Wann ist schulische Inklusion möglich, wann sinnvoll?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Dario
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Beitragvon Dario » 09.12.2018, 14:28

r.bircher hat geschrieben:Ich hab das Gefühl, bei den Behinderten ist das Gesellschaftsbild bei 1990 stehen geblieben. Die Welt da draussen ist aber nicht mehr so. Ich find es zum Beispiel krass, wie offen Junge Menschen auf mich als Behinderter zugehen. Bei Menschen der jüngeren Generation erlebe ich kaum noch Barrieren. Die gehen damit um, als wärs das normalste der Welt.


Hallo Raphael,

wenn es um Menschen mit offensichtlichen Körperbehinderungen geht, hast du sicherlich Recht mit deiner Einschätzung, dass sich da sehr viel zum Positiven verändert hat. Leider gibt es komplexere Behinderungen (z.B. Autismus), die nicht so offensichtlich sind und wo sich viele Menschen immer noch extrem schwer tun, die damit einhergehenden Einschränkungen zu verstehen und zu akzeptieren. Da verläuft Inklusion noch längst nicht immer so, wie sie sein sollte, sondern da wird weiterhin viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit notwendig sein.

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Inge
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Beitragvon Inge » 09.12.2018, 15:42

Hallo zusammen,

wenn Inklusion wirklich funktionieren soll, dann kann das Schulsystem nicht so bleiben wie es ist.

Mich erschreckt der Gedanke an eine "separierende Inklusion", wenn also nur ein Teil der Kinder "inkludiert" wird. bei denen es ohne großen Aufwand möglich ist. Das würde bedeuten, dass in den Sondereinrichtungen dann ausschließlich schwerstbehinderte Kinder (die z.B. nicht sprechen, sondern lautieren und die nicht laufen können, sondern einen Rolli benötigen...) versorgt würden. Wie würden die Bedingungen sich dort entwickeln?

Inklusion kann gut funktionieren, wenn es Schulen für alle gibt.
Ich bin absolut nicht dafür, Kinder einfach nach dem Alter in verschiedene Klassen einzusortieren, denn das wird kaum einem Kind gerecht. Viele Kinder sind in den verschiedenen Fächern auch sehr unterschiedlich interessiert oder leistungsfähig.
Also wäre es gut, wenn es in diesen Schulen kleine Klassen gibt, in denen die Kinder je nach Interessen und Leistung gemeinsam lernen können. Somit würden alle Kinder von dieser Regelung profitieren.

Sie ist anders als die andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei.
Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei.

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Beitragvon r.bircher » 09.12.2018, 16:18

Hallo Inge

Grüppchenbildung wirst du auch so haben, und vermutlich noch viel schneller als wenn du Klassen hast. Denn sehr schnell werden sich die Mathe freaks in eine Ecke verziehen. Die Sportfreaks wären wenn immer es geht in der Halle oder draussen. Die Bastler im Werkraum. Das ist in der Natur des Menschen, dass du dich mit gleichgesinnten triffst.

Selbst wenn alle in einem Raum sind, heisst es noch lange nicht, dass alle was zusammen machen. Das ist genau der Unterschied zwischen dabei sein und dazu gehören. Leute die so schon Probleme mit Kontakten Knüpfen haben gehen an so einem Ort komplett unter.

Gruss Raphael
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Beitragvon SonnenscheinStella » 09.12.2018, 16:32

Hallo

wir haben ja beides gehabt, Stella, rein KB behindert in einen sehr guten Förderkindergarten, keine Frage, die Förderung war super, aber Stella nicht glücklich.
Sie wechselte auf eigenen Wunsch in einen Regelkindergarten, es gab eigentlich kaum Schwierigkeiten.
Jetzt ist sie in einer Grundschule, am Willen aller Beteiligten hapert es nicht. An Freunden auch nicht, von den Leistungen erst recht nicht. Aber teilweise an der Struktur, und diese Grundschule ist schon relativ barrierefrei. Aber ein Bett zum mal ausruhen, geht nicht. Teilweise sind so wenig Steckdosen vorhanden das wir froh sind für alle Geräte Extterne Akkus zu haben.

