Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 31.12.2018, 16:27

NicoleWW hat geschrieben:
Leider wird unsere Gesellschaft immer egoistischer und für mich ist es auch egoistisch zu sagen "Inklusion ist nur Inklusion wenn ich alleine entscheiden darf auf welche Schule und in welche Klasse mein Kind geht, egal ob es passt oder nicht, denn wenn es nicht passt müssen es die anderen passend machen . Ein anderes Kind könnte darunter leiden ? Die anderen müssen dafür sorgen dass das andere Kind nicht darunter leidet ! Wie soll das geschehen ? Es muss einfach Möglichkeiten geben, weil ich will dass mein Kind in diese Klasse geht !" Und wenn das Jemand für nicht so gut hält dann ist er gegen Inklusion ! Völlig egal dass es da eventuell eine andere Schule gibt wo das Kind hin könnte, eine Schule die mit den Problemen gut klar käme, da will man das Kind ja nicht haben. Sorry aber so klingt das bei manchen hier für mich.


Ja, so ist es für mich auch manchmal rübergekommen. Ich schreibe hier klar, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass ALLE Klassen I-Klassen sind- Trotzdem werde ich als Inklusions-Gegner angesehen, weil ich der Ansicht bin, dass Inklusion im Sinne von gemeinsamer Beschulung mit Nicht-Behinderten nicht bei JEDEM Kind Sinn macht.

Wenn ich beschreibe, wie störend das lautieren meines Kindes ist, dann bekommen lieber (fiktiv)alle anderen Kinder in der I-Klasse Kopfhörer aufgesetzt. Oder es gibt einen Extra-Raum wo dann mein Kind samt Schulbegleitung und Gebärdensprach-Dolmetscher (wer den bezahlen soll ist auch noch unklar!) zu 90% der Zeit rumsitzt (eben WEIL es lautiert), ohne vom Unterricht was mitzubekommen!

Aber anscheinend ist das viel besser als eine gebärdensprachige Kleinklasse (4 Schüler, 2 Lehrer), wo auch die anderen Kinder mein Kind verstehen, die Lehrer in seiner Sprache unterrichten und das lautieren nicht stört! So eine Klasse besucht mein Sohn akutell. Und ich bin immer noch so ignorant, nicht zu kapieren, dass ein I-Klasse mit ca. 20 gesunden und 2-3 besonderen Kindern der bessere Weg wäre!

NicoleWW hat geschrieben:Inklusion ist für mich dass jedes Kind nach seinen Möglichkeiten beschult und gefördert wird. Inklusion bedeutet für mich nicht dass das unbedingt an jeder Schule möglich sein muss.


Ich glaube sogar, dass grundsätzliche Inklusion nach und nach (mit einigen baulichen Maßnahmen an den älteren Schulen) an jeder Schule möglich wäre. Aber es gibt Kinder (z.B. mit Sinnesbehinderungen) bei denen für echte Inklusion einfach noch mehr (um-)gebaut werden muss als Rampen oder Behinderten-WCs. Und das ist eben NICHT an jeder Schule sinnvoll bzw. finanzierbar. Und dann gibt es noch Kinder, die trotz allem nicht von Inklusionsklassen profitieren, weil ihre Bedürfnisse einfach zu speziell sind.
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AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 31.12.2018, 17:03

Hallo Lisa!
Ich bin ganz bei dir und möchte nur mal los werden dass ich finde dass du eine sehr gute Entscheidung für die Beschulung von Alexander getroffen hast!
Und ich bin NICHT gegen Inklusion. Nur gegen Inklusion um jeden Preis.
Liebe Grüsse und einenguten Rutsch ins neue Jahr an alle :)

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 31.12.2018, 18:05

Liebe Rena,

wo fangen denn die "besonderen" Kinder an? Sind es schon die mit LRS, die kein Textverständnis haben? - Die es nicht schaffen sinnerfassend zu lesen?

