Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 05.01.2019, 12:58

Lisaneu hat geschrieben:Wer hat geschrieben dass manche SChulen von der Inklusion befreit werden sollen? Im Gegenteil, ich habe vor einigen Tagen (weiß nicht mehr genau wo, aber es wird sich finden lassen) geschrieben, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass ALLE Schulen I-Schulen ähnlich der meines älteren Sohnes werden. Das schließt aber nicht aus, dass es an diesen Schulen auch Sonder-KLASSEN gibt! Bitte genau lesen, bevor du mich falsch kommentierst!

Das Bedenken, welches ich hierbei habe ist jedoch, dass sich sehr wohl eine Sub-Gesellschaft bilden wird, welche Inklusion ablehnt. Man kann z.B. Privatschulen nicht dazu zwingen, bestimmte Kinder aufzunehmen. Daher ist es durchaus naheliegend, dass sich einige Privatschulen stolz auf die Fahnen heften werden, dass bei Ihnen KEINE behinderten Kinder beschult werden - quasi als Qualitätsmerkmal für Eltern mit Vorurteilen.


Liebe Lisa,

wieso hast Du Dich damit zitiert gefühlt? Irgend jemand anderes hatte in dem Thread aus dem Du diesen Thread generiert hast geschrieben von "Gymnasium als Sonderschule für höher begabte". Nachdem in manchen Ländern 60% eines Jahrgangs ins Gymnasium gehen, ist das Gymnasium inzwischen eine ganz normale Regelschule geworden. Warum sollten die nicht inkludieren?
Für die totalen Überflieger gibt es dann noch die Landesgymnasien für Hochbegabte.

Und selbstverständlich kann man Privatschulen auch zur Aufnahme von Inklusionskindern zwingen und dafür, dass sie geeignete Bedingungen bieten. ALLE Privatschulen bedürfen einer Zulassung. Die Zulassung kann man an solche Bedinungen knüpfen.
Gerade in Deutschland gibt es bei den Privatschulen den Anspruch KEINE Sozialauswahl treffen zu dürfen. Was das Schulgeld betrifft haben deshalb auch alle Privatschulen Auflagen. Und die sind nicht ohne. Wenn also jemand mittelloses sein Kind unbedingt in eine bestimmte Privatschule bringen möchte, dann ist das möglich.


Lisaneu hat geschrieben: Gerade bei den technischen Hilfsmitteln und baulichen Maßnahmen kann man nicht ÜBERALL ALLES machen. Man kann nicht alles Klassen des Landes mit Lichtglocken und FM-Anlagen ausstatten, alle Schulen mit riesigen Braille-Bibliotheken und Blindenleitsystemen installieren, alle Türen an allen Schule so umbauen, dass ein Krankenbett durchpasst,...

Gerade mit technischen Hilfsmitteln kann man mehr aasen als mit den Ressourcen von Kindern oder vielleicht auch vom Personal. Warum muss ich in einer Schule, die bettlägerige Kinder beschult JEDE Tür bettendurchlässig bauen. Warum brauche ich bei rollstuhlbedürftigen Kindern unbedingt Fahrstühle - bei meiner Tochter wird die Klasse mit dem Rollstuhlkind NUR im Erdgeschoss eingeteilt. Aber wenn man den Raumplan nicht anpassen WILL, dann sind natürlich Treppen unüberwindbare Hindernisse.
Genau das gleiche gilt für Blindensysteme oder Nichthörende. Es kommt sehr auf Kreativität an - besonders, wenn es noch keinen Goldstandard gibt.

NicoleWW hat geschrieben:Mir leuchtet nun mal nicht ein warum echte Inklusion nur dann ist wenn es nur noch die eine Schule für alle gibt, warum nur eine Gruppe Personen die Wahlmöglichkeit haben soll (Förderschule oder die Schule für Alle) und alle andere einfach diese Art von Inklusion schlucken sollen,

Haben "Gesunde" nicht auch die Möglichkeit in eine Sonderschule zu gehen? Dann müsste man doch eher das ändern.

Dario hat geschrieben: Inklusion kann - bildlich gesprochen - keine Einbahnstraße sein.

