Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 28.12.2018, 15:21

uschi brand hat geschrieben:Hi,
Komische Diskussion geworden das... Über die Gründe, warum "Exklusion" eben sinnvoll sein soll :roll:


Ich bin nur der Meinung, dass es keine Patentlösung für jedes Kind gibt. Wenn man im Rahmen der Inklusion Bedingungen schaffen könnte, wo es dem Kind sowohl schulisch als auch psychisch besser geht als in der Sonderklasse, wäre ich vorbehaltlos für Inklusion.

uschi brand hat geschrieben:MmN ist die Krux an der inzwischen ja schon längst zumindest in (guten) Ansätzen realisierten Inklusion häufig auch die Bequemlich und Phantasielosigkeit vieler Beteiligter. Neulich sagte ein Lehrer zu mir, es fehle an Räumlichkeiten, Gerätschaften etc. Nunja, wenn man jetzt bedenkt, daß das große gutausgestattete Lehrerzimmer außer in den Pausen eigentlich nicht genutzt wird, die Räume der Nachmittagsbetreuung morgens leerstehen ..... usw. usw. :?
LG Uschi


Diese Bequemlichkeit und Phantasielosigkeit beobachte ich generell an manchen Schulen, egal ob in der Inklusion oder in Sonderklassen. Da bin ich der Meinung, dass man sowohl Räumlichkeiten als auch Gerätschaften in den meisten Fällen durchaus sowohl organisieren als auch finanzieren kann - den WILLEN dazu natürlich vorausgesetzt.

Aber alles hat seine Grenzen. Es macht keinen Sinn, 10 Schulen mit je einer blinden SchülerIn mit teuren, platzraubenden Braille-Bibliotheken und einem Personenleitsystem für Blindenstöcke für die ganze Schule auszustatten. Genauso wie es keinen Sinn macht, Lichtglocken, FM-Anlagen und gebärdensprachkompetente Lehrer an jeder Schule zu haben, die von nur einem gehörlosen Kind besucht wird.

MMn sprechen bestimmte Behinderungsschwerpunkte an bestimmten Schule nicht gegen Inklusion sondern ermöglichen diese erst richtig. Anstatt in 10 Schulen je 100 Braille-Bücher zu haben, kann eine Schwerpunktschule 500 haben, die nur die Hälfte kosten, und trotzdem haben die Kinder mehr davon (weil JEDES Kind zu allen Büchern Zugang hat). Eine Schule mit Schwerpunkt Hörschädigung kann standardmäßig in jeder Klasse zusätzlich zur Schulglocke eine Lichtglocke haben. Eine Schule mit Schwerpunkt Liegekinder kann generell breitere Türen und Bettenaufzüge haben, usw. Je weniger für die anderen Kinder offensichtlicher "Aufwand" für die besonderen Kinder betrieben werden muss, desto besser kann Inklusion funktionieren.

Trotzdem wird Inklusion im Sinne von "JEDES behinderte Kind soll eine Klasse mit sowohl behinderten als auch gesunden Mitschülern besuchen" nicht funktionieren bzw. für manche Kinder einfach Nachteile haben. So ähnlich wie der Witz mit der Chancengleichheit des Wettbewerbs der Tiere (Fisch, Affe, Elefant, Vogel,...), wo alle auf einen Baum klettern sollen :wink: .
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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 28.12.2018, 16:06

Eine Schule mit Schwerpunkt

Das ist das Sonderschulprinzip, das wir bisher hatten. Das Problem ist dann nur, dass es durchaus auch Kinder gibt, die weder in die eine noch in die andere Sonderschule passen: Das typische Beispiel sind tatsächlich Autisten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es keine Sonderschulen für Autisten. Das ist besonders dann der Fall, wenn noch eine weitere Besonderheit dazukommt. Also zum Beispiel der Spezialfall Autist und Gehörlos, oder bei uns Autist und (vielleicht) Geistigbehindert. Welche Spezialschule "gewinnt" dann den Zuschlag. Bei uns hat die Geistigbehindertenschule den Zuschlag bekommen, weil es ja eine Alternative nicht gibt. Ergo muss dann in dem Fall die Geistigbehindertenschule Inklusion machen.

