Inklusion von schwer mehrfachbehinderten Kindern ab der 5.Kl

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 05.12.2018, 14:18

Hallo,

ich würde auf jeden Fall nicht nur die Pflege und Begleitung im Blick haben, sondern an der jeweiligen Schule genau nachfragen, was dein Kind im Unterricht machen wird. Gerade am Gymnasium wird es ja groß keine Gemeinsamkeiten im Schulstoff mehr geben und es herrscht dort großer Druck, dass alles geschafft wird während des Jahres. Heißt für Extras ist selten Zeit.
Ich merke schon bei meinem dort vom Inhalt angepassten Kind, dass er gerne geparkt wird, wenn er zu schnell ist oder sich langweilig. Mein Sohn malt z.B. viel vor sich hin. Bei einem geistig behinderten Kind sehe ich die Gefahr des Parkens noch viel höher.

LG Rike
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Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 05.12.2018, 15:19

… ich kann mir das nicht wirklich vorstellen, - wie sind denn da die Umstände? - z. B. für ein taubblindes, nonverbales Kind, noch dazu mit Autismus oder auch ADHS… welches schon so, weil es noch ein Restsehvermögen von 2,5 % hat die bekannten Wege schnelle und ohne Rücksicht auf Hindernisse (er sieht sie ja nicht) zurücklegt, wild vor sich hinfuchtelnd, um eben diese bei Bedarf aus dem Weg zu räumen... - Wird so ein Kind dann gefesselt und geknebelt? :roll:

Oder werden dann die Kollateralschäden (blaue Flecken und Wunden an den Schulkollegen und Lehrern) einfach hingenommen? In den 12 Schuljahren hatte dieses Kind erst in der 12. Schulstufe Schulbegleiter... - und genau bei solchen Kindern frage ich mich halt, was passiert denn da in einer Inklusion mit denen??


Liebe und nachdenkliche Grüße

Silvia

… es war schon in der Sondereinrichtung nicht leicht und es kam zu blauen Flecken...
Liebe Grüße
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Lovis3
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Beitragvon Lovis3 » 05.12.2018, 16:44

Hallo Monika,

Anton war im Kindergarten und in der Grundschule sehr erfolgreich inklusive beschult. Das mit körperlicher, geistiger und hochgradiger Sehbehinderung und deutlichem Pflegebedarf. Es war eine wirklich tolle Zeit und wir würden diese Jahre nie anders machen.

Am Ende der 4. Klassen standen wir vor dem gleichen Problem: Wie und wo geht die Inklusion weiter?
Wir haben im Nachbarort eine Gemeinschaftsschule gefunden, die relativ barrierearm ist und Anton dort eingeschult. Die Klassenlehrerin war sehr motiviert und offen. Aber leider die anderen Lehrer kaum (das haben wir mit der Zeit erst gemerkt). Dazu kam, dass wir hier bei uns im Schulamtsbezirk mit extrem wenig sonderpädagogischer Unterstützung ausgestattet wurden.
Daher haben wir uns im Sommer nach 2 Jahren Gemeinschaftsschule jetzt zur 7. Klasse sehr schweren Herzens doch für die entsprechende Förderschule entschieden. Es hätte ein Lehrerwechsel angestanden und damit wäre auch die gute Klassenlehrerin nicht mehr für Anton zuständig gewesen. So ist die Inklusion leider gegen die Wand gefahren worden.

Mit seinen Klassenkameraden kam Anton aber immer gut zurecht. Natürlich nicht mit allen, aber das ist auch normal. Er hatte immer gute Kontakte zu Kindern, war in der Pause nie alleine unterwegs und es musste eher darum gekämpft werden, dass er auch mal selbst seinen Rollstuhl fährt und nicht immer nur geschoben wird.
Auch jetzt ist es so, dass wir oft auch von deutlich älteren Jugendlichen gegrüßt werden, die ihn nur aus der Schule kennen. Daher ist mein deutliches Fazit: Wenn ihr eine Schule findet, die ausreichend barrierefrei ist für eure Bedürfnisse und vor allem, die bereit ist, sich auf die Inklusion einzustellen, dann würde ich es an eurer Stelle immer ausprobieren!

