Wie macht Ihr das ? Schwächen im Beisein d. Kindes bespreche

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,
Wenn unsere Tochter etwas nicht verstehen soll, wechsel ich mit den Ärzten immer ins Englische.
Das habe ich unbedacht zuhause mal gemacht, ein Satz, und schon war klar: Da fühlt sich Junior komplett ausgeschlossen und verarscht.
Überleg mal, wie es Dir geht, wenn Deine zb italienischen Freunde beim gemeinsamen Abendessen plötzlich miteinander Italienisch sprechen, wohl wissend, dass Du da nix verstehst. Also klarerweise: DAMIT Du nix verstehst. Und womöglich noch so, dass Du merkst, sie reden über Dich ...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

PaulaW
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Beitrag von PaulaW »

Alexandra2014 hat geschrieben:Hallo Raphael,

mein Kind weint anschließend unaufhörlich, wenn es bei solchen Gesprächen dabei war.
Nenn mir nur einen Punkt, wofür das gut sein soll?!

Liebe Paula,

ich unterbinde das inzwischen auch rigoros und es macht mich sehr ärgerlich, wenn andere am Gespräch beteiligte Personen das nicht ernst nehmen und sich nicht daran halten.
Unsere alte Klassenlehrerin hat die Gespräche immer im Anschluss an den Unterricht gemacht, wo ich keine andere Wahl gehabt hätte, als das Kind dabei zu lassen.
Ich habe dann darauf bestanden, spätere Termine zu bekommen, so dass ich Kind erst noch woanders unterbringen könnte.
Sie war sonst tagelang aufgewühlt und eingeschüchtert.
Die Krönung aber sind Ärzte, die sich im Beisein des Kindes über dessen Geisteszustand auslassen, ohne sich auch nur eine Minute selbst damit beschäftigt zu haben.
Das geht inzwischen so weit, dass mein Kind bei Arztbesuchen nicht mal mehr auf einfachste Fragen antwortet.
Wen wundert‘s... :?

Gruß
Alex
Mensch Alex, Ihr habt aber auch schon was mitgemacht. Und wieder mal könnten wir uns die Hände reichen. Leider.
Es ging bei uns von "ist denn da oben alles in Ordnung bei ihm ?" über "kein Wunder, dass er nicht krabbelt, es hängt ja alles so schlapp runter und die Zunge wie ein Waschlappen raus" (deshalb waren wir übrigens bei der Physio) und so weiter und so fort.
Zum Kotzen.

Ja, genau so werde ich das machen. Es einfach unterbinden. Wenn sie es nicht kapiert kann sie abdampfen.

Ich werde weder französisch sprechen noch auf einem Bein hüpfen noch werde ich zulassen, dass sie ihn sonst irgendwie klein macht.

Über Schwächen sprechen kennt er, er weiss auch dass wir dort sind, weil wir (!) in Mathe noch etwas Hilfe brauchen. Ich ja auch. :D

Herzlichen Dank Euch allen,
liebe Grüsse

Paula
Autismus, Dyspraxie, PG3, 70% GdB, GBH
Tollster Junge der Welt

GretchenM
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Beitrag von GretchenM »

Hallo,

Ich lese hier im Pfad mit und bin nachdenklich. Ich habe schon sensible Gespräche über Schwächen und Stärken mit Menschen gehabt, und derartig unsensible, das ich bei diesen Personen tatsächlich selbst weitere Gespräche möglichst vermieden habe. Meistens Lehrer, oft Sonderpädagogen.

Ich höre da mittlerweile stark auf mein Bauchgefühl.

Mein Sohn hasst es wenn er nicht mitbekommt, was besprochen wird. Ich kann nicht pauschal sagen, das so etwas nur in seiner Abwesenheit mit mir besprochen wird, dann wird er nur umso unruhiger.

Was ich aber mache: kräftig gegenhalten, den Lehrern durchaus sagen, wie sich ihre Art etwas zu sagen auf ihn auswirkt. Auch wenn ich mich damit unbeliebt mache.

