Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Sandra1978
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Beitragvon Sandra1978 » 10.12.2018, 12:38

Hallo,

Leider sehe ich die Inklusion wie sie im Moment geleistet wird sehr kritisch und es kann nur verlierer auf allen Seiten geben.

Solange keine Leistung erbracht werden muss ( Kindergarten und Grundschule bis 3.Klasse) läuft es noch Klasse weil jedes sein eigenes Tempo hat. Danach wird es immer schwieriger weil der Leistungsdruck immer höher wird. Und das nicht nur für die "Regelkinder" sondern auch für die Inklusionskinder die ja auch auf einen Abschluss hin arbeiten.

Das fängt doch schon an den Förderzentren an wo viele verschiedene Schwerpunkte in einer Klasse unterrichtet werden. Die Lehrer sollen die Kinder auf 4 Abschlüsse vorbereiten vom Förderschulabschluss bis zum Realschulabschluss. Dank Lehrermangel alleine und bei 17 Kindern in der Klasse.

Einer bleibt immer auf der Strecke meist sind es die Schwächsten.

Meiner Meinung sollte jedes Kind egal wie Stark es betroffen ist Inklusiv beschult werden das klappt aber nur wenn genug Personal vorhanden ist. Und das im Moment leider nicht der Fall.

Gruß Sandra
Mama Sandra (Asperger Autist)
Papa Jochen (Lernebehindert)
Sarah (2003) (Lernbehindert)

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 10.12.2018, 16:44

Danach wird es immer schwieriger weil der Leistungsdruck immer höher wird.

Ich habe das bei meinen autistischen Kindern nicht so erlebt. Ab Gymnasium war es für sie deutlich leichter. Da waren die Strukturen viel klarer.

Dagegen sehe ich in der Grundschule meines Jüngsten, dass die Strukturen zunehmend aufgelöst werden. Das schadet uns sehr und es schließt ihn immer mehr aus. Das wird dann aber Inklusion genannt.

Es wird nämlich nicht getrennt zwischen Binnendiferenzierung/Förderung und Betreuung.

Liebe Grüße
Heike

rena99
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Beitragvon rena99 » 10.12.2018, 17:54

Interessantes Thema!

Erst einmal gibt es ja nun das Recht auf Inklusion. Das muss man schon Ernst nehmen. Was dann aber heißt, dass Schule nicht so bleiben kann, wie sie ist (schreib hier ja auch schon jemand). Schule muss dann eine Schule für alle sein und das heißt: Eingehen auf individuell sehr unterschiedliche Bedürfnisse.

Früher habe ich gedacht, dass so etwas gar nicht gehen kann, aber das stimmt nicht. Ich durfte mittlerweile Schulen erleben, die das können. Aber: das erfordert Teamteaching, keine Scheu und sinnvolle Einbindung von Integrationshelfern, genug Nebenräume für Rückzug und Kleingruppenarbeiten und, ganz wichtig: den absoluten Willen aller Beteiligten (Eltern, Lehrer, Schüler). Das ist ein Prozess, der immer weiter gehen muss.

Daneben muss es aber auch Förderschulen als Wahl(!)angebot geben, die, vielleicht auch nur schwerpunktmäßig oder zeitlich begrenzt, Schüler in viel kleineren Gruppen individuell betreuen. Ich kann mir in einem Schülerleben mehrere Phasen vorstellen, wo das sinnvoll sein kann. Alles aber unter der Prämisse, dass die Hauptbeschulung inklusiv gemacht und gedacht werden muss.

Wenn man Lisas gebärdenden Sohn nimmt: wird es vielleicht später einmal möglich sein, dass er selbst besser Lippen liest? Wird er später vielleicht einmal größere Gruppen kennen lernen wollen? Oder oder?

