Inklusion von schwer mehrfachbehinderten Kindern ab der 5.Kl

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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monika.rs
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Inklusion von schwer mehrfachbehinderten Kindern ab der 5.Kl

Beitragvon monika.rs » 04.12.2018, 17:32

Hallo!

Hat jemand von euch Erfahrungen mit der Inklusion ab der 5. Klasse an einer weiterführenden Schule?
Es geht mir um die Inklusion von Kindern wie Luis, die im Rolli sitzen und geistig behindert sind und noch einen hohen Pflegebedarf haben.

Nach fünf Jahren inklusiver Kita und fünf Jahren inklusiver Grundschule wünschen wir uns weiter diesen Weg. Aber es wird sehr schwer. Ich bin so wütend und frustriert zur Zeit.

Liebe Grüße, Monika
Luis, geb. 10/07 Gendefekt; keine Sprache, kein freies Sitzen, kein Laufen, Epilepsie, Immundefekt, Lungenprobleme, Skoliose, Fundoplicatio, Button uvm. Unser süßer Sonnenschein.

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s.till
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Beitragvon s.till » 04.12.2018, 18:09

Hallo Monika,

was verstehst du unter weiterführende Schule? Mittelschule, Realschule oder Gymnasium?

Realschule und Gymnasium haben ja einen gewissen Notenschnitt damit man an diese Schulen kann.

LG
Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% G,aG,B,H
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Tina&Andi
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Beitragvon Tina&Andi » 04.12.2018, 18:10

Hallo Monika,

darf ich fragen warum keine Förderschule in frage kommt?

LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,

Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul

JennyK
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Beitragvon JennyK » 04.12.2018, 18:19

Ich kann deinen Frust verstehen, ich kenne auch keine Regelschule ab Klasse 5, die Kinder wie deinen Sohn nimmt. Gibt es die Möglichkeit, eine Schule vor Ort davon zu überzeugen, dass sie Inklusion weitergehend betreibt, als es bisher möglich ist? So dass er mit den Klassenkameraden aus der Grundschule weiter zusammen bleiben kann? Habt ihr Grundschullehrer an eurer Seite, die euch dabei unterstützen?

Aus meiner Erfahrung heraus muss man aber wirklich gut schauen, ob es für das eigene Kind gut passt oder nicht. Das, was bisher an Inklusion läuft, ist ganz ganz oft großer Mist und nur für wenige Kinder mit recht leichten Einschränkungen sinnvoll...

Gerade Förderschulen für KME sind meiner Erfahrung nach im Vergleich zu Regelschulen wahre Paradiese...
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), gesund

Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 04.12.2018, 18:28

Hallo Monika,

was versprichst du dir konkret von weiterer Inklusion? Ich sehe für dein Kind eher die Gefahr, daß es inkludiert immer mehr zu einer Art - klingt jetzt böse, ist aber nicht so gemeint - Möbelstück der Klasse wird, das einfach da ist, aber keine weitere Beachtung erhält. Inklusion nur um der Inklusion willen ist unsinnig. Das Kind selbst muß profitieren können.

Viele Grüße

Lisa

Senem
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Beitragvon Senem » 04.12.2018, 18:45

Hallo,

ich stelle mir das sehr schwer vor, wenn ein schwerstmehrfachbehindertes Kind auf eine normale Schule gehen soll.

Wie soll denn da die Zukunft aussehen, für das Kind??
Was würde es bringen, wenn eh klar ist, dass das Kind anschließend in eine WfbM kommt?
Nur weil es dann mit nichtbehinderten Kindern zusammen ist, soll das Kind, genauso wie jedes andere Kind auch, auf eine normale Schule?
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

monika.rs
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Beitragvon monika.rs » 04.12.2018, 19:32

Hallo,

Ich bitte ein Grundsatzdiskussion außen vor zu lassen.

Falls jemand ein Kind hat, daß trotz seiner Schwerbehinderung erfolgreich Inklusion leben darf, würde ich mich sehr über eine Nachricht freuen.

Liebe Grüße Monika
Luis, geb. 10/07 Gendefekt; keine Sprache, kein freies Sitzen, kein Laufen, Epilepsie, Immundefekt, Lungenprobleme, Skoliose, Fundoplicatio, Button uvm. Unser süßer Sonnenschein.

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Beitragvon s.till » 04.12.2018, 20:28

Hallo Monika,

ich möchte mit dir keine Grundsatzdiskussion führen. Mich würde interessieren, was du dir davon versprichst bzw was deine Argumente für eine Regelschule (welche Art auch immer) und gegen eine Förderschule sind. Wir werden in zwei Jahren auch vor dem Problem stehen wie sein Weg weiter geht.
Gerne über PN ☺

Wie du in unserer Signatur siehst hat unser Sohn auch einige wenn auch im Vergleich zu deinem Sohn nicht so große "Baustellen". M geht auf eine Grundschule die sich Inklusionsschule nennen darf. Und das ist schon alles was da an Inklusion für behinderte Kinder gemacht wird. Er ist das meist beeinträchtigte Kind dort und seine Schulbegleitung ist die erste dort überhaupt....Wir müssen für alles kämpfen, was wir eigenltich an so einer Schule für selbstverständlich halten würden. Z.B. dass er seinen Rolli auf Ausflügen mitnehmen darf, sein Nutrini zu trinken wenn er es braucht...
Vor seiner Einschulung haben wir versucht ihn auf alternativ Schulen anzumelden, aber sie nehmen ihn nicht, weil er "zu arbeitsaufwändig" ist. 😡

Liebe Grüße
Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% G,aG,B,H
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Beitragvon anke505 » 04.12.2018, 22:24

Hallo,


von einem Gymnasium wird Monika ganz bestimmt nicht sprechen, hier brauchen auch gesunde Kinder einen bestimmten Notendurchschnitt um angenommen zu werden.