Natürlich ist Inklusion eine Einbahnstraße. Das muss so sein.
Der Umkehrschluss wäre ja, dass ein Einzelner die Gesellschaft inklusidert. Wie soll das bitte gehen. "Ich umzingel Euch!" :lol:

Silvia&Iris hat geschrieben:Wo beginnen denn die "besonderen" Kinder?

Und genau das ist der absolute Knackpunkt. Wer legt welche Grenzen fest?
Nur wenn man davon ausgeht, dass ALLE Kinder besondere Kinder sind, dann stellen sich keine Fragen mehr. Aber dann muss man eben mit viel Feingefühl Klassen kombinieren. - Wer sagt denn, dass eine Regelklasse mit 30 Kinder befüllt werden muss? Das kann man ja von der Art der Kinder abhängig machen. Warum muss Alexanders Klasse mit einer Handvoll Kinder als Sonderklasse laufen, wieso erklärt man die nicht zu einer speziellen Regelklasse?

Manchmal sind es ganz einfache Maßnahmen, die verweigert werden. Meine Freundin hat einen Sohn mit AVWM. Er soll im Klassenzimmer vorne sitzen. Die Lehrerin hat ihn aber ganz nach hinten gesetzt. Begründung: Die anderen 19 brauchen auch Aufmerksamkeit. Von hinten kann er aber kein Lippenlesen machen. Eine FM-Anlage wurde noch gar nicht ins Gespräch gebracht. Nach 1,5 Jahren bei der Lehrerin hat er die Lippenbilder für M und N auf den Tisch bekommen - die kennt er schon seit seiner Logopädiebehandlung vor 7 Jahren. Er spricht auch sehr deutlich. Gut hören kann er trotzdem nicht. Aber Diktate werden trotzdem voll gewertet.
Das stellt natürlich hohe Ansprüche an das Lehrpersonal. Vielleicht sollte man die Vergütung an die Erfüllung der Schülerbedarfe knüpfen. Leistungsgerechtigkeit beim Lehrpersonal, Bedarfsgerechtigkeit bei der Schülerschaft. Dafür ist die Zeit wohl aber noch nicht reif.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Inga » 05.01.2019, 13:28

HeikeLeo hat geschrieben:
Und selbstverständlich kann man Privatschulen auch zur Aufnahme von Inklusionskindern zwingen und dafür, dass sie geeignete Bedingungen bieten. ALLE Privatschulen bedürfen einer Zulassung. Die Zulassung kann man an solche Bedinungen knüpfen.
Gerade in Deutschland gibt es bei den Privatschulen den Anspruch KEINE Sozialauswahl treffen zu dürfen. Was das Schulgeld betrifft haben deshalb auch alle Privatschulen Auflagen. Und die sind nicht ohne. Wenn also jemand mittelloses sein Kind unbedingt in eine bestimmte Privatschule bringen möchte, dann ist das möglich.

Gerade mit technischen Hilfsmitteln kann man mehr aasen als mit den Ressourcen von Kindern oder vielleicht auch vom Personal. Warum muss ich in einer Schule, die bettlägerige Kinder beschult JEDE Tür bettendurchlässig bauen. Warum brauche ich bei rollstuhlbedürftigen Kindern unbedingt Fahrstühle - bei meiner Tochter wird die Klasse mit dem Rollstuhlkind NUR im Erdgeschoss eingeteilt. Aber wenn man den Raumplan nicht anpassen WILL, dann sind natürlich Treppen unüberwindbare Hindernisse.
Genau das gleiche gilt für Blindensysteme oder Nichthörende. Es kommt sehr auf Kreativität an - besonders, wenn es noch keinen Goldstandard gibt.

Liebe Grüße
Heike


Hallo Heike,
ich habe ein behindertes Kind auf einem privaten Gymnasium, wir haben bei der Anmeldung auf die Behinderung hingewiesen und es gab auch ein ausführliches Gespräch darüber. Uns ging es nicht darum, dass das Kind auf jeden Fall auf diese Schule soll, sondern wir haben einfach eine Schule gesucht, die es sich zutraut unser Kind ohne I-Kraft zu nehmen und zudem die Begebenheiten so hat, dass es ohne I-Kraft geht.
Das war gar kein Problem und ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die Schule gezwungen wurde, uns nicht ablehnen hätte dürfen.