Die es nicht schaffen, Diktate zu schreiben?
Wo beginnen denn die "besonderen" Kinder? - Denn schon die Kinder mit LRS erfordern mehr Aufmerksamkeit! - und das ist bereits die Hälfte der Klasse!!

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 31.12.2018, 18:09

Susanne1887 hat geschrieben:@Lisaneu : meine Post sind auf niemanden persönlich bezogen. Jeder kann hier natürlich seine Meinungen frei äußern und ich kann auch andere Meinungen akzeptieren.

Ich finde es sehr interessant, was für eine Sicht der Dinge du hast, denn meine Sichtweise ist eine Andere. Meine Tochter war ja auch bis zu ihrem 4. Lebensjahr praktisch taubstumm. Und ja es war genau wie du es oben beschrieben hast: es wirkte selbst auf Fachkräfte wie geistig behindert. Doch im Rahmen der Inklusion konnte ich den Kindern die Schwerhörigkeit erklären. Die anderen Kindern waren total betroffen und haben sich Sorgen gemacht. Mit unglaublich viel Mühe haben sie mit meiner Tochter kommuniziert. Trotz alledem war es notwendig Mia ein Jahr in die SVE zu geben, die sprachliche Barriere war zu groß. An diesem Punkt war die Inklusion gescheitert.
Die Kinder haben von Anfang an gelernt und begriffen, was es bedeutet sehr schlecht hören zu können. Und sie haben gelernt dass auch Menschen mit Handicap genauso dazugehören. Mia wurde nie gehänselt obwohl sie wirklich teilweise wie vom anderen Stern wirkte. Die Kinder lernten so Akzeptanz.

Nein, es waren alleine manche Eltern, die meine Tochter als dumm, , schüchtern und zurückgeblieben einstuften.


Hallo Susanne1887,

ich habe dein Post auch nicht auf mich persönlich bezogen :wink: . Ich wollte nur den grundsätzlichen Unterschied zwischen gehörlos und blind bei der Inklusion aufzeigen. Ich glaube auch nicht, für andere Kinder mit einer dieser Behinderungen die (schulische) Lösung zu wissen. Was ich hier beschreibe, sind meine Erfahrungen.

Bei Alexander kommt der Autismus leider noch zur kompletten Gehörlosigkeit dazu. Er ist komplett gehörlos, nicht schwerhörig. Und er kann nicht sprechen, nicht einmal ein bisschen. Gebärdensprache versteht er passiv gut, ist aber auch hier in der aktiven Sprachverwendung auf dem Stand eines maximal 4jährigen Kindes. Hauptproblem bei Kommunikation in Gebärdensprache ist nach wie vor der fehlende Blickkontakt. Den müssen auch in der Schule seine Lehrer immer wieder aktiv einfordern, damit er überhaupt was aufnehmen kann.

Er ist auch nicht "taubstumm". Mich wundert, dass du dieses Wort für deine Tochter wählst. Abgesehen davon, dass es vom Großteil der Gehörlosen diskriminierend empfunden wird, stimmt es auch nicht. Die ersten Gehörlosentreffen waren für mich (als Hörende) ein glatter Kulturschock, einfach weil die so LAUT waren. Und ich spreche von normal intelligenten, grossteils erwachsenen Gehörlosen! Alexander ist noch viel lauter :P !

Wäre er "nur gehörlos" hätte ich eine andere Schule für ihn gewählt. Es gibt in Wien eine Merhstufen-I-Klasse an einer Schule, wo 4 gehörlose Schülerinnen gemeinsam mit 14 hörenden von einem 3köpfigen, gebärdensprachkompetenten Lehrer-Team unterrichtet werden. Diese Klasse wäre bei Nur-Gehörlosgkeit meine erste Wahl gewesen.