In einigen Bundesländern zählt der Elternwille, ich schicke aber mein Kind doch nicht aufs Gymnasium, wenn ich von vornherein weiß , dass mein Kind den Anforderungen dort nicht gerecht wird .


Mit einer geistigen Behinderung ist dies ja der Fall.


LG Anke

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kati543
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Beitragvon kati543 » 04.12.2018, 22:45

Hallo,
meine beiden Söhne besuchen die 5. bzw. 6. Klasse einer IGS inklusiv - allerdings eine wirklich teure Privatschule. Mein Ältester hätte auch in andere staatliche Schulen gehen können. Er hat „nur“ Förderbedarf Sprachheilförderung, eine ganze Reihe an Nachteilsausgleichen und einen Schulbegleiter für 15 Stunden. Daher berichte ich mal nur über meinen Jüngsten: ein Auszug der Diagnosen stehen in der Signatur, PG4, SBA 100 B, G, H; Förderbedarf Geistige Entwicklung, 1:1 Schulbegleitung.
Was „verspreche“ ich mir von der inklusiven Beschulung:
Nun zunächst ist mein Sohn tatsächlich noch in der Lage zu lernen...und vorzugsweise tut er das durch Imitation von Kindern. Schon im Kindergarten haben wir und die Erzieher festgestellt, dass der Kleine bedeutend schneller und besser lernt, wenn ein Kind ihm zeigt, was er machen soll - er macht das einfach nach. Es dauert im Vergleich dazu wirklich Ewigkeiten, wenn ein Erwachsener ihm versucht etwas zu erklären, zu zeigen oder ihm etwas vorzumachen. Selbst die Förderschullehrerin, die das Gutachten für das AOSF schrieb damals, sprach sich eindeutig für eine inklusive Beschulung aus. Die nächsten 4 Jahre verbrachte er auf einer inklusiven staatlichen Grundschule mit sehr viel Erfahrung auf dem Gebiet. Er hat sich unglaublich weiterentwickelt und er war der Liebling der gesamten Schule (und das als Autist...ganz zu schweigen von den anderen Behinderungen). Am Ende der 4. Klasse sah sein Wissensstand so aus: Deutsch: regelbeschult, Mathe: Stand Anfang 1. Klasse, Sachunterricht: Nach Förderbedarf Lernen, Alltagsfähigkeiten: kaum vorhanden. Er hat die Schule geliebt und ist dort jeden Tag gern hingegangen. Ferien waren blöd und das Schlimmste, was passieren konnte.
Wir haben fast 1,5 Jahre nach einer neuen Schule gesucht, die ihn mit dem Förderbedarf aufnehmen würde - inklusiv. Denn auch diesmal war die Förderschullehrerin ganz klar der Meinung, die Förderschule ist nicht gut für ihn - er hat bereits jetzt zu viel Schulwissen. Jetzt besucht er seit einem halben Jahr die IGS. Am Anfang gab es einige Probleme wegen einer nur teilweise vorhandenen Schulbegleitung, aber das ist jetzt alles behoben. Klar, eine neue Schulbegleitung muss erstmal in die „Specialedition“ eingewiesen werden, aber nun haben wir das auch hinter uns. In Mathe ist er jetzt tatsächlich in der 2. Klasse angekommen und übt gerade die 6-er Reihe :D . In Deutsch hat er die ganze Klasse überrascht, wie toll er lesen und schreiben kann. Für seine praktisch nicht vorhandene Feinmotorik bekommt er jetzt ein Tablet als Hilfsmittel. In Gl hat er gerade eine Arbeit über die Bundesländer und die Hauptstädte mitgeschrieben in vereinfachter Art und nur einen Fehler gemacht.
Warum soll ich mein Kind in eine Förderschule geben? Ich war dort. Ich habe mir die Förderschule tatsächlich angeschaut. Ich finde sie furchtbar. Das ist nichts anderes als ein Aufbewahrungszentrum („Satt und Sauber“). Die Kinder bekommen dort fast gar kein Schulwissen vermittelt, sondern ausschließlich Alltagspraktische Fähigkeiten (ausgerechnet das kann mein Sohn aber absolut nicht und wird es auch nicht lernen). Wer diese Förderschule umgehen kann, der tut dies. Entweder durch Inklusion oder dadurch, dass dann später ein anderer Förderbedarf festgestellt wird (auch das haben wir in Betracht gezogen).
Ich versuche krampfhaft meinem Kind irgendwie ein verwertbares Wissen für sein späteres Leben zu vermitteln bzw. vermitteln zu lassen. Daher der Besuch auf einer inklusiven weiterführenden Schule. Ich habe 2 schwerbehinderte Kinder, aber Beide ergänzen sich optimal. Wenn Beide zusammenhalten und zusammenarbeiten können sie alles erreichen. Was der Eine nicht kann, kann der Andere garantiert und umgekehrt. Mein großes Ziel ist eine Unabhängigkeit von Ämtern später.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)


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