Adresse gesucht: IQ-Test beim autistischen Kind

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Anna Kerpen
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Adresse gesucht: IQ-Test beim autistischen Kind

Beitragvon Anna Kerpen » 29.11.2018, 10:09

Hallo zusammen,

kennt jemand von euch zufällig eine gute und kompetente Anlaufstelle für einen IQ-Test bei einem autistischem Kind im Raum Köln/Düren/Rhein-Erft-Kreis?

Hintergrund: meine Tochter hatte mit der ASS-Diagnose mit 5 Jahren direkt auch einen IQ-Test gemacht bekommen bei dem der Wert 54 erreicht wurde. Ein Jahr davor mit 4 Jahren einen Wert mit 53 bei einer anderen Autismus-Stelle.

Wir haben es dann erst mal so hingenommen, dass sie wohl auch noch eine leichte geistige Behinderung hat...

Sie wurde letztes Jahr mit Schulbegleitung an einer Regelschule eingeschult mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung natürlich...

Zu unserer großen Überraschung hat sie dann letztes Jahr in der ersten Klasse ohne Probleme lesen gelernt... sie liest richtig gut... und auch die anderen Sachen schreiben / rechnen sind nicht soooo undenkbar für sie... zwar auf einem eher schwachen Niveau, aber es soll ja auch einfach schwache Schüler geben... auch die Sonderpädagogen wundern sich, ob der Förderschwerpunkt so stimmt...

Ist schwer in die Zukunft zu schauen und trotzdem wäre es sehr wichtig ihren IQ evtl. richtiger zu bestimmen, denn sie kriegt natürlich auch nur GE Sachen vorgesetzt... bzw. es wird natürlich sehr wenig von ihr in der Schule erwartet... das ist natürlich sehr entspannend und sie hat ja als ein autistisches Kind in einer Regelschule genug Stress und anderen Druck...

Aber trotzdem denke ich, dass sie doch so viel lernen sollte, wie es ihr möglich ist...

Ich könnte mir nach dem einem Jahr Schule durchaus vorstellen, dass sie nur LB ist oder sogar eine sehr schwache autistische Regelschülerin...

Daher würde ich gerne da sie inzwischen 8 J ist nochmal einen IQ-Test machen, der dann evtl. etwas aussagefähiger ist...
Aber mit Autisten IQ-Tests zu machen ist einfach sehr schwer und ich höre von so vielen Fällen mit falschen Ergebnissen, daher suche ich auf diesem Weg evtl. von euch eine Empfehlung...

Danke schon mal fürs Lesen!

LG

Anna
Lexi (2010), kombinierte Entwicklungsstörung, Autismus-Spektrum-Störung, V.a. AWVS
Leni (2013), Z.n. West-Syndrom (anfallsfrei), kombinierte Entwicklungsstörung

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Beitragvon IlonaN » 29.11.2018, 10:25

Hallo Anna Kerpen,
dort kenne ich niemanden, jedoch habe ich vom Autismuszentrum bei meiner Tochter zu hören bekommen das sich der Grund-IQ eines Menschen nicht grundlegend ändert im Leben.
Bei meiner Tochter hat sich das bewahrheitet, nur das sie ihn über die Jahre besser nutzen kann. Sie hat lesen, schreiben und sogar etwas rechnen gelernt und in vielen Dingen aufgeholt. Jedoch liegt der IQ der seit frühester Kindheit immer mal wieder getestet wurde (heute ist sie 25!) immer so zwischen 68 und 72.
Frag doch die Sonderpädagogin, die kann dir doch da auch weiterhelfen das vom Schulpsychologen ein Test gemacht wird.
Viel Glück
Ilona
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Vicki
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Beitragvon Vicki » 29.11.2018, 11:36

Hallo Anna,

also mit den IQ Tests, das ist so eine Sache für sich - finde ich wenigstens.

Unsere Tochter macht da z. B. sehr verlangsamt mit. Nicht, das sie es nicht schneller könnte, aber die Situation an sich ist für sie schon Anstrengung genug, so dass ihre Leistungen teileise bei 115 liegen, aber durch die Arbeitsgeschwindigkeit von 85 ein IQ von 103 rauskommt.