Ja, klar kann man Rolli-Kinder nur im EG unter bringen. Unsere Regelschule (4-Zügig) vor Ort hat durchweg alle Fachräume im EG, aber nur 3 oder 4 Klassenräume, heißt die komplette Schule könnte dann ja nur in 4 Klassen Rollikinder aufnehmen, also ist wohl doch ein Aufzug nötig. Zudem, was ist das für eine Inkusion, wenn ich als Rollikin nicht mal kurz in die Klasse meines Freundes kann um dort was zu holen usw. Inklusion ja aber bitte nur in einem Teilbereich des Gebäudes?
Nicht umsonst zahlt die KK (meist leider nur mit Hilfe vom Gericht :? ) auch Treppenlifter, obwohl im EG ein Schlafzimmer vorhanden ist, das beh. Kind hat durchaus auch das Recht die Geschwister im OG zu besuchen, nur das ist dann echte Teilhabe!
Klar, als Kompromiss ist das möglich, aber doch keine Dauerlösung!
Vor fast 30 Jahren hat unsere Grundschule ein Rolli-Kind abgelehnt, weil sie keine behindertengerechte Toilette hatten. War totaler Quatsch, da das Kind gar nicht auf Toilette gegangen ist...
Zum Glück gab es die Lösung das Kind ein Jahr zurück zu stellen und in dem Jahr wurde dann eine behindertengerechte Toilette gebaut. Wurde dann von dem Kind nicht genutzt war aber zumindest für die "Nachwelt" sehr sinnvoll.
Wenn es darum geht, ein einzelnes Kind zu inkludieren, ist es sinnvoll Kompromisse ein zu gehen, wie z.B. einen Klassenraum im EG, aber der "richtige Weg" zu einer KOMPLETTEN Inklusion kann nur darüber laufen, dass die Schulgebäude komplett für alle Behinderungsarten optimiert werden. Und das ist - meiner Meinung nach - fast unbezahlbar. :(

Gruß, Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
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Dario
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Beitragvon Dario » 05.01.2019, 15:11

Hallo Heike,

da du mich direkt zitierst, hierzu noch mal eine Stellungnahme:

HeikeLeo hat geschrieben:
Dario hat geschrieben: Inklusion kann - bildlich gesprochen - keine Einbahnstraße sein.

Natürlich ist Inklusion eine Einbahnstraße. Das muss so sein.
Der Umkehrschluss wäre ja, dass ein Einzelner die Gesellschaft inklusidert. Wie soll das bitte gehen. "Ich umzingel Euch!" :lol:


Inklusion bedeutet nach meinem Verständnis, dass alle Seiten ihren Teil dazu beitragen müssen, damit sie gelingen kann. Und meine Erfahrung ist, dass es ganz ohne Kompromissbereitschaft (ebenfalls auf allen Seiten) nicht funktioniert, das ist wie überall im Leben.

Meine Schulzeit liegt schon fast 30 Jahre zurück und ist sicher nicht mehr repräsentativ für das heutige Schulsystem. Ich kann aber etwas dazu sagen, wie meine ganz persönliche Inklusion ins Berufsleben funktioniert, dass wird ja früher oder später auch für eure Kinder von Bedeutung sein.

Seit über 13 Jahren arbeite ich jetzt in einem großen Unternehmen (Maschinen- und Anlagenbau) des ersten Arbeitsmarktes. Die Firma bemüht sich, mir mit meinen persönlichen Einschränkungen (Stottern + Autismus) so gut es geht entgegenzukommen. Ich muss zum Beispiel (wie es mir als Schwerbehinderter zusteht) keine Mehrarbeit leisten und man bemüht sich, die Arbeitsabläufe für mich so zu strukturieren, dass sie mit möglichst wenig Stress und Multitasking verbunden sind.

Außerdem hatte mein Vorgesetzter bisher immer ein offenes Ohr für meine Probleme und Verbesserungsvorschläge, auch im Betriebsarzt und der Schwerbehindertenvertretung habe ich vertrauensvolle Ansprechpartner gefunden.

