Roth, Sandra, Lotta Schultüte

Berichte von Eltern, die mit einem besonderen Kind leben

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Roth, Sandra, Lotta Schultüte

Beitragvon Sabine » 09.12.2018, 10:51

Hallo zusammen,

nach "Lotta Wundertüte" berichtet die Autorin Sandra Roth im zweiten Teil "Lotta Schultüte" nun von ihren Erfahrungen mit der inzwischen schulpflichtigen Lotta in Sachen Schulsuche und Inklusion. Wie auch schon der erste Teil ist auch dieses Buch flott geschrieben und enthält viele Infos zur Beschulung eines behinderten Kindes.
Besonders für mich als Mutter eines behinderten Teenagers, der in Kürze die Schule beenden wird, war das interessant zu lesen. Es hat sich ja doch eine Menge verändert: Schulen veranstalten Tage der Offenen Tür, Inklusion hier und dort, wenn auch "nur" für Kinder mit bestimmten "erwünschten" Behinderungen - das gab es 2008, als Jan-Paul eingeschult wurde, alles noch nicht. Es gab für uns mit Jan-Paul nur die Schule für Körperbehinderte im Nachbarort und selbst dort war man mit einem schwer und mehrfach behinderten Kind nicht bei allen Lehrern willkommen. Viele wollten zumindest im Ansatz "unterrichten" können - das konnten wir mit unserem Sohn leider nicht bieten. Viele andere Eltern aber auch nicht.
Offenbar hat sich in dieser Hinsicht doch so einiges geändert. Für Eltern, deren behindertes Kind die Schule noch vor sich hat, ist das Buch also ein guter und wichtiger Ratgeber. Auch vor dem Hintergrund, dass die viel beschworene Inklusion nicht immer hält, was sie verspricht.

Die Familiengeschichte und der Alltag waren mir allerdings ein bisschen zu konstruiert. Manche Personen, wie die mit der Autorin angeblich befreundete Lehrerin Merle, die die mangelhafte personelle Ausstattung im Unterricht ausbaden muss, oder auch die Helikoptermutter Melanie, die die Suche nach dem passenden Gymnasium für ihren Sohn zermürbt, waren mir zu klischeehaft gezeichnet. Das war mir dann doch alles ein bisschen too much. Ich stellte schon beim Lesen verwundert fest, dass ich solche Menschen in all den Jahren mit Jan-Paul bislang nie kennengelernt habe. Vielleicht gibt es sie ja, dachte ich - dann habe ich wohl noch nie Kontakt mit ihnen gehabt.
Am Ende des Buches gibt die Autorin allerdings im Rahmen einer Nachbemerkung zu, dass der "Mantel der Fiktionalität" wie sie es nennt, doch dicker ist als man als Leser vielleicht angenommen hat.
Selbst der Rektor, der im Buch sagt, an seiner Schule würde nicht gewickelt, ist erfunden. Ja, wer hat es denn dann gesagt? Irgendein Lehrer, der an seiner Schule (welche denn eigentlich? Gymnasium? Grundschule?) doch gar nicht das Recht hätte, dies zu sagen, geschweige denn zu entscheiden? Auch viele andere im Buch genannten Personen - Lehrer, Schüler, Freunde des Sohnes, auch die Charakterisierung des Sohnes selbst - seien erfunden gibt die Autorin offen zu. Offenbar haben Äußerungen von Leuten sie dazu inspiriert, sich Menschen, die für bestimmte Klischees stehen sollen, "auszudenken". Das sollte man als Leser wissen und das Buch nicht als Tatsachenbericht lesen. Auf dieser Grundlage ist es sicher ein informatives, flott und stimmig geschriebenes Buch.
Der erste Band hat mir allerdings besser gefallen - vielleicht weil der "Mantel der Fiktionalität" da noch etwas dünner war.

Lotta Wundertüte ist im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet 20 EUR.

LG
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Beitragvon else » 16.12.2018, 15:34

Hallo Sabine,

mir hat es gut gefallen. Ich habe lange auf das Nachfolgebuch gewartet. Habe mich allerdings nicht mehr so oft wiedergefunden wie im ersten Band. Allerdings dachte ich es liegt wirklich an der anderen Zeit und auch am Bundesland. Ausserdem ist es in den Grossstädten nochmal anders als am Land.

Den Schulleiter kann ich mir schon vorstellen. Unsere Grund-Schuldirektorin meines gesunden Kindes hat damals zu einem "nur" blinden Kind gesagt: Wen sollen wir denn noch alles nehmen?
Und mein behindertes Kind kannte sie nur vom Sehen und hat mir sofort die Rückstellung bestätigt und war sichtlich erfreut, dass ich ihn sowieso in die Förderschule gebe. In unserer Grundschule gab es damals sogar eine Integrationsklasse mit einem Down-Syndrom-Kind und Kindern mit leichten Auffälligkeiten. Viele der anderen Eltern hatten Bedenken, dass ihre gesunden Kinder zu kurz kommen und wollten ihre Kinder dort nicht drinnen haben.
Auch auf unseren Familienkuren gab es Mütter, die Angst um die Betreuung ihrer gesunden Kinder hatten, wenn zuviele behinderte Kinder aufgenommen würden. Auch solche Helikoptereltern sind mir begegnet.
Ich finde es deshalb in der Hinsicht sehr realistisch.

Mich hat beim Lesen das Kommunikationsgerät für blinde Kinder beeindruckt und ich dachte mir, vielleicht haben wir zu wenig ausprobiert? Weisst Du noch wie das Gerät hieß? Ich habe mein Buch gerade weiter verliehen.
Viele Grüße
Else

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Beitragvon Sabine » 22.12.2018, 15:03

else hat geschrieben:Habe mich allerdings nicht mehr so oft wiedergefunden wie im ersten Band. (...)
Mich hat beim Lesen das Kommunikationsgerät für blinde Kinder beeindruckt und ich dachte mir, vielleicht haben wir zu wenig ausprobiert? Weisst Du noch wie das Gerät hieß? Ich habe mein Buch gerade weiter verliehen.
Viele Grüße
Else


Hallo Else,

das liegt bestimmt auch am dickeren Mantel der Fiktionalität. :wink:
Ich schaue nachher mal nach, ob ich den Namen des Gerätes findes.

LG
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Beitragvon else » 27.01.2019, 16:35

Hallo Sabine,
ich habe mein Buch wieder. Das UK-Gerät heisst "Zingui".
Wir haben in zwei Wochen einen Termin und da testen wir das mal.
Hat das irgend jemand hier vom Forum und kann berichten?
LG
Else

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Beitragvon Sabine » 18.02.2019, 12:17

Hallo,

die Autorin ist auf Leserreise und unter anderem am 20.2 in Oberhausen zu Gast.
S. auch hier: https://www.waz.de/staedte/oberhausen/w ... 69269.html

LG
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