Ablenkung/Beruhigung vor OP?

Mit einem besonderen Kind sind Eltern oft Dauergäste beim Kinderarzt. Hinzu kommen Krankenhausaufenthalte und Besuche bei Spezialisten und im Sozialpädiatrischen Zentrum.
Welche Untersuchungen machen Sinn? Wo ist mein Kind in guten Händen? Zahlt die Krankenkasse alle Behandlungen? Fragen über Fragen...

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HannahKillian
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Beitragvon HannahKillian » 04.12.2018, 09:58

Hallo,

ich seh's auch wie Alexandra2014...

Du musst diese Angst-Spirale irgendwie möglichst schnell unterbrechen - in diesem Fall ist entsprechende Medikation das Einzige, was man tun kann um dem Kind schnell zu helfen.

Wenn sie in diesem psychischen Ausnahmezustand bleibt, wird sie die OP womöglich schlechter verkraften, weil es an Widerstandskraft fehlt. Wenn die Medikation greift, würde ich - wäre es mein Kind - die OP gar nicht mehr groß thematisieren.

Nutzt stattdessen lieber die Zeit und unternehmt etwas zusammen - das lenkt euch beide ein bißchen ab und die Wartezeit vergeht schneller.

By the way: wer hat ihr eigentlich dieses "Horror-Szenario" mit "halben Kopf auseinandernehmen" und allen heftigen Begleiterscheinungen und Folgen in dieser drastischen Form nahe gebracht? Einer Zwölfjährigen, die das doch noch gar nicht in Gänze erfassen kann?

Vielleicht wäre das auch ein bißchen sanfter möglich gewesen - wäre mir persönlich schon wichtig, dass die Herren und Damen Mediziner sich hier doch ein wenig an der manchmal sehr lebhaften kindlichen Vorstellungskraft orientieren... Sprich doch nochmal mit einem Arzt eures Vertrauens (Hausarzt?) - eventuell kann er das Prozedere eurem Mädel nochmal "kindgerechter" und damit weniger angstbesetzt erklären?

Für die OP alles, alles Gute und viel Glück!

Liebe Grüße,
Hannah
"Aufgeben?'" Komisches Wort, kenn ich gar nicht...

Meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... hannah+icp

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fanny
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Beitragvon fanny » 04.12.2018, 16:04

Danke für all eure Rückmeldungen und guten Wünsche!

@jakob: Was wir uns von der OP erhoffen? Sie hat Hirndruck. Da ihr Schädelknochen nicht wächst, das Gehirn aber schon, staut sich im Laufe der Jahre immer mehr Druck an, der erst "nur" eine Reihe von Beschwerden verursacht, die im Laufe der Zeit zunehmen, irgendwann aber auch lebensgefährlich wird. Also muss Platz geschaffen werden, indem der Schädelknochen vergrößert wird. Es gibt eigentlich keine Alternative. Da der Druck über die Jahre immer nur langsam steigt, ist sie an die Beschwerden gewöhnt und empfindet sie nicht als schlimm. Wir Eltern sind da besorgter, da sie z.B. im letzten halben Jahr zunehmend undeutlich gesprochen hat, Dinge vergisst, die sie kennt und mag ("Mama, was ist Spiegelei?" -> eigentlich eines ihrer Lieblingsessen), Schwindelanfälle und Kopfschmerzen hat.

@alexandra: Die Schmerzen kommen von der Haut. Die Haut wird von der Hälfte ihres Schädelknochens abgelöst, damit man den darunterliegenden Knochen herausnehmen kann. Das ist eine sehr große Wundfläche. Sie wird so viel Blut verlieren, dass sie eine Bluttransfusion brauchen wird. Wir hatten die OP schon 2x, deshalb wissen wir sehr genau, was auf sie (und uns) zukommt.

@Hannah: Der Neurochirurg wars. Bei der letzten OP dieser Art hatte ich darum gebeten, die Aufklärung ohne Kind zu machen. Er stimmte zu, aber am Schluss wollte er sich nochmal den Kopf ansehen, und dann legte er los ("Wir schneiden hier und dann machen wir das und das..." Bis ich ihn stoppen konnte, hatte er leider schon zu viel gesagt). An die Begleiterscheinungen und Folgen erinnert sie sich selber noch, die letzte OP ist erst drei Jahre her.
Wir Eltern thematisieren die OP von uns aus sowieso nicht. Aber sie denkt selber viel daran und manchmal sind es auch unbedachte Bemerkungen Dritter ( z.B. ihr siebenjähriger Bruder mit Blick auf den Kalender: "Oh, noch zehn Tage..."), die sie aufwühlen.

Ich denke, ich werde mal mit dem Kinderarzt sprechen. Der weiß am besten, was vor einer Operation gegeben werden kann (manche "Beruhigungsmittel", auch pflanzlicher Art, vertragen sich nicht mit anderen Medikamenten, die bei der OP zum Einsatz kommen könnten, oder setzen z.B. die Gerinnung herab, was bei ihr gefährlich werden könnte).

Aber wie gesagt, nochmal danke für alle Anregungen!

Lisa Maier
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Beitragvon Lisa Maier » 04.12.2018, 17:33

Hallo Hannah,

By the way: wer hat ihr eigentlich dieses "Horror-Szenario" mit "halben Kopf auseinandernehmen" und allen heftigen Begleiterscheinungen und Folgen in dieser drastischen Form nahe gebracht? Einer Zwölfjährigen, die das doch noch gar nicht in Gänze erfassen kann?