Trotzdem wird Inklusion im Sinne von "JEDES behinderte Kind soll eine Klasse mit sowohl behinderten als auch gesunden Mitschülern besuchen" nicht funktionieren bzw. für manche Kinder einfach Nachteile haben.

Und dann sind wir wieder bei dem Thema, dass manche Schulen von der Inklusion befreit werden, weil ihre Schüler gleicher sind. (?!) :shock:

Das Problem beim Sonderschulsystem ist eben, dass man diese Separierung nicht fair machen kann. Außer es ist ein absoluter Glücksfall wie bei Euch, dass es eine Sonderklasse für gehörlose Autisten gibt. Bei uns gab es keine Sonderklasse für geistigbehinderte Autisten und die Geistigbehindertenschule hatte keine Bedingungen für Autisten. Und dann...? Da kann doch gleich die Regelschule keine geeigneten Bedingungen haben.

So, das ist der Status quo. Und jetzt geht es eben darum Ideen zu entwickeln, wie man aus ungeeigneten Bedingungen geeignete Bedingungen herstellt. Und dann kann das auch wirklich JEDE Schule. Und das ist dann tatsächlich Inklusion.

Liebe Grüße
Heike

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 28.12.2018, 17:20

HeikeLeo hat geschrieben:
Eine Schule mit Schwerpunkt

Das ist das Sonderschulprinzip, das wir bisher hatten.


Ich glaube, Lisa meint eher, dass sich auch die Regelschulen evtl. auch spezialisieren sollen - gerade bei "Behinderungen", die einen etwas größeren Organisationsaufwand beinhalten > wo es um die Anschaffung von Hilfsmitteln o.ä. geht - z.B. Gehörlosigkeit, Blindheit, ... bzw. um Umbaumassnahmen . Eine Anschaffung von Unterrichtsmitteln/Hilfsmitteln und bauliche Veränderungen lassen sich natürlich eher begründen, wenn man sagen kann, dass dies später noch von anderen Kindern genutzt werden kann.
Das schließt natürlich nicht aus, dass dann z.B. auch Kinder mit FS Sprache oder LB auch diese Schule besuchen.

Auch unter dem Gesichtspunkt, dass sich auch die Regellehrer fortbilden wollen und sollen. Und ich glaube, man kann nicht verlangen, dass sie neben ihren allgemeinen Weiterbildungen sich in allen FS weiterbilden können - das bezahlt auch keiner!! Und was bringt es, von allem nur rudimentäre Kenntnisse zu haben - dann lieber > wie bei den Förderlehrern nur 1/2 Schwerpunkte, diese dafür aber vertieft.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 28.12.2018, 17:40

HeikeLeo hat geschrieben:
Eine Schule mit Schwerpunkt

Das ist das Sonderschulprinzip, das wir bisher hatten. Das Problem ist dann nur, dass es durchaus auch Kinder gibt, die weder in die eine noch in die andere Sonderschule passen: Das typische Beispiel sind tatsächlich Autisten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es keine Sonderschulen für Autisten. Das ist besonders dann der Fall, wenn noch eine weitere Besonderheit dazukommt. Also zum Beispiel der Spezialfall Autist und Gehörlos, oder bei uns Autist und (vielleicht) Geistigbehindert. Welche Spezialschule "gewinnt" dann den Zuschlag. Bei uns hat die Geistigbehindertenschule den Zuschlag bekommen, weil es ja eine Alternative nicht gibt. Ergo muss dann in dem Fall die Geistigbehindertenschule Inklusion machen.


Wir diskutieren hier ja, wie wir uns (also jeder für sich) Inklusion vorstellen. Sicher ist die Schule meines Sohnes ein Ausnahmefall, weil sie ja ein Bundesistitut ist. Aber an dieser Schule sind neben den Sonderschulklassen auch jede Menge I-Klassen, wo behinderte Kinder gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern beschult werden.