Au der anderen Seite musste auch ich von Anfang an meinen Teil dazu beitragen, damit die Integration bzw. Inklusion in den ersten Arbeitsmarkt gelingt. Das war gerade in der Anfangszeit nicht einfach. Auch ich musste bestrebt sein (genau wie meine Vorgesetzten und Kollegen), mich weiter zu entwickeln und dazuzulernen. Nur durch dieses beiderseitige aufeinander zugehen wurde es möglich, dass ich seit nunmehr 13 Jahren in den ersten Arbeitsmarkt integriert bin.

Ich nehme viele Sonderrechte und Nachteilsausgleiche in Anspruch. Dazu stehe ich auch, aber ich kann trotzdem nicht erwarten, dass sich mein Arbeitsgeber immer zu 100% auf mich einstellt und mir quasi jeden Wunsch von den Augen abliest (überspitzt gesagt), weil das einfach weltfremd wäre. Wäre ich nicht bereit gewesen, im Zuge der Inklusion auch immer wieder selbst an meine Grenzen zu gehen, dann hätte ich es wahrscheinlich nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt geschafft, sondern wäre vielleicht in einer beschützen Einrichtung gelandet.

Bei Kindern sehe ich es sinngemäß genauso. Auch eine Regelschule kann und muss bestimmte (Mindest-)Anforderungen an die Schüler stellen, damit so was wie ein geordneter Schulbetrieb überhaupt möglich ist. Das kann man bedauern und im Einzelfall auch bitter finden, aber ich wüsste kein anderes Modell, dass der Realität standhalten könnte. Spätestens im Arbeitsleben werden die Schüler sowieso mit der Realität konfrontiert, also bereitet man sie doch lieber rechtzeitig darauf vor, würde ich sagen.

Vielleicht ist es jetzt noch ein wenig anschaulicher geworden, was ich damit meine, dass Inklusion keine Einbahnstraße sein kann, sondern Kompromisse, Lernbereitschaft und Entgegenkommen auf allen Seiten erfordert. Ich will niemandem die Hoffnungen auf eine bessere und gerechtere Welt nehmen (die wünsche ich mir auch), aber das Paradies auf Erden, wo alle nur wunschlos glücklich sind … das gibt es nun mal nicht, auch nicht in der Inklusion.

PS: Ich will mit diesem Beitrag niemandem vor den Kopf stoßen (RW), sondern beschreibe nur meine ganz persönliche Erfahrung, wie sie sich für mich bewahrheitet hat.

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 05.01.2019, 18:08

Lieber Dario,

Du beschreibst eben sehr genau den Unterschied zwischen Inklusion und Integration. Integration heißt, der Einzelne passt sich an -so weit er es kann oder noch mehr. Inklusion ist der Anteil der Gesellschaft drumherum.

Bisher war Integration der Standard. Seit 2009 wird an der Inklusion gearbeitet.

Inklusion muss man nicht mit Integration aufweichen. Das sind einfach zwei verschiedene Aspekte. Aber gerade in Schulen haben das noch sehr wenige verstanden.

Es ist auch ganz logisch, dass man sich für Integration anstrengen muss. Da gibt es aber in der Regel auch ein Ziel, das der Betreffende erreichen will. Und Integration kann nur funktionieren, wenn der Betreffende es auch will.

Inklusion ist der Part der Gesellschaft. Und die Inklusion muss die Barrieren im Extremfall auf Null herunterfahren - z.B. kann man bei einem blinden Menschen nicht mehr Sehanstrengung einfordern, wenn das biologisch nicht geht. Natürlich kann ein blinder Mensch andere Sinne und Kompetenzen zeigen. Das muss man ihm aber zulassen. Und genau da beginnt Inklusion.
Nur kann man Inklusion dort nicht aufhören lassen. Denn es gibt immer jemanden, der noch schwerer betroffen ist, wo dann ein Mehr an Anpassungsleistung nicht mehr möglich ist. Deshalb ist der Inklusionsanteil tatsächlich eine Einbahnstraße.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon RikemitSohn » 05.01.2019, 18:57

