Mein verhaltensorigineller Sohn und Andere mit Behinderung

Eltern, Geschwister, Großeltern - die ganze Familie ist gefordert, wenn es um die Belange des besonderen Kindes geht. Häufig ist das Familienleben durch die besonderen Bedürfnisse von Sohn oder Tochter großen Belastungen ausgesetzt. Ein Austausch mit Familien, die auch ein besonderes Kind haben, tut gut und kann sehr hilfreich sein.

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JohannaG
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Mein verhaltensorigineller Sohn und Andere mit Behinderung

Beitragvon JohannaG » 09.12.2018, 23:06

Hallo Ihr,

ich grüble schon seit einer Weile an einem Problem rum, heute wurde es wieder besonders virulent.

Mein Sohn ist knapp 11 Jahre alt und selbst ziemlich speziell in seinem Verhalten. Was genau er nun hat, das ist nicht ganz klar - ADHS, Bindungsstörungen, grenzwertig im Autismus-Spektrum oder eine Kombi von allem dreien. Er paßt in keines der Bilder so richtig rein. Sicher wissen wir, daß er bei dem Autismustest knapp unter dem Cut-off lag - aber nur deshlab, weil er wirklich nurr Spezialinteressen oder Stereotypien hat. In allen seinen Sozialen Verhaltensweise ist er definitiv üb der dem Cut-off in den Einzelnen Testungen. Dabei ist er normal begabt. In der Schule (Waldorfschule) schwimmt er einigermaßen mit und kann da auch ganz ok kompensieren. Meistens jedenfalls. Zuhause wird er oft extrem ausfällig - so weit, daß er mittlerweile Risperdal bekommt, weil es sonst wirklich mehr als grenzwertig wird. Ich hab mit ihm und seinem verhalten schon echt ganz schön zu tun und zu kämpfen.

So, nun hat dieses recht spezielle Menschenkind zwei genau so spezielle Geschwister. Eine große Schwester mit FASD (--> daraus resultierend Lernbehinderung, Stereotypien, macht öfter mal laute Geräusche, sehr wuselig, aber an sich ganz lieb und liebevoll) und eine kleine Schwster, die ein Extremfrühchen war (--> Lebensmittelallergien, Ängste, Kleinwuchs, leichte ICP). Beide Mädchen besuchen eine Förderschule KME.

Die beiden Großen liegen ohnehin dauernd im Clinch - den Sohn nerven die Stereotypien und das nervöse Gewusele seiner Schwester unendlich. Verständlich, aus seiner eigenen Problematik heraus. Umgekehrt nervt es auch die Tochter extrem, wenn Sohnemann mal wieder einen Meltdown hat und eine Stunde oder länger am Stück komplett am Rad dreht. Die beiden beschimpfen sich oft gegenseitig als "behindert" (und sie sind es ja auch.... :roll: ).

Beim Sohn geht es aber so weit, daß er fragt, warum ausgerechnet er eine behinderte Schwester haben muß (ok, auch noch nicht ungewöhnlich, denke ich) - und weiter, daß ihm diese Schwester "sein ganzes Leben versauen" würde. Wobei er nicht genau sagen kann, wo das tatsächlich stattfindet, denn er kann eigentlich alles sehr gut machen so wie er will - er hat eigene Freunde, er geht in eine andere Schule als die Mädchen, seine Schwstern sind jeden Tag unter der Woche erst um 16.30 Uhr von der Schule zu Hause, recht viel entspamnnter kann er es eigentlich kaum noch haben. Trotzdem besteht er darauf, daß seine Schwester schuld ist an allem Übel, das ihn trifft.

Und dann geht es noch weiter: Daß er seine Schwester ablehnt, kann ich ja sogar noch irgendwo nachvollziehen, aber er lehnt gleich in Bausch und Bogen alle "Behinderten" ab (daß er selber auch betroffen ist, hat er glaube ich noch nicht realisiert). Heute hat die Große Geburtstag gefeiert, drei ihrer Klassenkameraden waren da - ein Junge mit Halbseitenlähmung, ein Mädchen im Rollstuhl und ein Junge mit Epilepsie. Alle drei nette Kinder, sehr höflich und freundlich, keiner von ihnen hat dem Sohnemann auch nur irgendwas getan oder einen blöden Spruch losgelassen. Aber für ihn ist das trotzdem ganz furchtbar, daß die überhaupt da waren. Er kann und will sich nicht vorstellen, daß diese Jugendlichen auch ganz normale Teenies sind nd hat sich heute Abend (zum wiederholten male) extrem abfällig über sie geäußert - ohne sie zu kennen.