In der Schule, die meine Tochter besucht hat, hat eine Klasse regelmäßig Gebärdenunterricht bekommen, damit ein gehörloses Kind dort besser inkludiert werden konnte. Das erfordert natürlich entsprechende Bereitschaft der "nicht betroffenen" Kinder (und ihrer Eltern !) und einen Kostenträger, der den Unterricht zahlt. So ging es dann dauerhaft mit einem einzelnen Integrationshelfer, der selbst gut gebärden konnte. Das sind dann aber flexible Einzelfalllösungen. Das muss man schon wollen und das erfordert auch Vertrauen darin, dass jeder was lernt in so einer Situation. Was an der Schule ging. Ist aber in normalen Klassen mit ihrem Leistungsdruck und dem hohen Erwartungsdruck der Eltern wahrscheinlich schwierig.

Insofern ist es auch eine gesellschaftliche Frage. Wie soll unsere Gesellschaft aussehen. Wie wollen wir mit "Anderssein" umgehen. Es gibt mir schon sehr sehr zu denken, dass Kinder mit Trisomie 21 ein hohes Risiko haben, erst überhaupt nicht geboren zu werden. Was ja u.a. daran liegt, dass Eltern es sich in der heutigen Gesellschaft nicht zutrauen, so ein Kind überhaupt zu haben. Und so, wie Inklusion gerade läuft, darf einen das noch nicht mal groß wundern.

Gute Inklusion fängt in den Köpfen an und zwar derer, die sich als "normal" empfinden. Da müssen wir alle noch viel lernen.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

rena99
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Beitragvon rena99 » 10.12.2018, 18:09

RikemitSohn hat geschrieben:Ich würde gerne noch eine andere Frage hier in die Runde stellen. Und zwar, ob sich jemand eine andere Kontaktmöglichkeit zwischen Regelschülern und z.B. GE-Kindern oder Schwerbehinderten vorstellen kann als das Kümmern? Es wird immer in Bezug auf Inklusion gesprochen, wie schön es ist, dass die Regelschüler oder leistungstärkeren Schüler den Schwächeren helfen. Das ist ein Aspekt den die Kinder lernen sollten, aber das kann ja nicht alles sein. Erst einmal finde ich es den Kindern, die dann immer parat stehen müssen, unfair und ausserdem sind die Schwächeren doch mehr als Betüddelkinder.
Mein Sohn würde ein GE-Kind sicher nicht stören in der Klasse, aber da er kein Kümmerkind ist, wäre sein Interesse eher gering sein. Und ausserdem hat er mit seinem Alltag auch viel zu stemmen und wäre einfach überfordert. Das Problem hatten wir in der IGS immer wieder. Er sollte sich kümmern, er war überfordert und das LB-Kind fühlte sich schlecht und hat es an meinem Sohn ausgelassen. Ausserdem wurde das Helfen als seine Förderung verkauft und das ist nicht in seinem Sinne. Ich hoffe , dass ihr versteht, was ich meine.
Rücksichtnahme zu lernen ist wichtig und gut, aber sonst sollte es ausgewogener sein.

LG Rike


Hallo Rike,

an unserer Schule gab es dafür Gruppenarbeiten. In manchen Phasen konnten die Kinder die Gruppe selber zusammen stellen. In anderen Phasen haben aber die Lehrer die Gruppen zusammengestellt. Und in solchen Gruppen wurden dann Sachthemen erarbeitet und anschließend präsentiert. Die Lehrer haben darauf geachtet, dass in diesen Gruppen z.B. HB- Kinder und GB-Kinder waren, Kümmerer und Organisierer etc., d.h. die haben sich viele Gedanken gemacht, wie die Gruppe aufgebaut ist. Und dann war die Gruppe selber dran, für jeden die passende Aufgabe zu finden. Und alle angemessen zu beteiligen. Das war natürlich ein über die Jahre immer wieder geübter Prozess. Und man konnte staunen, wie Stärken-orientiert Kinder da vorgehen, wenn sie so aufwachsen. Die schauen dann nicht auf die Defizite! Und haben ein gutes Gespür dafür, was wer besonders gut kann. Und das darf er in solchen Gruppen dann auch machen.

