Finanzamt erkennt Fahrtkosten nicht in vollem Umfang an

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Dustin und Kevin
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Finanzamt erkennt Fahrtkosten nicht in vollem Umfang an

Beitragvon Dustin und Kevin » 11.12.2018, 15:28

Hallo Liebe Mitstreiter,
ganz kurze Vorstellung von uns :-)
Wir sind eine Familie mit 2 Kindern (Zwillinge jetzt 25 Jahre), beide haben AG/H und B und 100%. Sind Rollstuhlfahrer und wohnen bei uns.
Der Pauschbetrag wurde auf meine Frau übertragen und Kindergeld erhalten wir ebenfalls aufgrund der Behinderung.
Jetzt stellt sich aber das Finanzamt quer und möchte uns einen "Deal" anbieten.
Kurz der Sachverhalt: In der Steuereklärung haben wir erstmals(warum auch immer) nicht nur die 3000km pro Kind angegeben, sondern die tatsächlichen Kilometer. Laut Gesetz können doch bis zu 15000 km pro Jahr abgerechnet werden. Wir haben als schön die Liste eingerecht mit eine Fahrtenübersicht als Nachweis.
Vom FA kam diese Nachricht: "Sämtliche Fahrten wurden mit beiden Söhnen durchgeführt. Die Aufwendungen sind somit nur einmal entstanden und können nicht doppelt berücksichtigt werden. Ich beabsichtige insgesamt 6609km als behinderungsbedingte Fahrten anzuerkennen. Sind Sie damit einverstanden und beschränken Ihren Einspruch darauf ?"
Das sehe ich irgendwie anders oder liege ich falsch. Im Netz habe ich keinen vergleichbaren Fall gefunden. Auch im Gesetz ist nichts vergleichbares zu finden. Es wird immer nur aufgeführt das Personen mit diesem Handicap bis zu 15000 km verrechnen können.
Nach meinen Verständnis können wir für beide Kinder diese Fahrleistungen absetzen, in Fahrgemeinschaften können doch auch alle Mitfahrer die Kilometerpauschale absetzen.
Ich würde euch um Eure Meinung und eventuell um Argumentationshilfen /Quellen / Urteile zu diesem Thema bitten. Vielleicht gibt es hier ja einen ähnlich gelagerten Fall.

Vielen Dank im vorraus, die Eltern von Dustin und Kevin

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Beitragvon Regina Regenbogen » 11.12.2018, 15:33

Nach meinem Verständnis sind tatsächliche Kilometer (= tatsächliche Fahrten) die jeweils angefallenen Kilometer. Und wenn die Zwillinge diese Fahrten immer gemeinsam gemacht haben, kann nicht für jedes Familienmitglied die Strecke eingetragen werden.

Ihr könnt die Fahrleistung steuermindernd geltend machen, aber nicht für jedes Kind, wenn die Kinder gemeinsam gefahren wurden.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
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Beitragvon Jakob05 » 11.12.2018, 15:38

Ich habe auch 2 Kinder mit Behinderung. Natürlich rechne ich Fahrten mit einzelnen Kindern pro Kind ab, aber Fahrten mit beiden Kindern gebe ich nur bei einem der beiden an, mal hier mal da.
Wenn die Kinder z.B. Termine bei der gleichen Logopädin haben, rechne ich für jeden eine Fahrt ab, da - auzs organisiatorischen Gründen - nie beide zum selben Termin mitkommen. Wenn wir in den Zoo oder zu Oma fahren, sitzen wir normalerweise alle im Auto, also entstehen auch nur 1x Fahrtkosten.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Beitragvon LasseUndJohannes » 11.12.2018, 16:51

Hi,
der Mitarbeiter vom FA ist sich selbst nicht sicher. Sonst würde er nicht fragen, ob du mit seiner Rechnung einverstanden bist. Vermutlich ist das gesetzlich auch gar nicht genau geregelt, da der Fall recht speziell ist. Ein Gericht würde vermutlich nach den Absichten des Gesetzgebers urteilen. Die Absicht ist es behinderungsbedingte Kosten absetzbar zu machen. Damit bekommt man diese behinderungsbedingten Ausgaben nicht zurück. Man zahlt lediglich keine Einkommenssteuer mehr auf diesen Betrag. Das bedeutet, wenn zum Beispiel 30 Prozent Einkommenssteuer gezahlt werden, das von jedem behinderungsbedingt ausgegebenen Euro 30 Cent gespart werden. Auf den 70 Cent bleibt man sitzen. Ich verstehe vollkommen, wenn man hier mehr zurück bekommen möchte. Und der Versuch es einfach Mal anzugeben war es wert. Gegen die Ablehnung zu kämpfen ist vermutlich aber erfolglos.