Den Nachmittag hat er allein in seinem Zimmer verbracht. Ok, er muß auch nicht unten sein und mitfeiern, wenn ihm das zu viel ist. Sein Papa hat ihm auch angeboten, etwas anderes mit ihm zu unternehmen - das hat er aber ausgeschlagen. Am Abend hat er einen Meltdown mittlerer Güte gehabt, weil diese "Scheißbehinderten" da waren und ihm "den ganzen Tag versaut haben" - dabei hat er doch den ganzen Tag quer geschossen und Angebote, aus der Situation rauszugehen, ausgeschlagen.

.... ich bin grad so ratlos, was ich mit dem Jungen machen kann? Ich meine, ich erwarte ja nicht, daß er sich mit den Klassenkameraden meiner Tochter anfreundet. Aber zumindest respektvoll über sie sprechen sollte er über sie, denn sie haben ihm wirklich keinen Anlaß gegeben, daß er sich über sie aufregt. Auch mit seiner Schwster ist es so. Er hat ja aller Recht der Welt, sich aufzuregen, wenn sie ihn nervt. Aber ihr ihre Behinderung zum Vorwurf zu machen, das find eich einfach nur mies. Wie komm ich mit ihm so weit, daß er das einfach akzeptiert und nicht mehr so fies über Menschen mit Behinderungen herzieht?

Und dann auch.... ehrlich gesagt, ich habe schon befürchtet, daß so was passieren könnte. Ich habe auch im Voraus einen Ausweg gesucht, indem ich vorgeschlagen habe, daß der Papa was mit ihm macht. Davon war der Papa zunächst gar nicht begeistert, weil er immer noch meint, Sohnemann soll sich halt integrieren. Das kann oder will der aber offenbar nicht. Der Papa hat es Sohnemann dann aber doch angeboten, aber Sohn hat abgelehnt. Und ist dann am Abend ausgetickt. Und dann ging es auch beim Papa wieder rund.... wie komm ich denn aus dieser Nummer raus? Wie kriegen wir Sohn dazu, Entlastungsangebote für ihn auch anzunehmen?

Er selber hat übrigens NULL Problembewußtsein. Das Problem sind IMMER die anderen, nie er selbst. Wenn einer mal lächelt, dann denkt er, er würde ausgelacht... wenn einer mal kurz in seine Richtung schaut, dann denkt er, er würde angestarrt.... klar sind die anderen Schuld. :?

.... das ist jetzt ein mittlerer Roman, ich weiß. Aber kürzer ging irgendwie nicht. Vielleicht hat ja jemand eine Idee?

Wieder mal ratlose Grüße,

Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

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Callalina
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Beitragvon Callalina » 09.12.2018, 23:22

Hallo Johanna,
ich kann dir zwar keinen Rat geben, doch kann ich absolut nach empfinden wie es dir geht.
Vielleicht hilft dir das fürs erste schon mal. Nur verstanden zu werden :)
Dein Text ist absolut nicht zu lang und du hast die Situationen sehr gut rüber gebracht.
Ach ja, die Situation mit deinem Mann kommt mir bekannt vor. Da denke ich oft, ich noch 1 Kind mehr.
Liebe Grüße Callalina
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JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 09.12.2018, 23:28

Ich merke gerade, ich hab da nen blöden Tippfehler.

Wollte schreiben, Sohnemann hat NULL Stereotypien und Spezialinteressen.

So wie es da steht kommt es mißverständlich rüber....

LG Johanna
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Beitragvon Engrid » 10.12.2018, 03:36

Hallo Johanna,

hier ist die Problemlage anders, aber einiges kommt mir doch bekannt vor.
Wie kriegen wir Sohn dazu, Entlastungsangebote für ihn auch anzunehmen?
Junior hat auch öfter mal „Gift“, und erstmal wollten wir daran arbeiten, mit ihm positive Alternativen zu erarbeiten, was er machen kann, statt treten, hauen, brüllen. Das verfing aber nicht, denn er WOLLTE gar keine Alternative. Er will sich da reinstürzen, in diese Wut.
Von einem negativen Fokus kommt er oft ganz schlecht weg. Eine Wahrnehmungsfrage (Das kommt beim Junior vom Autismus, gibts aber wohl genauso bei ADHS).
Aber nicht nur eine Wahrnehmungsfrage: Aus meiner Sicht kommt die Wut beim Junior nicht zuletzt davon, dass er sich sein Leben lang schon von so vielem ausgeschlossen fühlt. Er ist außen vor bei Dingen, die anderen total leicht fallen. Er hat teils dann tatsächlich Wut auf die Wut.
Bis zu einem gewissen Grad ist das auch einfach die Pubertät (Junior wird 15).