Nur zeigt Alexander durch seinen Autismus keinerlei Interesse an anderen Kindern. Er weiß nicht einmal, was es bedeutet, einen Freund zu haben oder ein Freund zu sein. Mit einem nur-gehörlosen Kind kann man mit Mühe kommunizieren. Und wenn sich das Kind auch Mühe gibt, kann es antworten. Wobei sich alle hörgeschädigten Kinder, die ich kennengelernt habe (und das sind mittlerweile etliche) sich in Gebärdensprache wesentlich leichter getan haben als in Lautsprache. Nur haben viele diese Möglichkeit gar nicht bekommen. Man glaubte ja lange Zeit, die Kinder "sprechfaul" zu machen, wenn man mit ihnen gebärdet. Also wurden über viele Jahrzehnte der Großteil der nur-gehörlosen Kinder einzeln lautsprachlich integriert.

Mit Alexander kann man auch in Gebärdensprache nicht gut kommunizieren. Er beantwortet bis heute keine offenen Fragen (WARUM, WOZU, ,WESHALB). Ich weiß nicht mal, ob er sie versteht.

Man kann anderen Kindern Schwerhörigkeit erklären, auch Fehlsichtigkeit, sogar Gehörlosigkeit und Blindheit. Aber Autismus zu erklären ist schon ein vielfaches schwieriger. Und bei Alexander macht es eben die Kombi aus Gehörlosigkeit UND Autismus besonders schwer. Ich habe schon einige Kinder kennengelernt, die mit Alexander in Kontakt treten wollten. Die haben mich gefragt, was in Gebärdensprache "Hallo!" und "Willst du mit mir spielen?" und "Komm mit!" heißt. Sie haben echt versucht, Alexander einzubeziehen. Aber er wollte nicht und die anderen Kinder haben dann aufgegeben.

Gehänselt wurde Alexander auch nie, weil er es gar nicht verstehen würde. Obwohl er fürchterliche Meltdown-Anfälle bekommen kann, wenn er sich von mir oder meinem Mann nicht verstanden fühlt, kommen Außenstehende gefühlsmäßig gar nicht an ihn heran. Wenn ihn wer schubst, lässt er sich schubsen. Wenn ihm wer was wegnimmt lässt er es sich gefallen (außer von engen Bezugspersonen). Wenn sich wer vordrängt dann lässt er ihn vor. Man kann ihn nicht bewusst provozieren. Aber er kann einen 45minütigen Meltdown haben, weil er den Reißverschluss MEINER Jacke zumachen wollte (und da hilft im nachhinein auch kein wieder-aufmachen und ihn-machen-lassen!).

Alexander wird generell von Außenstehenden als geistig behindert angesehen. Seine Tics (kopfzucken und lautieren) tun ihr übriges dazu. Ich glaube nicht, dass man ihn mit deiner Tochter vergleichen kann. Ich gehe übrigens davon aus, dass sie in der I-Klasse nicht durchgehend lautiert hat, keine Windeln mehr hatte und auch keine Fluchttendenzen und keine Meltdown-Anfälle.

Die Vorurteile anderer Eltern wären mir übrigens herzlich egal, wenn ich mich für Alexander für den inklusiven Weg entschieden hätte! Aber ich fände es unfair, von einer ganzen Klasse gesunder Kinder Verständnis für Alexander zu erwarteten, auch wenn er ständig den Unterricht stört und man nicht mit ihm in Kontakt treten kann. Das wäre für keine Seite ein MEHRwert. Und Inklusion soll es doch BESSER machen, nicht schlechter!
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Beitragvon Lisaneu » 31.12.2018, 18:24

AnnalenaO hat geschrieben:Hallo Lisa!
Ich bin ganz bei dir und möchte nur mal los werden dass ich finde dass du eine sehr gute Entscheidung für die Beschulung von Alexander getroffen hast!
Und ich bin NICHT gegen Inklusion. Nur gegen Inklusion um jeden Preis.
Liebe Grüsse und einenguten Rutsch ins neue Jahr an alle :)


Danke AnnalenaO!

Ich bin auch froh für Alexander eine gute Möglichkeit der Beschulung gefunden zu haben. Hier habe ich das Gefühl, dass wirklich alles getan wird, um ihm nach seinen Möglichkeiten bestens zu beschulen. Dass es auch noch halbwegs in der Nähe ist, ist ein zusätzliches Glück. Wobei ich immer auf Alexanders Bedürfnisse geschaut habe, und nicht, was "außen" drauf steht!