Liebe Grüße
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

Lovis3
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Beitragvon Lovis3 » 05.12.2018, 16:50

Silvia & Iris hat geschrieben:… ich kann mir das nicht wirklich vorstellen, - wie sind denn da die Umstände? - z. B. für ein taubblindes, nonverbales Kind, noch dazu mit Autismus oder auch ADHS… welches schon so, weil es noch ein Restsehvermögen von 2,5 % hat die bekannten Wege schnelle und ohne Rücksicht auf Hindernisse (er sieht sie ja nicht) zurücklegt, wild vor sich hinfuchtelnd, um eben diese bei Bedarf aus dem Weg zu räumen... - Wird so ein Kind dann gefesselt und geknebelt? :roll:

Oder werden dann die Kollateralschäden (blaue Flecken und Wunden an den Schulkollegen und Lehrern) einfach hingenommen? In den 12 Schuljahren hatte dieses Kind erst in der 12. Schulstufe Schulbegleiter... - und genau bei solchen Kindern frage ich mich halt, was passiert denn da in einer Inklusion mit denen??


Liebe und nachdenkliche Grüße

Silvia

… es war schon in der Sondereinrichtung nicht leicht und es kam zu blauen Flecken...



Hallo Silvia,

wieso ist es denn besser, wenn es in der Förderschule zu blauen Flecken bei Mitschülern und Lehrern kommt als wenn das Gleiche an der Regelschule passiert?

Warum ist es in der Förderschule kein Problem (angeblich), wenn ein Kind sehr laut ist, sehr häufig schreit usw., aber in der Regelschule ist das ein Problem?
Mein Sohn z.B. ist extrem lärmempfindlich. Seit er an der Förderschule ist, braucht er fast täglich einen Lärmschutzkopfhörer, da ein Kind in seiner Klasse teilweise sehr extrem schreit. Das ist für ihn nicht schön, aber es lässt sich eben auch nicht ändern. Es müssen praktikable Lösungen für alle gefunden werden. D.h. es kann nicht sein, dass das schreiende Kind vom Unterricht ausgeschlossen wird oder immer im Extraraum unterrichtet wird. Es kann aber auch nicht sein, dass mein Sohn permanent Lärmschutz tragen muss und vom Unterricht nichts mitbekommt. Für dieses Problem kann man Lösungen/Kompromisse finden, egal ob es an der Förderschule oder an der Regelschule auftritt.

Gruß
Katrin
Katrin mit A. *06, SSW 23+0, 600g, BPD (nachts sauerstoffpflichtig) und Lungenschädigung durch RSV-Virus, pulmonale Hypertonie, Rechtsherzinsuffizienz, Hypotonie (Rollifahrer, läuft kurze Strecken mit Rolltor oder 4-Punkt-Stützen), sehbehindert
und M. *08 und L. *11

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Beitragvon Mioundich » 05.12.2018, 17:02

Hallo Monika,

ich habe jetzt nicht die drei vorherigen Seiten gelesen. Doch wir sind aktuell in der 5. Klasse in dem 6. Regelschuljahr (durch die verlängerte Schuleingangsphase).

Mein Sohn ist ein frühkindlicher Autist. Wir waren in einem inkludierenden Kindergarten, wir waren in einer Regelgrundschule, in der die ersten drei Jahre geprägt waren einen inkludierenden Weg zu finden, um dann zwei Jahre lang eine entspannte Schulzeit erleben zu dürfen.

Jetzt sind wir in der wohnortnahen Gesamtschule und natürlich erfüllen wir auch hier eine gewisse Position eines Pioniers.

Ja, es mag frustrierend sein, doch gehe ich davon aus, das ich nach ein paar aufreibenden Monaten oder Jahre, je nach dem, auch hier wieder eine Entspannung erlebe.


Es wird nicht sofort und reibungslos klappen, der Bedarf steht erst fest, wenn das Kind an der Schule angemeldet wurde und die Aufnahme auf diese Schule bestätigt wurde.

D.h., dann muss die Schule die Möglichkeiten schaffen, eine inkludierende Beschulung möglich zu machen. Auch wenn es immer wieder Äußerungen geben wird, dass sie nicht den Artikel 24 der UN-BRK völlig erfüllen können, gilt nach wie vor das SchulG.


