Ständiges, unkontrolliertes Reden: Was tun?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Sprachverzögerung/Sprachstörung austauschen und Erfahrungen bezüglich UK (unterstützter Kommunikation) weitergeben. Logopäden dürfen natürlich auch gerne hier Tipps geben!

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_Marta
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Ständiges, unkontrolliertes Reden: Was tun?

Beitragvon _Marta » 27.11.2018, 13:31

Liebe alle,

mein Sohn verschreckt durch ungebremstes, unkontrolliertes Reden fast jedes Kind. Das ist schon mal nicht schön, er ist traurig und versteht das einfach nicht.

Problematisch ist es auch in der Schule:
- Die meiste Zeit sitzt er am (selbstgewählten und von ihm geliebten) Einzeltisch weit weg von den anderen. Da kann er auf niemanden einquatschen.
- Bei der PC-Arbeit sitzt er neben anderen Kindern - und da ist er oft nicht zu bremsen.
- Der Englischunterricht wird in einem anderen Raum gegeben und wohl eher alsFrontal- bzw. Gruppenunterricht im Gesprächskreis (Da kann mein Sohn ja nun schlecht als einziger in der Ecke sitzen, das ist doch auch blöd.) Mein Sohn quatscht ständig dazwischen.

Letzte Woche war es so schlimmm, dass er jetzt für eine Woche von Englisch suspendiert ist, danach soll wieder die Sonderpädagogin mitkommen und neben ihm sitzen. Das klappt dann wohl ganz gut. Bei PC hat er ein PC-Verbot für eine Woche bekommen (und daraufhin einen Wutanfall und das Headset kaputt gemacht...).

Wer mitliest, hat bestimmt schon mitbekommen, dass die Schule meines Sohnes eher eine große als kleine Katastrophe und hilflos ist. Auch wenn ich das Verhalten der Schule oft nicht angemessen finde, kann mein Sohn ja nicht jeden Unterricht aufmischen. Ja, ich verstehe meinen Sohn: Er kann seinen Rededrang nicht kontrollieren. Aber was kann man da machen?

Die Sonderpädagogin wird Anfang des neuen Schuljahres voraussichtlich nur noch 2 Std. da sein: Da der Autismusverdacht nicht bestätigt wurde, rechnen alle damit, das der Sohn in den Förderbedarf Sozial-Emotional kommt und nur noch 2 Std Förderung. Letztendlich kann ja aber auch nicht die Lösung sein, dass ständig jemand neben ihm sitzt.

Ich habe am Ende der Woche wieder einen Besprechungstermin beim Kinderpsychiater. Aber vielleicht kann ich ja von euch schon mal Tipps bekommen. Was tun?

fragt mit Gruß Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
Verschiedene Ärzte, verschiedene Diagnosen:
2017 - Pflegegrad 3 (MDK)
2018 - F90.0G, F84.1V, F82.1, Funktionsniveau 3 - 4 (Kinderpsychiater)
2019 - F92.8, F82.1, Funktionsniveau 4 (Tagesklinik SPZ)

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 27.11.2018, 13:49

Hallo,
Vielleicht würde eine Schulbegleitung helfen.
Viele Grüße
Tanja
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HollysAnne
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Beitragvon HollysAnne » 27.11.2018, 14:04

Hallo Marta,

wenn es ihm helfen würde, dass ständig jemand neben ihm sitzt, warum soll er dann keine Schulbegleitung bekommen? Genau für solche Fälle gibt es das doch. Oder habt ihr das schonmal versucht und es ging aus Gründen nicht?

Viele Grüße, Anne
Anne (*83, Logopädin) mit Holly (*3/2012) Abszess zerstörte 2. HW, heute Dystrophie, beinbetonte Spastik, Skoliose,u.v.m. Fröhliche Rollipilotin und meine größte kleine Heldin, Labertasche und Dramaqueen :)
There are still faint glimmers of civilisation in this barbaric slaughterhouse that was once called humanity.

Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 27.11.2018, 14:26

Liebe Marta,

kommt dein Sohn problemlos im Unterricht mit, oder stört er deshalb, weil er es eben nicht schafft, dem Lehrer zu folgen?
In manchen Fällen ist eine Kleinklasse vielleicht doch der bessere Weg!


LG

Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 27.11.2018, 14:41

Hallo Marta,
soll wieder die Sonderpädagogin mitkommen und neben ihm sitzen. Das klappt dann wohl ganz gut.
Wenn das so ist, das schreit doch dann nach Schulbegleitung.
Vielleicht auch einen Versuch wert: Gewichtsweste oder -schal zur als Fokussierungshilfe, siehe anderen Thread. phpBB2/viewtopic.php?p=2157890#2157890

Grüße
Engrid
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PaulaW
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Beitragvon PaulaW » 27.11.2018, 17:30

Klingt für mich auch nach Schulbegleiter. Der könnte dann bei Bedarf auch mal mit ihm rausgehn.

Alles Liebe und
viel Glück

Paula
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_Marta
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Beitragvon _Marta » 27.11.2018, 23:22

Hallo ihr.

Die Mehrheit ist also für Schulbegleiter.

