Förderbedarf Lernen beantragen oder nicht

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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lillysmamma
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Förderbedarf Lernen beantragen oder nicht

Beitragvon lillysmamma » 04.12.2018, 09:11

Guten Morgen an alle, ich habe schon seit einiger Zeit nicht mehr geschrieben aber immer still mitgelesen. Jetzt habe ich ein großes Anliegen und bin ehrlich gesagt ziemlich überfordert wie es weitergehen soll.

Unsere Tochter Lilly is 10 Jahre alt, hat Cerebralparese und geht in die 5. Klasse einer Privatschule mit Inklusion. Sie ist seit Einschulung eingestuft mit Förderbedarf körperlich/motorische Entwicklung hat aber eigentlich von Anfang an Schwierigkeiten mit dem Lesen, Schreiben und Mathematik gehabt. In der Grundschule wurde sie regulär beschult hat aber teilweise etwas einfachere Bücher bekommen. Die erste Klasse hat sie in Kanada gemacht (wir haben 10 Jahre dort gelebt und sie sprach auch nur Englisch als wir in 2015 wiederkamen) und ist im Sommer 2015 direkt hier in die 2. Klasse gekommen. Durch diesen Schul- und Landwechsel hat sie meiner Meinung nach den Nachteil, daß sie eben das erste Schuljahr nicht in Deutschland gemacht hat. Die Grundlagen auf Deutsch fehlen ihr.

Im Sommer haben wir eine psychologische Testung machen lassen. Dabei kam raus, daß sie im logischen Denken und in der Arbeitsgeschwindigkeit unterdurchschnittlich abgeschnitten hat, bei der Kommunikation und im Bereich Kurzzeitgedächtnis aber sehr gut abgeschnitten hat. Sie hat einen IQ von 85 erreicht. Sie ist sehr aufgeweckt, normal geistig entwickelt, kommunikativ sehr stark hat aber Schwierigkeiten mit der Koordination. Da der Förderplan besprochen werden sollte habe ich gestern einen Termin mit ihren Lehrerinnen gehabt. In der Klasse hat sie eine I-Helferin und 2 Klassenlehrerinnen, von denen eine Förderschullehrerin ist.

Sie sagten mir Lilly sei ein "Grenzkind". Sie habe Potential, sei aber im Stoff ca. 2 Jahre hinterher und es ist fraglich ob sie das aufholen kann. Sie ist sehr langsam und es fehlt ihr teilweise die Motivation. Außerdem traut sie sich nicht an schwere Aufgaben ran. Sie ist sehr abgelenkt von ihren besten Freundinnen was sich teilweise negativ auf ihr Arbeitsverhalten auswirkt.

Man hat mit mir die Möglichkeiten für die Zukunft besprochen. Wir könnten den Förderbedarf "lernen" beim Ausschuss beantragen. Das bedeutet für Lilly, sie würde die gleichen Mathebücher behalten wie jetzt, nur in Deutsch würde sie andere bekommen. Außerdem würde sie von 4 Englischsstunden auf 2 runter gehen und in einen anderen Kurs kommen. Anstatt Englisch bekäme sie mehr Deutsch und mehr Mathe. Un diesem Fall würde sie keinen einfacheren Unterrichtsstoff bekommen, sondern die Aufgaben würden insgesamt im Niveau niedriger bleiben und sie hätte weniger "Stress". Dieser Schulweg würde bedeuten, sie könnte in der 9. Klasse einen berufsbildenden Abschluß machen und im Anschluß in der 10. einen Hauptschulabschluß. Ob es danach weitergehen könnte weiß ich nicht.

Alternativ wäre es möglich alles zu belassen wie jetzt, und sie in der 6. das Schuljahr wiederholen zu lassen. Das würde bedeuten sie würde den Anschluss zu ihren besten Freundinnen verlieren, was natürlich für sie sehr schlimm wäre. Hier stellt sich die Frage ob es überhaupt was bringen würde sie wiederholen zu lassen, ob sie den Stoff aufholen könnte und was es psychisch mit ihr machen würde.

Natürlich möchte ich das Lilly in der Schule glücklich ist. Ich weiß aber auch das Lilly teilweise echt faul sein kann, das sie mehr könnte wenn sie sich dahinterklemmen würde aber das sie teilweise echt überfordert ist weil es immer schwieriger wird und sie nicht hinterher kommt. Eine Nachhilfe in Mathe käme in Frage, sollte jedoch eher die Grundlagen nochmal mit ihr komplett durchgehen. Ausserdem überlege ich ein Belohnungssystem wenn sie gut mitmacht oder gute Punkte in Tests erreicht.

Die Lehrerinnen haben keine klare Empfehlung ausgesprochen. Sie sagen wir sollen mit Lilly reden und schauen wie sie reagiert und was sie möchte.

