Kind wird sehr direkt,wie darauf reagieren?

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KatiY
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Kind wird sehr direkt,wie darauf reagieren?

Beitragvon KatiY » 25.11.2018, 21:19

Hallo,

ich habe keine bessere Bezeichnung für den Titel gefunden.
Meine Tochter ist 7 Jahre jung.Nachdem sie in ihren ersten 5 Lebensjahren fast garnicht gesprochen hat,spricht sie heute um so mehr.Leider ist sie inzwischen in einer Phase,in der sie alles und jeden kommentieren muss.Egal ob jemand dick,dünn,zu gross,zu klein,zu alt etc ist.Sie gibt ihre Meinung laut preis.Und es wird wirklich immer unschöner.Ich werde natürlich oft angeranzt,dass sie so schlecht erzogen sei.Ich hatte mir Hilfe von unserer Autismustherapeutin erhofft,aber ausser das diese Direktheit eben autismustypisch ist,konnte sie uns auch nicht sagen.Ich würde nun gern von euch wissen,wie ihr damit umgehen würdet?In der Schule wird das auch immer schlimmer.Selbst die Kinder kommen inzwischen zu mir und beschweren sich über meine Tochter.Ich freue mich über eure Antworten.
Sohn (1998) :kerngesund
Sohn (2001) : kerngesund
Tochter (3/2011) : Autismusspektrumstörung,Zwangsstörung,kombinierte Entwicklungsstörung......und ein Sonnenschein <3
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 25.11.2018, 21:38

Hallo Kati,

ich würde ihr das auseinanderklamüsern, und eine bzw mehrere Social Stories dazu machen, also Erklärgeschichten.
Grundsätzlich ist ehrlich sein, geradeaus sein, eigentlich etwas tolles. Und das entspricht ihr eben als Autistin. Da hat die Therapeutin schon recht erstmal.

Aber da gibt es ja Unterschiede. Und verschiedene Aspekte.
Zb:
:arrow: Was man sagt, soll wahr sein. Aber nicht alles, was wahr ist, soll/muss man sagen. Ob zb jemand dick ist - der/die weiß das selber, will das nicht hören, ist grade kein Thema, geht einen nix an - ist also keine relevante Information.
:arrow: Der Ton macht die Musik. Ist eben ein Unterschied, welche Worte ich wähle.

Da kann man schon sensibilisieren. Wieder und wieder erklären, Beispiele aus dem eigenen Erleben finden, ...

:arrow: Ein anderer Punkt ist noch: wenn sie so lange nicht gesprochen hat, aber wahrscheinlich viele Gedanken hatte, dann hat sie vielleicht noch keine Trennschärfe zwischen „gedacht“ und „gesagt“?

:arrow: Manchmal greifen die Kinder auch daneben bei der Themenfindung. Sie möchten mitreden, tun sich aber schwer, unverfängliche Themen zu finden. Da hilft dann vielleicht, weniger drauf zu gucken, was sie nicht gut macht, sondern vielmehr aufzuzeigen, was sie stattdessen tun/sagen könnte. Zb gemeinsam so eine Art Phrasenheft zu machen, was man alles sagen könnte, Themen, Gesprächsanfänge, Antworten, ...

:arrow: Und dann fällt mir noch ein anderer Punkt ein, bei meinem Sohn spielt das oft eine Rolle: mit negativem Verhalten kann man viel zuverlässiger Reaktionen „abrufen“ als mit positivem. Das wäre v.a. relevant, wenn sie immer dieselben Sachen zu denselben Menschen sagt. Wenn mein Sohn zb ein Mädchen mit Jungennamen anspricht, dann geht die zuverlässig auf die Palme ...
Auch hier kann man richtiges Verhalten fördern, indem man seinem Kind Alternnativen aufzeigt, und das unfreundliche Verhalten ausbremsen, indem das Gegenüber zb eben NICHT zuverlässig sondern variabel und unerwartet reagiert.
Das funktioniert halt nicht bei allen, manche Kinder und auch Erwachsene gehen halt zuverlässig hoch. Das ist dann eben so, ich versuche, mich da locker zu machen. Ich sage Entschuldigung, zucke die Achseln, lächle, und versuche, mich nicht damit zu belasten. Wo es gar nicht geht, überlege ich mir eine pädagogische Konsequenz.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon der kleine kurt » 26.11.2018, 17:41

Hallo!

Eine Basisgrundregel bei uns heißt: Wir sprechen nicht im Beisein anderer über das Aussehen, die Kleidung und den Geruch anderer Leute.

Das deckt schon mal viel ab und am drumherum arbeiten wir stetig. Mir ist klar dass die Regel auch das Positive ausschließt, aber gelungene Komplimente sind eh die Königsdisziplin und auf ein "Dein Parfüm stinkt, aber die Jacke ist schön" können die meisten dann auch verzichten... :wink:

Ich habe das Thema in Reinform mittlerweile fast nur noch mit meiner NT-Tochter, die irgendwie immer noch meint weil sie es nur zu mir sagt hören es die anderen nicht. Oder so. :lol:

Viele Grüße
Kurtine

Kaati
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...

Beitragvon Kaati » 26.11.2018, 19:42

Also das hatten wir auch schon :roll:

Bei uns hat es eine ganz einfache Erklärung geregelt.

Der liebe Gott hat uns allen etwas besonderes mitgegeben damit er uns vom Himmel aus alle von einander unterscheiden kann.
Mama hat eine große Nase
Tante Dedi hat einen sehr großen Po
Die Nachbarin hat ganz breite Beine
Deine Tagesmams ist ganz schlank
Und so weiter
Und das alles damit der liebe Gott uns unterscheiden kann :wink:

Für den einen ist das eine eigenartige Erklärung.
Aber es klappt super.
Bei uns ist der liebe Gott oft Tema :wink:

Lg Kaati
L. 2.4.13 Autismus Spektrum
Frühkindlicher Autist
________________________
Nicht alle Kinder lernen das Gleiche zur gleichen Zeit auf die gleiche Weise
(Kath Walter)

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Beitragvon Ronja-und-Mini » 28.11.2018, 16:02

Ich denke üben, üben, üben. Engrid hat ja schon tolle Tipps gegeben. Viele Autisten lernen nur durch häufige Wiederholungen.

Im übrigen finde ich persönlich, dass man sich nicht für alles schämen muss. Jemandem, der Tourette hat (was ja verwandt ist mit dem ASS), dem würde man das ja auch nicht ankreiden, weil er nichts dazu kann.

Also gutes Gelingen! Unser sagt auch immer die Wahrheit, ist aber eher wortkarg (noch). Aber unpassende Dinge sagt er trotzdem manchmal - bzw. nur ehrliche! :lol: Mit 7 hat man evtl. auch noch nicht das Verständnis, dass andere "genervt" oder "verletzt" sind und als Autist schon mal dreimal nicht - eventuell.
Mama (39) mit Mini-Asperger (6, Vorschulkind)


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