Hallo,

ich denke auch, dass es Kinder gibt, die so schwer betroffen sind, dass sie niemandem entgegenkommen können. Diese Kinder müssen aufgenommen werden in die Gesellschaft. Hier komme ich aber wieder mit meinem Argument mit dem Personal. Denn trotz solcher I-Kinder muss der Regelunterricht normal weitergehen. Kinder, die nicht zielgleich unterrichtet werden, brauchen jemanden, der ihren Unterricht gestaltet. Da hilft auch kein guter Wille es ohne zu schaffen. Bei meinem Sohn wurden letzten zig Referate gehalten. Das war shon für die Regelschüler öde und die verstanden, worum es ging. Was machen Kinder, die nicht zielgleich lernen, in dieser Zeit ohne weiteres Personal? Natürlich kann der Lehrer stillarbeit aufgeben, aber tut das gut?
Ich denke vieles ist möglich, aber dafür brauchen alle Unterstützung und dann den Willen mit dieser Unterstützung auch zu arbeiten.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Lisaneu » 05.01.2019, 19:10

HeikeLeo hat geschrieben:
Lisaneu hat geschrieben:Wer hat geschrieben dass manche SChulen von der Inklusion befreit werden sollen? Im Gegenteil, ich habe vor einigen Tagen (weiß nicht mehr genau wo, aber es wird sich finden lassen) geschrieben, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass ALLE Schulen I-Schulen ähnlich der meines älteren Sohnes werden. Das schließt aber nicht aus, dass es an diesen Schulen auch Sonder-KLASSEN gibt! Bitte genau lesen, bevor du mich falsch kommentierst!

Das Bedenken, welches ich hierbei habe ist jedoch, dass sich sehr wohl eine Sub-Gesellschaft bilden wird, welche Inklusion ablehnt. Man kann z.B. Privatschulen nicht dazu zwingen, bestimmte Kinder aufzunehmen. Daher ist es durchaus naheliegend, dass sich einige Privatschulen stolz auf die Fahnen heften werden, dass bei Ihnen KEINE behinderten Kinder beschult werden - quasi als Qualitätsmerkmal für Eltern mit Vorurteilen.


Liebe Lisa,

wieso hast Du Dich damit zitiert gefühlt?


Ganz einfach, weil ich VON DIR zitiert wurde. Blättere drei Seiten in diesem thread zurück auf den 28.12. und lies nach!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 05.01.2019, 19:25

HeikeLeo hat geschrieben:
Silvia&Iris hat geschrieben:Wo beginnen denn die "besonderen" Kinder?

Und genau das ist der absolute Knackpunkt. Wer legt welche Grenzen fest?
Nur wenn man davon ausgeht, dass ALLE Kinder besondere Kinder sind, dann stellen sich keine Fragen mehr. Aber dann muss man eben mit viel Feingefühl Klassen kombinieren. - Wer sagt denn, dass eine Regelklasse mit 30 Kinder befüllt werden muss? Das kann man ja von der Art der Kinder abhängig machen. Warum muss Alexanders Klasse mit einer Handvoll Kinder als Sonderklasse laufen, wieso erklärt man die nicht zu einer speziellen Regelklasse?


Ich antworte jetzt, weil Silvia&Iris mit Alexander nichts zu tun hat und du vermutlich meinen Sohn meinst. Warum seine Klasse als Sonderklasse laufen muss? Klare Antwort: weil es die Direktorin so wollte! Warum wehre ich mich nicht dagegen? Klare Antwort: weil es Alexander in seiner bestehenden Klasse gut geht und er meiner Einschätzung nach dort bestmöglich gefördert wird.

Und ich habe schon einige Male hier gefragt, wie Alexanders "spezielle Regelklasse" aussehen könnte. Und wer hätte eine Vorteil gegenüber der JETZT-Situation davon? ICH kann es mir nicht vorstellen, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren, wenn wer eine gute Lösung weiß!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS

Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist

Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

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Beitragvon Dario » 05.01.2019, 19:51

HeikeLeo hat geschrieben:Lieber Dario,

Du beschreibst eben sehr genau den Unterschied zwischen Inklusion und Integration. Integration heißt, der Einzelne passt sich an -so weit er es kann oder noch mehr. Inklusion ist der Anteil der Gesellschaft drumherum.

Bisher war Integration der Standard. Seit 2009 wird an der Inklusion gearbeitet.


Hallo Heike,

genau das ist der Punkt, der mich manchmal stutzig macht: Bis vor gut 10 Jahren galt Integration als das höchste und ehrenwerteste aller Ziele im Umgang mit behinderten Menschen; gewissermaßen als der Inbegriff von Menschlichkeit und Barmherzigkeit schlechthin.

