Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 10.12.2018, 00:12

Hallo Grace,

nein, das sage ich nicht, daß alle Kinder, die meinen ähnlich sind, in Förderschulen müssen.

Was ich aber sage, das ist: Für meinen Sohn wäre es ein echtes, großes Problem, sehr laute und/oder unruhige Kinder in seiner Klasse als I-Kind zu haben. Weil er eben mit seinen eigenen Besonderheiten unter den gegebenen Umständen gerade so zurecht kommt. So ein Kind wie seine große Schwetser in seiner Klasse wäre für ihn der GAU, weil er selber dann weit über seine Grenzen käme. Dann bräuchte man für ihn wieder eine spezielle Beschulung....

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
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grace
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Beitragvon grace » 10.12.2018, 00:41

Hallo Johanna,

In Waldorfschulen gibt es aber sehr oft sehr laute un unruhige Kinder ohne I-Status (habe selbst verschiedene besucht), wie kommt er denn mit denen zurecht? Bei lauten I-Kindern hat man viel mehr Möglichkeiten etwas dagegen zu tun (Schulbegleiter, rausgehen, ablenken usw.) bei Regelschüler weniger.

Hier stören laut Tochter die sogenannten Normalos den Unterricht viel mehr als die meisten I-Kinder, aber das kann ja Zufall sein...

LG

Grace

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 10.12.2018, 07:24

grace hat geschrieben:Hier stören laut Tochter die sogenannten Normalos den Unterricht viel mehr als die meisten I-Kinder, aber das kann ja Zufall sein...


Hallo grace, "ohne Diagnose" heißt ja nicht unbedingt neurotypisch, sondern nur, dass bisher niemand die Besonderheit des Kindes finden KONNTE bzw. WOLLTE.

Ich persönlich kenne beide Fälle: wo Eltern gar nichts von der Besonderheit ihres Kindes merken, weil sie ihm z.B. selbst eine ähnliche bzw. die gleiche Besonderheit haben, die aber nie diagnsotiziert wurde. Oder weil Umfeld zu Hause einfach passender ist und die Besonderheiten dort nicht so auffallen. Ist ja z.B. bei vielen Autisten so der Fall: zu Hause, in gewohnter Umgebung, ohne "Überraschungen", mit liebevoller Zuwendung und Verständnis zweier Elternteile, vielleicht noch als Einzelkind, und dann eventuell noch mit liebenvollen Großeltern, kommen die Besonderheiten längst nicht so zum Vorschein wie in einer alles andere als homogenen Klasse mit 28 Kindern und einer Lehrperson!

Und dann gibt es noch Eltern, die sehr wohl schon gemerkt haben, dass ihr Kind irgendwie "anders" ist, die (aus Unwissenheit) aber befürchten, aus einer Diagnose könnten ihrem Kind Nachteiile erwachsen.

Bei Körperbehindungen oder Sinnesbehinderung liegt die Sache klar. Aber so Besonderheiten wie ADHS, Autismus oder AVWS merkt man eben nicht auf den ersten Blick und sie zeigen sich auch nicht in jeder Situation.

Daher vermute ich, dass EINIGE der den Unterricht störenden Kinder eben doch KEINE "Normalos" sind, sondern einfach ohne Diagnose :wink: .
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 10.12.2018, 08:39

Hallo,

@ Lisa fühl dich einmal gedrückt. Ich habe verstanden, was du gemeint hast.

Ich würde gerne noch eine andere Frage hier in die Runde stellen. Und zwar, ob sich jemand eine andere Kontaktmöglichkeit zwischen Regelschülern und z.B. GE-Kindern oder Schwerbehinderten vorstellen kann als das Kümmern? Es wird immer in Bezug auf Inklusion gesprochen, wie schön es ist, dass die Regelschüler oder leistungstärkeren Schüler den Schwächeren helfen. Das ist ein Aspekt den die Kinder lernen sollten, aber das kann ja nicht alles sein. Erst einmal finde ich es den Kindern, die dann immer parat stehen müssen, unfair und ausserdem sind die Schwächeren doch mehr als Betüddelkinder.
Mein Sohn würde ein GE-Kind sicher nicht stören in der Klasse, aber da er kein Kümmerkind ist, wäre sein Interesse eher gering sein. Und ausserdem hat er mit seinem Alltag auch viel zu stemmen und wäre einfach überfordert. Das Problem hatten wir in der IGS immer wieder. Er sollte sich kümmern, er war überfordert und das LB-Kind fühlte sich schlecht und hat es an meinem Sohn ausgelassen. Ausserdem wurde das Helfen als seine Förderung verkauft und das ist nicht in seinem Sinne. Ich hoffe , dass ihr versteht, was ich meine.
Rücksichtnahme zu lernen ist wichtig und gut, aber sonst sollte es ausgewogener sein.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon NicoleWW » 10.12.2018, 08:52