was absolut untergeht ist die Physio, Stella selbst lehnt sie in der Schule ab, sie möchte einerseits nichts verpassen, anderseits nicht noch mehr Sonderstellung haben.
nachmittags ist sie eigentlich zu platt um noch gescheiht mitzuarbeiten.

wir entscheiden uns trotzdem im Moment für Inklusion, weil hier Stella glücklich ist, ob sie dadurch vielleicht motorisch nicht alles erreicht, nehmen wir gerade in Kauf.

LG Stella Mama
Papa und Ich ( PDL in Kinderintensivdienst) mit Adoptivmaus Stella 06/12: Arnold-Chiari 2 Malformation, Rhickham Shunt, Trachestoma, PEG mit Jejunalsonde, ANS 24h Vollbeatmung, Syringomyeliene, MMC

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Beitragvon Lisaneu » 09.12.2018, 17:19

Inge hat geschrieben:Hallo zusammen,

wenn Inklusion wirklich funktionieren soll, dann kann das Schulsystem nicht so bleiben wie es ist.

Mich erschreckt der Gedanke an eine "separierende Inklusion", wenn also nur ein Teil der Kinder "inkludiert" wird. bei denen es ohne großen Aufwand möglich ist. Das würde bedeuten, dass in den Sondereinrichtungen dann ausschließlich schwerstbehinderte Kinder (die z.B. nicht sprechen, sondern lautieren und die nicht laufen können, sondern einen Rolli benötigen...) versorgt würden. Wie würden die Bedingungen sich dort entwickeln?

Inklusion kann gut funktionieren, wenn es Schulen für alle gibt.
Ich bin absolut nicht dafür, Kinder einfach nach dem Alter in verschiedene Klassen einzusortieren, denn das wird kaum einem Kind gerecht. Viele Kinder sind in den verschiedenen Fächern auch sehr unterschiedlich interessiert oder leistungsfähig.
Also wäre es gut, wenn es in diesen Schulen kleine Klassen gibt, in denen die Kinder je nach Interessen und Leistung gemeinsam lernen können. Somit würden alle Kinder von dieser Regelung profitieren.


Und was macht ein komplett gehörloses, rein gebärdensprachiges und noch dazu autistisches Kind mit Weglauftendenzen in solche Klassen?

Ich bin auch dagegen, Kinder nach dem Alter in verschiedene Klassen einzusortieren. Aber das hat nichts mit Inklusion zu tun sondern mit dem von Haus aus sehr unterschiedlichen Fähigkeiten. Mein älterer Sohn besucht eine I-Mehrstufenklasse, da wird großteils wirklich gelebt, was du dir vorstellst. Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen, teilweise auch mit SPF, sitzen gemeinsam mit gesunden Kindern in den Klassen und lernen. In den Klassen sind 18-26 Kinder und zwei Lehrerinnen, eine davon Sonderpädagogin mit zusätzlicher Ausbildung zur Sprachheilpädagin.

Glaub mir, wenn ich irgendeine Möglichkeit gesehen hätte, auch seinen Bruder in diese Schule (die praktischerweise nur 2km entfernt liegt) zu bekommen, ich hätte sie genutzt! Nur weiß ich leider, dass, selbst wenn die Schule einverstanden wäre, mein jüngerer Sohn dort schlichtweg "untergehen" würde. Mein älterer Sohn hat ADHS und Asperger Autismus. Der braucht viel Ruhe, um konzentriert arbeiten zu können. Nur ist die in einer Klasse, wo auch sein Bruder ist, garantiert nicht gegeben. Wir haben das Problem schon zu Hause bei der HÜ (GsD wird diese großteils im Hort erledigt). Und mein älterer Sohn ist nicht das einzige Kind seiner Klasse, für das Ruhe einfach wichtig ist.