Zur Fahrgemeinschaft. Das liegt in der Natur einer Pauschale. Die tatsächlichen Kosten können höher oder niedriger liegen. Weil man den Aufwand der Berechnung der exakten Kosten vermeiden will, rechnet man hier pauschal mit typischen Kosten.
Johannes 2008, extremes ADHS, Fehldiagnose (?) Autismus
Benedikt 2014, non verbal, auto aggressiv, ADHS, atypischer Autismus

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Beitragvon Silvia & Iris » 11.12.2018, 17:13

ad Jakob: ich habe eigentlich noch nie Fahrten abgerechnet, außer in KH und in die Schule... da ja Therapie und mehr Freizeitgestaltung sind und daher auf eigene Kosten zu machen sind... - bzw. bei uns erhalten wir für eine Fahrt in die Therapie und eine Rückfahrt automatisch eine Rückerstattung (bei 3 Wochen Dauer) - mehr wird nicht anerkannt...

(zumindest habe ich das noch nicht probiert.) - Ins Schwimmbad, Zoo oder so, auch da habe ich noch nie abgerechnet... - ich wusste gar nicht, dass das möglich ist? -


Und ja, natürlich kann man immer nur die tatsächlich gefahrenen km mit Insasse abrechnen... - also, wenn ich 50 km zur Schule fahre, kann ich nur die Strecke rechnen, wo das Kind - oder auch die Kinder - tatsächlich drin sitzen...

wenn ich zurück fahre sitzt kein Kind mehr drin... -
Genauso wenn ich sie wieder abhole...

… 15000 km mit den Kindern gefahrene km (ausschließlich zum Zwecke zu Therapie bzw. Arzt, KH-Besuche) - wie viele Fahrten hast du da zu den Therapien? - Wie weit sind denn die Einrichtungen entfernt, die du da so besuchst, wo du auch Ärzte vorfindest? -

… etwas verwundert.... auch die Fahrten zur Tagesstätte rechne ich gesondert ab - mit dem Land... - das ist ein anderer Topf...

Die Fahrten zum KH bzw. Therapie, die rechne ich mit der KK ab...

und sonst gibt es keine Fahrten, die man hier abrechnen kann... - oder?

… denn auch mit normal entwickelten gesunden Kindern fahre ich in den Urlaub, ins Schwimmbad und in den Zoo...


LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Beitragvon Jakob05 » 11.12.2018, 17:28

@Silvia: Das waren doch nur Beispiele von Fahrzielen, was genau absetzbar ist, muss ich nachlesen. Bei Arzt und Apothekenbesuchen, die man sicher ansetzen darf, gibt es sicher auch Termine mit einem oder zwei Kindern.
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)

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Beitragvon JanisQ » 11.12.2018, 17:50

Hallo,
ich habe Merkzeichen AG und setze jährlich ohne einzelne Angabe pauschal
15.000 km ab. Hier sind nicht nur die behinderungsbedingten Fahrten von Belang,
sondern auch Freizeit, Besuche, Urlaub usw.
Natürlich muss man die gefahren sein, evtl möchte das Finanzamt da einen Nachweis.
Manche Finanzämter verlangen auch einzelne Aufstellung der Fahrten (was ich blödsinnig finde, dafür ist es ja eine Pauschale.)

Solltet ihr Taxikosten zusätzlich ansetzen, kann es ein, dass die 15.000 km anteilig gekürzt werden müssen.
Wenn ihr insgesamt nur wenig mehr als die 15.000 km gefahren seid als Familie,
kann es sein, dass das Finanzamt die 15.000 km nicht als angemessen anerkennt.
Ob nur Fahrten mit den Kindern oder auch für Zwecke der Kinder berücksichtigt werden, weiß vielleicht jemand anderes hier.
Viele Grüße
Janis
Rollstuhlfahrerin
Kind mit ehemals Asthma, Reflux 3.Grades in beide Nieren, Sphinkter-Detrusor-Dissynergie, hat sich alles mit der Zeit ausgewachsen

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Beitragvon Chantal-Marie » 11.12.2018, 18:07

Ich fahre im Jahr mehr als 15.000 km und gebe die auch an. Dafür lege ich eine Liste mit den Fahrten bei die ich für und mit unserem Kind mache. Da unser Mädel ja nicht allein bleiben kann muss sie überall mit wo ich bin. Das waren letztes Jahr auch die Beerdigungen und Totenrosenkranz, ja sogar der jährliche Gottesdienst für unsere Eltern waren kein Problem etc. Bisher wurden sämtliche Kilometer anerkannt worden. Bei der letzten Steuererklärung waren es ca. 18600 km. Der Mitarbeiter des Finanzamt meinte dass die Fahrten für´s FA nachvollziehbar sein müssen. Das habe ich bisher geschafft.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

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Beitragvon sandra8374 » 11.12.2018, 19:02

@Silvia: Bei Merkzeichen H kann man alle Fahrten mit und für das Kind absetzen. Auch Freizeitfahrten.
Und KK erstattet doch nu 20 Cent pro km, das Finanzamt 30 Cent. Daher die km angeben und die Erstattung der KK abziehen.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

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Anne_mit_2
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Beitragvon Anne_mit_2 » 11.12.2018, 19:36

@Sandra und Silvia: Bitte schaut bei Rechtsfragen immer auch auf das Land. Die Gesetzeslage ist in Ö (Silvia) ganz anders als in D (Sandra).

Viele Grüße,
Anne


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