Wie umgehen mit Vorurteilen?

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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susi_muc
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Beitragvon susi_muc » 13.12.2018, 10:52

Hallo,
wir stecken zwar noch in der Diagnostik, aber die KJP stellt ADHS derzeit an erste Stelle für die Testungen. Und das, obwohl Ferneseher, PC-Spiele etc. noch nie Teil unseres Haushalts waren und das Kind Unmengen an Bewegung hat. Mit dem Wissen fällt es etwas leichter, solche Thesen zu lesen. Gab es nicht in der Vergangenheit immer wieder Positionen, die vertraten, dass ADHS - verkürzt gesagt - eine Folge kaputter Familienverhältnisse und schlechter/mangelnder Erziehung ist? Da sitzt bestimmt noch viel in den Köpfen drin...
Und gerade der letzte Absatz von Anna klingt durchaus plausibel, Danke für Deine Sichtweise!
Gruß
Susi
Susi mit großem Sohn (ASS+HB), großer Tochter (ASS, ADHS+HB), kleiner Tochter (auch irgendwie anders) und den Zwillingen (ganz normaler Zwillingswahnsinn - hoffe ich)

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Jakobspapa
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Beitragvon Jakobspapa » 28.12.2018, 16:08

Populärwissenschaftliche Literatur dient, anders als wissenschaftliche Literatur, nicht in erster Linie der Wissensvermittlung sondern der Unterhaltung. Für den Leser entsteht der Eindruck, er habe jetzt Wissen getankt, obwohl er eigentlich lediglich unterhalten wurde (idealerweise mit mehr Wissen als Quark). Der selbe Leser würde zu diesem Zweck aber kaum zu wissenschaftlicher Literatur greifen - denn die ist kompliziert und trocken, eben ohne Unterhaltungswert.

Wer populärwissenschaftliche Literatur produziert, hat mehrere Ziele, meist aber nicht nur das Bedürfnis nach Wissensvermittlung, sondern auch den Wunsch nach Gewinn, und den erzielt man, wenn man die Leser gut unterhält. Wer dabei auch noch den Saugblaser Heinzelmann herstellt, wird ihn bei dieser Gelegenheit natürlich auch gleich noch als Optimallösung vermarkten, und nicht den Wischmop der Konkurrenz empfehlen ;-)

Wirklich "umgehen" kann man damit als Betroffener nicht. Der Autor wird sein Buch aufgrund von Leserbriefen nicht umschreiben, und bei einer Negativrezension tritt man gegen den berühmten Herrn Professor an, der dem Leser ja gerade erklärt hat, der Fernseher oder die Erziehungsmethoden der Eltern seien schuld. Dagegen kann man nun mal kaum anstinken.

Aber muss man das denn wirklich? Relevant ist letztendlich das Wohl des Kindes, nicht das, was irgendwelche Leute in irgendwelchen Büchern schreiben, lesen und glauben. Wirklich bitter ist es nur für die Betroffenen, die entsprechender Schund auf eine falsche Fährte führt, und z.B. irgendwelchen Esoterikkram nahelegt, der nun mal gar nichts helfen wird, sondern den Leidensweg verlängert. Da ist Psychotherapie ja schon mal kein ganz falscher Ansatz.
Letzendlich scheint sich jeder selbst orientieren zu müssen (und muss das auch dürfen!), und macht dabei auch Fehler. Nicht zuletzt gibt es aber auch Foren wie dieses, in dem man sich mit denen austauschen kann, die nicht nur aus der Ferne glauben, über etwas Bescheid zu wissen, sondern tagtäglich mit der Situation, so wie sie ist, konfrontiert sind. Und darüber bin ich wirklich froh.

Und wenn man mal nur die Medikamente betrachten möchte, die der Herr Professor ablehnt: ganz objektiv enthalten doch die Kapseln weder chemische Erziehung, noch ein Gegengift gegen schädliches Fernsehen, und die Kinder werden offensichtlich nicht zu Zombies, wie das gerne behauptet wird. Auch die Erfolge sind nicht von der Hand zu weisen. Außer vielleicht von denen, die mit medikamentierten Kindern gar nicht in Kontakt kommen - aber welchen relevanten Einfluss auf die eigene Situation hat die Meinung dieser Dritten?
Sollen sie doch stolz darauf sein, ihre Kinder "richtig" erzogen zu haben. Ich bin stolz, wenn meine Kinder mir in ein paar Jahren (hoffentlich) sagen, dass ich alles richtig gemacht habe.

In diesem Sinne Euch allen viel Erfolg mit Euren Kindern, und einen guten Rutsch in 2019!

LG
Markus


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