Auch euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! Heute sind meine beiden besonderen Jungs ganz neurotypisch unterwegs und freuen sich schon, auf die paar Raketen, die wir steigen lassen wollen :D .
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Beitragvon AnnalenaO » 31.12.2018, 19:38

Ach, das ist schön!
Mein Sohn freut sich gar nicht. Er besteht drauf zur gleichen Zeit wie sonst auch ins Bett zu gehen denn zu wenig Schlaf ist nicht gesund. Er lässt sich auch von einem „Ausnahmsweise mal“ nicht überzeugen. Und Raketen gehören nach ihm komplett verboten weil unsere Hunde solche Angst vor Raketen haben. Die zittern echt wie Esbenlau. Und mein Sohn leidet mit, denn er wird um 12.00 vom Lärm wach, so war es zumindest letztes Jahr und ich hab Sylvester dann mit 2 zitternden Hunden und einem weinenden Kind im Bett verbracht..... ich stelle mich schonmal seelisch und moralisch auf das gleiche dieses Jahr ein (seufz)
Liebe Grüsse

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Beitragvon SandyErgo » 05.01.2019, 01:29

https://www.diekinderderutopie.de/film


Ein Film, der wohl im Mai ins Kino - vermute mal Programmkinos - kommen soll
>> und die Fortsetzung von "Klassenleben" sein soll, vor wohl rund 10 Jahren das Thema Inklusion in der Grundschule gezeigt hat. Nun sind einige Jahre vergangen und es wird gezeigt, was in der Zwischenzeit passiert ist.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

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Beitragvon Lisaneu » 05.01.2019, 08:16

Hallo SandyErgo,

hab mir mal den Trailer angeschaut und bin bestätigt in meiner Ansicht, dass hier viele "aneinander vorbei" reden. Da können alle Kinder gehen (wenn auch nicht perfekt), alle können sprechen und noch dazu dieselbe Sprache und alle sind lernfähig, halt jeder auf seinem Niveau.

Wenn manche, die "Inklusion für alle!" rufen, diese Menschen schon als "Schwerstbehinderte" sehen, dann haben die keine Ahnung! Kein Kind dieser Klasse hat einen Dolmetscher gebraucht um eine Chance zu haben, vom Unterricht was mitzubekommen und um mit seinen Klassenkameraden zu kommunizieren. Keines war auf dem Stand eines 10 Monate alten Babys, usw.

Weder hier noch in anderen Inklusions-Thread habe ich Meinungen gelesen, welche gegen eine Inklusion von Kindern (bzw. jetzt Erwachsenen) sprechen, wie sie im verlinkten Film gezeigt wurden.

Aber wenn ich hier bezweifle, dass mein gehörloser , autistischer Sohn, der ständig lautiert, Windeln braucht und Meltdown-Anfälle hat, in einer Inklusionsklasse BESSER beschult werden kann, als in seiner Sonderklasse, gelte ich als Inklusionsgegner. Egal, wie viel positive Beispiele ich z.B. von der Schule meines anderen Sohnes bringe!

Auch andere User, die besondere Kinder haben, haben hier ihre persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen was eine mögliche oder tatsächliche inklusive Beschulung der eigenen Kinder betrifft. Manche haben super von Inklusion profitiert, andere wieder nicht. So, wie es eben im echten Leben auch ist. Was für den einen super passt ist für den anderen eben doch nicht das richtige.

Manche Berichte waren auch von mangelhafter Umsetzung der Inklusion und daher resultierend Frust für Kinder und Eltern. Manche Kinder sind dann wieder in Sonder-Einrichtungen zurück gekommen. Manche haben sich "durchgebissen". Aus den Erfahrungen, was da nicht gepasst hat, können diejenigen, welche Inklusion wirklich BESSER machen wollen, lernen. Wenn sie bereit sind, zuzuhören, also genau zu lesen, anstatt die Threadersteller darüber aufzuklären, dass es ja "eigentlich" ganz anders gehen sollte.