Eine wichtige Rolle spielt auch die „Gefühlsansteckung“, die extrem feinen Antennen für Emotionen anderer. Ohne dass er diese vom Kopf her versteht, und Perspektivübernahme fehlt leider noch komplett. (Wie ist die bei Deinem Sohn?). Er bekommt mit, wenn jemand Angst bekommt vor seinen Reaktionen, wenn jemand erschreckt ist, schockiert ist. Das verstärkt seine Wut, vielleicht weil er sich da abgelehnt fühlt. Aufgefallen ist mir jetzt ganz deutlich: seit ich das anders betrachte, und deshalb zuversichtlicher damit umgehen kann, haben wir hier weniger aggressive Eskalation.

Das muss jetzt mit Eurer Situation alles nichts zu tun haben. Nur ein paar Aspekte, vielleicht passt was und Du kannst Dir was herausklauben.
Ein hilfreicher Tipp, den ich in der Therapie bekommen habe, aber auch hier im Forum: Gefühle verbalisieren, und selber dabei unaufgeregt bleiben. Stellvertretermonologe halten, also „seinen“ hypothetischen Text sprechen, wie es in ihm aussieht. Auch eigene Gefühle nacherzählen, „kommentieren“, ... viele autistische Kinder brauchen diese Ebene, um zu lernen, wie andere ihre Gefühle „managen“

Die KJP war bei uns keine große Hilfe, eine wirklich gute Therapeutin, die ganz nah dran ist, und ein passendes Umfeld in der Schule (=genug positive Erlebnisse, Fortschritte) helfen da mehr. Zuhause viel Entspannung, wenig äußere Anforderungen (er muss nirgends mit, kann einigermaßen selbstbestimmt seine Freizeit einteilen).
Dein Sohn macht sich gut in der Schule, er hat Freunde, er ist selbstständig unterwegs. Er hat den Nachmittag auf seinem Zimmer verbracht, hat nicht gestört. Das ist viel.

Wünsche Dir gute Nerven, und ein gutes Händchen :wink:

Grüße

Angela77
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Beitragvon Angela77 » 10.12.2018, 07:46

Hallo Johanna,
nur kurz aus Zeitmangel: Ich könnte mir aus deiner Beschreibung gut vorstellen, dass dein Sohn seine Behinderung sehr wohl und sehr schmerzhaft registriert, aber sich - vor sich selbst und anderen - aus Scham nicht traut, sich die eigentliche Ursache seines Schmerzes/ seiner Wut einzugestehen.

Nun muss also ein "Sündenbock" her, der (ihm und anderen) erklärt, warum er sich so schlecht fühlt und so schlecht drauf ist.

Und da könnte es vielleicht (!) naheliegen, die ganze Misere auf seine deutlich behindertere Schwester und/oder deren deutlich behinderteren Freunde zu schieben.

Durch die krasse Abwertung der "noch Behinderteren" versucht er sich vielleicht selbst aufzuwerten. Und vielleicht ärgert es ihn sogar am meisten, dass diese Behinderten sich mutmaßlich deutlich besser fühlen als er...., denn das "dürfte ja eigentlich nicht sein".

Ich kann da völlig falsch liegen, nur so als Idee ... Aber vielleicht machen ihm seine Probleme und v.a. seine "Depressionen" (ist da eigentlich gesichert und/oder behandelt) mehr Stress im Sinne einer Kränkung als man von außen sieht.

Liebe Grüße
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

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Beitragvon NicoleWW » 10.12.2018, 08:19

Hallo,

wir haben hier ähnliches mit unserer 11jährigen Autistin, allerdings hab ich noch nicht mitbekommen dass sie andere als behindert beschimpft würde sie das in dem Maße tun wie dein Sohn würde ich ihr auch ihren Behindertenausweis unter die Nase halten (gleiches gilt für meinen Sohn).
Allerdings hat J. auch diese Wahrnehmung dass alle anderen Schuld sind wie es ihr geht, sie hat keinerlei Bewusstsein dafür was ihr Anteil an den Problemen ist, sie tickt gerade täglich mehrmals aus mit Geschrei und sie wird auch handgreiflich.
An der Wahrnehmung arbeitet bei uns die Heilpädagogik, sie sagt aber auch es wird ein langerweg, weil einfaches erklären führt nicht zur Einsicht.

Schwierige Situation, ich wünsche dir viel Kraft !

