Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 26.12.2018, 11:44

Liebe Lisa,

ich denke, dass viele nonverbale Kinder einfach "krank" werden, wenn etwas gröber nicht passt... allerdings sind im ersten Schuljahr gewisse Krankheiten ganz normal und jedes Kind muss sich erst an die neue Umgebung gewöhnen... - für mich wäre ein es ein Zeichen, wenn mein Kind vermehrt "krank" wäre, ständig Schnupfen hätte oder Fieber... Gewisse Sachen kann man sicherlich auch auf "normale" Umstände zurück führen, wie z. B. die Pubertät, wo sich die Regel erst einpendeln muss... - aber ich denke, man spürt - als Mutter - wenn der Umstand nicht passt für sein Kind!

LG
Silvia

Ich selbst bin schon gelegentlich auch im Unterricht dabei - aber nur selten... - wenn ich eingeladen werde, oder wenn wir Schwimmen gehen...
(aber eine Kleinklasse)
Liebe Grüße
Silvia
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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 26.12.2018, 12:30

Lisaneu hat geschrieben:Ich habe z.B. im Kindergarten durchaus bemerkt, dass sich mein Sohn nicht immer wohl fühlt. Es gab Tage, da wollte er nicht in den Bus, hat immer wieder gebärdet, nicht in den Kindergarten zu wollen, natürlich ohne das näher zu begründen. In den Zeiten, wo es mit dem KIGA-fahren schwierig war hatte mein Sohn auch zu Hause mehr schwierige Phasen, hatte häufiger Meltdowns, war insgesamt unzufriedener. Die Pädagoginnen meinten auch, es sei schwierig mit ihm, aber sie hätten es "im Griff". Was hätte ich damals tun sollen?


Genau das ist ja das Problem. Man soll dann fremden "Fachleuten" vertrauen und im Rückblick sieht man genau, dass sie keine Ahnung hatten. Der Hebel für Eltern MUSS unbedingt größer sein. Und das Selbstvertrauen der Eltern darf auch größer sein - Eltern dürfen ihren Kindern glauben und sie aus solchen Situationen dann auch herausnehmen.

Silvia hat geschrieben:ich denke, dass viele nonverbale Kinder einfach "krank" werden, wenn etwas gröber nicht passt


Die Einschätzung, was jetzt schon krank ist und was noch ungewohnt ist, ist natürlich immer schwierig. Da braucht es deutlich mehr Offenheit von Seiten der Schulen. Aber es ist immer noch das Bedürfnis von den Schulen da, es alleine stemmen zu wollen und die Eltern werden erst dazu geholt, wenn der Karren schon ganz weit im Dreck steckt. Und damit fährt man alles, was Inklusion sein könnte, krachend vor die Wand.

Liebe Grüße
Heike

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 27.12.2018, 08:01

HeikeLeo hat geschrieben:
Lisaneu hat geschrieben:Ich habe z.B. im Kindergarten durchaus bemerkt, dass sich mein Sohn nicht immer wohl fühlt. Es gab Tage, da wollte er nicht in den Bus, hat immer wieder gebärdet, nicht in den Kindergarten zu wollen, natürlich ohne das näher zu begründen. In den Zeiten, wo es mit dem KIGA-fahren schwierig war hatte mein Sohn auch zu Hause mehr schwierige Phasen, hatte häufiger Meltdowns, war insgesamt unzufriedener. Die Pädagoginnen meinten auch, es sei schwierig mit ihm, aber sie hätten es "im Griff". Was hätte ich damals tun sollen?


Genau das ist ja das Problem. Man soll dann fremden "Fachleuten" vertrauen und im Rückblick sieht man genau, dass sie keine Ahnung hatten. Der Hebel für Eltern MUSS unbedingt größer sein. Und das Selbstvertrauen der Eltern darf auch größer sein - Eltern dürfen ihren Kindern glauben und sie aus solchen Situationen dann auch herausnehmen.


Wie oder was soll man einem Kind "glauben", das nicht kommuniziert? Das ist und bleibt ein Ratespiel.