LG

fanny
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Beitrag von fanny »

Ich habe mittlerweile aufgehört, zu hohe Ansprüche an andere Leute zu stellen. Die Menschen schaffen es nicht, immer 100% korrekt und durchdacht zu sein, sich immer richtig auszudrücken und immer richtig zu reagieren. Ehrlich gesagt schaffe ich selber das auch nicht. Ich bin lange nicht perfekt, setze mich auch manchmal in die Nesseln und bin schon ganz oft falsch verstanden worden.

Wichtiger, als Gespräche über Schwächen von meinem Kind fern zu halten, finde ich, mein Kind zu stärken. Es wird immer Leuten begegnen, die etwas Schlechtes zu ihm oder über es sagen, egal ob es um eine vermeintliche Schwäche geht oder einfach aus Abneigung.

Meinen Kindern versuche ich beizubringen, dass sie es sind, die ihr Leben gestalten, nicht die anderen. SIE entscheiden, ob sie sich auf ihre Schwächen konzentrieren wollen, oder auf ihre Stärken oder ob sie einfach akzeptieren, dass beides zu ihnen dazu gehört. Schwächen hat jeder. Und jeder ist mit seinen Schwächen konfrontiert. Auch meine "gesunden" Kinder müssen das aushalten und einen Weg finden, damit umzugehen. Aber während der eine schlecht in Mathe ist, ist der andere schlecht in Deutsch oder im Zuhören oder im auf andere Eingehen oder darin, Anträge auszufüllen, oder sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.

Man sollte sich ein bisschen vom Leistungsdenken verabschieden. Es ist nicht elementar wichtig, gut in Mathe zu sein. Es ist wichtig, mit sich selbst im Reinen zu sein, zufrieden mit sich zu sein und sich selbst zu akzeptieren, mit allen Stärken und Schwächen. Das muss man nicht als Kind schaffen und auch nicht als junger Erwachsener. Die meisten Erwachsenen in meinem Alter schaffen das nicht. Aber jeder Schritt in die richtige Richtung, egal wie alt man ist, macht einen ein kleines bisschen glücklicher und darum lohnt es sich, diesen Weg zu gehen.

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Alexandra2014
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Beitrag von Alexandra2014 »

Fanny, wie soll man ein Kind stärken, wenn all die Mühe und Arbeit an seinem Selbstbewusstsein in wenigen Minuten von anderen wieder „kaputt“ gemacht wird?
Natürlich stärkt man sein Kind, aber es bleibt eben trotzdem ein Kind. Und je nach Persönlichkeit eines, das mehr oder weniger an sich zweifelt.
Man muss das auch immer vom Kind selbst abhängig machen.

Ich erwarte auch nicht, dass jemand jede Sekunde alles perfekt formuliert, um mein Kind zu schützen und nicht zu verletzen.
Aber wenn ich klar den Standpunkt beziehe, dass im Beisein meines Kindes nicht (also gar nicht) über Probleme/Schwächen diskutiert wird, dann erwarte ich, dass man sich daran hält. Vor allem, wenn man vorher klargestellt hat, dass es dem Kind nicht gut tut, es darunter leidet, hinterher weint etc. pp.
Es geht also weniger um die Gesprächsführung, als einfach darum, zu bestimmten festgelegten Themen den Mund halten zu können.
Das würde ich von einem Pädagogen, der mit meinem Kind arbeitet, auf jeden Fall erwarten (dürfen)!
Zumal ja konkret Alternativen angeboten wurden...

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Ayden
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Beitrag von Ayden »

Liebe Engrid, liebe Paula,

Zum Thema Sprachwechsel, mit dem Du, Engrid, offensichtlich keine guten Erfahrungen gemacht hast. Sicher ist das auch von Kind zu Kind unterschiedlich.

