Inklusion von schwer mehrfachbehinderten Kindern ab der 5.Kl

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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kati543
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Beitragvon kati543 » 04.12.2018, 22:55

Arg...vergessen:
Bei meinem Ältesten reden wir mittlerweile davon, dass er eventuell das Abitur schaffen könnte und damit natürlich die entsprechenden Kurse belegen müsste. Ein paar Jahre zurück sollte er noch den Förderbedarf Geistige Entwicklung bekommen und in die Förderschule GE kommen. Natürlich haben wir dagegen gekämpft und es wurde „nur“ Förderbedarf Sprachheilförderung. In der 3. Klasse sollte er Förderbedarf Lernen bekommen - das Klassenziel in allen Hauptfächern nicht erreicht.

Mit einer guten inklusiven Schule ist es möglich, eine bestmögliche Leistung des Kindes herauszuholen. Niemand verspricht, dass das für einen Abschluss reicht, oder gar das Abitur, aber es hilft dem Kind doch ordentlich im weiteren Leben. Es war nie mein Lebensziel mich darauf auszuruhen, dass meine Söhne eine gesicherte Zukunft in der WfbM haben. Ich glaube das wird beiden nicht reichen.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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monika.rs
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Inklusion

Beitragvon monika.rs » 05.12.2018, 11:27

Okay,

Schade, wie wenig doch manche wissen, was Inklusion bedeutet.
Rein theoretisch kann jedes Kind mit speziellem Förderbedarf auf jede Schule, auch auf ein Gymnasium. Dafür muß das Kind weder rechnen noch schreiben können, noch muß es gute Noten haben. Das Kind wird dann in der Klasse nach den entsprechenden Richtlinien, z.B. für GE, oder Sehförderung, oder... unterrichtet.

Es geht darum, eine Schule zu finden, meist sind das Mittelschulen oder integrierte Gesamtschulen, die die Struktur besitzen, geistig und körperlich behinderte Kinder zu beschulen. Und zwar immer nach dem entsprechenden Förderbedarf.

Ich stelle fest, daß wir weder leichtsinnig sind, noch unser Kind für ein Experiment hergeben.

Wir sind extrem engagierte Eltern, die erleben, daß ihr Kind, das keine Geschwister und keine Nachbarskinder hat, sich in der Klasse mit gesunden Kindern sehr wohl fühltund viel durch Abschauen lernt.
Wir leben Inklsion aus Erfahrung. Wir hatten nach Anfangsschwierigkeiten, fünf wunderbare Jahre in einer inklusiven Grundschule, Luis ist dort extrem beliebt und er hat wahnsinnig viel gelernt.
Ich wundere mich wirklich sehr über manche Äußerungen hier. Eure Erfahrungen sind nicht unsere, wir agieren sehr bedacht und bewusst, unser Kind liegt uns am Herzen und wir wollen nur das beste für ihn, wie wohl jeder hier.

Inklusion ist möglich, wie uns viele Länder lehren, nur bei uns kommt sie nicht richtig in Gang. Inklusion, schon- aber doch nicht für alle...oder???

Wir kämpfen für das Menschenrecht unsres Kindes, weil

- er es liebt, mit den Kindern im Schulhof Fußball zu spielen, sie reißen sich darum, wer den Rolli schieben darf
- er davon profitiert, den anderen zuzusehen und sich Vieles abschaut
-weil er die Gabe hat, Menschen zu motivieren, sich mit ihm zu beschäftigen
-weil auch er bei der Klassenfahrt dabei sein konnte und nach einhelliger Meinung diese vier Tage in vollen Zügen genossen hat
- weil wir uns eine bessere Gesellschaft wünschen mit Toleranz und Mitgefühl
-weil wir die Erfahrung gemacht haben, daß es viele Menschen gibt, die bereit sind, sich zu engagieren und dabei zu sein.

Es ist unser Weg, wir leben Inklusion im Alltag,

Liebe Grüße, Monika
Luis, geb. 10/07 Gendefekt; keine Sprache, kein freies Sitzen, kein Laufen, Epilepsie, Immundefekt, Lungenprobleme, Skoliose, Fundoplicatio, Button uvm. Unser süßer Sonnenschein.