Was meinst du mit "herausnehmen"? Und in wie weit kannst du einschätzen, ob gewisse Verhaltensmuster, die ein Kind zu Hause zeigt, mit der Einrichtung zu tun haben?

Ich denke schon, dass ein gewisses Grundvertrauen in eine Einrichtung und deren Pädagogen (egal, ob in Kindergarten oder Schule) da sein sollte. Wenn ich von Haus aus davon ausgehe, dass die Einrichtung nichts für mein Kind ist, werde ich es nicht hingeben. Und es gibt kaum ein Kind (auch kein komplett neurotypisches), welches nie Phasen hat, wo es ihm mal nicht so gut geht.

Bezügliche Wechsel der Einrichtung: für mich sind Veränderungen nur dann sinnvoll, wenn sie Verbesserungen sind. Wenn abzusehen ist, dass die Situation durch die Veränderung gleich bleibt oder sogar schlechter wird, dann verändere ich nichts. Klar kann ich mein Kind beobachten und daraus meine Schlüsse ziehen. Wenn das Kind immer nach der Zeit in der Einrichtung schlecht drauf, unleidlich und aggressiv ist, aber z.B. im Urlaub wie ausgewechselt ist, dann ist was im Busch. Aber so offensichtlich ist es bei nonverbalen Kindern nun mal nicht oft. Da gibt es einfach gute und schlechte Phasen - sowohl in der Einrichtung als auch zu Hause.

Gut, es war auch nie wirklich großer Leidensdruck da, der offensichtlich mit der Einrichtung im Zusammenhang gestanden wäre. Aber selbst wenn, wäre in unserem speziellen Fall (im Kindergarten)ein Wechsel der Einrichtung nicht sinnvoll gewesen wäre.

Warum? Es gab einfach keine Alternativen! In ganz Wien gab es genau ZWEI gebärdensprachige Kindergärten. Davon hatte einer in allen Schulferien geschlossen, was durch meine Berufstätigkeit nicht möglich gewesen wäre (in Ö haben wir allein schon 9 Wochen Sommerferien, aber trotzdem nur 5 Wochen Jahresurlaub). Blieb also nur der andere Kindergarten, eine Integrationseinrichtung mit gebärdensprachigen Pädagogen, teils hörenden, teils hörgeschädigten Kindern und einem sehr guten Betreuungsschlüssel. Und ich war und bin durchaus von der Qualität dieses Kindergartens überzeugt, AUCH wenn mein Sohn immer wieder schwierige Phasen hatte.

Klar hätte man auf biegen und brechen eine andere Lösung finden können. Man kann ein nonverbales, rein gebärdernsprachiges Kind in irgendeinem heilpädagogischen Kindergarten unterbringen, wo niemand (kein Kind und kein Betreuer) seine Sprache spricht oder versteht. Also raus aus der Integrationsgruppe rein in die Isolation. Da war ich einfach so was von sicher, dass DIESE Lösung niemals eine Verbesserung darstellen kann.

Nicht arbeiten und Alexander voll zu Hause betreuen wäre sowohl finanziell als auch von meinen persönlichen Ressourcen her nicht möglich gewesen. Abgesehen davon gibt es in Wien das verpflichtende, letzte Kindergartenjahr. Vor allem bei Kindern mit Problemen mit gesprochenem deutsch (wo mein Sohn natürlich ein Volltreffer ist) gibt es keine Ausnahmen.

Es ist eben viel, viel leichter, als Außenstehender zu tönen, was man alles tun KÖNNTE und SOLLTE, wenn man die Hintergründe nicht kennt.

Ich kenne die Hintergründe bei anderen Kindern auch nicht und halte daher die Lösungen, die ich für uns gefunden habe, NICHT für allgemein gültig. Aber ich will auch, dass mir zugestanden wird, darüber sehr wohl nachgedacht und es mir nicht "leicht" gemacht zu haben.
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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 27.12.2018, 12:23

Es ist eben viel, viel leichter, als Außenstehender zu tönen, was man alles tun KÖNNTE und SOLLTE, wenn man die Hintergründe nicht kennt.


Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr elterliches Mitspracherecht. Ich habe/hatte auch ein nonverbales Kind. Und ich habe sehr wohl gesehen, dass ihm die Schule schadet. Aber ich DURFTE ihn nicht aus der Schule nehmen. Es hat JAHRE gedauert, bis ich eine Befreiung von der Schulpflicht bekommen habe.

Und ja, Alternative gab es auch keine. Er war dann eben zu Hause und ich habe hier den Spagat machen müssen, um es mit meiner Berufstätigkeit gebacken zu bekommen. Aber das war HIER immer noch das kleinere Übel.

Und genau um die Bereitstellung dieser Alternativen geht es ja ganz konkret. Als Eltern wird uns eine (manchmal völlig ungeeignete) Möglichkeit der Beschulung hingestellt und wir dürfen aus dieser einen Möglichkeit wählen. Das ist ja bei Euch auch so. Und genau da müssen wir mit Schwarmwissen ansetzen, um die Wahlmöglichkeiten zu erweitern.

Liebe Grüße
Heike

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Beitragvon Lisaneu » 27.12.2018, 19:28

HeikeLeo hat geschrieben:
Es ist eben viel, viel leichter, als Außenstehender zu tönen, was man alles tun KÖNNTE und SOLLTE, wenn man die Hintergründe nicht kennt.


Ich wünsche mir auf jeden Fall mehr elterliches Mitspracherecht. Ich habe/hatte auch ein nonverbales Kind. Und ich habe sehr wohl gesehen, dass ihm die Schule schadet. Aber ich DURFTE ihn nicht aus der Schule nehmen. Es hat JAHRE gedauert, bis ich eine Befreiung von der Schulpflicht bekommen habe.

Und ja, Alternative gab es auch keine. Er war dann eben zu Hause und ich habe hier den Spagat machen müssen, um es mit meiner Berufstätigkeit gebacken zu bekommen. Aber das war HIER immer noch das kleinere Übel.


Liebe HeikeLeo,

das ist EURE Geschichte. Bei deinem Sohn war es so, dass ihm die Schule geschadet hat - die genauen Hintergründe kennst du sicher besser als ich! Aber man kann durch eure Erfahrung nicht davon ausgehen, dass Schule besonderen Kindern generell schadet.

Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich Alexander selbst dann nicht selbst unterrichten könnte, wenn ich das wollte. Ich kenne meine Kapazitäten und das würde sie bei weitem überschreiten. Es heißt zwar oft, man wächst mit den Aufgaben, aber man kann auch an ihnen zerbrechen.
HeikeLeo hat geschrieben:Und genau um die Bereitstellung dieser Alternativen geht es ja ganz konkret. Als Eltern wird uns eine (manchmal völlig ungeeignete) Möglichkeit der Beschulung hingestellt und wir dürfen aus dieser einen Möglichkeit wählen. Das ist ja bei Euch auch so. Und genau da müssen wir mit Schwarmwissen ansetzen, um die Wahlmöglichkeiten zu erweitern.

Liebe Grüße
Heike


Ja, wir hatten auch nur eine Möglichkeit, aber die ist nicht ungeeignet. Im Gegenteil, es ist wesentlich besser als ich zu hoffen gewagt habe! Die ungeeigneten Möglichkeiten hätte es natürlich auch gegeben, aber wir hatten das Glück (auch dadurch, dass wir in Wien wohnen) ohne großen Aufwand (Internat) oder Umzug (um Internat zu vermeiden) eine Schule gefunden zu haben, wo ich ein wirklich sehr gutes Gefühl habe.

Ich bin auch für eine Erweiterung der Möglichkeiten, aber ich bin auch Realist. Und zwischen einem hörenden, nonverbalen Autisten und einem gehörlosen ist noch mal ein Riesenunterschied. Wenn ich so Meldungen lese wie "da braucht doch nicht immer ein Dolmetscher da sein..." frage ich mich schon, wie viel Ahnung die Schreiber von Gehörlosigkeit und den spezifischen Problemen haben. Denn ein nonverbales, hörendes Kind kann lautsprachlich beschult werden, es sprich halt nur selbst nicht. Und es hört in der Pause was die anderen sagen und kann so auch sozial einiges lernen, selbst wenn es sich nicht aktiv an den Gesprächen beteiligt.