Das mit dem Wechsel in eine andere Sprache würde ich persönlich aber generell nicht so negativ sehen:

1. Welche Alternative gibt es? Kind rausschicken? Welches Kind merkt denn dann nicht, dass über ihn/sie gerade gesprochen wird?

2.) Keine Ahnung, welcher Jahrgang Du bist: Aber in den frühen 70er Jahren, als ich Kind war, war es völlig klar, dass ein Kind nicht alles hören soll- da ging es nicht nur um Negatives, nein auch um Planungen oder Dinge (z.B. Finanzen der Familie) die nicht für Kinderohren bestimmt waren. Natürlich sollte niemand so blöde sein, permanent den Namen des Kindes auszusprechen.

3) Bei uns entsteht die Situation z.B. ab und zu am Abendbrottisch (wenn auch nur selten), dass wir in eine andere Sprache zu wechseln. Unsere Kinder geben sich recht viel Mühe, dann alles zu verstehen (wir sind mittlerweile bei ich: Spanisch und mein Mann: Italienisch, aber auch beim Spanischen wird es recht eng, da die beiden Großen Spanisch als 2. bzw. 3. Fremdsprache haben). Na ja, und unsere Kleine fängt auch schon an, vieles im Englischen zu verstehen.....

Englisch sprechen wir eh häufiger beim Abendbrot, damit unser Mittlerer, der gerade ein Vierteljahr an einer englischen Schule war, in der Übung bleibt.

Aber manche Dinge muss man einfach besprechen können, ohne das die Kinder es verstehen können, vor allem, wenn nicht ein separater Termin möglich ist.

Ich finde die Lernentwicklungsgespräche in der Konstellation Lehrer/Schüler/Eltern deshalb z.B. ganz grauenhaft. Da müssen selbst die robustesten Kinder viel aushalten.

LG, Ayden

melly210
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Beitrag von melly210 »

Wir gehen auch eher den Weg das Kind zu stärken. Es bringt nichts, dem Kind die Schwächen zu verschweigen. 1. Merkt es ja ab einem gewissen Alter, daß andere Kinder im gleichen Alter manche Dinge schon deutlich besser können. 2. fragen da dann manche Kinder auch nach und 3. ist das auch nichts wofür man sich schämen und es demnach verschweigen müsste.
Wir sprechen dafür auch viel über die Dinge die er gut kann. Auch seine Therapeuten machen das so. Er hört was er sehr gut und was er vielleicht noch nicht ganz so gut kann. Und er weiß auch, daß man wenn man Dinge die man nicht ganz so gut kann übt dann darin besser wird.
Söhnchen (02/2015) mit motorischer Dyspraxie und Wahrnehmungsstörungen

grace
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Beitrag von grace »

Hallo,

Ich persönlich mag offene und spontane Menschen und habe keine Probleme wenn Schwächen und Defizite meines Sohnes in seinem Beisein angesprochen werden; es darf natürlich nicht das Hauptthema werden und muss einen konstruktiven Ansatz haben.

Viel wichtiger wäre es mir ob die Lehrerin meinen Sohn mag und er etwas bei ihr lernt, das feeling zwischen den beiden muss stimmen.

Im übrigen erleben Kinder ihre Schwächen nur dann als Drama wenn es auch die Eltern so (unbewusst) erleben; geht man ganz selbstverständlich damit um und zeigt dem Kind wie es (kleine) Erfolgserlebnisse haben kann, vermittelt man ihm Sicherheit, es ist ok so wie es ist!

Mein Sohn ist übrigens auch nicht gut in Mathe und bekommen immer mal wieder Nachhilfe, er weis aber auch das er nicht der einzige ist und sieht das bei seinem Nachhilfe Lehrer ein Schüler nach dem anderen kommt, sogar eine Studentin aus der Uni und mehrere andere Schüler die er vom sehen her kennt.

Die Tatsache das er trotz vielen Schwierigkeiten die ersten zwei Jahre der Oberstufe geschafft hat, hat ihm unheimlich viel Selbstvertrauen gegeben.

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