Die I-Grundschule meines Sohnes IST z.B. eine Schule für Autisten. Es gibt keine Sonder-Klassen, nur I-Klassen. Alle Klassen sind außerdem Mehrstufenklassen mit doppelter Lehrerbesetzung. Die Schule wird von mehreren diagnostizierten Autisten und ADHS-Kindern besucht, sowie von lautsprachlichen, hörgeschädigten Kindern (mit Hörgeräten oder CIs) UND von geistig behinderten Kindern. Sonderklassen gibt es keine.

Die gesunden Kinder, die diese Schule besuchen, sind aus der näheren Wohnumgebung (die Schule hat einen guten Ruf, die Plätze sind begehrt), die besonderen Kinder kommen mit Fahrtendienst-Bussen auch aus anderen Bezirken.


HeikeLeo hat geschrieben:
Trotzdem wird Inklusion im Sinne von "JEDES behinderte Kind soll eine Klasse mit sowohl behinderten als auch gesunden Mitschülern besuchen" nicht funktionieren bzw. für manche Kinder einfach Nachteile haben.

Und dann sind wir wieder bei dem Thema, dass manche Schulen von der Inklusion befreit werden, weil ihre Schüler gleicher sind. (?!) :shock:


Wer hat geschrieben dass manche SChulen von der Inklusion befreit werden sollen? Im Gegenteil, ich habe vor einigen Tagen (weiß nicht mehr genau wo, aber es wird sich finden lassen) geschrieben, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass ALLE Schulen I-Schulen ähnlich der meines älteren Sohnes werden. Das schließt aber nicht aus, dass es an diesen Schulen auch Sonder-KLASSEN gibt! Bitte genau lesen, bevor du mich falsch kommentierst!

Das Bedenken, welches ich hierbei habe ist jedoch, dass sich sehr wohl eine Sub-Gesellschaft bilden wird, welche Inklusion ablehnt. Man kann z.B. Privatschulen nicht dazu zwingen, bestimmte Kinder aufzunehmen. Daher ist es durchaus naheliegend, dass sich einige Privatschulen stolz auf die Fahnen heften werden, dass bei Ihnen KEINE behinderten Kinder beschult werden - quasi als Qualitätsmerkmal für Eltern mit Vorurteilen.

Nichtsdestotrotz wäre ich für Inklusion an ALLEN Schulen. Nur zwingen wird man niemanden dazu können, und wenn man es versuchte, ginge es zu Lasten unserer Kinder. Denn wenn eine Schule keine behinderten Kinder aufnehmen WILL wird diese Schule genug subtile (nicht nachweis- oder anklagbare) Möglichkeiten finden, diese Kinder erst recht auszuschließen und ihnen das Leben schwer zu machen. Dann geht der Schuß total in die falsche Richtung los.


HeikeLeo hat geschrieben:Das Problem beim Sonderschulsystem ist eben, dass man diese Separierung nicht fair machen kann. Außer es ist ein absoluter Glücksfall wie bei Euch, dass es eine Sonderklasse für gehörlose Autisten gibt. Bei uns gab es keine Sonderklasse für geistigbehinderte Autisten und die Geistigbehindertenschule hatte keine Bedingungen für Autisten. Und dann...? Da kann doch gleich die Regelschule keine geeigneten Bedingungen haben.

So, das ist der Status quo. Und jetzt geht es eben darum Ideen zu entwickeln, wie man aus ungeeigneten Bedingungen geeignete Bedingungen herstellt. Und dann kann das auch wirklich JEDE Schule. Und das ist dann tatsächlich Inklusion.