Vor 4 Wochen waren wir beim gehörlosen Nikolaus :) . Dort waren ca. 50 gehörlose Kinder von Babyalter bis hin zu Teenagern, alle gebärdensprachig. Die haben sich darüber unterhalten wann wohl der Nikolaus kommen wird, was er mitbringen könnte, ob auch der Krampus mitkommt, usw. Einige Kinder kannten Alexander noch aus dem I-Kindergarten und haben ihn gefragt, wie es ihm geht und wo er in die Schule geht. Natürlich hat er nicht geantwortet (alles andere wäre einem Wunder gleich gekommen). Aber immerhin hat er hie und da zugeschaut, WAS die anderen miteinander so reden und ich vermute, dass er den Großteil mitbekommen hat. So weit, sich selbst am Gespräch zu beteiligen ist er eben (noch) nicht, aber immerhin interessiert ihn schon manchmal, was andere gebärden.

In einer I-Klasse würde er gar nichts verstehen, es sei denn, es würde speziell für ihn übersetzt. Die Kinder würden sich vor Weihnachten unterhalten was sie sich vom Christkind wünschen, auf welche Fernsehsendung sie sich freuen und wohin sie auf Winterurlaub fahren. Sie würden sich vielleicht ausmachen, sich in den Ferien zu treffen. Sie würden vielleicht streiten, ob es das Christkind bzw. den Weihnachtsmann gibt oder nicht. Und mein Sohn würde von all dem NULL mitbekommen. Was wäre da für ihn besser?

Darum bin ich überzeugt, dass Integration nicht immer bedeuten muss, dass ein besonderes Kind gemeinsam mit NT-Kindern beschult werden muss. Für Alexander wäre es schon super, wenn er mal in eine Kleinklasse mit gehörlosen Kindern ohne zusätzlichen Autismus wechseln könnte. Einfach weil er dort viel, viel mehr von den anderen Kindern lernen kann als in einer Klasse mit hörenden Kindern.

Im Moment muss ich aber realistisch genug sein, um einzusehen, dass Alexander als nonverbaler, gebärdensprachiger Autist selbst für so eine Klasse einfach zu viel Extra-Aufmerksamkeit benötigt und der Blickkontakt zwar langsam besser wird, aber immer noch nicht ausreicht, um normalem, gebärdensprachigen (oder gedolmetschten) Unterricht zu folgen. Er braucht die Erklärungen wirklich 1:1 und die Lehrer müssen während eines längeren Handlungsstranges immer wieder Blickkontakt einfordern. Und genau DAS bekommt er jetzt in seiner Klasse. Die Kommunikation mit den Mitschülern klappt leider nicht, denn die sind ähnlich Alexander selbst nicht so kommunikationsfreudig.

Daher bin ich immer auf der Suche nach Gehörlosentreffen, Gehörslosencamps, Gehörlosenurlaubsreisen, usw., am besten mit vielen gehörlosen Kindern. Wenn er irgendwann man anfangen will, selbst zu kommunizieren, dann kann er es eben nur dort. Da hilft auch die beste Schule nichts.
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Beitragvon HeikeLeo » 28.12.2018, 12:22

Er braucht die Erklärungen wirklich 1:1

Das ist jetzt aber wieder ein klassisches "Autismusproblem" und es erfordert in jedem Fall unterstützte Kommunikation. Und es ist erst einmal unabhängig, ob das in einer Sonderklasse erfolgt oder in einer Regelklasse.

Die Kommunikation mit den Mitschülern klappt leider nicht, denn die sind ähnlich Alexander selbst nicht so kommunikationsfreudig.

Und das ist genau das grundsätzliche Problem von Sonderklassen.

Der Vorteil von Inklusion ist tatsächlich der, dass noch zusätzliche Ideen reinkommen könnten. Sie werden aber vom Schulsystem passiv geblockt.