Liebe Grüße
Nicole
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Beitragvon RikemitSohn » 10.12.2018, 08:53

Hallo,

mein erster Gedanke war, dass dein Sohn merkt, dass er anders ist und sehr große Probleme damit hat. Es gibt auch immer wieder das Phänomen, dass Homosexuelle andere Homosexuelle ganz schlimm abwerten und beschimpfen nur um sich nicht einzugestehen, dass sie dazu gehören. Ich hatte das schon zweimal in meinem Umfeld.
Ausserdem finde ich in dem Verhalten deines Sohnes einiges doch von meinem mit ADHS wieder. Er ist ein ganz liebevoller, aber wenn er überfordert ist oder sich ungerecht behandelt fühlt, kann er sehr ungemütlich werden. Es hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren gebessert- auch durch Tabletten- aber er ist auch fast fünfzehn.
Eine genaue Problemlösung weiß ich nicht, ausser ihn einmal direkt in einem ruhigen Gespräch darauf anzusprechen. Ihm deine Eindrücke zu sagen, aber ohne Vorwürfe.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Katrin2001 » 10.12.2018, 08:59

Hallo Engrid.........Zitat:

Ein hilfreicher Tipp, den ich in der Therapie bekommen habe, aber auch hier im Forum: Gefühle verbalisieren, und selber dabei unaufgeregt bleiben. Stellvertretermonologe halten, also „seinen“ hypothetischen Text sprechen, wie es in ihm aussieht. Auch eigene Gefühle nacherzählen, „kommentieren“, ... viele autistische Kinder brauchen diese Ebene, um zu lernen, wie andere ihre Gefühle „managen“

Kannst du das evtl.mal direkt mittels eines Beispiels erklären?Also was du dann zB sagst?Ich verstehe es nicht geau.........Vielen Dank!LG Katrin
Katrin mit Sophie geb.Juli 01 entwicklungsverzögert, wahrnehmungsst. ,Hirnschädigung,motor.Probleme.,Autistische Züge,verhaltensauffällig. Genetische Auffälligkeiten ,Sprachprobleme ,aber ne total süße Maus

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Beitragvon Engrid » 10.12.2018, 09:14

Stellvertretermonolog wäre in der Ich-Form, als Verbalisierungsvorschlag fürs Kind quasi, in einer entspannten Situation (!): „Boah, ich war so wütend gestern. Die Kinder regen mich auf, die sind laut im Bus. Die quatschen und quatschen, und gackern. Das ist so anstrengend für mich. Das macht mich wütend.“ Da darf aus meiner Sicht ruhig mal ein Kraftausdruck dabei sein (die heißen so, weil sie kraftvoll sind, und auf die Art etwas ableiten) Vielleicht noch ein „Was kann ich denn da machen?“ [Das Gefühl ausdrücken, was Du denkst, dass Dein Kind da hat. Den (vermuteten) Grund sagen. Evtl noch die eigene Hilflosigkeit (des Kindes) und anderes wichtiges dazu benennen.]
Mein Sohn hat nur eingeschränkt einen Zugang zu seinen Gefühlen. Er kann das nicht so artikulieren. Unsereins kommt von der Arbeit heim, regt sich eine Runde auf über den Chef oder den Stau, und schon ist „Luft gemacht“. Das können unsere Kinder sich nur abschauen, wenn wir es ihnen vormachen. Und wegen der Gefühlsansteckung ist es oft sinnvoll, da selber die Emotionen zurückzuhalten. Oder auch mal nicht, je nachdem, wo das Kind da steht.

Userin Iris macht das ähnlich: https://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopi ... 69#2153369
Zitat:
wenn für ihn traurig und wütend das gleiche ist, dann wäre für mich der Ansatz, ihm erst einmal behutsam beizubringen seine eigenen Gefühle zu benennen. Gerade bei meinem jüngeren Sohn habe ich viel Zeit damit verbracht, Dinge, die wir gerade miteinander erlebt hatten (musste nichts Besonderes sein) nochmal aus meiner Perspektive nachzuerzählen und dabei zu sagen, was ich für Gefühle hatte und was für Gefühle er gehabt zu haben schien. Muss man natürlich machen, wenn eine Situation eskaliert ist, aber viel hilfreicher fand ich es in Alltagssituationen. Der nächste Schritt war dann, aufzudröseln, dass Gefühle nicht an oder aus sind (nicht da oder katastrophal überflutend), sondern dass sie in vielen Abstufungen vorkommen. Als er das verstanden hatte, bzw begann, sich dafür zu interessieren, hat sich sehr viel geändert (das war so ca. mit 10 Jahren).
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Jakob05 » 10.12.2018, 09:24

Hallo Johanna,
kann es sein, dass er mit seinem Dauerthema "doofe Behinderte" bei Dir gerade einen Triggerpunkt trifft und es deshalb so gerne thematisiert ? Bist du an deser Stelle besonders empfindlich ? Gerade bei Eurer Familienkonstellation könnte ich mir vorstellen, dass die Tragfähigkeit der Bindung immer wieder ausgetestet werden "muss".
Cordula (65) mit I. (86), M. (88 mehrfachbehindert, HF-Autist), J. (†28.07.05,*02.08.05,37.SSW) + K. 10/07 (GS, HD, Rachenfehlbildung,Tracheostoma)


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