Liebe Grüße
Heike


Man kann sich um Fairness bemühen - sowohl an den Sonder- als auch an den Regelschulen. Fairness hat nichts damit zu tun, ob auf der Schule draussen "Integratiosschule" oder "Regelschule" drauf steht. Dort, wo man sich bemüht, wird es annähernd fair zugehen, wo nicht da nicht. Wenn wer sagt "Gut, es gibt keine passende Sonderschule für mein Kind, da kann ich es gleich in eine I-Klasse einer Regelschule geben!" dann KANN das der bessere Weg sein, MUSS es aber nicht. Denn wenn sich diese I-Klasse nicht echt im Integration und Inklusion des Kindes bemüht, wird es dem Kind dort nicht besser gehen als in der Sonderschule. Und wenn sich die Sonderschule um bestmögliche Bedingungen für das Kind bemüht, dann wird Regelschule als Option vielleicht schnell vom Tisch sein.

Es kommt IMMER auf die Umsetzung an, NIE auf das, was aussen drauf steht. Kein Gesetz kann intolerante, selbstherrliche Verfechter schlechter System bekehren und zu Veränderungen zwingen. Inklusion kann nur dann funktionieren, wenn die I-Schulen so gut werden, dass sich auch die Eltern gesunder Kinder darum reißen, einen Platz an genau DIESER Schule zu bekommen. Positiver Wettbewerb ist für die Steigerung der Qualität der Beschulung unserer Kinder wichtiger als zahnlose Gesetze, die nur halbherzig umgesetzt werden.
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 28.12.2018, 19:14

SandyErgo hat geschrieben:
HeikeLeo hat geschrieben:
Eine Schule mit Schwerpunkt

Das ist das Sonderschulprinzip, das wir bisher hatten.


Ich glaube, Lisa meint eher, dass sich auch die Regelschulen evtl. auch spezialisieren sollen - gerade bei "Behinderungen", die einen etwas größeren Organisationsaufwand beinhalten > wo es um die Anschaffung von Hilfsmitteln o.ä. geht - z.B. Gehörlosigkeit, Blindheit, ... bzw. um Umbaumassnahmen . Eine Anschaffung von Unterrichtsmitteln/Hilfsmitteln und bauliche Veränderungen lassen sich natürlich eher begründen, wenn man sagen kann, dass dies später noch von anderen Kindern genutzt werden kann.
Das schließt natürlich nicht aus, dass dann z.B. auch Kinder mit FS Sprache oder LB auch diese Schule besuchen.

Auch unter dem Gesichtspunkt, dass sich auch die Regellehrer fortbilden wollen und sollen. Und ich glaube, man kann nicht verlangen, dass sie neben ihren allgemeinen Weiterbildungen sich in allen FS weiterbilden können - das bezahlt auch keiner!! Und was bringt es, von allem nur rudimentäre Kenntnisse zu haben - dann lieber > wie bei den Förderlehrern nur 1/2 Schwerpunkte, diese dafür aber vertieft.


Ja, genau so meine ich es! Und wie schon geschrieben kenne ich auch Schulen, die so "funktionieren".

Was Sonderschullehrer betrifft haben wir hier in Österreich ein ganz anders Problem, nämlich dass gar keine mehr ausgebildet werden! Und das ist nicht nur für die Sonderklassen ein Problem, sondern auch und ganz speziell für Integrationsklassen. Mit WENIGER Wissen um die besonderen Bedürfnisse unserer Kinder wird man schwerlich deren Beschulung verbessern können!

In der I-Schule meines Sohnes ist aktuell in jeder Klasse ein Team aus einer Grundschul- und einer SonderpadagogIn. Wie wird es dort in 10, 20 oder 30 Jahren aussehen, wenn die Sonderpädagogen nach und nach in Pension gehen und nur normale Grundschullehrer nachkommen? Wer glaubt ernsthaft, dass DANN Inklusion BESSER funktionieren kann?
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Beitragvon uschi brand » 28.12.2018, 21:06