Sogar in Sonderklassen werden Inklusionsansätze blockiert: z.B. Mein Sohn hatte sich damals mit einem Down-Jungen "angefreundet". Der andere Junge war im ersten Schuljahr, mein Sohn war schon im vierten Schuljahr. Mit Blick auf den Altersunterschied wurde der Kontakt dann doch schnell unterbunden. Meiner hatte ständig eine Schulbegleitung neben sich, d.h. es ist auch nichts passiert. Aber mein Sohn war tatsächlich viel größer und für die Lehrkräfte unberechenbar - das genügte schon. - Ich trauere der Chance auch nicht wirklich nach, denn dazu weiß ich dann doch zu wenig. Aber ich weiß, dass mein Sohn voll auf auf etwas anspringt, das auch für neurotypische Menschen niedlich ist. Der Niedlichkeitsfaktor des Downjungen hätte ihm wahrscheinlich eine Teilnahme an Gruppenaktivitäten geöffnet. Und der Downjunge hätte die Chance gehabt, einiges besser zu verstehen als ein Großer. Und da hätten sich für beide Lernfenster geöffnet - die aber natürlich begleitet werden müssen.

Bei einem gehörlosen autistischen Kind ist das alles natürlich noch viel komplizierter. Da fallen gleich mehrere Kommunikationskanäle weg. Aber diese Kommunkationskanäle fallen ja nur einseitig weg. Und Kinder sind manchmal viel kreativer in Gestaltung von Kommunikation als Erwachsene. Da geht eben vieles auch auf rein körperlicher Ebene. Und in manche Dinge können sie sich tatsächlich noch viel besser einfühlen, weil sie auch noch klein sind.
Diese Chance vertut eine Sonderklasse, egal wie gut sie ausgestattet ist.

Das ständige Lautieren kann auch sehr nerven. Wir haben uns dann manchmal mit Sohn die Kehlköpfe befühlt. Fand Sohn sehr amüsant. Ich denke, das Lautieren dient tatsächlich der Orientierung im Raum - wie bei Feldermäusen. Auch für Nichthörende.
Ich weiß nicht, wie viel mein Sohn tatsächlich hört. Wenn er lichte Momente hat, meint man, dass er hört. Auf Ansprache reagiert er jedenfalls nicht. Und er versteht sehr wenig, wenn überhaupt etwas.
Aber man sieht ihm die Dinge an, die er nicht von sich aus kommuniziert.

Liebe Grüße
Heike

uschi brand
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Beitragvon uschi brand » 28.12.2018, 12:33

Hi,
Komische Diskussion geworden das... Über die Gründe, warum "Exklusion" eben sinnvoll sein soll :roll:
MmN ist die Krux an der inzwischen ja schon längst zumindest in (guten) Ansätzen realisierten Inklusion häufig auch die Bequemlich und Phantasielosigkeit vieler Beteiligter. Neulich sagte ein Lehrer zu mir, es fehle an Räumlichkeiten, Gerätschaften etc. Nunja, wenn man jetzt bedenkt, daß das große gutausgestattete Lehrerzimmer außer in den Pausen eigentlich nicht genutzt wird, die Räume der Nachmittagsbetreuung morgens leerstehen ..... usw. usw. :?
LG Uschi

HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 28.12.2018, 12:43

das große gutausgestattete Lehrerzimmer außer in den Pausen eigentlich nicht genutzt wird

... Du rüttelst an der Gralsfeste...

Liebe Grüße
Heike

maikeb
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Beitragvon maikeb » 28.12.2018, 14:34

Wo sollen die Lehrer denn in ihren Springstunden hin? Auf den Schulhof?
Also bitte, man kann auch alles übertreiben.

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Senem
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Beitragvon Senem » 28.12.2018, 15:10

Hallo,

auf den Schulhöfen könnten die Lehrer wenigstens besser auf die Schüler aufpassen (Wenn es dafür nicht schon jemand anderes gibt), damit Mobbing usw nicht entsteht!!
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen


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