Umstellung Babysauger auf Glas

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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Stephanie79
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Umstellung Babysauger auf Glas

Beitragvon Stephanie79 » 02.12.2018, 19:30

Hallo ihr Lieben,
vielleicht weiß jemand Rat?
Unser Zwerg kann eigentlich sehr gut aus Glas, Tasse und Becher trinken. Er bevorzugt harte, kühle Materialien, wie Glas.

So, da er das ja kann, hatte ich mir nicht wirklich was bei gedacht, dass er hauptsächlich aus der Flasche mit dem Sauger trinkt. Morgens und abends eine Milch, tagsüber zog er sich immer mal mit einer Flasche zu seinem Kuscheltier zurück und trank sie. Er nuckelt auch nicht, sondern er zieht die Flasche ab.
Ich habe die Umstellung nie wirklich stark forciert, einfach, weil ich gesehen habe, dass wenig trinken bei ihm festen Stuhl verursacht, der ihm dann weh tut und ich auf keinen Fall wollte, dass er aus Angst vor Schmerzen Stuhl einhält.

Nun kam er in den Kindergarten und ich hatte die Hoffnung, dass es anders wird, wenn er die anderen Kinder sieht. Dort wird ausschließlich aus Glas und (draußen) aus Bechern getrunken. Das stört ihn aber nicht, er trinkt dann einfach nicht.

Nach einem Gespräch mit unserer Heilpädagogin wandte ich mich an unsere Physiotherapeutin, die sich auch mit Schluckproblematiken auskennt. Möglicherweise klappt das dauerhafte Trinken aus dem Glas ja nicht aufgrund der Hypotonie oder es besteht im oberen Bereich ein Problem beim Schlucken.
Ist aber nicht. Sie meinte, es sei rein psychisch. Er lässt, aus was für Gründen auch immer, nicht richtig vom Babysein los. Wir sollen die Sauger ganz weglassen, nur Sportsauger und Strohhalm nehmen, da seine seitliche Zungenmuskulatur noch Training braucht für die klare Sprache.

Wir haben dann den Sauger erstmal nur für Milch genommen und sonst Glas. War Schwierig, wir aber entspannt, weil er ja wenigstens 500-600 ml Flüssiges am Tag zu sich nahm.
So, das wollten wir eine Woche machen und dann auch die Milch aus dem Glas geben. Dann kam leider jetzt Magen-Darm :-(
Da er eigentlich keinen Tee trinkt hat er den Tee wieder über die Flasche bekommen.
Fehler. Jetzt ist er wieder gesund, aber er trinkt gar nicht mehr aus dem Glas. Auch keine Milch.
Wir versuchen es mit "Trinkspielchen". Schlucke zählen von 1-10, dann auch mal rückwärts. Wenn er beim Spiel gewonnen hat, einen "Gewinnerschluck". Wir sagen ihm immer wieder, dass wir ihn lieb haben, kuscheln viel mit ihm, sagen ihm auch, was er alles schon tolles kann.

Er durfte sich eine Sportflasche aussuchen, er darf aus allen Tassen und Gläsern trinken, auch aus Weingläsern ;-) Er darf auch nahezu alles trinken. Also, verdünnt...

Habt ihr noch Tipps? Ich hoffe morgen noch auf den Kindergarten.
Ach, er zieht sich die Feuchtigkeit jetzt aus der Nahrung. Joghurt, Trauben, Glässchenkost(!)

Dankeschön und liebe Grüße
Stephanie

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Lena_K
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Beitragvon Lena_K » 02.12.2018, 20:41

Hallo Stephanie,
Ich weiß jetzt nicht wie alt dein Kind ist- aber manchmal können sie ja recht ausdauernd sein um ihr Ziel zu erreichen, also schon mal gute Nerven...
Wir haben so ein lustiges "plopp-glas", so ein Stiefel, wo es manchmal plopp. Den habe ich angeboten als ich die trinkmenge steigern wollte und den finden hier alle gut...den gabs nur mal bei einem getränkekasten dazu, ich wüsste nicht wo man den jetzt kaufen kann...

Viel erfolg

Stephanie79
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Beitragvon Stephanie79 » 02.12.2018, 21:00

Hallo Lena,
er ist jetzt 3,5 Jahre. Und war nie ein ausgiebiger Trotzer. Ich sage immer: Er macht das eher subtil :-)
Wie sieht denn der Stiefel aus?
Die Physio meinte, er kann/will scheinbar vom Babysein nicht loslassen.
Und ich vermute, dass unser Gesundheitssystem da nicht ganz unschuldig daran ist. Denn alle Untersuchungen, Begutachtungen, Vorstellungen geschehen ja in seinem Beisein. Es wird ja immer nur darüber gesprochen, was das Kind nicht kann!
Er hat jetzt in den letzten 16 Monaten ständig (1x pro Monat im Schnitt) gehört, was er alles nicht kann... Und ich vermute, dass ihm das das Gefühl gibt, er sei noch Baby. Weil er ja noch nicht so "viel kann".
Dabei ist er kognitiv echt gewitzt. Und nimmt uns teilweise sehr wörtlich :roll:

LG
Stephanie
ich (*79) mit Kichererbse (6/2015) Muskelhypotonie im Rumpf, spastische Hemiparese beinbetont

Anne_mit_2
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Beitragvon Anne_mit_2 » 02.12.2018, 22:14

Hallo Stephanie,

mein Sohn ist mit 2,5 Jahren von Saugerflasche auf Sigg-Flasche umgestiegen -- zu meinem großen Entsetzen nicht etwa mit dem Trinkaufsatz, sondern direkt aus der Flasche. Nicht gerade hygienisch, aber er hat nie verschlabbert!