Hi,
Ich denke kaum, daß ich Abbitte leisten muß für die Idee, Räumlichkeiten der Schule in Zeiten in denen sie nicht anderweitig benutzt werden den (I)Kindern zur Verfügung zu stellen :?
In einer mir bekannten kleineren GS stehen z.B. PC Raum, Lehrerzimmer, Rektoriat und die krachneuen, schicken Betreuungsräume meist/ teilweise leer, an der Gesamtschule gibts viele Funktionsräume die zu bestimmmten Zeiten nicht genutzt werden, die Nachmittagsbetreuung hat ein eigenes Gebäude, das, genau, eben nur Nachmittags genutzt wird...
Vor Jahren arberitete ich mit nem Förderschulleher zusammen, der einfach mal alle I-Kids plus Helfer zusammengetrommelt hat und mal Plätzchen gebacken hat o.ä. waren immer superschöne Aktionen. Jeweils abwechselnd andere Schüler aus den Klassen mitgenommen, zusammen geplant, ausgeführt, reflektiert, so einfach kann Inklusion sein. Solche und ähnliche Dinge neben dem normalen Schulalltag sind doch ganz einfach zu verwirklichen, ansonsten einfach ein bißerl Flexibilität und Kreativität walten lassen, dann kanns gelingen ;)

Dann noch ein großes Lob an die meisten FS, die können (müssen) inklusiv arbeiten <3

LG Uschi

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Beitragvon Silvia & Iris » 29.12.2018, 13:56

Liebe Uschi,

ich kann mir das nicht vorstellen, dass Kinder in einem Lehrerzimmer unterrichtet werden... - dort sind eigentlich auch immer Lehrer anwesend, die gerade in der Vorbereitung oder Nachbereitung sind - das Mitnehmen von Heften der Schüler nach Hause, wie es früher war, das scheint heute entweder verboten oder einfach aus anderen Gründen nicht mehr statt zu finden... und so liegen diese Hefte und andere Privatsachen der Lehrer auch im Lehrerzimmer... ich denke nicht, dass da die Lehrer erfreut sind, wenn das dann Schüler sehen und auch entwenden könnten... - Denn welcher Lehrer kann denn dann alleine bis zu 8 Schüler wirklich handeln? - Ohne, dass ihnen irgendwelche Dummheiten einfallen?

Da sind die Handtaschen, die Handys und vieles mehr... die Schulbücher, die Schularbeitshefte, Unterlagen zur Stundenvorbereitung...

Und ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass da die Räumlichkeiten wirklich so oft leer stehen...

Vor allem, wie soll denn das dann laufen? - Wenn da 7 Klassen im Jahrgang sind und in jeder Klasse ist ein Kind mit SPF... dann sammelt dann ein Lehrer 7 Kinder ein und fehlt doch dann in einer der Klassen? - Oder habt ihr in D in jeder Stunde und in jedem Fach 2 Lehrkräfte pro Klasse :roll:
Ich weiß, früher war auch ein Lehrer pro Klasse mit 45 Schülern... und auch damals haben die Schüler etwas gelernt!

Es fehlen einerseits die Personen, die das machen sollen, andererseits auch die passenden Gegebenheiten... - Vor allem, wenn ich dann wieder die Kinder separiere dann ist es doch wieder keine Inklusion, oder?

LG
Silvia
... wie gesagt, bei uns werden Sonderpädagogen gar nicht mehr ausgebildet, wer soll denn das dann machen? - Die Förderung der Schüler mit Förderbedarf?
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 29.12.2018, 18:09

Hallo Silvia & Iris,

ja, so ähnlich habe ich es mir auch gedacht. Wobei in einer ganz normalen Schule vermutlich sehr wohl der eine oder andere Raum leer steht und bei gutem Willen nutzbar ist.

Das mit "alle I-Kinder und Helfer zusammentrommeln und gemeinsam was unternehmen" stelle ich mir auch schwierig vor. Selbst wenn ein Lehrer mal Zeit und eine Idee und Motivation hat - die I-Kinder haben doch Unterricht. Die sammelt er dann trotzdem spontan einfach so von einer Klasse zur nächsten ein? Kann mir nicht vorstellen, dass alle Klassenlehrer die Kinder dann begeistert mitgeben und es alle Eltern gut finden, wenn das Kind die Mathe-Arbeit nicht schreibt oder genau den Stoff versäumt, der in der nächsten Woche zum Sachunterrichts-Test kommt. Und das, weil ein Lehrer, der nicht mal der Klassenlehrer ihrer Kinder ist, gerade die Idee hatte, Kekse zu backen...