Bitte unterschätze Kinder nicht. Ich wurde als Kind mehrmals nicht aufgeklärt, was da jetzt passiert. Das Ergebnis war, daß ich große Probleme mit dem Vertrauen bekam, was ich heute noch manchmal spüre und bei einer großen Operation aus Angst quasi durch die Hölle ging, weil ich schon merkte, daß da was ganz haarig wird, aber ich mit meiner Angst durch die ganzen Lügereien der Erwachsenen alleine war.

Viele Grüße

Lisa

Tina&Andi
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Beitragvon Tina&Andi » 04.12.2018, 18:29

Hallo Fanny,

ich habe sowas noch nicht mitgemacht.
Ich denke gerade ein Kopf-OP ist mit das schwerige. Mit der Gefahr aber auch mit dem Dauer der Heilung.
Vielleicht wäre eine Idee mit ihr Dinge zu kaufen die sie für Krankenhaus braucht und will. Auch Dinge machen was sie ablenkt.
Ich weis nicht ob es sich machen lässt dass ihr nicht so viel "negative" Dinge über den Krankenhausaufenthalt erzählt.
Meine Freundin hat ein "kleine" Kopf-OP über sich ergehen lassen müssen, ihr hat es wenig ausgemacht. So gar hat sie kein "haarige" Problem.
Ich wünsch euch alles Gute und viel Kraft für die schwere Zeit.
LG
Tina
Tina : Tetraspastik, beinbetont,

Andi : Tetraspastik, armbeton, vorallem schreibfaul

fanny
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Beitragvon fanny » 04.12.2018, 19:10

Tina&Andi hat geschrieben:Hallo Fanny,

ich habe sowas noch nicht mitgemacht.
Ich denke gerade ein Kopf-OP ist mit das schwerige. Mit der Gefahr aber auch mit dem Dauer der Heilung.
Vielleicht wäre eine Idee mit ihr Dinge zu kaufen die sie für Krankenhaus braucht und will. Auch Dinge machen was sie ablenkt.
Ich weis nicht ob es sich machen lässt dass ihr nicht so viel "negative" Dinge über den Krankenhausaufenthalt erzählt.
Meine Freundin hat ein "kleine" Kopf-OP über sich ergehen lassen müssen, ihr hat es wenig ausgemacht. So gar hat sie kein "haarige" Problem.
Ich wünsch euch alles Gute und viel Kraft für die schwere Zeit.
LG
Tina


Wir sprechen von uns aus keine negativen Sachen an, schon gar nicht über die Operation. Sie kommt von sich aus immer wieder auf das Thema und die negativen Aspekte.
Eigentlich versuchen wir immer alles abzumildern. Sie weiß z.B., dass sich ihr Aussehen verändert, dazu sagen wir ihr, dass sie noch hübscher werden wird, weil es nach der OP so aussehen wird, wie es normalerweise gewachsen wäre (jetzt ist ihr Kopf ja zu klein und ihre Stirn zu weit hinten).

Ich glaube, die Situation eskaliert gerade, weil die OP verschoben wurde. Bis letzte Woche haben wir alles ganz gut hinbekommen, aber das Verschieben hat ihr "den Rest" gegeben.

Normalerweise wäre sie heute dran gewesen... Dafür hat jetzt ein Kind einen Tumor weniger im Kopf. Ich hoffe, dass das Kind alles gut überstanden hat.

TatjanaR
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Beitragvon TatjanaR » 12.12.2018, 13:55

Fallo Fanny

Da heute bereits der 12. Dezember ist, hoffe ich sehr für Euch :roll:

Ich kann Dir einwenig von uns schreiben, vielleicht hilft es auch den den leisen Lesern in diesem Forum (das ist ja das Tolle an dieser Plattform, man ist nicht alleine ;-)

Unser Sohn hat seit seinem 3. Lebenjahr heftige epileptische Anfälle. Nach all den möglichen Medikamenten, Therapien und Strohhalmen standen wir irgendwann vor der Thematik Gehirnoperation.
Bedingt durch die vielen teilweise sehr "exotischen" Untersuchungen haben wir 2 Jahre auf einen Termin gewartet!!! Was war das für ein Auf und Ab.
Und auf einmal stand das Datum fest.
Wir mussten vieles mit unserem Sohn (damals 13 ) besprechen: Den Tod, die Schmerzen, die Aufenthalten, all die Risiken. Da sind so manche Tränen geflossen; teilweise haben wir auch miteinander geweint. Was ich allerdings im Nachhinein als sehr wichtig empfand.
Auf vieles hatten wir eine Antwort, auf manches nicht... Dann gab uns die Statistik Halt, dann war es der Glaube usw

Von uns aus, haben wir das Ein oder Andere Negative schon angesprochen. Um einfach auch uns sicher zu sein, dass ER  8) die Operation wollte. Und dabei haben wir festgestellt, dass seine Not deutlich grösser war, als ursprünglich von uns angenommen.
So wichtig wie wir manchmal auch ein Fels für ihn sein wollten, war es auch gut für ihn zu sehen, dass wir uns in seinem Namen auch geärgert haben. Eben das Gemeinsame.
Vielleicht verstehst Du was ich meine :wink:

Manchmal haben wir ein Gespräch angestossen, manchmal er. Wir sind auch mit ihm so verblieben, dass er jederzeit zu uns kommen darf. Löcher fragen darf, zornig sein, Wut zeigen.. egal um welche Uhrzeit, egal wann.

Was ihre Gefühle betrifft, so kann ich Deine Tochter absolut verstehen.
Ich finde die Erfindung "warten" etwas Furchtbares, und Kinder sind ja bekanntlich in allen Empfindungen und Reaktionen ehrlich und zeitnah.


Vielleicht konnte man Euch tatsächlich nun helfen, ich wünsche es Euch so sehr.

Liebe Grüsse und alles Gute!


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