Du könntest es höchtens wirkich noch einmal woanders versuchen, bei einem anderen Tester/in. Die Test ansich sind ja immer die gleichen. Suche dochmal nach Kinder- und Jugendpsychiatern. In Köln wird es ja bestimmt einige geben und versuchs einfach nochmal.

Gruss Vicki

Anna Kerpen
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Beitragvon Anna Kerpen » 29.11.2018, 11:36

Hallo Ilona,

danke für deine Rückmeldung... das ist wirklich interessant...

Bei uns hieß es letztens, dass besonders bei Autisten ein IQ-Test vor dem 8 L sehr unzutreffend sein kann...

die Kinder machen ja nicht wirklich mit... meine Tochter schaute der Testerin die ganze Zeit auf die schönen Ohrringe und machte die Aufgaben gar nicht... das galt dann als nicht gekonnt/gewusst...

Ich hoffe, dass sie jetzt testbarer wäre... damit man sie weder überfordert oder unterfordert in der Schule...

Darf ich fragen, wie selbständig deine Tochter heute lebt?

LG
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Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 29.11.2018, 12:28

Hallo Anna Kerpen,

IQ-Messungen vor Schuleintritt sind generell unzuverlässig, weil viele Kinder einfach nur spontan machen, was ihnen Spaß macht, und Leistungsdruck ihnen fremd ist. Es kommt da sehr viel auf Tagesverfassung, Setting beim Test, Wohlfühlfaktor ausgeschlafen-sein und andere Faktoren an, ob ein Kind sein Potential zeigen kann, oder nicht.

Je nach Quelle werden IQ-Tests erst ab einem Alter von 8 bzw. 10 Jahren als halbwegs zuverlässig angesehen. Die Info von Ilona stimmt insofern, als dass sich der echte IQ nicht mehr wesentlich ändert. Aber bei jung getesteten Kindern ist der IQ-Wert oft "falsch schlechter" wenn sie eben nicht voll mitmachen oder manche Aufgabenstellungen sie einfach nicht interessieren. Wenn sich das mit zunehmenden Alter bessert, werden - relativ gesehen - diejenigen Kinder, die ihr volles Potential schon im Vorschulalter gezeigt haben, scheinbar "schlechter" (weil die anderen aufgeholt haben und der Mittelwert immer wieder auf 100 angeglichen wird) - was natürlich wieder nicht stimmt.
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
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Beitragvon IlonaN » 29.11.2018, 13:08

Hallo Anna Kerpen,
ja natürlich kommt es auf die gute Beziehung zwischen Tester und Kind an und ob ein Kind vielleicht prinzipiell erstmal alles verweigert. Meine Tochter war glaub ich 6 oder 7 beim ersten Test.
Sie lebt heute relativ selbständig, braucht Hilfe bei Behörden u.s.w. und auch Unterstützung beim Einkaufen, da sie nicht gerne das Haus allein verläßt, hatte sie auch als Kind nicht allein gemacht. ansonnsten fühlt sie sich in ihrer 2-WG die auf Abruf betreut wird wirklich prima aufgehoben.
Ich 1961 Ösophagusatresie
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Beitragvon Sandra F » 29.11.2018, 13:41

Hallo,

wenn selbst die Lehrer sich fragen, ob der Förderschwerpunkt stimmt, würde ich auf der laut §17 AO-SF jährlich stattfindenden Überprüfung bestehen.