Die Lehrerinnen wollten auch gerne einen Schulbegleiter, aber der Berater vom ReBBZ riet davon ab, einen zu beantragen, da sein Chef sowieso ablehnen würde (vorauseilendes Gehorsam, ja, ja). Wir sind in einer Inklusionsklasse, die fast durchgehend doppelt besetzt ist und in der ein Kind fast durchgehend einen Schulbegleiter hat. Der auch mal auf die anderen schauen soll... Die Klasse ist also rechnerisch bestens ausgestattet. Wenn im neuen Halbjahr dann die ASS-Förderstunden wegfallen, gibt es hoffentlich eine Chance auf Schulbegleitung.
Klingt für mich auch nach Schulbegleiter. Der könnte dann bei Bedarf auch mal mit ihm rausgehn.
Rausgehen aus dem Unterricht darf er und macht er alleine. Ziel wäre eher, dass er mehr teilnimmt. :-/
kommt dein Sohn problemlos im Unterricht mit, oder stört er deshalb, weil er es eben nicht schafft, dem Lehrer zu folgen?
In manchen Fällen ist eine Kleinklasse vielleicht doch der bessere Weg!
Du sprichst da einen wunden Punkt an. Gerade letzte Woche hat der Verhaltenstherapeut bei einer Besprechung gesagt, in einer Kleingruppe würde mein Sohn seiner Einschätzung nach sehr wenig bis keine Probleme haben. Bloß - woher nehmen? Reizfilterung oder Reizverarbeitung - was auch immer - ist eben ein Riesenproblem für ihn.
Dann kommt noch: Mein Sohn ist ja hochbegabt, also 2 bis 4 Jahre je nach Fach im Wissen weiter als seine Klasse. Emotional allerdings 2 bis 3 Jahre zurück. Ganz ehrlich: Sozio-Emotional ist er eigentlich nicht schulfähig. Vielleicht vorschulfähig.

Ihm wird von den Lehrern meist Material der höhere Klassen angeboten, trotzdem kann er sich nicht konzentrieren. Ob das Material wirklich adequat ist? Teilweise ja, teilweise nein. Und es langweilt meinen Sohn zu Tode, Arbeitszettel zu bearbeiten. Er verweigert sich fast komplett. Manchmal ist der Grund seiner Verweigerung seine irre schlechte Feinmotorik, Schreiben fällt ihm ganz ehrlich so, so, so, so schwer. Aber das ist eben nur manchmal der Grund. Und die Schule ist hilflos - weder Motivation, Belohnung noch Strafen nutzen etwas. Niemand weiß weiter.

Ich habe bisher gedacht: Was solls, den Leistungsstand 2. Klasse hat er ja. Nur kam jetzt der VT und schien sich ernsthaft Sorgen zu machen. Er meinte, er kennt so einige Schüler, die trotz hoher Begabung ohne Abschluss die Schule verlassen mussten, weil sie nie ins Lernen gekommen und in einer Verweigerungshaltung gestrandet sind. Das will natürlich auch niemand. Das hat mich auch aufgescheucht und macht mir (ich hoffe, ihr könnt das verstehen) Sorgen. Und die ständigen Suspendierungen sind eben auch entmutigend. Wenn nicht sogar ein bisschen demütigend für meinen Sohn. Hilft aber nix: Bei der nächsten Stunde quatscht er sich wieder dumm und dämlich - er kann es eben nicht wirklich steuern.

OK, ich schreibe hier so vor mich hin (danke fürs Lesen...) und merke: Momentan arbeitet mein Sohn tatsächlich nur, wenn jemand neben ihm sitzt. Ohne Schulbegleitung gehts wohl nicht. Ich wüde ihm so gerne ein bisschen mehr Selbstständigkeit ermöglichen. Aber vielleicht ist momentan noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen.

Die Sandwesten werde ich mal bei Arzt und Therapeut ansprechen. Kann man ja gut mal ausprobieren. Danke für den Tipp.

Lieben Gruß, Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
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Beitragvon Silvia & Iris » 28.11.2018, 10:04

Liebe Marta,

https://www.popperschule.at/

Wir haben hier diese Schule... - vielleicht gibt es so etwas ja auch bei dir irgendwo?

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
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Beitragvon MarinaH » 28.11.2018, 11:33

Hallo!

Wurde ADHS ausgeschlossen? Die Kombi ADHS und Hochbegabung ist gar nicht so selten und wird oft spät entdeckt, weil die Kinder in der Schule ja mitkommen. Dauerhaftes Reden ist recht typisch, die Ablenkbarkeit auch. Probleme mit der Feinmotorik sind auch bei fast jedem Kind vorhanden (und bessern sich interessanterweise mit Medikamenten).

LG Marina
Kinderärztin im SPZ

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Beitragvon RikemitSohn » 28.11.2018, 11:33

Hallo,

bekommt dein Sohn Medikamente? Mein Sohn kann sich ohne Medikamente beim Reden auch schwer zügeln.
Ich würde übrigens auch die Schulbegleitung versuchen, denn eine Förderschule ist bei der Leistungsfähigkeit keine gute Lösung.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB


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