Weiterführende Schule

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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SandraV
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Weiterführende Schule

Beitragvon SandraV » 07.12.2018, 15:51

Hallo,

ich brauche mal eure Ideen / Anregungen bzgl weiterführende Schule.
Ich Dreh mich da gerade im Kreis.

Kind geht derzeit auf eine Regelschuke ohne Schulbegleiter ( wurde nicht bewilligt).

Es hasst die Schule, passt sich dort aber stark an und zu Hause bricht es dann aus.

Es gab schon mehrfach Äußerungen das sie nicht mehr leben möchte.
Jugendamt sieht die Problematik aber eher als häusliches Problem an.

Autismustherapie haben wir nicht mehr, stattdessen einmal im Monat eine Sozialgruppe.

Nun steht die Wahl der weiterführenden Schule an.
Kind bekommt Gymnasialempfehlung.

Aber
Die Gymnasien bei uns uns möchten ein Kind mit Autismus entweder gar nicht haben oder stellen schon vorab in Frage ob das Kind das überhaupt schafft und möchten das die Diagnose vom Kind sofort in der Schule bekannt gemacht wird.

Realschule gefällt meinem Kind nicht ( ist nach der Besichtigung mit Tränen in den Augen da raus)

Gesamtschule ist sehr gross und möchte Unterstützung durch Jugendamt, Autismustherapie etc.

Nun hat das Jugendamt eine Privatschule in einer Nachbarstadt vorgeschlagen.
Das Kind könnte nach ein bisschen üben ja mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren ( Fahrtzeit ca 1,5h mit 3-4 mal umsteigen).
Selber fahren ist auch nicht wirklich eine Alternative.

Mein Kind mag keinen engen Kontakt zu fremden Menschen, schon gar keine Berührungen. Versteht vieles falsch ( schon gar keine Scherze). Spricht nur sporadisch mit Fremden, würde auch nicht nach Hilfe fragen.

Schwerbehindertenausweis wurde abgelehnt (Klage).
Zudem hat das Kind Verdacht auf Epilepsie und ein Notfallmedikament.

Ich weiß jetzt gerade überhaupt nicht mehr was ich machen soll.

Habt ihr irgendwelche Ideen?

LG Sandra

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 07.12.2018, 17:03

Liebe Sandra,

Wenn das Kind Gymnasialempfehlung bekommt und es aus dem Gymnasium nicht weinend rausgelaufen ist, dann spricht doch nichts gegen das Gymnasium.

Die Gymnasien bei uns uns möchten ein Kind mit Autismus entweder gar nicht haben

Dann behaltet Ihr die Diagnose eben eine Weile für Euch. Meiner Erfahrung nach, machen sich autistische Züge im Gymnasium bei Weitem nicht so sehr bemerkbar wie in der Grundschule. Im Gymnasium muss alles viel stärker vorgeplant sein. Das kommt autistischen Kindern sehr entgegen. Möglicherweise wird der Schulhass weniger. Bei meinen autistischen Kindern war das Gymnasium wie eine Befreiung. Gerade so wie Grundschulen jetzt tendenziell ausgerichtet werden, ist der Weg von der Grundschule ins Gymnasium wie aus der Hölle auf die Erde. Gymnasium ist jetzt nicht unbedingt Himmel, aber doch besser als Grundschule, weil endlich der Fokus wegkommt von basteln, ausmalen, wandern und gemeinsam essen. In der Unterstufe ist zwar das Lernen noch etwas wenig, aber immerhin gibt es einen Anfang. Nur Mut!

Und es ist der Ansatz bei der Lebensbewältigung über die kognitiven Stärken zu gehen, anstatt so sehr auf autistische Defizite zu fokussieren. Das Gleiche gilt für einen Verdacht auf Epilepsie.

Liebe Grüße
Heike

rena99
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Beitragvon rena99 » 07.12.2018, 17:07

Ich würde es auch mit einem Gymnasium versuchen. Wenn es da nicht funktioniert, kann man weitersehen.

1,5 Stunden Fahrt mit mehrmals umsteigen ist für ein autistisches Kind in dem Alter eine echte Zumutung. Nach meiner Erfahrung dauert das noch ein paar Jahre, bis das funktionieren könnte. Für die Schule müsstet ihr euch um einen anderen Transport kümmern. Ich sehe da die Eingliederungshilfe in der Pflicht, wenn sonst keine Beschulung möglich wäre.

Aber erst mal würde ich sehen, ob es auf dem Gymansium nicht doch geht.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

lisa08
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Beitragvon lisa08 » 07.12.2018, 17:22

Hallo Sandra,

was mir noch einfällt - ist die Diagnose Epilepsie bei euch gesichert? Damit könnte man doch unter Umständen auch argumentieren, dass eine mehrstündige Zugfahrt unzumutbar ist, allein schon aufgrund der Anfallssituation und dass ein Einzeltransport benötigt wird.