Gehe deinen Weg zielstrebig und arbeite Hürden nach einander ab.


Gebe den Lehrern der weiterführenden Schule die Möglichkeit in der Grundschule zu hospitieren, ich habe damit positive Erfahrungen gemacht. Ebenfalls habe ich der zuständigen Sonderpädagogin erlaubt mit den Gesamtschullehrern über mein Kind zu reden, nichts zu beschönigen, einfach die Tatsachen hinlegen.

Den egal wie es ist, das Kind kommt sowieso, so können sie sich noch richtig darauf einstellen.

Doch dann ist das Kind da, es ist wie eine Erkältung, wenn man sie noch nicht hat, denkt man sich nichts dabei, ist ja nicht alles so schlimm. Hat´s dann einen getroffen, mit Husten, Schnupfen, Fieber und knüppeldick mit Halsschmerzen zu kämpfen - weiß man, oh, ist doch nicht so einfach.

So geht es dann den Lehrern wenn das Kind da ist - und dann werden statt Medikamente - Lösungen verschrieben.


Mal klappt es mit den Lehrer- und Elterngesprächen, manchmal ist es schwieriger und man muss noch andere Stellen ins Boot holen, falls die Hürden sehr groß sind.

Doch am Ende gibt es für alles die Lösung, nur kann man nicht sofort das optimalste haben - die Lehrer müssen erst einmal diesen Schnupfen auskurieren und danach haben sie auch entsprechende Antikörper und können entsprechend leichter damit umgehen.


Es ist eine Tatsache, dass es bei einem Kind mit Sonderausstattung ereignisreicher, nervenaufreibender ist. Naja, das schaffen wir doch und wenn wir das die ersten Jahre geschafft haben, warum und mit welchem Grund sollte es nicht in den letzten Jahren klappen?

Gerade die Kinder in der weiterführenden Schule haben diese Bereicherung verdient, auch mit einen Kind zusammen lernen zu dürfen, dass manchmal etwas schwerer und härter durchs Leben gehen muss.


Liebe Grüße

PS. Sei nicht frustriert, erkenne die Baustellen und behebe sie nacheinander.

Elke35
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Beitragvon Elke35 » 05.12.2018, 17:58

Lovis3 hat geschrieben:
Silvia & Iris hat geschrieben:… ich kann mir das nicht wirklich vorstellen, - wie sind denn da die Umstände? - z. B. für ein taubblindes, nonverbales Kind, noch dazu mit Autismus oder auch ADHS… welches schon so, weil es noch ein Restsehvermögen von 2,5 % hat die bekannten Wege schnelle und ohne Rücksicht auf Hindernisse (er sieht sie ja nicht) zurücklegt, wild vor sich hinfuchtelnd, um eben diese bei Bedarf aus dem Weg zu räumen... - Wird so ein Kind dann gefesselt und geknebelt? :roll:

Oder werden dann die Kollateralschäden (blaue Flecken und Wunden an den Schulkollegen und Lehrern) einfach hingenommen? In den 12 Schuljahren hatte dieses Kind erst in der 12. Schulstufe Schulbegleiter... - und genau bei solchen Kindern frage ich mich halt, was passiert denn da in einer Inklusion mit denen??


Liebe und nachdenkliche Grüße

Silvia

… es war schon in der Sondereinrichtung nicht leicht und es kam zu blauen Flecken...



Hallo Silvia,

wieso ist es denn besser, wenn es in der Förderschule zu blauen Flecken bei Mitschülern und Lehrern kommt als wenn das Gleiche an der Regelschule passiert?