Wobei die Grundidee, mal was nettes, spontanes mit den Kindern zu unternehmen, sicher gut ist. Bei euch, Uschi, hat es ja offensichtlich gut geklappt. Vermutlich waren da und auch keine Eltern, die darauf bestanden haben, genau zu wissen, von welchem Lehrer ihre Kinder genau betreut werden und was im Unterricht gemacht wird. Und auch keine Kinder wie mein älterer Sohn, die mit so spontanen Planänderungen gar nicht gut klar kommen.

Nicht jedes I-Kind (und auch nicht jeder NT-Kind) liebt spontane Planänderungen, manche brauchen und wollen einfach Struktur und Berechenbarkeit, teilweise auch behinderungsbedingt. So, wie Kinder mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten eben manche Speisen nicht essen dürfen, weil sie ihnen schaden.
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Beitragvon uschi brand » 29.12.2018, 20:45

Hi,
Ich finde ihr solltet eurem Hang zur Exklusion weiter nachgehen und versuchen ja auch jedes weiter Haar in der Suppe zu erhaschen :roll:
Komisch, daß keiner mehr mitschreibt, wa?!
LG Uschi
Btw Regelkinder werden nur in höchster Not entführt während eigentlich Klassenarbeiten anstehen :lol:

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Beitragvon Lisaneu » 29.12.2018, 21:21

uschi brand hat geschrieben:Hi,
Ich finde ihr solltet eurem Hang zur Exklusion weiter nachgehen und versuchen ja auch jedes weiter Haar in der Suppe zu erhaschen :roll:
Komisch, daß keiner mehr mitschreibt, wa?!
LG Uschi
Btw Regelkinder werden nur in höchster Not entführt während eigentlich Klassenarbeiten anstehen :lol:


In der Klasse meines Sohnes wurden übrigens heuer auch Kekse gebacken - aber das gilt wohl nicht als positives Beispiel, weil es ja keine I-Klasse ist...

Aber leider ist heute nicht mehr so einfach, so was zu tun, was du beschreibst. Also Schulkinder (egal ob Regel- oder Förderschule) einfach während des Unterrichts aus den Klassen zu holen und was anderes mit ihnen zu machen? Und irgendeine Mutter oder ein Vater wird garantiert dagegen sein, dass im Unterricht Kekse gebacken werden, weil sie Gluten, Zucker oder sonst-was enthalten!

Heute wird wegen jedem Scheiß geklagt! Mein Vater ist nebenberuflich Zauberer und zaubert im Rahmen seines Programms seit Jahrzehnten im Kinderprogramm Bonbons für die Kinder her. Ein Kollege von ihm genauso. Der Kollege wurde jetzt von einer Mutter geklagt, weil die Allergene in diesen Bonbons nicht in dem Raum, wo die Zauberveranstaltung stattgefunden hat, sichtbar ausgehängt waren! (Die Veranstaltung war für 3-6jährige Kinder, die das ohnehin nicht lesen könnten!) Und der Zauberer musste eine saftige Strafe zahlen. Jetzt werden halt keine Bonbons mehr hergezaubert.

Ich bin absolut nicht einverstanden mit so Aktionen, aber sie passieren heute leider immer wieder! Und ein noch so motivierter, guter Lehrer, der in der Hinsicht einmal auf die Schnauze gefallen ist wird einfach nichts mehr machen, was nicht ins Standardprogramm passt. So, wie mein Vater keine Bonbons mehr herzaubert!

Hat nix mit Inklusion zu tun (ist bei Regelkindern dasselbe) sondern damit, dass wir heute in einer ziemlich verrückten Zeit leben! Man braucht immer Verantwortliche und Schuldige für alles mögliche, wie unwichtig auch immer! Da brauche ich nichts schlecht reden, das ist leider die Wahrheit!
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