Vor der Pubertät hat das auch zu sonstigen Kontakten außerhalb der Schule geführt. Während der Pubertät wurde das schwieriger, das muss man schon festhalten. Die Schule sucht immer noch nach einem passenden Konzept dafür. Da ist schon vieles ausprobiert worden, führt aber letztendlich doch zu einer Separation, wenn die intellektuellen Unterschiede zu groß werden. Vielleicht dauert es auch noch. Aufgegeben hat die Schule ihre Vision noch nicht. Für alle anderen "Auffälligkeiten" (KB, Autismus, Hör- und Sehbehinderungen, pychische Probleme) hat man immer inklusive Lösungen finden können.

Was ich mir tatsächlich sehr schwierig vorstelle, sind laut und scheinabr anlasslos schreiende Kinder.

LG
Rena
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 10.12.2018, 18:54

Ich habe mal von Jahren Mehrscheinchen gehalten. Für DREI Tiere (Mutter und zwei Töchter aus einem Wurt) hatte ich mich entschieden, weil es Herdentiere sind, die laut Tierschutzgesetz gar nicht einzeln gehalten werden DÜRFEN. Nach 5 Jahren starb leider eines der beiden jüngeren Mehrschweinchen. Zwei Jahre später starb das zweite jüngere Meerschweinchen und die alte Mutter blieb allein zurück, in einem riesengroßen Käfig. Meine alte "Mary" war zu dem Zeitpunkt schon schwerhörig und fast blind. Trotzdem wollte ich ihr nicht zumuten, ihren Lebensabend ganz allein zu verbringen, wo doch das Tierschutzgesetz auch meint, dass das für Meerschweinchen absolut nicht zu empfehlen ist. Nach einem ausführlichen Gespräch mit einer Meerschweinchen-Expertin haben ich mich für ein weibliches Jungtier entschieden. Ich gab also das gerade von der Mutter entwöhnte Jungtier zu Mary in den Käfig. Sofort rannte es zu ihr und suchte ihre Nähe. Mary war jedoch völlig überfordert von dem liebesbedürftigen, kleinen Schweinchen und rannte in ihr Häuschen. Das Jungtier folgte ihr und kuschelte sich an sie. Mary war das sichtlich unangenehm und sie rannte immer wieder weg, ohne dem kleinen Schweinchen was zu tun. Das kleine Schweinchen immer hinterher. Schließlich wurde es Mary zu viel und sie gab auf. Das Jungtier kuschelte sich an sie, aber Mary stand total unter Stress und zitterte am ganzen Körper.

Am nächsten Tag war es statt besser schlechter geworden. Mary war nur noch ein zitterndes Häufchen Elend mit Zuckungenam ganzen Körper, wenn das junge Schweinchen um sie herumwuselte. Da gab ich ein Trenngitter in den Käfig, um jedem Schwein mal "seine eigene" Hälfte zu lassen, und die beiden aneinander zu gewöhnen. Leider war das Jungtier aber so klein und schlank, dass es sich am Rad durch das Trenngitter durchquetschen konnte, um dann wieder Marys Nähe zu suchen. Als ich das am nächsten Tag bemerkte, war Mary nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Waage zeigte, dass sie in den 2 1/2 Tagen ganze 30dag abgenommen hatte, mehr als ein Viertel von ihrem Körpergewicht. Der Streß mit dem Jungtier hatte es ihr unmöglich gemacht, zu fressen!

Da gab ich das Jungtier zurück und Mary hatte ihr "Reich" wieder für sich allein. Anfangs hatte ich noch vor, ein anderes Meerschweinchen zu Vergesellschaftung zu suchen. Eine Woche dauerte es, dann war meine Mary wieder "die Álte". Zwei weitere Wochen später hatte sie wieder ihr ursprüngliches Gewicht und war dabei so quitschfidel und glücklich, wie ein 8 Jahre altes, fast blindes und schwerhöriges Meerschweinchen nur sein kann. Und ich beließ es dabei. Tierschutzgesetz hin oder her - auch wenn Meerschweinchen grundsätzlich Gesellschaftstiere sind, hätte das nicht-alleine-halten für meine Mary den sicheren, qualvollen Tod durch verhungern bedeutet! Man hätte mich für mein nicht gesetzeskonformes Halten von Meerschweinchen laut dem Tierschutzgesetz sogar anzeigen können. So lebte meine alte Mary alleine, aber glücklich noch ein 3/4 Jahr, bis auch sie zu ihren Kindern in den Meerschweinchenhimmel flog.