Immerhin ist die Sonderschule meines jüngeren Sohnes zumindest kilometemäßig auch ziemlich nah. Für die Fahrt in den Kindergarten musste er tour-retour täglich mindestens 2 Stunden imBus sitzen, jetzt ist es nur noch die Hälfte.

Ja, es ist seperierende Inklusion. Auf die Schule meines jüngeren Sohnes gehen durchaus auch komplett gesunde Kinder, aber eben nicht in seine Klasse. Und an Sozialkontakten hat er ohnehin kein Interesse. Und wenn das mal anders werden sollte, kann ich es mir EHER bei Kindern vorstellen, die ähnlich "ticken" wie mein Sohn selbst. Von den anderen, gesunden Kindern ist er jetzt schon viel zu weit entfernt.

Sein Kindergarten war übrigens ein I-Kindergarten, zweisprachig mit Gebärdensprache und deutsch, mit einem überwiegenden Teil völlig gesunder Kinder. Mit denen hatte er NIE Kontakt, obwohl sie praktisch ständig um ihn herum waren. Er wurde NIE wo eingeladen, auch nicht von den gehörlosen Kindern. Er hatte (und hat) auch kein Interesse, andere Kinder einzuladen oder zu besuchen. Er braucht niemanden, mit dem er in der Pause plaudern kann, auch nicht in Gebärdensprache. Kommunikation um ihrer selbst willen ist ihm (noch) fremd. Wenn kommuniziert wird, dann nur, um unmittelbare Bedürfnisse auszudrücken oder aktuelles Geschehen zu kommentieren.
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Beitragvon Inge » 09.12.2018, 19:06

r.bircher hat geschrieben: Grüppchenbildung wirst du auch so haben, und vermutlich noch viel schneller als wenn du Klassen hast. Denn sehr schnell werden sich die Mathe freaks in eine Ecke verziehen. Die Sportfreaks wären wenn immer es geht in der Halle oder draussen. Die Bastler im Werkraum. Das ist in der Natur des Menschen, dass du dich mit gleichgesinnten triffst.

Genau das ist eigentlich der Plan :wink:
Ich finde es besser, wenn Grüppchen sich wegen gemeinsamer Interessen zusammenfinden, als wenn die Menschen wegen ihres Alters zusammengefügt werden.
Manche Kinder sind in Mathe zB ihren Altersgenossen wesentlich voraus, während sie in anderen Fächern eher dem Schulstoff "hinterherlaufen".

r.bircher hat geschrieben: Selbst wenn alle in einem Raum sind, heisst es noch lange nicht, dass alle was zusammen machen. Das ist genau der Unterschied zwischen dabei sein und dazu gehören. Leute die so schon Probleme mit Kontakten Knüpfen haben gehen an so einem Ort komplett unter.

Ich gehe davon aus, dass Menschen mit gemeinsamen Interessen eher etwas gemeinsam machen als Menschen, die einfach nur das gleiche Alter haben.
In Bezug auf Kontakte habe ich bei meiner Tochter sehr gute Erfahrungen gemacht, als sie in einer sehr gemischten Schulklasse war. Eines der Mädchen hat sich unglaublich gefreut, dass sie meiner Tochter helfen konnte - Brot auspacken, Schuhe und Jacke ausziehen,.... Sie waren keine Freundinnen, aber sie hatten Kontakt miteinander. Es hat beiden Mädchen sehr gut gefallen.

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Beitragvon Inge » 09.12.2018, 19:20

Lisaneu hat geschrieben: Und was macht ein komplett gehörloses, rein gebärdensprachiges und noch dazu autistisches Kind mit Weglauftendenzen in solche Klassen?