LG
Sandra
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Beitragvon Bika » 29.11.2018, 13:42

Hallo Anna,

Es gibt wohl die Annahme, dass der IQ von Menschen aus dem Autismus-Spektrum grundsätzlich unterschätzt wird.
Außerdem sind sprachfreie Testverfahren (wie der Ravens Matrizentest) vorzuziehen, da diese ihr spezifisches Potential besser erfassen.

https://autismus-kultur.de/autismus/aut ... igenz.html

LG

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Beitragvon Engrid » 29.11.2018, 14:12

Hallo,

die IQ-Tests wurden für die Mehrheit, also für nichtautistische Menschen entwickelt. Entsprechend sind die Tests nicht barrierefrei.
Ich kenne ein autistisches Kind, das für die ersten Jahre bewusst auf GB beschult wurde in der Regelschule (NRW), damit kein Druck entsteht. Grade deshalb konnte es dann den Regelschulstoff - auf seine Art, und mit Unterstützung durch Eltern und SB - bewältigen. Der Schwerpunkt GEnt dann noch in der Grundschule aufgehoben, damit der Übertritt klappt, Kind lernt heute gut auf Regelschulniveau, mit Nachteilsausgleichen.

Mein Sohn (passend beschult Förderschule GEnt) musste in Klasse 4 nochmals getestet werden von Amts wegen, ich habe auf einer Testung durch die Psychologin der Einrichtung bestanden (weil außerhalb noch weniger barrierefrei), mit dem Ergebnis „nicht sicher testbar“, mutmaßlich gb.

Fazit: Der IQ-Test ist nur ein Vehikel, setze ihn so ein, wie es Deinem Kind dient, und denke Dir den Zahlenwert nach oben offen. :P

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

rena99
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Beitragvon rena99 » 29.11.2018, 14:21

Hallo Anna,

wie Sandra schon schrieb, muss in NRW die Richtigkeit des Förderschwerpunktes jedes Jahr überprüft werden:
(1) Die Klassenkonferenz überprüft bei Bedarf, mindestens einmal jährlich, ob der festgestellte Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung und der festgelegte Förderschwerpunkt weiterhin bestehen.
Ein IQ-Test ist nicht zwingend, um zu sehen, ob deine Tochter nicht auch mit etwas höheren Anforderungen gut zurecht käme. Ich würde mit der Klassenlehrerin das Gespräch suchen und erreichen wollen (da ist jetzt "Bedarf"), dass sie es einfach eine Zeit lang ausprobieren, sie im L-Bereich zu unterrichten. Man kann das dann sozusagen wie eine Prüfung der Richtigkeit des Förderschwerpunktes in der Praxis werten. Ihr werdet dann ja sowohl als Eltern als auch als Lehrer sehen, wie sie reagiert und ob es Anzeichen von Überforderung gibt.

Natürlich kannst du auch noch mal eine IQ-Testung angehen. Es kommt dabei im Wesentlichen darauf an, ob das Kind den Prüfer/die Prüferin mag, weil das eine 1:1 Zuordnung ist. Aber meist macht es den Kindern schon Spaß. Im Prinzip macht das jede kinderpsyhchiatrische Praxis. Soviel Erfahrung mit Autismus braucht man da, denke ich, nicht, weil das eben eine 1:1 Situation ist, sehr Kind-zugewandt, wo soziale Interaktion nicht wirklich verlangt ist.

Hat deine Tochter den von sich aus Interesse an den Kulturtechniken? Dann kan man das auch zu Hause einbinden. Beim Plätzchenbacken gemeinsam Rezepte lesen und ein wenig rechnen, was alles in den Teig muss. Dann bekommst du auch einen eigenen Eindruck, wie deine Tochter so klar kommt.

LG
Rena

P.S. Bei Autisten liegt die in IQ-Tests gemessene Verarbeitsungsgeschwindigkeit (das hat nur begrenzt mit Arbeitslust oder allgemeiner Arbeitsgeschwindigkeit zu tun) oft etwas niedriger als die anderen Werte. Es ist von daher auch spannend, sich die Einzelwerte eines IQ-Tests anzuschauen. Mit 5 Jahren bekommt man allenfalls eine Momentaufnahme. Kinder in dem Alter entwickeln sich eher in Sprüngen. Und je nachdem, ob man ein Kind direkt vor oder nach so einem Entwicklungsschub testet, kann man da zu sehr sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ein IQ-Testwert gibt von daher die untere Grenze an, der reale Wert kann höher liegen.
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)


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