LG,
Lisa
Selbstbetroffen: Faktor VII-Mangel, heterozygote Faktor V-Leiden-Mutation, von-Willebrand-Syndrom (Typ 1), strukturelle Epilepsie, Autismus, SBA 80 GdB

SandraV
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Beitragvon SandraV » 07.12.2018, 17:48

Hallo,

ich hab uns ja insofern in die blöde Situation gebracht als ich das ich den Autismus bei den Gymnasien schon erwähnt hatte.

Die wissen jetzt natürlich Bescheid. Von daher kann ich das ja nicht mehr verschweigen.

Die 1,5h Fahrt gehen aus meiner Sicht auch überhaupt nicht, zumindest jetzt noch nicht.

Das mit der Epilepsie ist so eine Sache. Deshalb ja nur der Verdacht auf Epilepsie.
Das EEG ist mal gut, mal schlecht. Sichtbare Anfälle gab es in meinen Augen schon eine Weile nicht mehr.
Nichtsdestotrotz gibt es ein Notfallmedikament und sie darf bestimmte Sachen ( klettern ohne Sicherung oder Schwimmen ohne Begleitung) ni ht machen.
Ich denke nicht das ich auf Grund dessen argumentieren kann.
Ich musste ja sogar selbst für eine Schwimmbegleitung beim Schulschwimmen sorgen.

Ich hatte bei den Gymnasien halt auch das Gefühl das mein Kind dort nicht erwünscht ist.

LG Sandra

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Beitragvon Juler » 07.12.2018, 18:27

Hey Sandra,


Also bei mir am Gymnasium waren einige Aspies (teils diagnostiziert, teils nicht). Ich selbst hab auch autistische Züge. Manche sind gescheitert, andere haben ihr Abi gemacht und teils sogar erst danach ihre Diagnose bekommen. Ich würde das einfach versuchen. Eine Sportbefreiung kann ich übrigens auch sehr empfehlen, ich hatte eine Vollbefreiung wegen meines Shunts. Falls du mehr wissen magst wie ich das alles empfunden habe kannst du mir gerne eine PN schreiben.

Liebe Grüße,

Juler
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Beitragvon Mioundich » 11.12.2018, 11:52

Hallo,

warum stellt ihr nicht einen neuen Antrag auf Eingliederungshilfe? Dieses kann durchaus durch die veränderten Rahmenbedigungen in der weiterführenden Schule begründet werden.

Des weiteren steht einem Menschen mit der Diagnose Autismus eine Eingliederungshilfe zu, wenn diese erforderlich ist, um die ihm mögliche Schulbildung zu erhalten.

Hier würde ich entsprechend eine entsprechende Befürwortung des KJP´s dem Antrag beifügen.

Wenn ein ablehnender Bescheid kommt, habt ihr immer noch die Möglichkeit des Klageweges, i.d.R. dürfte eine SB nicht abgelehnt werden.

Die Privatschule kommt nur in Frage wenn der Schulweg gesichert ist, des weiteren ist es auch dort kein Garant, dass die geänderten Bedingungen keine SB erfordern.

Ich würde euch eventuell zum PB raten, dann könntet ihr über einen Budgetassistenten, Unternehmen, die bei der Antragsstellung und Personalfindung unterstützend zur Seite stehen, individueller auf den Bedarf des Kindes eingehen.

LG

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Beitragvon SandraV » 11.12.2018, 14:00

Hallo,

der Antrag auf Schulbegleitung ist noch nicht beschieden.

Ich bekomme keine Ablehnung und kann somit auch keinen Widerspruch einlegen oder klagen.

Erst musste das JA hospitieren, dann die Autismusbeauftragte, dann dauerte es bis es ein Fachgespräch im Amt gab.
Ich weiß das ich hingehalten werde, kann aber irgendwie nichts machen.

I h habe ein Schreiben vom SPZ in dem ausdrücklich Schulbegleitung und Autismustherapie empfohlen wird, auch das interessiert das JA nicht.

Ich weiß einfach nicht mehr was ich machen soll.

LG Sandra

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Beitragvon Engrid » 11.12.2018, 14:13

Hallo Sandra,

mal die Forumssuche nehmen. Frist + Antrag + Schulbegleitung. Auch andere Stichwort-Varianten probieren. :wink:
https://www.REHAkids.de/phpBB2/search.php

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon Alexandra2014 » 11.12.2018, 17:27

Hallo Sandra,

wenn ihr eine Rechtschutzversicherung habt, suche nach einem Anwalt mit Schwerpunkt Verwaltungsrecht. Manchmal reicht schon ein einziges Schreiben eines Anwalts, damit das JA seinen Pflichten nachkommt.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


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