Bei den Bedenken wird auf NICHTS eingegangen! Oder es kommt reiner Quatsch raus, wo sich nicht mal gegen-argumentieren lohnt! Wie z.B. "Kopfhörer für alle Klassenkameraden" oder "Wenn eine Schulbegleitung in leicht Sprache übersetzen kann, dann wird sie es auch in Gebärdensprache können". Oder "Jedes Kind sollte das Recht haben, aus ganz vielen Schulkameraden seine Freunde auszusuchen!". Oder "Jedes Kind kann lernen und wer was anderes behauptet, tritt nach unten!". Das sind Aussagen von Menschen, die einfach keine Ahnung haben! Und diese Menschen WOLLEN nicht mal wissen, wo vielleicht doch die Grenzen der Inklusion sind, sondern beharren stur auf ihrem Standpunkt.

Ich käme nie auf die Idee, mir anzumaßen, die Bedürfnisse JEDES Kindes, welches zur Zeit die Schule besucht, zu kennen. Aber hier gibt es anscheinend mehrere User, die genau DAS tun, ohne die Kinder jemals erlebt zu haben oder nur zu AHNEN, wo die Schwierigkeiten mit ihnen liegen.

Erinnert mich ein bisschen an die Schafe in George Orwells Buch "Animal Farm", die ständig "Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht!" blöken!
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Beitragvon Silvia & Iris » 05.01.2019, 09:46

Liebe Lisa,

ja, ich denke nicht, dass alle wirklich alles kennen, und diejenigen, die wirklich eine Ahnung haben, die halten sich meist zurück mit unbedachten Äußerungen...
... Manche Probleme mögen ja nur peripher sein und vorübergehend... - wenn auch vielleicht von unterschiedlich langer Dauer (z. B. Verlust der Eltern) andere sind auch nicht ohne... - gerade wenn ich da ins Kinderheim schaue, wo ich viele verschiedene Kinder sehe, einerseits Mädchen die bereits vor ihrem 6. Geburtstag von jemanden aus der Verwandtschaft (meistens, Kinder in dem Alter kommen kaum mit anderen Personen in Berührung) bereits sexuell misshandelt wurden und deshalb traumatisiert sind, oder auch andere... Kinder, die bereits regelmäßig Zigaretten und Alkohol konsumieren und das ganz normal finden... Kinder, die ins Heim kommen, weil sie bereits polizeilich auffällig wurden (Einbruch)... -
dann natürlich die, die derzeit so besonders im Visier sind, die Kriegsflüchtlinge, die natürlich auch traumatische Situationen erlebt haben, und dann die Gruppe der Behinderten, deren Palette ebenfalls sehr groß ist und divers.
... und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich nun vom ersten Schultag an all diese Kinder in einer Klasse haben kann, so wie die Strukturen derzeit sind: Also 25 Kinder - und wenn ich da jetzt je 3 der oben genannten Gruppe hier reinsetze so sind die Bedürfnisse dieser 9 Kinder und natürlich auch der anderen 14 - so unterschiedlich, dass das eine Lehrkraft alleine sicherlich nicht schafft - noch dazu in einem Ganztag, der dann von 8 bis 16 laufen soll... :roll:
... Ich habe die Lehrer erlebt, die das durchziehen mussten - sie sind alle geflüchtet... - wobei da am Vormittag sogar 2 Lehrer in der Klasse standen und nachmittags (ab 13 Uhr) nur die Hälfte der Kinder vorhanden war... Es war sogar eine ausgebildete Sonderpädagogin... dabei waren die 5 I-Kinder hier alle homogen, "nur" hörbeeinträchtigt und hatten alle den Regelschullehrplan...
- also Integration...
Wenn man dann um 16 Uhr sein Kind abgeholt hat, dann waren alle k. o., sehr aufgedreht, aggressiv... - selbst die Betreuer...
Und keiner der Beteiligten ist heute noch in der Integration tätig, alle haben sich nun neu orientiert...