Warum ich das hier schreibe? Weil es zeigen soll, dass genau DAS, was auf den ersten Blick genau richtig und wichtig erscheint, und was sogar gesetzlich vorgeschrieben ist, im speziellen Einzelfall statt SCHUTZ sogar Leid (und schlimmstenfalls Tod) bedeuten kann.

Klar, hier geht es um Kinder und ihre schulischen Wege, nicht um Meerschweinchenhaltung! Aber auch hier gibt es keine allgemein gültige und für alle passende "Universallösung".

Es gibt Kinder an Förderschulen, die von inklusiver Beschulung sicher mehr profitieren würden (sowohl schulisch als auch sozial-emotional) und es gibt Kinder an Regelschulen, die an einer Förderschule besser beschult werden könnten.

Daher stellt sich für mich immer die Frage nach dem MEHRwert der einen Möglichkeit, verglichen mit der anderen. In den seltensten Fällen wird wirklich ALLES für eine Förderschule oder ALLES für inklusive Beschulung sprechen. Bei meinem jüngeren Sohn ist es die kognitive Fitness, die eigentlich GEGEN eine Förderschule spricht. Aber die sonstigen Kriterien (die ich nicht nochmal alle wiederholen will) sprechen klar gegen eine inklusive Beschulung, allen Argumenten voran das fehlen eines MEHRwertes für ihn selbst!

Und so, wie ich die Tierschutzgesetze grundsätzlich befürworte, befürworte ich auch die Inklusion besonderer Kinder. Nur manchmal ist das bestgemeinte Gesetz oder die bestmögliche I-Schule eben doch nicht die beste Lösung für ein ganz spezielles Kind mit ganz speziellen Problemen und Bedürfnissen.

Da geht es nicht nur um Gesetze und "Machbarkeit". Machbar ist so ziemlich alles, aber allein durch die Machbarkeit wird es nicht automatisch sinnvoll.

In der Medizin gibt es etliche Beispiele dafür. So haben etliche reiche Jungmütter ihre Kinder nicht mehr gestillt, als endlich, in den 1920er Jahren, eine Flaschennahrung auf dem Markt war, mit der die Kinder auch überlebt haben. Da galt die Ernährung mit der Flasche plötzlich als viel moderner, besser und gesünder als Muttermilch. Und dieser Irrtum hat sich viele Jahrzehnte gehalten, bis einwandfrei bewiesen wurde, dass es eben ein Irrtum war! Waren in den 1970er Jahren stillenden Mütter noch die Ausnahme, so ist es heutzutage fast schon verwerflich, ein Kind NICHT zu stillen, sondern mit der Flasche zu ernähren. Mütter, die das aus verschiedenen Gründen tun mussten, können ihr Lied davon singen.

Ebenso gab es eine Zeit, wo man völlig gesunden Menschen rein profilaktisch den Blinddarm rausoperiert hat, um zu verhindern, dass sich der vielleicht einmal entzündet. Auch hier dauerte es lange, bis man dahinter kam, dass das Risiko einer Blinddarm-OP ohne medizinischer Notwendigkeit ein vielfaches höher ist als wenn man einfach erst dann operiert, wenn es wirklich NÖTIG ist - was bei mehr als 90% der Menschen nie der Fall sein wird!