Warum ist es in der Förderschule kein Problem (angeblich), wenn ein Kind sehr laut ist, sehr häufig schreit usw., aber in der Regelschule ist das ein Problem?
Mein Sohn z.B. ist extrem lärmempfindlich. Seit er an der Förderschule ist, braucht er fast täglich einen Lärmschutzkopfhörer, da ein Kind in seiner Klasse teilweise sehr extrem schreit. Das ist für ihn nicht schön, aber es lässt sich eben auch nicht ändern. Es müssen praktikable Lösungen für alle gefunden werden. D.h. es kann nicht sein, dass das schreiende Kind vom Unterricht ausgeschlossen wird oder immer im Extraraum unterrichtet wird. Es kann aber auch nicht sein, dass mein Sohn permanent Lärmschutz tragen muss und vom Unterricht nichts mitbekommt. Für dieses Problem kann man Lösungen/Kompromisse finden, egal ob es an der Förderschule oder an der Regelschule auftritt.

Gruß
Katrin


Ich glaube einfach, dass es für gewisse Situationen keine Lösung für 'alle' gibt, auch wenn es vielleicht noch so gewollt ist von allen Seiten...

Ein schreiendes Kind in der Klasse, das nur lautiert und Pflegebedarf hat...warum das in der Regelschule ein Problem ist und in der Förderschule nicht? Ganz einfach: In der Regelschule sind noch 20 oder mehr andere Kinder drinnen, die dem Regelschulstoff gerecht werden müssen und zwar in dem Tempo, das die Regelschule so an sich hat. Wie soll das gehen, wenn ein Kind drinnen ist, das die ganze Stunde 'schreit'??
Natürlich kann es auch in der Regelschule einzelbetreut werden - aber das ist ja nicht das, was Du meintest mit Inklusion/Integration?

Ich bin der Meinung dass Integration/Inklusion momentan noch weit davon entfernt ist, dass sie gut ist, ich bin aber auch der Meinung, dass es gewisse Behinderungen oder Kinder gibt, die einfach nicht inkludierbar sind in einer Regelschule (welche, wie und was, das ist sicher von Fall zu Fall unterschiedlich und kann man nie pauschal beantworten).

Lg

anke505
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Beitragvon anke505 » 05.12.2018, 19:13

Hallo,

mal ganz ehrlich, welchen Sinn macht es, ein geistig behindertes Kind, welches nicht lesen und schreiben kann und schlechte Noten hat , ein Gymnasium besuchen zu lassen ?

Da verstehe ich die Eltern überhaupt nicht , welche Ziele verfolgen Sie?

Natürlich gehört ein kognitiv fittes Kind mit Körperbehinderung, egal welcher Art auf eine Regelschule, sollten die Leistungen stimmen , auch auf ein Gymnasium.

Da gibt's für uns keine Diskussion, aber ein geistig behindertes Kind?

WARUM??

LG Anke

Senem
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Beitragvon Senem » 05.12.2018, 19:23

Hallo anke505,

das meine ich ja auch!
Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

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Beitragvon Chrissi 68 » 05.12.2018, 20:49

Hallo,
nur mal nebenbei:
mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wird man zieldifferent unterrichtet, bekommt keine Noten!! Die Kinder lernen in einem anderen Tempo, in ihrem Tempo.
In den Zeugnissen werden die individuellen Entwicklungsfortschritte durch den Sonderpädagogen kommentiert.
Die Kinder schreiben auch die Klassenarbeiten nicht mit, u.U. andere Arbeiten, nur damit sie auch Arbeiten schreiben...
In der Stadt aus der wir kommen gibt es inklusiven Unterricht, allerdings haben wir Schwerpunktschulen. I d R kommt ein kind mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung nicht auf ein Gymnasium.
Welchen Weg man als Familie für sein Kind geht, bleibt (zum Glück) bei uns Elternentscheidung.
Den Weg geht die Familie, es ist immer leicht über andere zu urteilen....
Viele Grüße
Chrissie

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 05.12.2018, 20:57

Hallo,

ich glaube, Monika ging es in diesem Thread nicht darum, ob Inklusion sinnvoll ist, sondern sie fragt nach Erfahrungen und wie dieses Ziel erreicht werden kann. Die Entscheidung ist für ihr Kind gefallen.
Wahrscheinlich wird es bisher aber wenig Erfahrungen mit geistig behinderten Kindern an weiterführenden Schulen ( ausser IGS, deren Konzept gemeinsames Lernen beinhaltet) geben. Ich denke, momentan weiß noch niemand so recht, wie das umgesetzt werden kann. Woran ja auch Monika gerade festsitzt.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB


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