die Kinder zur Kurzzeitpflege mit oder ohne Eltern auf. Ihr könnt dort auch Ferien in einer Fewo machen, ohne die Kurzzeitpflege zu nutzen.
Die Einrichtung ist sehr liebevoll gestaltet und das Personal ist sehr herzlich.

Liebe Grüße
Nina

Martina78
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Beitragvon Martina78 » 13.12.2018, 20:42

Hallo,
wir nutzen mit unserer Tochter einmal im Jahr die Kurzzeitpflege. Wir gehen bisher in den Kupferhof nach Hamburg, sind mit dabei, aber getrennt untergebracht. Das ist eine Erholung, bei der man das Kind trotzdem im Blick hat. Nâchstes Jahr fahren wir in die neue Familienherberge Lebensweg, die vom Konzept wie der Kupferhof ist. Was von der KZP übrig ist, wandeln wir in Verhinderungspflege um. In diesem Jahr hatten wir auch nochmal davon eine Woche Ferienbetreuung bezahlt, da ging Julia von 9-15 uHr hin. jetzt, um Jahresende sind zum ersten mal alle unsere Töpfe leer, bzw ein kleiner Rest von den zusätzlichen Betreuungsleistungen. Perfekt!
LG
Martina
Martina mit Julia (*1/2012), Pachygyrie und Epilepsie, Pflegegrad 5. Seit 6/15 sehr erfolgreich Ketogene Diät. Kann kurze Strecken laufen. Plus Neuankömmling Franziska (*12/16).
"Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen." (Schopenhauer)

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... highlight=

Anne81
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Beitragvon Anne81 » 13.12.2018, 21:51

Herzlichen Dank für eure Antworten! Das sind wieder mal super Tipps. Gibts hier noch Erfahrungen von Leuten die ihre Kinder auf Ferienfreizeiten schicken? Da fahren ja als Betreuer keine Fachkräfte mit, also anders als in Kurzzeitpflegeeinrichtungen, wie sind da eure Erfahrungen?
Oder kann man das Kind auch bei ganz regulären Freizeiten der Kirche, Pfadfinder, AWO, Jugendferienwerk etc. Anmelden und über Eingliederungshilfe eine 1:1 Betreuung bezahlt bekommen?
Liebe Grüße

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Beitragvon Rita2 » 13.12.2018, 23:13

Unser Sohn fahrt immer auf Freizeiten der Lebenshilfe mit.
Da er keine so große Unterstützung benötigt, ist das kein Problem.
Aber es sind immer wieder Kinder dabei, die eine 1:1 Betreuung haben. Auch sind Kinder mit Epilepsie, Rollstuhl und Stehständer oder Spezialnahrung dabei. Oftmals fährt bei den schwerer behinderten Kinder ein Betreuer mit, der auch während des Jahres stundenweise Betreuung macht. Daher kennt dann der Betreuer das Kind.
Die Betreuungskosten der Freizeiten unserer Lebenshilfe kann man auch über Kurzzeitpflege abrechnen. Die Sachkosten zahlt man entweder selber, man kann sie auch über Betreuungs und Entlastungsleistungen bezahlen.
Hier mal der Link dazu: http://www.lebenshilfe-schwetzingen.de/ ... 19-web.pdf
Dann siehst du mal, was es bei uns so gibt.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

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Beitragvon Engrid » 14.12.2018, 07:40

Hallo Rita,

wow, das ist ja ein tolles Programm, und so ein guter Betreuungsschlüssel, und dann noch das Programm in leichter Sprache. :icon_thumleft:

Grüße
Engrid
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Rita2
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Beitragvon Rita2 » 14.12.2018, 12:42

Hallo Engrid,

ich glaube wir sind die einzigen die diesen super Betreuungsschlüssel nicht so gut finden. Denn die Kosten der Betreuer plus die Sachkosten durch die Betreuer müssen natürlich auch bezahlt werden.
Gerade bei einigen Samstagstreff gehen viele sehr selbständige geistig behinderte junge Menschen mit. Die fahren selbstständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln, kommen alleine zum Treff mit dem Fahrrad und dann sind beim Kinotreff (d.h. sie fahren in ein Kino und schauen einen Film) auf 10 Personen 4 Betreuer.

Das Programm in leichter Sprache ist zwar toll. Aber seit dem gibt es viel weniger Infos über die Reisen oder die Treffs als früher. Alles hat Vor- und Nachteile.

Aber ansonsten ist das Programm unser LH wirklich echt gut. Unser Sohn nutzt es auch sehr rege. Und wir freuen uns über Zeit für uns.

LG
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,

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Beitragvon Jakob05 » 14.03.2019, 09:30

Es gibt z.B. www.Yat-Reisen.de und www.quertour.de. Beide biete abgestimmte Betreuungsmodelle für versch. Bedarfe und vorsortierte Reisengruppen nach Art der Behinderung und Alter.
Abrechnung über KZP oder VHP ist möglich. Wirklich tolle auch ausgewöhnliche Ziele !
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)


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