Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

Tina&Andi
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Beitragvon Tina&Andi » 09.12.2018, 20:35

Hallo,

ich finde wenn man Inklusion möchte, dann müsste man alle LehrerIn in dem Bereich Sonderpädagogik schulen. Erst dann kann man ein richtig Inklusion betreiben ohne das es "Verlierer" gibt.

LG
Tina
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 09.12.2018, 20:42

uschi brand hat geschrieben:Hi,
weil ihr ja immer so nett von den "gesunden" Kindern redet, wie sähs dann mit Inklusion und den "Kranken" aus?! In die hiesige GS ging vor ner Zeit ein Kind mit schwerer angeborener Darmerkrankung, inklusive Anus Praeter usw. Kognitiv und auch körperlich war das Kind darüber hinaus aber völlig fit, durch den künstlichen Darmausgang kam es jedoch zeitweise zu unangnehmen Geruch oder auch mal einem kleinen Mißgeschick, außerdem mußte die Einhaltung einer strengen Diät von Leheren/Betreuungspersonal überwacht werden.
Nach Ansicht einiger hier also ganz klar: KB Schule?!
LG Uschi


Nach meiner Ansicht klar: Inklusions-Klasse! Mehrwert für das Kind durch gesunde Mitschüler und für die Mitschüler durch einen vollwertigen Klassenkameraden, mit dem man fast alles "machen" kann. Der zeitweise unangenehme Geruch kann bei guter Inklusion schnell beseitigt werden (ich gehe davon aus, dass das gemacht wurde) und ist z.B. mit ständigem lautieren nicht vergleichbar.

Und ja, ich schreibe manchmal "gesunde" Kinder und nicht "neurotypische" Kinder, weil mir das einfach zu wissenschaftlich klingt. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten hier wissen, was ich damit meine :wink: .
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uschi brand
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Beitragvon uschi brand » 09.12.2018, 20:53

Hi,
Demnach wäre also ein schwerer betroffenes Kind "nicht vollwertig" :shock:
Watt soll ma da noch zu sagen...
Uschi

Senem
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Beitragvon Senem » 09.12.2018, 20:55

Hallo uschi brand,

da kann man echt nur sprachlos sein :shock:
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 09.12.2018, 20:56

uschi brand hat geschrieben:Hi,
Demnach wäre also ein schwerer betroffenes Kind "nicht vollwertig" :shock:
Watt soll ma da noch zu sagen...
Uschi


Wie meinst du das mit "nicht vollwertig"? Verstehe ich jetzt nicht...

Ach, wieder mal nicht 100% über die Wortwahl nachgedacht - sorry! ich hätte diesen Thread wohl doch nicht starten sollen, denn irgendwie werde ich ständig mißverstanden :( .
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 09.12.2018, 21:12

Um es nochmal klarzustellen, worum es mir geht: es gibt viele besondere Kinder, vermutlich der Großteil, die mit gesunden Kindern in Interaktion treten können: zusammen spielen, sich was erzählen, Freundschaften schließen,...

Es gibt auch etliche besondere Kinder, die sich zwar selbst oft nicht aktiv in eine Gemeinschaft einbringen können, aber trotzdem davon profitieren. Es ist für neurotypische Mitschüler oft eine Freude und ein Anliegen, diesen Kindern helfen zu können, ihnen etwas zu zeigen, sie mit einzubinden.

Und es gibt eben Kinder wie meinen jüngeren Sohn. Der kann einfach nichts mit anderen Kindern anfangen, will sich nicht an ihren Spielen beteiligen, versteht (verbal) nicht, wenn sie was sagen, kann selbst nicht sprechen und ist auch in Kontakt mit anderen gehörlosen Kindern nicht an Kommunikation, spielen oder sonstigen Interaktionen interessiert.

Natürlich ist er trotzdem ein vollwertiges KIND, aber eben für die anderen Kinder kein vollwertiger Klassenkamerad. Und das ist nicht so, weil ICH mein Kind abwerten will, oder ihm nicht zutraue, vielleicht mal später doch noch Interesse an seinen Mitmenschen und auch an anderen Kindern zu entwickeln. Das ist einer der Gründe, aus denen ich mit ihm immer wieder Gehörlosentreffen und -Veranstaltungen besuche. Wenn Alexander mal so weit ist, von sich aus Kontakte zu suchen, oder auch nur auf Kontaktvorschläge anderer Kinder einzugehen, dann ist das nur in seiner Erstsprache - also ÖGS - möglich. Die Kinder in seiner Klasse können auf verschiedenem Niveau ÖGS, sind aber, wie er, Autisten, und haben daher nur beschränktes Interesse an anderen Kindern.