Annileinchen
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Beitragvon Annileinchen » 05.12.2018, 11:43

Liebe Monika,

herzlichen Dank für diese aufgeschlossenen Worte. Ich wünsch Dir von Herzen alles Gute für diesen Weg!

Ich kann Dir leider nicht weiterhelfen, wir sind noch nicht so weit.
Aber prinzipiell gilt doch: Wenn es so toll auf der Grundschule geklappt hat, warum sollte es nicht weiterhin woanders klappen?

Lehnen die weiterführenden Schulen Euch ab? Dürfen sie das denn in Hessen?

Wahrscheinlich haben auch hier nur wenige schon Erfahrung bei sehr ausgeprägter Behinderung. Es sind jetzt ja erst die ersten Jahrgänge, denen die Möglichkeit der Inklusion nach der Grundschule offen steht.

Liebe Grüße

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Beitragvon Silvia & Iris » 05.12.2018, 11:52

Liebe Monika,

wo wir leider wieder bei dem Thema sind, was versteht man unter Inklusion?

Hier gehen schon mal die Grundsatzthesen sehr weit auseinander...
- und auch die Ziele - was sollen die Ziele sein?

Leistung?
Empathie?

Wo legt man da die Schwerpunkte? - Welche finanzierbaren Rahmenbedingungen müssen hier aufgebaut werden? - Wie schaut dann der Lehrplan aus?

- So wie ich das hier herauslese lernen die meisten Kinder hier am besten mit straff organisierten Strukturen, Frontalunterricht, kleinen Gruppen...


Wochenarbeitspläne, Logbücher und anderes überfordert hier viele...
und ich spreche hier nicht nur von Kindern mit Beeinträchtigungen...

Klare Richtlinien, Aufgabenstellungen angepasst an das Niveau des Schülers...

So - das geht alles in homogenen Gruppen eben besser...

angefangen damit, dass schon - z. B. die Umkleidesituation bei 8-jährigen anders ausschaut, als bei 13-jährigen...

So wenig wie möglich Wechsel... sowohl bei den Schülern, als auch bei den Lehrern...

Ein Ausflug im Monat kommt besser an, als einer pro Woche...
zumindest habe ich das jetzt so erlebt...

liebe Monika, natürlich muss man in gewissen Maße Inklusion im Alltag leben... aber ich scheitere bereits daran, dass sich Nachbarn einfach umdrehen, wenn ich mit dem Kind im Rollstuhl komme und sich verstecken... - "Mit diesen Problemen wollen wir nichts zu tun haben, wie müssen uns damit nicht beschäftigen und wollen es auch nicht..." - So, kannst du mir nun den Schlüssel geben, wie man solche Menschen - die im gleichen Atemzug behaupten "so sozial" zu sein - zu erreichen? - Gespräche werden abgeblockt...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Beitragvon monika.rs » 05.12.2018, 11:58

Danke für die lieben Worte, auch dir, Katrin,

Nein, uns lehnt niemand ab. Im Grunde waren bisher alle sehr aufgeschlossen und interessiert. An der Motivation der Menschen liegt es nicht!

Nur baulich sind die Schulen eine Katastrophe. Viele Treppen, keine Nebenräume.
Und wir brauchen mehr als nur einen Schulbegleiter.
Ich ärgere mich über die Landesregierung, die es versäumt hat, zu bedenken, daß es Inklusion für ALLE heißt und nicht nach und nach Barrieren abgeschafft hat.

Aber wir besuchen noch eine Schule, die eventuell in Frage kommt, bitte Daumen drücken!

Und dann muß noch der personelle Bedarf diskutiert werden...

Liebe Grüße, Monika
Luis, geb. 10/07 Gendefekt; keine Sprache, kein freies Sitzen, kein Laufen, Epilepsie, Immundefekt, Lungenprobleme, Skoliose, Fundoplicatio, Button uvm. Unser süßer Sonnenschein.

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Beitragvon mariannna » 05.12.2018, 13:08

Hallo Monika,

ich bin viel in Schulen unterwegs und kenne kein Beispiel von gelungener Inklusion bei geistig Behinderten.