Was will ich nun wieder damit sagen? In der ersten Begeisterung über eine durchaus positive, neue Errungenschaft schießen viele Menschen einfach über das Ziel hinaus! Es ist eine tolle Sache, dass die Gesellschaft mal die Möglichkeit in Erwägung zieht, besondere Kinder nicht nur seperiert in gesonderten Einrichtungen zu betreuen, in die sie mit speziellen Behindertenfahrzeugen gebracht werden. Statt dessen können etliche dieser Kinder die Möglichkeit bekommen, im Klassenverband mit neurotypischen Kindern zu lernen und auch außerschulisch Kontakte zu knüpfen. An sich eine tolle Sache, aber eben keine Universallösung für ALLE behinderten Kinder.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

uschi brand
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Beitragvon uschi brand » 10.12.2018, 18:54

Hi,
Die Inklusion, die hier viele für nicht durchführbar halten gibts doch schon längst.
Klappt mal besser, mal schlechter, wie alle anderen Dinge eben auch ;)
Meint ihr ein beispielsweise "lautes" Kind mit Behinderung wäre unter andern Kids mit B. weniger störend fürs Umfeld?! Oder wärs da dann egal, "die" müßten eben gucken wie se klar kommen?! Gerade in FS sind die Klassen/ Gruppen oft nicht besonders homogen, den Kids gelingts aber meist recht gut sich zu arrangieren > ergo, "die" können Inklusion :idea:
LG Uschi

Leni Ella
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Beitragvon Leni Ella » 10.12.2018, 19:14

Tina&Andi hat geschrieben:Hallo,

ich finde wenn man Inklusion möchte, dann müsste man alle LehrerIn in dem Bereich Sonderpädagogik schulen. Erst dann kann man ein richtig Inklusion betreiben ohne das es "Verlierer" gibt.

LG
Tina


Warum sollten das die schon sehr belastenden Lehrer machen?

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 10.12.2018, 19:16

uschi brand hat geschrieben:Meint ihr ein beispielsweise "lautes" Kind mit Behinderung wäre unter andern Kids mit B. weniger störend fürs Umfeld?! Oder wärs da dann egal, "die" müßten eben gucken wie se klar kommen?! Gerade in FS sind die Klassen/ Gruppen oft nicht besonders homogen, den Kids gelingts aber meist recht gut sich zu arrangieren > ergo, "die" können Inklusion :idea:
LG Uschi


Für mich ist ein Unterschied zwischen einem LAUTEN Kind (egal, ob behindert oder nicht) und einem LAUTIERENDEN Kind. Es gibt Kinder, die rein sprachlich laut sind, bei Erklärungen dazwischenplatzen, immer wieder impulsiv Freude oder Unlust äußern, usw. Aber der Großteil dieser Kinder hat immer wieder ruhigere Phasen. Für diese Kinder gilt es in erster Linie, ein Umfeld zu schaffen, welches die ruhigeren Phasen fördert. Das sind z.B. kleine, übersichtliche Klassen und klare Strukturen. Und es ist natürlich nicht gerade förderlich, besonders lärmempfindliche Kinder in solchen Klassen zu haben, die vom Lärm beeinträchtigt und gestresst werden. Die meisten lauten Kinder können durchaus lernen, nach und nach (nicht von heute auf morgen) ruhiger zu werden, wenn das Umfeld "passt".

Ein LAUTIERENDES Kind hingegen gibt ständig Geräusche von sich. Die sind nicht mal immer laut, können es aber phasenweise durchaus werden. Etliche gehörlose Kinder lautieren mehr oder weniger. Sie sind sich dessen selbst lange Zeit nicht bewusst. Ich kenne auch einige intelligente, hörende Erwachsene, die immer noch lautieren (wenn auch nicht mehr so stark, wie Kinder das tun).

Und, JA, die Kinder in der Klasse meines Sohnes sind alle selbst gehörlos. Die stört das lautieren wirklich nicht!

Das ist auch einer der Gründe, warum ich so gerne mit meinem Sohn auf Gehörlosentreffen bin: weil er dort als ganz normales Kind wahrgenommen wird! Der Lärmpegel auf solchen Treffen ist übrigens zeitweise sehr groß. Beim Faschingsfest hat einer der Sponsoren für die Tombolapreise die glorreiche Idee gehabt, Trillerpfeiffen für die gehörlosen Kinder zu spenden. Man stelle sich dann ca. 40 gehörlose Kinder vor, die in einem kleinen Saal ihre Trillerpfeifen ausprobieren - und ihre Eltern unterhalten sich daneben ganz locker-lässig, während den 2-3 hörenden Personen im Saal vor lauter Lärm die Ohren abfallen :P !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