Hallo,

das was Johanna schreib find ich gut, denn es gibt Kinder die mit anderen die ständig Geräusche machen nicht in auf Dauer in einem Raum sein könnten. Und weil es so viele verschiedene Bedürfnisse gibt muss es einfach Wahlmöglichkeiten geben und zwar für ALLE. Diese Wahlmöglichkeit gibt es aber nicht mehr wenn es nur noch eine Schule für alle gibt und sorry, ich bin der Überzeugung, dass man so auch keine Inklusion fördert sondern oft genau das Gegenteil bewirken wird.

Erzwungene Inklusion wie es hier manche möchten (ich weiß es sind nur ein paar) wird nicht funktionieren. Es wird auch nicht funktionieren wenn man Lehrer zwingt die allumfassende Inklusion zu machen und das Argument, dass man als Eltern auch keine Wahlmöglichkeit hat, finde ich nicht passend, es gibt auch Eltern die sich diese Wahlmöglichkeit durchaus zugestehen und sich entscheiden das Kind wegzugeben.

Die Hardcore-Inklusions-Verfechter vergessen einfach dass die Menschen nun mal nicht alle gleich sind und wir können sie auch nicht durch Zwang gleich machen und nicht jeder der den Beruf Lehrer ergriffen hat kann mit behinderten Menschen umgehen, das ist nun mal so und zu sagen dass das nur Willenssache ist finde ich genauso daneben wie die Aussage (die wurde nicht hier getroffen) das jeder Erzieher werden kann er muss es nur wollen, im Gegenteil ich sehe das völlig anders es gibt Erzieher da würde ich sagen sie wären besser was anderes geworden, man merkt den Menschen nämlich an ob sie mit Kindern umgehen können oder nicht und das wird durch eine Ausbildung nicht besser.

Klar können wir Eltern uns auch nicht entscheiden ob wir ein behinderts Kind bekommen oder nicht, aber es ist doch ein himmelweiter Unterschied ob man sein eigenes behindertes Kind annimmt (zudem man elterlich Gefühle hat) oder ein fremdes. Sonst dürfte es bei Pflegekindern auch nicht mehr die Frage geben ob das Kind behindert sein darf, weil wir leiblichen Eltern uns ja auch nicht entscheiden können.

Seit ihr euch eigentlich bewusst zu was das auf Dauer führen wird (dieser Zwang zur Inklusion) ? Es wird noch weniger Erzieher, Lehrer usw geben, weil sie sich auf anderen Weg ja nicht mehr scheiden können dann.

Ich bin für Inklusion dort wo sie angeboten wird, und ja ich bin auch dafür dass man das fördern sollte damit es Schulen gibt die das freiwillig anbieten, Inklusion für alle aber unter Zwang in jeder Schule und in jeder Klasse halte ich persölich für den falschen Weg.

Ich weiß es gibt Leute die sehen das anders, ich weiß aber auch dass es ganz viele gibt die das genauso sehen.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
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Beitragvon Sigrid Zas » 10.12.2018, 08:52

Hi

Meine Tochter mit GB trägt gerne Dinge vor singt vor der klasse usw. In ihrer Klasse gibt es auch sehr schüchterne Kinder (normale) die nie allein vor der Klasse stehen und etwas sagen bzw singen würden. Die machen das jetzt meist mit meiner Tochter zusammen.