Mit hörenden, neurotypischen Kindern (die in einer Inkusionsklasse in der Mehrheit wären) KANN mein Sohn gar keinen Kontakt suchen. Auch nonverbale Verständigung, wie sie z.B. bei Kindern mit anderer Muttersprache durchaus möglich wäre, ist für Alexander nicht möglich. Er wird also in einer I-Klasse immer isoliert bleiben.

Natürlich ist nicht unmöglich, dass Alexander noch mal einen Riesen-Entwicklungssprung macht und doch von anderen Kindern profitieren kann. Es ist auch möglich, dass er verstehen lernt, was lautieren bedeutet, und es in den Griff bekommt. Und es kann durchaus sein, dass sein Verständnis für soziale Regeln noch deutlich besser wird. Aber so lange das nicht der Fall ist wäre Inklusion weder für ihn noch für seine Mitschüler in irgend einer Art hilfreich.

Ich hoffe, ich habe mich dieses Mal verständlich ausgedrückt :wink: .
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Christiane81
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Beitragvon Christiane81 » 09.12.2018, 22:14

Moin,

Ich denke, Lisaneu meinte eher "ebenbürtig" statt vollwertig im Sinne davon, dass ein Mensch mehr oder weniger Wert ist.
Manchmal sollte man ein Wort im Kontext lesen und verstehen und die Goldwaage im Schrank lassen :wink:

Inklusion ist super. Aber doch nicht für jedes Kind, jede Klasse, jeden Lehrer (ja, ich gestehe Lehrern Mitspracherecht und Belastungsgrenzen zu!).
Ich denke, man sollte oft den Fokus viel mehr auf das Kind richten, was ist für das Kind am besten?
Ich verstehe Teilhabe womöglich anders. Für mich ist Teilhabe an der Gesellschaft dann erreicht, wenn jeder Mensch mit Behinderung entsprechend seinen Bedürfnissen gefördert und gefordert wird und auch so leben kann! Das kann inklusiv sein, in einer Förderschule, in einer Wohnung mit oder ohne Betreuung, in einem Wohnheim usw usw. Teilhabe bedeutet für mich aber nicht, dass jeder Mensch mit Behinderung ständig mit gesunden/neurotypischen Menschen den vermeintlichen Möglichkeiten verglichen wird. Wenn Menschen in ihrer individuellen Einzigartigkeit anerkannt werden und es für alle Möglichkeiten gibt,dann ist meiner Meinung nach eine inklusive Gesellschaft erreicht.

War jetzt wirr, oder?

Viele Grüße
Christiane

JohannaG
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Beitragvon JohannaG » 09.12.2018, 23:25

Hallo in der Runde,

ich denke, den Königsweg gibts hier nicht....

Bei meinen Kindern ist es so - meine beiden Mädchen besuchen Förderschulen. Sie sind beide nicht extrem schwer betroffen - aber das ist mit ein Grund, warum Förderschule. Weil sie sich nämlich ihrer Defizite sehr wohl bewußt sind, weil sie aber aufgrund ihrer nicht so extremen Behinderungen in einer "Inklusionsklasse" kaum zusätzliche Hilfen bekämen.
Großkind bekäme zwar vermutlich als I-Kind keine Noten. Aber was soll ihr das helfen, sie merkt ja doch, daß sie schwächer ist als die anderen, und die anderen werden es auch merken.

Bei Kleinkind haben wir lange, lange überlegt, und haben dann auch für die Förderschule entschieden. Weil sie starke Ängste hat, sich überhaupt zu öffnen, weil sie sehr viel Rückversicherung braucht, daß das, was sie macht, auch gut so ist, und weil sie aufgrund ihrer Handicaps körperlich deutlich langsamer ist als andere, dabei aber durchaus intellektuell ebenbürtig. Schlechte Kombi, wenn man eigentlich gleich schlau ist, aber zu viel Angst hat es zu sagen, und auch nicht schnell genug ist, um was aufzuschreiben. Schulbegleiter würde da auch nur wenig helfen. Vielleicht schafft sie es in ein paar Jahren genug Selbstbewußtsein aufzubauen, aktuell hat sie es nicht....