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Leni Ella
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Beitragvon Leni Ella » 10.12.2018, 19:29

Lisaneu hat geschrieben:
uschi brand hat geschrieben:Meint ihr ein beispielsweise "lautes" Kind mit Behinderung wäre unter andern Kids mit B. weniger störend fürs Umfeld?! Oder wärs da dann egal, "die" müßten eben gucken wie se klar kommen?! Gerade in FS sind die Klassen/ Gruppen oft nicht besonders homogen, den Kids gelingts aber meist recht gut sich zu arrangieren > ergo, "die" können Inklusion :idea:
LG Uschi


Für mich ist ein Unterschied zwischen einem LAUTEN Kind (egal, ob behindert oder nicht) und einem LAUTIERENDEN Kind. Es gibt Kinder, die rein sprachlich laut sind, bei Erklärungen dazwischenplatzen, immer wieder impulsiv Freude oder Unlust äußern, usw. Aber der Großteil dieser Kinder hat immer wieder ruhigere Phasen. Für diese Kinder gilt es in erster Linie, ein Umfeld zu schaffen, welches die ruhigeren Phasen fördert. Das sind z.B. kleine, übersichtliche Klassen und klare Strukturen. Und es ist natürlich nicht gerade förderlich, besonders lärmempfindliche Kinder in solchen Klassen zu haben, die vom Lärm beeinträchtigt und gestresst werden. Die meisten lauten Kinder können durchaus lernen, nach und nach (nicht von heute auf morgen) ruhiger zu werden, wenn das Umfeld "passt".

Ein LAUTIERENDES Kind hingegen gibt ständig Geräusche von sich. Die sind nicht mal immer laut, können es aber phasenweise durchaus werden. Etliche gehörlose Kinder lautieren mehr oder weniger. Sie sind sich dessen selbst lange Zeit nicht bewusst. Ich kenne auch einige intelligente, hörende Erwachsene, die immer noch lautieren (wenn auch nicht mehr so stark, wie Kinder das tun).

Und, JA, die Kinder in der Klasse meines Sohnes sind alle selbst gehörlos. Die stört das lautieren wirklich nicht!

Das ist auch einer der Gründe, warum ich so gerne mit meinem Sohn auf Gehörlosentreffen bin: weil er dort als ganz normales Kind wahrgenommen wird! Der Lärmpegel auf solchen Treffen ist übrigens zeitweise sehr groß. Beim Faschingsfest hat einer der Sponsoren für die Tombolapreise die glorreiche Idee gehabt, Trillerpfeiffen für die gehörlosen Kinder zu spenden. Man stelle sich dann ca. 40 gehörlose Kinder vor, die in einem kleinen Saal ihre Trillerpfeifen ausprobieren - und ihre Eltern unterhalten sich daneben ganz locker-lässig, während den 2-3 hörenden Personen im Saal vor lauter Lärm die Ohren abfallen :P !


Eine Frage: sind die Lehrer dort auch gehörlos? Oder wie halten die das aus? Stelle ich mir schrecklich vor.

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Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 10.12.2018, 19:35

Hallo Uschi,

Meint ihr ein beispielsweise "lautes" Kind mit Behinderung wäre unter andern Kids mit B. weniger störend fürs Umfeld?!
Nein, sicher nicht. Aber unter Umständen ist dieses laute Kind dann in der falschen Förderschule oder die Gruppen ist ungünstig zusammengestellt.
In meine Gymnasialklasse mit lauter ganz gewöhnlichen Körperbehinderten versuchte man einen schwer psychisch Behinderten zu integrieren, lernzielgleichheit. Infolge seiner Störung konnte er keine 10 Sekunden still sein. Wir haben es ausgehalten, aber, auch wenn es keiner zugegeben hat, waren wir insgeheim alle froh, wie der Versuch abgebrochen wurde und wir uns endlich wieder konzentrieren konnten. Grau ist alle Theorie, man muß es erlebt haben.

Viele Grüße

Lisa


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