Eine richtige Inklusion wird mit dem aktuellen Schulsystem nicht möglich sein. Wenn Inklusion funktionieren soll, dann muss das Umfeld dem Kind angepasst werden.
Bei meiner Tochter hätte es auch nie funktioniert, sie im ganz normalen Unterricht einer Regelschule "mitlaufen" zu lassen. Sie hat zeitweise sogar in der Sonderschule den Unterricht massiv gestört. Eine Kinderpflegerin hat sie dann mitgenommen, um Essenspläne in der Schule auszuteilen, um verschiedene Besorgungen zu erledigen. Sie war unterwegs und glücklich. So hätte das auch in einer Regelschule laufen können.
Wie läuft das in der Schule, in der er jetzt ist? Wenn die von ihm benötigten Bedingungen, die er jetzt in einer Sonderschule hat, in einer Regelschule möglich wären, dann wäre das für mich Inklusion.

Leider ist das im Moment noch Wunschtraum und ich kann Eltern gut verstehen, die Inklusion vehement ablehnen, weil sie genau wissen, dass ihr Kind zu den Verlierern gehören würde.
Ich hoffe jedoch, dass sich genügend Eltern finden, die geeignete Bedingungen fordern, um Inklusion für alle behinderten Menschen zu gewährleisten.

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Beitragvon Lisaneu » 09.12.2018, 20:01

Inge hat geschrieben:
Lisaneu hat geschrieben: Und was macht ein komplett gehörloses, rein gebärdensprachiges und noch dazu autistisches Kind mit Weglauftendenzen in solche Klassen?

Eine richtige Inklusion wird mit dem aktuellen Schulsystem nicht möglich sein. Wenn Inklusion funktionieren soll, dann muss das Umfeld dem Kind angepasst werden.
Bei meiner Tochter hätte es auch nie funktioniert, sie im ganz normalen Unterricht einer Regelschule "mitlaufen" zu lassen. Sie hat zeitweise sogar in der Sonderschule den Unterricht massiv gestört. Eine Kinderpflegerin hat sie dann mitgenommen, um Essenspläne in der Schule auszuteilen, um verschiedene Besorgungen zu erledigen. Sie war unterwegs und glücklich. So hätte das auch in einer Regelschule laufen können.
Wie läuft das in der Schule, in der er jetzt ist? Wenn die von ihm benötigten Bedingungen, die er jetzt in einer Sonderschule hat, in einer Regelschule möglich wären, dann wäre das für mich Inklusion.

Leider ist das im Moment noch Wunschtraum und ich kann Eltern gut verstehen, die Inklusion vehement ablehnen, weil sie genau wissen, dass ihr Kind zu den Verlierern gehören würde.
Ich hoffe jedoch, dass sich genügend Eltern finden, die geeignete Bedingungen fordern, um Inklusion für alle behinderten Menschen zu gewährleisten.


Vielleicht gibt es Eltern, die Inklusion vehement ablehnen. Ich zähle mich selbst aber absolut nicht dazu. Der Threadtitel "Wann ist Inklusion MÖGLICH, wann ist sie SINNVOLL?" ist mit Bedacht gewählt. Selbst wenn es die ideale Inklusions-Schule geben würde, finde ich für Alexander dort keinen MEHR-Wert. Ich habe das im Inklusions-Kindergarten erlebt. Und das lag NICHT an der Einrichtung oder den Betreuern, die waren wirklich gut und engagiert.

Es lag daran, dass gesunde Kinder mit meinem Sohn einfach nichts anfangen können. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass z.B. Down-Syndrom-Kinder in Klassengemeinschaften voll integriert und auch beliebt sind. Es gibt auch durchaus sozial kompetente, liebevolle Mitschüler, die ein nur körperlich behindertes Kind gerne unterstützen oder auch einem geistig behinderten Kind was zeigen, es herumführen, es einbeziehen. Mit den meisten behinderten Kindern kann man spielen. Und selbst einem Kind, welches nur im Bett liegen kann, kann man die Hände streicheln, ein Buch vorlesen, eine Geschichte erzählen,...

...mit Alexander geht das alles nicht! Was wäre also der MEHR-Wert für ihn, wenn er von seinen gesunden Mitschülern nichts mitnehmen kann?