Und plötzlich war Integration nicht mehr gut genug, galt als veraltet und überholt; als politisch nicht mehr korrekt. Plötzlich sprach niemand mehr von Integration, sondern nur noch Inklusion - und dass innerhalb weniger Jahre, so als seien die jahrzehntelangen Bemühungen um Integration behinderter Menschen (auch da wurde und wird mitunter wertvolle Arbeit geleistet) plötzlich nichts mehr wert. :roll:

Ich meine immer noch, dass die Mehrheit der behinderten Menschen integrationsfähig und integrationswillig ist. Sicher gibt es Menschen, die körperlich und/oder kognitiv so stark eingeschränkt sind, dass man die Anforderungen auf nahezu Null reduzieren muss. Für diese Menschen reichen die Möglichkeiten der Integration nicht aus, da muss es neben der Integration zusätzlich noch die Möglichkeit zur Inklusion geben. Ich behaupte aber, dass dies eine kleine Minderheit ist gemessen am Gesamtanteil aller behinderten Menschen.

Von daher halte ich den alten Grundsatz von "Fördern und Fordern" im Prinzip immer noch für richtig. Natürlich immer angepasst an die individuellen Grenzen und Möglichkeiten des einzelnen Menschen.

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Beitragvon RikemitSohn » 05.01.2019, 20:09

Hallo Lisa,

ich möchte gerne einmal auf deine Frage antworten, weil ich darüber tatsächlich nachgedacht habe. Und ich habe keine Idee bekommen, wie man es gut anstellen könnte.
Für Alexander sehe ich das große Problem der fehlenden Kommunikation, die ihn quasi von allem abschneidet und ihn trotz Intelligenz auf Null setzten würde. Bei den übrigen Schülern sehe ich das Problem beim ständigen Lautieren. Das ist mit konzentriertem Lernen nicht zu vereinbaren. Und nein, das muss auch im Zuge der Inklusion nicht ausgehalten werden. Jetzt könnte man noch sagen, dass z.B. Sport inklusiv unterrichtet wird. Aber da wird es von Alexanders Seite wahrscheinlich wenig Interesse geben und vielleicht eher zur Überforderung kommen. Die einzige Annäherung sähe ich momentan im selben Schulgebäude. So könnten sich alle aus der Ferne beschnuppern.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Silvia & Iris » 05.01.2019, 21:37

Hallo Rike,

ja, genau das ist es... Es gibt Kinder, die haben gar keinen Profit von einer Regelklasse... - wenn etwas passiert können sie nichts melden, da sie keiner Kommunikation mächtig sind - also weder Gebärde, noch GUK, noch durch verständliche Laute... - Sie brauchen einfach einen geschützten Raum, damit ihnen nichts passiert - auch von den Infekten her... - Natürlich werden sie trotzdem mal krank, aber wenn sie in einer Gruppe von 4 Kindern sind, ist es doch ein anderes Risiko als in einer Gruppe von 24... - Und ja, die Kinder sind alle im selben Schulgebäude, aber in verschiedenen Trakten, was auch gut ist.

Besonders beim Abholen und beim Ankommen treffen sich die Kinder im Eingangsbereich, eine Art Aula. - Es steht auch ein Wuzler dort, der gerne von den Kindern belagert wird...

Ganz besonders ist auch zu beobachten, wenn da Gruppen von hörenden und nicht hörenden Kindern aufeinander treffen... die nicht hörenden haben ständig das Gefühl, dass die hörenden sich gerade über sie unterhalten... - Leider wird den Schülern trotzdem sie in einer Schule sind keine Gebärdensprache beigebracht, so dass sie selbst in dieser Schule nebeneinander laufen, was alle Beteiligten schade finden... Nur in der Mehrstufenklasse gibt es die Möglichkeit für die hörenden nebenbei die Gebärdensprache zu erlernen...

Was ich besonders schade finde ist, dass Eltern nicht im Rahmen von FF oder ähnlichem die Gebärdensprache mitlernen dürfen sondern sehr teure Kurse auf eigene Kosten besuchen müssen um mit ihren EIGENEN Kindern überhaupt kommunizieren zu können... daher entsteht manches Mal eine besondere Kluft zwischen Eltern und Kindern...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört


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