Ab einem bestimmten Alter haben die gesunden Kinder einfach andere Interessen und wollen sich z.B. in den Pausen auch über ihre Probleme austauschen. Die geistig Behinderten, die ich an weiterführenden Regelschulen erlebt habe, waren doch sehr einsam. Sie standen meist in den Pausen mit ihren Inklusionselfern herum. Die konnten zwar verhindern, dass das Kind geärgert/gemobbt wurde, aber nicht dafür sorgen, dass mit ihm gespielt wurde.

LG, Marianna

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Beitragvon Elke35 » 05.12.2018, 13:28

Liebe Monika,

wenn Euch keiner ablehnt und es wunderbar geklappt hat 5 Jahre in der Grundschule dann kann ich nur sagen.....richtig großes Glück gehabt!!!

Das ist nämlich nicht Standard. Lg

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Beitragvon Martina78 » 05.12.2018, 13:30

Hallo,
Ich kann dir konkret leider nicht helfen, kenne aber eine schule, die Inklusion ab klasse 5 anbietet. Die Paula-Modersohn-schule in bremerhaven. Vielleicht hilft ein Telefonat mit dem schulleiter? Hier in Bremrhaven gibt es nur noch Inklusion. Unsere Tochter ist schwerstmehrfachbehindert und kommt nächstes Jahr in die Grundschule, es gibt 2 Schulen hier, die W und E kinder nehmen und auch entsprechend Personal und Räume vorhalten. Wir sind noch ängstlich uns skeptisch, wie es funktionieren wird, die Erfahrung anderer Eltern sind jedoch positiv. Und da es hier keine Förderschule mehr gibt, wird diemInklusion fortgeführt nach der Grundschule. Und an der genannten wohl auch sehr gut. Also möglich ist es wohl. Ich freue mich, wime glühende Verfechterin der inklusion kennenzulernen, das macht mir Mut, dass es funktionieren kann. Denn bei uns gibt es keine Wahl.
LG martina
Martina mit Julia (*1/2012), Pachygyrie und Epilepsie, Pflegegrad 5. Seit 6/15 sehr erfolgreich Ketogene Diät. Kann kurze Strecken laufen. Plus Neuankömmling Franziska (*12/16).
"Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen." (Schopenhauer)

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... highlight=

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Beitragvon Sigrid Zas » 05.12.2018, 13:54

Hi,

meine geistig Behinderte Tochter derzeit 7. Klasse ist an einer Gemeinschaftsschule die von der 1. Klasse bis zum Abitur führen kann.
Die Schule ist baulich (da früher Förderzentrum) barrierefrei (Rolligerecht, Blindenleitsystem, Schalloptimiert) und auch das Kollegium steht hinter dem inklusiven Konzept.

Ich finde diese Schulform gerade für unsere Kinder toll. Ich wünsch Dir das du eine gute Schule für deinen Sohn findest.

@marianna: meine Tochter spielt in den Pausen mit Kindern die ihre Intressengebiete teilen. Ja das sind oft nicht die Kinder ihrer Klasse aber das ist ok die Kinder kennen sich Klassenübergreifend über Chor, Theater- und NaWi-Projekte und aus der Ferienbetreuung. Die Klassenkammeraden lassen sich in den Gruppenarbeiten gern von Charlotte beim Gestalten ihrer Präsentationen unterstützen.

lg Sigrid
Sigrid mit Tochter L *2005 geistig behindert, nach umfangreicher Diagnostik immer noch ohne Diagnose

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Beitragvon Sigrid Zas » 05.12.2018, 14:11

@marianna: meine Tochter spielt in den Pausen mit Kindern die ihre Intressengebiete teilen. Ja das sind oft nicht die Kinder ihrer Klasse aber das ist ok. Die Kinder kennen sich Klassenübergreifend über Chor, Theater- und NaWi-Projekte und aus der Ferienbetreuung. Die Klassenkameraden meiner Tochter lassen sich gern von ihr bei der Präsentation von Arbeitsergebnissen helfen.
(z.B. Plakat Überschrift schreiben und malen, Powerpoint Text erfassen Bilder einfügen, bei Musikvorträgen vorsingen ....)

Lg Sigrid
Sigrid mit Tochter L *2005 geistig behindert, nach umfangreicher Diagnostik immer noch ohne Diagnose


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