GdB - eigener Arzt gibt Probleme nicht an - was tun?

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Michaela44
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GdB - eigener Arzt gibt Probleme nicht an - was tun?

Beitragvon Michaela44 » 07.12.2018, 19:01

So langsam weiß ich nicht mehr, was ich tun soll. Nachdem ich mich jahrelang für meinen Sohn eingesetzt habe, dachte ich, jetzt wäre ich mal dran, und habe die Erhöhung meines GdB beantragt. Da ich endlich bei einem Facharzt für Autismus angebunden war, fühlte ich mich auf der sicheren Seite. Haben andere Ärzte meine Beschwerden oft nicht ernst genommen (da nicht verstanden), dachte ich, dass mir das jetzt nicht passieren kann. Es geht allerdings nicht nur um Autismus sondern auch um Depressionen.

Nach meinem Antrag wurde der GdB von 30 auf 40 hochgesetzt. Meinen Fachartzt hatten sie jedoch gar nicht angeschrieben sondern nur meinen Hausartzt, aber der kann dazu gar nichts sagen. Also bin ich in den Widerspruch gegangen und sie haben sich an meinen Facharzt gewandt. Der Widerspruch wurde abgelehnt. Heute bekam ich vom Versorgungsamt die Stellungnahmen in Kopie und jetzt weiß ich auch, warum abgelehnt wurde.


Meine Beschwerden sind dort nicht im korrektem Maße oder gar nicht angegeben. So schreibt der Arzt, dass ich keine Ein- oder Durchschlafstörungen habe. Das stimmt nicht, ich nehme jedes Wochenende ein von ihm (!) verschriebenes Beruhigungsmittel, damit ich ausschlafen kann. Er schreibt meine Interessen sind nicht eingeschränkt, ich hätte einen verminderten Antrieb. Richtig ist, dass ich sehr zurückgezogen und isoliert lebe, weil ich keine Kraft mehr habe, mit Menschen zusammenzusein.Früher habe ich sehr viel in meiner Freizeit unternommen und war engagiert. Jetzt sitze ich in meiner Freizeit alleine auf meinem Sofa oder gehe alleine in der Natur spazieren. Er schreibt, ich hätte keine Konzentrationsprobleme, dabei arbeite ich von den 5h, die ich eigentlich arbeiten sollte, max. 1-2.

Man sieht mir meine Probleme nicht an, wenn ich das Haus verlasse bin ich im Funktionsmodus. Aber das ist doch typisch für Aspies und sollte mein Arzt doch wissen.

Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll. Wie soll mir das Versorgungsamt oder Gericht glauben, wenn es mein eigener Arzt nicht tut und andere Angaben als ich macht? Ich habe nichts n der Hand, was ich dort einreichen kann. Und ich habe noch darauf gepocht, dass sich das Versorgungsamt an ihn wendet, da er meine Schwierigkeiten einschätzen kann :( ich könnte nur noch heulen.
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Charlotte4444
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Beitragvon Charlotte4444 » 07.12.2018, 19:41

Hallo,

das ist echt blöd gelaufen.

Die Erfahrung, dass Ärzte gerne mal Fehler in Berichte einbauen haben wir auch schon gemacht. Ich vermute mal, dass die Ärzte einfach schon so im Stress sind und wenn dann ein Amt kommt, dann wird mal eben schnell irgendetwas geschrieben. Und das ist dann gerade bei komplexen Dingen wie Autismus selten ein Text, der die Situation in allen Aspekten erfasst.

Mein Vorschlag wäre, ein paar Monate zu warten und den Arzt bei einem Termin um einen vollständigen Arztbericht bitten, der deine Symptome zusammenfasst. Und ihm als Hilfe eine stichpunktartige Aufzählung der aus deiner Sicht wichtigsten Symptome geben. Den Bericht soll er dann an dich schicken, du liest ihn dir gründlich durch und wenn irgendetwas aus deiner Sicht fehlt bzw. nicht stimmt, dann sprech das beim Arzt an und bitte um einen korrigierten Arztbericht.

Mit diesem Arztbericht würde ich dann nochmal einen Hochstufungsantrag stellen.

Bei den Ärzten meiner Tochter ist der zweite Bericht meistens um Längen zutreffender als der erste. Also mache ich das inzwischen standartmäßig so.

Machst du irgendeine Therapie ? Wenn ja, lass deine Therapeuten auch etwas schreiben, selbes Prozedere wie oben.

LG, Charlotte

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 07.12.2018, 19:50

Danke für die Rückmeldung.

Aber wie kann ich eine Höherstufung beantragen, wenn es mir nicht schlechter geht? Ich habe dem Versorgungsamt meine Probleme beschrieben. Das bleibt ja gleich und wird nicht schlimmer.
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Charlotte4444
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Beitragvon Charlotte4444 » 07.12.2018, 20:18

Hallo,

Ich habe von unserem Amt die klare Auskunft, dass wir immer wenn wir der Meinung sind, dass der aktuelle SBA nicht passt, einen Höherstufungsantrag stellen können. Das Amt prüft dann einfach nur, welchen Gdb dem aktuellen Zustand entspricht. Nicht mehr. Diese Erfahrung habe ich jetzt schon mehrmals mit verschiedenen Ämtern bestätigt bekommen.

In der Theorie wäre das natürlich nur der Fall, wenn sich etwas verändert hat. Die Praxis ist halt eine andere.

Versuchs einfach!