So, und Mittelkind: Der besucht eine normale Schule. Naja, ok, eine Waldorfschule. Aber mit normal großen Klassen, die Klasse wird auch zielgleich beschult. Die Schule nimmt auch gar keine I-Kinder. Er: Ohne I-Status. Er kommt auch durch den Schultag, weil er in der Schule sehr gut kompensiert. Aber grade so. Wenn ich mir jetzt vorstelle, er hätte in seiner Klasse ein oder zwei Kinder, die sehr laut sind - dann wäre es über kurz oder lang wohl so weit, daß ER aus dieser Klasse rausfallen würde, weil er es nicht aushalten würde. Wenn das so wäre, müßte ER jederzeit die Möglichkeit haben, sich da rauszuziehen - aber wenn das dann bedeutet, daß er Schulstoff versäumt, eh, nun ja. Wäre ich nicht so sehr begeistert. Und ehrlich, er ist unter anderem auch auf dieser Schule, damit er mal eine Auszeit von etwas exzentrischem Verhalten hat, davon hat er zu Hause reichlich. Jepp, steinigt mich dafür, aber er BRAUCHT das, sonst ist hier zu Hause sie Hölle los. Noch mehr, als ohnehin der Fall ist. (Siehe meinen anderen Thread, den ich gerade eröffnet habe).

Im übrigen: Ich würde meinen Sohn liebend gern und jederzeit in eine Förderschule mit kleinen Klassen geben - aber dafür hat er keine Indikation. Außer vielleicht SE - aber genau das würde ihm vermutlich eher nicht so sehr viel helfen. Also muß er einfach in einer normal großen Klasse bleiben, mit dem normalen Wahnsinn der dort eh tobt (denn natürlich haben die auch in der Waldorfschule ihre "Problembären").

Jetzt bin ich gespannt, wer mir hier den Kopf abreißt....

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

grace
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Beitragvon grace » 09.12.2018, 23:53

Hallo Lisa,

Ich habe deine Frage gut verstanden, es ist aber nicht einfach gut und schnell darauf zu antworten; es gibt ja so viele verschiedene Behinderungen und Menschen.

Ich bin ein sehr großer Befürworter der Inklusion und habe gesehen das, wenn die äußeren Umstände stimmen, man praktisch alle Kinder schulisch inkludieren kann, auch in Gymnasien und weiterführenden Schulen.

Es gibt allerdings zwei Ausnahmen bei denen ich persönlich die Kinder wenigstens für ein paar Jahre in eine spezielle Förderschule schicken würde, und das sind blinde (nicht sehbehinderte!) und gehörlose (nicht schwerhörige!) Kinder.

Bei diesen beiden Gruppen müssen einfach einige Dinge wirklich gut gelehrt und verstanden werden damit die Menschen nachher erfolgreich und selbständig leben können und es finden sich nun mal nicht immer so einfach Lehrer und/oder Schulbegleiter mit spezifischem Wissen für alle Schulen, mir sind Fälle bekannt wo der blinde Bub nun schon den X-sten Sonderpädagogen hat der eben kein Braille beherrscht...da hat niemand Schuld, die Schule ist ländlichen gelegen und finden keinen geeigneten Lehrer! Ähnliche Probleme kann es mit dem beherrschen der Gebärdensprache geben.

Deshalb finde ich das dein zweiter Sohn im Moment gut dort aufgehoben ist wo er beschult wird; in ein paar Jahren könnt ihr weiter entscheiden, mit zunehmendem Alter machen Kinder oft sehr erstaunliche Entwicklungen.

Ansonsten müssen einfach die Barrieren in den Köpfen der Menschen abgebaut werden und ich habe das Gefühl das die immer noch sehr hoch liegen, was ich zum Teil auch verstehen kann weil ich vor 30 Jahren auch sehr skeptisch war; damals gab es aber noch kein Internet, kaum Info keine Beispiele und man wusste vieles einfach nicht besser- heute kann ich eine vehemente Ablehnung von Inklusion einfach nicht verstehen, sie kommt auch meistens von Leuten die gar nicht informiert sind.

Ich hoffe man kann hier weiter konstruktiv weiter diskutieren.

LG

Grace

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grace
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Beitragvon grace » 10.12.2018, 00:08

Hallo Johanna, wieso sollte man dir den Kopf abreißen? Du hast für deine Kinder entschieden, das steht dir doch zu.

Solange du nicht sagst das jetzt auch alle anderen Kinder mit ähnlichen Behinderungen auf die Gleichen Förderschulen MÜSSEN habe ich gar keine Probleme.

LG

Grace


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