Was habt ihr für Empfehlungen? Wie könnte ihr Berufsweg aussehen wenn sie keinen Realschulabschluß hätte? Was spricht für das "L" und was dagegen?

Es wäre nett wenn ihr mir weiterhelfen könntet.

Lieben Dank!

Lillysmamma

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melly210
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Beitragvon melly210 » 04.12.2018, 11:01

Ich würde meinen der Knackpunkt ist: könnte sie den Rückstand aufholen wenn sie das Jahr wiederholt oder eher nicht ? Wenn nicht kannst du ihr den Streß mit der Widerholung gleich sparen. Wenn schon wäre es aber natürlich im Hinblick auf ihre Zukunft besser sie wiederholt und schafft den regulären Abschluß.

Wie schätzt du sie da ein, ist da bei ihr größtenteils Überforderung oder größtenteils Faulheit die Ursache warum sie nicht so mitkommt?

lillysmamma
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Beitragvon lillysmamma » 04.12.2018, 11:14

@melly210, danke für die Rückmeldung. Ich persönlich glaube nicht, daß sie den Rückstand aufholen kann. Es wird sehr viel Anstrengung und Disziplin bedürfen, und das wird sie auf Dauer nicht halten können. Sie hat körperlich schon sehr viel zu kämpfen, Therapien und Sport die sie machen muss um mitzuhalten, außerdem gehen sie auf eine Ganztagsschule, d.h. ich hole sie erst um 15 Uhr ab. Wenn wir so weitermachen wie bisher wird sie mind. 2 mal die Woche Nachhilfe in Mathe und Deutsch benötigen. Das noch nach der Schule, außerdem noch die körperlichen Aktivitäten. Ich schätze sie könnte sich verbessern aber wie sehr weiß ich nicht.

Sie ist ein sehr kreatives Kind, macht gerne handwerkliche Sachen wie backen, kochen, basteln, malen etc. Inwieweit ein berufsbildender Abschluß sinnvoll wäre ist hier zu überdenken. Die Frage ist ob sie irgendwann einen körperlich anstrengenden Beruf wie z.b. Konditorin oder Köchin meistern kann.

Fraglich ist auch ob man nicht bis zur 6. wartet und sie dann nochmal einschätzt um evtl. in die Richtung "L" geht. Weiß nicht ob sie bis dahin nicht zu viel Stoff verpasst hat das dann gar kein Anschluss möglich ist.

Habe jetzt mal bei unserem überregionalen Beratungs- und Förderzentrum einen Termin angefragt um uns mal "neutral" beraten zu lassen.

Bin echt ratlos :(

maikeb
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Beitragvon maikeb » 08.12.2018, 11:23

In welchem Bundesland wohnt Ihr?

r.bircher
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Beitragvon r.bircher » 09.12.2018, 09:28

Hallo zusammen

Denke bitte nicht schon in dem Alter daran, was aus deinem Kind mal werden könnte. Sie ist gerade mal 10, da geht noch so viel Wasser den Rhein runter. Du kannst weder sagen wie sich die Behinderung entwickelt noch wie sich die Tochter entwickelt.

Besprich mit ihr was sie will. Wenn sie die Wiederholung auf sich nehmen möchte, dann tue es. Aber vergiss bitte ganz schnell die Idee, dass ihr Euch jetzt schon auf eine Schiene begebt, und die dann bis ans Lebensende gefahren werden muss.

Gerade CP Kinder sind oft Spätzünder, weil sie eben noch so sehr mit der körperlichen Entwicklung beschäftigt sind. Spare die Förderung auf dann auf, wenn sie zündet.

Gruss Raphael
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Beitragvon lillysmamma » 19.12.2018, 13:50

Danke an alle.

@maikeb - Wir wohnen in Hessen.

@r.bircher - Danke für den Tip. So sehe ich es auch. Habe gestern einen Termin mit ihrer Psychotherapeutin gehabt und sie hat mir ganz offen gesagt, daß Lilly einen starken Leidensdruck hat. Daß sie sich ihrer Schwächen sehr bewusst ist (körperlich und schulisch) und das sie uns auf jeden Fall zum Förderschwerpunkt Lernen rät.

Trotz allem sehe ich die Schule und die Lehrerinnen in der Pflicht ihre Empfehlung zu geben. Auch wenn Lilly ein "Grenzkind" ist, finde ich das man als Lehrer schon erkennen muß was das Kind braucht.

Ich glaube es wird ihr gut tun wenn sie wieder Erfolgserlebnisse hat und somit in der Schule besser wird. Wie es dann irgendwann weitergeht wird sich rausstellen. Wir setzen ihr keine Grenzen sondern schauen einfach wie sie sich entwickelt.

Im Januar sind die Gespräche mit dem Förderausschuß bei dem die Lehrer die Empfehlung weitergeben müssen. Hoffe wir bekommen vorher noch einen Termin um die Einzelheiten zu besprechen.


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