LG Sigrid
Sigrid mit Tochter L *2005 geistig behindert, nach umfangreicher Diagnostik immer noch ohne Diagnose

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Beitragvon RikemitSohn » 10.12.2018, 09:02

Hallo Sigrid,

danke für dein Beispiel. Das ist richtig toll. Da ist auch der normale Wechsel von Geben und Nehmen vorhanden, der Freundschaften und Respekt entstehen lassen.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon UrsulaK » 10.12.2018, 09:18

Hallo Zusammen,
also ich habe mir jetzt nicht den ganzen Thread durchgelesen, da ich etwas in Eile bin. Ich möchte meine Meinung zu dem Thema allerdings mal auch auf die Schnelle äußern.
Ich bin sehr froh, daß es die Möglichkeit zur Inklusion gibt. Ich komme aus Ba-Wü und hier gibt es seit dem Schuljahr 2015/2016 die Wahlfreiheit zwischen Inklusiver Beschulung und Sonderschule. Die Sonderschulpflicht wurde abgeschafft.
Mein Sohn wird inklusiv beschult und hat sehr davon profitiert. Ich bin überzeugt, wäre er auf eine Sonderschule gegangen, hätte er sich nicht so gut entwickelt.
Insofern bin ich für die Wahlfreiheit der Eltern, die so nun individuell entscheiden können, was sie für das Beste für ihr Kind halten.

VG,
Ursula
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Beitragvon grace » 10.12.2018, 09:24

Hallo Lisa,

Das ist mir schon klar, es ändert aber nichts an der Tatsache und dem Störenfaktor.

Es ist auch kein Geheimnis das auf Waldorf oder Montessori oft Kinder nicht aus Überzeugung des Lernkonzept geschickt werden, sondern weil sie anderswo aneckten und zum Teil als umbeschulbar galten; manchmal klappt das, oft aber nicht.

Es gibt aber auch jede Menge Kinder und Jugendliche die sich einfach nur schlecht benehmen und absichtlich stören, besonders bei Lehrern die sich nicht so gut durchsetzen können... wir hatten das sogar in der Oberstufe.

Es gibt also auch ohne I-Kinder keine Garantie auf ungestörten Unterricht und irgendwas ist immer.

LG

Grace

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Beitragvon JohannaG » 10.12.2018, 09:34

Hallo,

Grace und andere, ja, das ist richtig: Es GIBT in der Klasse meines Sohnes tatsächlich mindestens ein sehr lautes, unruhiges Kind. Ohne Diagnose bisher. Das hält er aus - grade so. Mehr würde er nicht schaffen. Unter anderem darum ist er in zwei anderen Regelschulklassen schon gescheitert, dort hat ihm die Unruhe so sehr zugesetzt, daß er nicht mehr kompensieren konnte. In seiner jetzigen Klasse gehts auch deshalb besser, weil die Schule "Störer" auch leichter mal los wird. Ist ne Privatschule, die können im Extremfall den Schulvertrag einfach kündigen. (Ist tatsächlich bei einem Kind aus seiner Klasse schon passiert - das Kind war sehr störend und sehr aggressiv, die Eltern nicht bereit, irgend etwas zu tun)

Ich weiß, das klingt echt fies, und das kann mir auch der ein oder andere als extrem egoistisch auslegen :shock: . Tatsache ist, für meinen Sohn ist es ein Segen....

Wie die Interaktion aussehen kann? Ja, ich meine auch, das muß über das reine kümmern rausgehen. Das kann es auch, wenn es gut angeleitet wird - und wenn es kein Zwang wird. Ich bin keine Lehrerin, aber ich habe es selbst in Konfirmandengruppen schon gemacht: Kinder mit verschiedenen Behinderungen als Gruppenmitglieder gehabt, und tatsächlich eben nicht nur als "Kinder, um die man sich kümmern muß", sondern die mit entsprechender Unterstützung für sowohl die gesunden als auch die behinderten Kinder einfach mit dabei waren.

Allerdings habe ich dafür den vorgesehenen "Lehrplan" ganz gehörig umgestrickt. Und in diesen Konfirmandengruppen ging es dann sehr viel mehr um soziales lernen und miteinander unterwegs sein als um irgendwelche Katechismen. Damit kann ich sehr, sehr gut leben - wenn die Jugendlichen einen unverkrampften Umgang miteinander einüben können, wenn sie das ganze dann auch noch mit den Absichten unseres Christlichen Glaubens verknüpfen können - dann ist für mich schon sehr viel erreicht (und selbst, wenn nur ersteres geschieht und die Kinder dann immer noch nicht viel mit dem Glauben anfangen können). Dazu habe ich aber die Freiheit, weil ich eben keine Lehrpläne erfüllen muß...

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;

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