LG
Silvia
Liebe Grüße

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Beitragvon Inga » 05.01.2019, 11:36

Hallo Lisa, sehr angenehm endlich mal von jemand zu lesen, der es wie ich sieht! Inklusion ist gut, richtig und wichtig, aber NICHt für jedes Kind umsetzbar. Manchmal einfach, weil die Gesellschaft noch nicht so weit ist und manchmal, weil das spezielle Kind einfach nicht schulisch inklusierbar ist oder weil das Kind mehr Nach- als Vorteile davon hätte.

Unser Nico hätte problemlos mit I-Kraft auf die Regelschule gehen können, er wäre dann aber das einzigste I-Kind in seiner Klasse gewesen. Er will sein wie alle anderen, er ist intelligent genug, dass er täglich gesehen hätte, dass er eben nicht so ist wie die anderen. Nico ist da sehr feinfühlig und sehr sensibel, seine Psyche hätte in der Regelschule sehr sicher extrem gelitten.
Nun ist er auf der Förderschule, in einer Klasse mit 8 Kindern, ein Kind ist fitter als er, eines genauso wie er, die anderen sind entweder mehr oder weniger schwächer, oder je nach Fach, mal besser mal schlechter. Nico lernt Lesen, Rechnen,... je nachdem wie er sich entwicklet, kann er später problemlos den Hauptschulabschluß machen.
Er ist glücklich auf der Schule, freut sich über seine Erfolge, kann sich mit anderen messen,...
Mir geht es bei meinen Kindern nicht darum, wo kann es was und wieviel lernen, sondern mir geht es darum, dass meine Kinder glücklich sind und einen Weg gehen können, der ihnen dann hoffentlich auch ein glückliches Erwachsenenleben bieten kann. Einzig das ist mein Maßstab! Dafür braucht keines meiner Kinder einen Schulabschluß, geschweige denn ein Abi (wobei ich nichts gegen Gymnasien habe, 2 meiner Kinder besuchen eines).
Mein Mann und ich haben beide nicht studiert, wir haben beide eine solide Ausbildung und haben dabei nebenher das Fachabi mit gemacht. Haben aber beide kein Bedarf / Interesse an einem Studium gehabt und bereuen es bisher auch nicht.
Wir sind sehr glücklich mit unserem Leben, auch wenn unser Leben alles andere als Norm ist. Und genau das wollen wir auch für unsere Kinder, dass sie glücklich sind, egal wie ihr Leben aussieht, egal ob es der Norm entspricht, egal ob sie einen üblichen Weg gehen oder einen ungewöhnlichen...

Joshua ist schwerst-mehrfach Behindert, wer uns kennt weiß, dass wir alles tun, damit er sich entwickeln kann, dass er weiter kommt, wir fördern ihn, wo es nur geht!
ABER die meiste Kraft und Zeit setzen wir ein, damit er hoffentlich mit der Zeit sein frühkindliches Trauma überwinden kann, denn nur dann kann er wirklich ein glückliches Leben führen. Was bringt es, wenn er Laufen kann, wenn er besser kommunizieren kann,... wenn seine Seele nach wie vor nicht gesund ist?

Ist eigentlich ein anderes Thema und doch das gleiche, denn bei der Wahl von Kita und Schule ist mein Kriterium: "wo ist mein Kind glücklich?".

Ganz geschockt war ich bei einer Mutter, die ihr deutlich eingeschränktes Kind auf die Regelschule gegeben hat, obwohl sie wußte, dass es dort nicht gut laufen wird. Ihr Argument war: "Sonst ändert sich da ja nie was!". Änderung vorantreiben auf Kosten meines Kindes, nein, dazu war und bin ich nicht bereit!!!

Gruß, Inga

P.S., wobei das eigene Glück, natürlich nicht das Glück der anderen einschränken darf, auf Kosten anderer geht. Die Welt ist ein ewiges geben und nehmen...
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
"Joshua" 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278


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