Das zuverlässige, jederzeit reproduzierbare Trinken aus dem Glas kam VIEL später. Ich konnte die Umstellung von Saugerflasche bei ihm (gesund!) nicht alleine durchziehen, da die Tagesmutter ihn immer wieder mit der Nuckelflasche ruhiggestellt hatte. Nach dem ersten Mal aus der SIGG-Flasche in einer Ausnahmesituation (Tasche am Bahnhof auf den Boden gefallen und alles ausgekippt bis auf meine SIGG-Flasche), war die Nuckelflasche ziemlich direkt abgemeldet.

Mein Rat daher: versuche alle Alternativen, die Dir einfallen. Vielleicht ist eine dabei, die ihm zusagt, auch wenn sie noch so abstrus ist. Ach ja, Du solltest dabei einfach mal versuchen, davon auszugehen, dass er es kann -- die gewitzten Kids erfüllen gerne die unausgesprochenen Erwartungen.

Viele Grüße,
Anne

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Beitragvon melly210 » 02.12.2018, 23:21

Trinkt er irgendwas besonders gern ? Dann würde ich das nur aus dem Glas geben...

FranziF
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Beitragvon FranziF » 03.12.2018, 01:28

Hey,
habt ihr ein ganz tolles Glas für ihn?
Bei Senfgläsern sind teilweise Motive aufm Glas und man kann
das Glas anschließend zum Trinken gebrauchen, das war immer
mein Lieblingsglas.
Ich mochte/mag immer nur riesige Gläser(durchmesser) also mindestens die
Kelchförmigen Colagläser, gerne auch die 8 eckigen Ikea Gläser
die oben Rund sind.
Gläser mit kleinem Durchmesser mag ich garnicht, wenns oben eckig
ist, kann ich auch nicht richtig draus trinken, aus Flaschen kann ich bis
heute nicht richtig trinken (steck immer den ganzen Flaschenhals in den
Mund weil sonst die Oberlippe und der Bereich unter der Nase nass
wird und ich das nicht ertrag. und ich bin auch zu gierig, mit Lippe anlegen
kommt mir zu wenig raus :lol: ...)
Tee hab ich nie getrunken, mag ich bis heute nicht, is mir zu bitter- genauso
wenig wie Kaffee. Warum ein Kind bei Magen Darm Tee
braucht, verstehe ich nicht unbedingt. Hab immer Wasser mit gaaaaanz
wenig Saft gekriegt, sonst wär ich dehydriert weil ich alles andere verweigert
hab... der Kinderarzt hat dem widerwillig zugestimmt, weil es besser war als
zu dehydrieren. Also wenn er andere Sachen trinkt, muss es kein Tee sein,
Wasser/Brühe wär genauso gut (Brühe hat dazu noch ordnetlich Elektrolyte),
notfalls is auch ganz wenig Saft oder- solang kein Antibiotikum geschluckt wird-
Milch ok (bei Magendarm merkt man ja sehr schnell worauf man Appetit hat und
was man verträgt).
Im Nachhinein jetzt nicht mehr zu ändern, wollte nur einwerfen, dass manche Dinge
einfach nicht wichtig sind- von Tee mögen über Fahrrad fahren bis Schreibschrift können.
Das klingt für nen Normalo natürlich erstrebenswert, bringt letztlich aber keinen Vorteil.

Könnte er das Trinken denn selbst umfüllen? wenn er gerade mit Spielen beschäftigt ist
und die Wahl hat zwischen das Trinken was du ihm vor die Nase stellst oder erst umfüllen
wär das vll auch ne Motivation aus reiner Bequemlichkeit.

Ein Lob a la du bist jetzt so ein großer Junge, du hast dir jetzt ein eigenes Glas verdient, aus
dem nur du trinken darfst könnte vll auch nen Stolz auslösen und dazu führen, dass er allen
zeigen will, dass er aus seinem eigenen Glas trinken kann und darf.

Ansonsten würd ichs dabei belassen, dann trinkt er eben aus nem anderen Gefäß, irgendwann
schämt er sich und dann kommt das von ganz alleine.
Scheiß auf normal, normal is langweilig.