Wo wäre der MEHRwert für die Mitschüler, die ihm auch bei bestem Willen nichts "geben" können, aber im Unterricht permanent durch ihn gestört würden?

Bei Kindern, die "nur" manchmal stören, aber grundsätzlich von der Gemeinschaft mit gesunden Kindern profitieren, ist abzuwägen, ob Inklusion der bessere Weg wäre. Es kann durchaus so sein.

Die Bedingungen, die Alexander jetzt in der Sonderschule vorfindet, sind in der Regelschule sehr schwierig umzusetzen. Dabei gibt es durchaus gebärdensprachige Inklusions-Klassen. Da werden 14 gesunde Kinder gemeinsam mit maximal 4 hörgeschädigten Kinder in einer bilingualen Klasse mit 3 Lehrerinnen unterrichtet, die alle auf hohem Niveau Gebärdensprache können (eine sogar Muttersprachlerin). Aber die 3 Lehrerinnen haben einfach nicht die Kapazität, meinem Sohn, der immer wieder mal 1:1 Betreuung benötigt, diese zu geben. Und die gesunden Mitschüler würden unter seinem ständigen lautieren leiden. Es wäre auch nicht genug Zeit und Kapazität da, um ihn in seinem Lieblingsgegenstand Mathe seinem echten Niveau entsprechend zu fördern.

Wenn er also niemanden permanent stören soll, muss man die hörenden Mitschüler aus der Klasse rausnehmen, die Klasse verkleinern und meinem Sohn seinem tatsächlichem Entwicklungsstand entsprechende Aufgaben geben. Wenn er weglaufen oder was anderes machen will, muss er liebevoll, aber bestimmt, wieder auf seine Aufgaben hingewiesen werden. Wenn er eine Auszeit braucht, muss er diese auch (beaufsichtigt) bekommen können. Womit wir wieder genau in der Klasse wären, wo er jetzt gerade beschult wird.
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Beitragvon uschi brand » 09.12.2018, 20:11

Hi,
weil ihr ja immer so nett von den "gesunden" Kindern redet, wie sähs dann mit Inklusion und den "Kranken" aus?! In die hiesige GS ging vor ner Zeit ein Kind mit schwerer angeborener Darmerkrankung, inklusive Anus Praeter usw. Kognitiv und auch körperlich war das Kind darüber hinaus aber völlig fit, durch den künstlichen Darmausgang kam es jedoch zeitweise zu unangnehmen Geruch oder auch mal einem kleinen Mißgeschick, außerdem mußte die Einhaltung einer strengen Diät von Leheren/Betreuungspersonal überwacht werden.
Nach Ansicht einiger hier also ganz klar: KB Schule?!
LG Uschi

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Beitragvon melly210 » 09.12.2018, 20:22

Ich sehe das wie Lisa. Ich bin absolut für Inklusion, aber nur dann wenn es sinnvoll ist und nicht auf Biegen und Brechen. Dh, wenn der ganze Aufwand und die Kosten auch zu einem Mehrwehrt für das behinderte Kind führen. Weil, gesunde Kinder können relativ kostengünstig mit einer Lehrkraft und in größerer Gruppe in der jetzigen Regelschule beschult werden. Klar kann man das jetzt alles auflösen, überall Kleinstklassen mit Schwerbehinderten machen. Das wäre aber ein enormer finanzieller Aufwand, und es ist eben fraglich ob das in Relation zum Ergebnis steht.

Ich finde es so wie es jetzt gemacht wird pragmatisch. Da weren eben die inklusiv beschult die davon auch profitieren, und die ohne sehr groben Aufwand auch in die Klasse integrierbar und in dem Rahmen gut förderbar sind. Die bei denen das nicht der Fall ist, sind aber einfach an einer passenden Förderschule besser aufgehoben. Wenn permanent nur der Fokus drauf ist, daß sie nicht stören und sie demnach nur viel ruhiggestellt werden, ist das sicher keine optimale Förderung und bringt niemandem irgendwas.


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