LG, Charlotte

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 07.12.2018, 21:55

Bevor die Unterlagen kamen, habe ich mich auf eine Klage eingestellt. Aber so müsste ich gegen meinen eigenen Arzt argumentieren. Es ist so doooof. Kann nicht einmal etwas klappen? Mamchmal freue ich mich, ein Problem gelöst oder in Angriff genommen zu haben und prompt entsteht daraus ein neues.
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Beitragvon Sascha11 » 08.12.2018, 12:44

Hallo Michaela,

Das ist aber blöd gelaufen.
nur als Tipp für die Zukunft: Du musst selbst vor einem solchen Antrag (als müssen im Sinne von wenn du bestmöglichen Erfolg haben willst) alle Berichte anfordern (selbst oder über HA etc.) und genau durchsehen. Denn den fachärztlichen Ausführungen wird immer mehr Gewicht wie deinen Beschreibungen gegeben werden. Sie sind quasi dein Beweis. Und diese Unterlagen müssen "passen". Mit diesem Bericht hättest du gar keinen Antrag stellen brauchen.

Wenn du von allen relevanten momentan dich behandelnden Ärzten die Unterlagen mit zum Antrag legst, geht es auch schneller und es muss nicht jeder einzeln angeschrieben werden.


Also nochmal zu diesem Arzt und die Sachlage klären. Mit den Schlafstörungen sollte ja kein Thema sein, mit den Interessen und Freunden ist halt schwer zu beweisen.


Ich muss sagen wir haben das Problem ständig. Wirklich offensichtliche Symptome/ Diagnosen wo es keinen Interpretationsspielraum gibt werden unterschlagen. Und zwingen kann man leider keinen alles was besteht aufzuschreiben :roll:

LG Sascha
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kati543
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Beitragvon kati543 » 08.12.2018, 16:37

Hallo,
ich weigere mich den Hausarzt anzugeben, sondern gebe prinzipiell nur den Facharzt an. Aber da du auch vom Hausarzt behandelt wirst, ist das schwierig.
Ich würde zum Hausarzt gehen und ihn fragen, warum er die Hälfte vergessen hat. Dann würde ich einen Widerspruch schreiben und ganz konkret die fehlenden Punkte erwähnen. Wenn du eine Stammapotheke hast, kannst du dir dort ja vielleicht eine Liste ausdrucken lassen, von deinen Medikamenten. Die sind ja zumeist verschreibungspflichtig. Ansonsten kann dir die Krankenkasse auch diese Auskunft geben. Der Arzt gibt ja eine Diagnose an die Kasse.
Ich würde hier nicht aufgeben.
LG
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Beitragvon Sascha11 » 08.12.2018, 18:10

@kati: Das Problem war ja aber wenn ich es richtig verstanden habe nicht der Hausarzt sondern der Facharzt. Man muss doch alle behandelnden Ärzte angeben - da kommt man doch nicht dran vorbei?
Bieni 2/ 15:

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Ayden
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Beitragvon Ayden » 08.12.2018, 18:21

Liebe Michaela,

Du hast ja offensichtlich die ausführliche Stellungnahme deines behandelnden Facharztes vorliegen.

Bitte mach doch einfach folgendes:

Du schilderst ihm schriftlich (!!!) Deine Beschwerden, gegliedert nach den erfragten Punkten, am besten in Stichworten.

Schreibst dann freundlich dazu, dass offensichtlich nicht alle Deine Probleme Eingang in seine Aktendokumentation gefunden haben, bittest, falls seitens des Arztes Klärung erforderlich sei, um einen kurzfristigen Termin um Deine Ansprüche gegenüber dem Versorgungsamt wahren zu können, und ansonsten forderst Du ihn mit Fristsetzung ( jetzt vor Weihnachten sind 2 Wochen eine gute Zeit) auf, den Deiner Meinung nach falsch ausgefüllten Versorgungsamtsantrag zu korrigieren und Dir schriftlich mitzuteilen, wann dies geschehen ist.

Dieses Schreiben gibst Du dann persönlich bei einer Mitarbeiterin des Arztes ab und lässt Dir den Erhalt des Schreibens mit Datum und Uhrzeit auf einer Kopie des Schreibens quittieren.

Gleichzeitig legst Du fristwahrend Widerspruch gegen den Bescheid beim Versorgungsamt ein.

Das sollte funktionieren.

Bitte beachte aber auch: Nicht jede subjektive Beschwerdesymptomatik ist zwingend eine pathologische Veränderung im Sinne des Versorgungsamtes/der Richtlinien zur Feststellung eines GdB (Dauer/Häufigkeit/Folgen etc. spielen dabei auch eine Rolle)

Viel Glück! Ayden

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Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 08.12.2018, 19:46

Hallo,
leider kann ich nicht in den Widerspruch gehen, der wurde ja schon zurückgewiesen. Und meinem Arzt lag eine 1,5 seitige Beschreibung meiner Probleme vor.....
Ich habe jetzt entdeckt, dass er - bezogen auf die offiziellen Diagnosekriterien von Depressionen - aufgezählt hat, welche ich habe und welche nicht. Leider haben sich dabei Fehler eingeschlichen und leider gibt es den Aspekt "totaler sozialer Rückzug" nicht. Individuelle Ergänzungen hat er nicht gemacht, was doof ist. Ich mag nicht klagen. Ich möchte es aber auch nicht hinnehmen.

Wenn ich vor dem Antrag selbst Stellungnahmen anfordere, muss ich sie bezahlen.
Ich weiß noch nicht, was ich tue, ob ich nochmal Rücksprache mit meinem Arzt deswegen halte. Im Grunde hat er sich um mir zu helfen nochmal an das Versorgungsamt gewandt und den Bericht geschrieben (vorher war es nur ein Zweizeiler). Vielleicht verbirgt sich hinter seinen Worten auch das, was ich meine, aber ich verstehe es nur nicht. Vielleicht fehlt ihm auch das Wissen, was man dem Versorgungsamt schreiben muss.

Ich hänge gerade total durch. :(
Asperger Autistin

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