Liebe Grüße
Ich (1996)
Ehlers Danlos Syndrom, Myasthenia Gravis (IIb), Allergien & UV, versch. Augenerkrankungen, Hashimoto, AVWS
siehe meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic120256.html

Stephanie79
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Beitragvon Stephanie79 » 03.12.2018, 04:31

Hallo,
vielen Dank für die Antworten.
Wir haben ohnehin ein breites Sammelsurium an Tassen/Gläsern. Er darf aus allen Trinken. SIGG-Flasche mit Motiv, was er sich selbst aussuchte, hat er auch. Weder mit, noch ohne Aufsatz will er.
Lob bringt bisher gar nichts.
Er darf sich aus einer Karaffe selbst umfüllen, das kann er, aber er trinkt dennoch nicht.
Er darf alles Trinken, egal welche Säfte. Milch trinkt er nicht, daher geht auch kein Kakao.
Tee trinkt er bei MagenDarm, weil er dann Tee will.
Ich habe bisher alle möglichen, gängigen Lernbecher durch. Den von Avent finde ich auch ganz gut, auch wenn er nicht sooo dicht ist. Er fand alle blöd.
Von meiner Physio habe ich noch einen mit einer "Nasenfrei"-Aussparung, den will er auch nicht.
Strohhalm will er nicht. Diese Fruchtsaftpäckchen sind auch nur gut, um den Strohhalm reinzustecken :roll:

Haareraufende Grüße
Stephanie
ich (*79) mit Kichererbse (6/2015) Muskelhypotonie im Rumpf, spastische Hemiparese beinbetont

Anne-muc
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Beitragvon Anne-muc » 03.12.2018, 07:30

Hallo Stephanie,

ich habe hier einen gesunden Dreijährigen, der ebenfalls nicht auf seine Saugerflasche verzichten möchte. Was habe ich bei meiner Tochter mit cerebraler Parese aufgrund der ärztlichen und logopädischen Ratschläge für ein Theater gemacht mit der Umstellung! Beim Kleinen weiß ich, dass er es kann (in Krippe und Kiga trank und trinkt er normal aus Becher und Tasse). Aber nachts möchte er unbedingt seine Nuckiflasche und trinkt sie ebenfalls in kurzer Zeit aus. (Kein zahnschädliches Langzeitnuckeln). Von mir die Frage: ist es denn wirklich so wichtig? Was passiert schlimmstenfalls wenn du es erst in einem Jahr angehst?

(Das ist als Beruhigungsfrage gemeint - ich denke es passiert nichts. Natürlich wäre es ideal, wenn er sich ideal normgerecht aus dem Becher mit reinem Wasser und insgesamt gesunder ausgewogener Kost ernähren würde - das passiert aber einfach nicht bei jedem Kind so. Meine Tochter trinkt bis heute (sie ist 5) kein reines Wasser oder Tee. Da dehydriert sie lieber über zwei Tage, länger habe ich es noch nicht versucht. Es ist nicht ideal, aber hey das wäre auch langweilig.)

Rein praktische Tips: bei uns funktionieren eine Rossmann-Eigenmarken-Strohhalmflasche mit dickem Strohhalm (der wird so zusammengesteckt) gut, wenn ich den Strohhalm innen weglasse. Dann verhält sich die Flasche wie eine Saugerflasche nur statt Sauger ist vorne der Strohhalm.

Außerdem der Nuk-Cup - ähnlich wie Avent aber für uns besser.

Liebe Grüße Anne
Anne mit Tochter (*09/2013, Vorzeitige Plazentalösung, dadurch Asphyxie, ICP, Epilepsie)

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Beitragvon Anne-muc » 03.12.2018, 07:33

Kleine Ergänzung: bei uns sehr ich dieses Hängen am Sauger ganz klar als ein Festhalten am Kleinsein, besonders jetzt nach Kigastart diesjahr.
Anne mit Tochter (*09/2013, Vorzeitige Plazentalösung, dadurch Asphyxie, ICP, Epilepsie)



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Beitragvon Engrid » 03.12.2018, 07:37

Hallo,

Er lässt, aus was für Gründen auch immer, nicht richtig vom Babysein los.
Wenn das die Analyse ist, dann wurde sie nicht fertig gedacht:
1. Diese „was-auch-immer-Gründe“, sind fürs Kind jedenfalls subjektiv stichhaltig, und damit wichtig, fürs Kind.
2. erstmal lässt er die Flasche nicht los, ob es das „Babysein“ ist, ist hineininterpretiert. Vielleicht kann man neutraler formuliert vermuten, es geht um Halt, Sicherheit, Routine, Vertrautes. Dein Sohn hat schon einiges erlebt in seinem kurzen Leben, vielleicht braucht er das.

Ich finde, man muss da sich selber genau reflektieren:
Ist objektiv die Flasche mehr Schaden als Nutzen (Verstopfung vs logopädische Aspekte)? Oder spielt einfach die eigene Erwachsenensichtweise zum Thema „altersgemäß“ eine zu große Rolle?

Mein Junior hat viele Sachen viel zu spät gelernt. Der Zeitpunkt war für ihn einfach noch nicht da bei vielem. Das hatte gute Grunde. Bei anderen Sachen wiederum war es gut, es zu ändern, ohne auf ihn zu warten. Aber ich finde es hilfreich, das nicht pauschal „drübergestülpt“ zu entscheiden, und nicht nach Konvention.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)


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