LB Lehrplan wegen körperlicher Behinderung?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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HollysAnne
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LB Lehrplan wegen körperlicher Behinderung?

Beitragvon HollysAnne » 25.11.2018, 14:46

Hallo,

gerade war Elternsprechtag und ich bin etwas verwirrt. :?

Die Lehrerinnen meiner 6jährigen Tochter weisen darauf hin, dass es sein kann, dass sie den Regelschullehrplan nicht schafft (aufgrund körperlicher Einschränkungen, schneller Ermüdung...) und sie dann mit dem Lehrplan für Förderschwerpunkt Lernen weitermachen würden. Sie sagen, dass vorher alle Nachteilsausgleiche ausgeschöpft werden. Dennoch dachte ich, mich streift ein Bus.

Meine Tochter geht in eine Schule für KME, in der Schuleingangsphase soll der Lehrstoff der 1. Klasse in den ersten 2 Jahren geschafft werden. Bisher haben sie nur Vorübungen gemacht, so Arbeitsblätter, die ich ähnlich schon vom Kindergarten kannte. Das hat meine Tochter nach deren Aussagen problemlos und gewissenhaft gemacht. Was mich nicht wundert, denn mein Kind kann schon ansatzweise lesen und bis 100 zählen. Allerdings glaubt sie selber nicht mehr so ganz, dass sie lesen lernen kann, weil in der Schule noch nichts von der Art drangekommen ist.

Jetzt bin ich wie vor den Kopf gestoßen, weil ich den Eindruck habe, dass mein Kind seit 3 Monaten in den Startlöchern steht, nicht loslaufen darf und die Schiedsrichter warnen, der Weg zum Ziel wäre zu weit.
Was soll ich davon halten?

Liebe Grüße, Anne
Anne (*83, Logopädin) mit Holly (*3/2012) Abszess zerstörte 2. HW, heute Dystrophie, beinbetonte Spastik, Skoliose,u.v.m. Fröhliche Rollipilotin und meine größte kleine Heldin, Labertasche und Dramaqueen :)
There are still faint glimmers of civilisation in this barbaric slaughterhouse that was once called humanity.

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 25.11.2018, 14:58

Hallo Anne,

kann es sein, dass Eure KME-Schule gar keine Klasse auf Regelschulniveau vollkommen würde und sie deshalb direkt alle Kinder auf L-Niveau unterrichten? Irgendwie klingt das für mich sehr danach.
Viele Grüße
Tanja
mit B. (*2012) - Extremfrühchen, spastische ICP beinbetont GMFCS Level 1
und Wirbelwind (*2013)

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 25.11.2018, 15:04

Das, was deine Tochter macht, klingt für mich stark nach Lehrplan auf L-Niveau.
Sind zwar aus einem anderen Bundesland, mein Sohn hat aber in der ersten Klasse der L-Schule genau das gleiche gemacht wie deine Tochter jetzt.
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung, Hämochromatose (homozygot C282T im HFE-Gen)
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache

HollysAnne
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Beitragvon HollysAnne » 25.11.2018, 15:14

Ich habe das erstmal darauf geschoben, dass es ja eine Schuleingangsphase ist und sie eben für den Stoff jede Menge Zeit haben. :?
Natürlich kriegen sie keine Regelklasse voll, aber bei nur 6 Kindern in der Klasse muss es doch möglich sein, zieldifferent zu unterrichten! Immerhin geht es in der Schule nach der 4. Klasse mit Hauptschulniveau (die die es schaffen) weiter und dafür reicht der LB-Lehrplan dann ja wohl doch nicht. Perspektivisch hatte ich mir eher vorgestellt, dass Hauptschule vielleicht zu wenig ist für mein schlaues Mädel und mir schon überlegt, was wir dann machen... aber dass sie sie jetzt sozusagen vorsorglich runterstufen, das wäre ein starkes Stück. Haltet ihr das für möglich?
Anne (*83, Logopädin) mit Holly (*3/2012) Abszess zerstörte 2. HW, heute Dystrophie, beinbetonte Spastik, Skoliose,u.v.m. Fröhliche Rollipilotin und meine größte kleine Heldin, Labertasche und Dramaqueen :)

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Bika
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Re: LB Lehrplan wegen körperlicher Behinderung?

Beitragvon Bika » 25.11.2018, 15:17

Hallo Anne,

HollysAnne hat geschrieben:


Die Lehrerinnen meiner 6jährigen Tochter weisen darauf hin, dass es sein kann, dass sie den Regelschullehrplan nicht schafft (aufgrund körperlicher Einschränkungen, schneller Ermüdung...) und sie dann mit dem Lehrplan für Förderschwerpunkt Lernen weitermachen würden.

Jetzt bin ich wie vor den Kopf gestoßen, weil ich den Eindruck habe, dass mein Kind seit 3 Monaten in den Startlöchern steht, nicht loslaufen darf und die Schiedsrichter warnen, der Weg zum Ziel wäre zu weit.
Was soll ich davon halten?

Liebe Grüße, Anne


Die Lehrer können das kognitive Vermögen deiner Tochter zur Zeit doch noch gar nicht beurteilen. Auf welcher Grundlage denn auch?
Weil sie sehr langsam (und vermutlich mit verkrampften Gesichtausdruck weil anstrengend UND langweilig) Zahlen malt?

So ähnliche Gespräche hatte ich im Kindergarten mit den Erziehern auch, die mir immer vermitteln wollten, dass mein Kind motorisch UND kognitiv weit hinterherhinkt.
Naja, hab ich mehr oder weniger ignoriert.
Kind ist heute in Klasse 9 G8 und geniesst ihr Teenagerdasein.

Du kennst deine Tochter besser.
Lass dich bloß nicht verunsichern!

LG und alles Gute,
von Bika

Ayala
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Beitragvon Ayala » 25.11.2018, 15:20

Hallo Anne,

das hört sich aber nicht toll an. Kennst du Statistiken von den Abschlüssen, die an der Schule erreicht werden?
Wie ist die Schule aufgebaut, werden alle Bildungsgänge in einer Klasse unterrichtet oder sind die Klassen nach Bildungsgängen getrennt?
Falls alle Bildungsgänge in einer Klasse unterrichtet werden, wie schätzt du die Klasse deiner Tochter ein? Gibt es dort noch mehr Schüler auf ihrem Niveau? Wird entsprechend differenziert?
M.E. musst du hier dran bleiben und deutlich für die Belange deiner Tochter eintreten. Zwar ist aktuell noch nichts verloren, sie hat die doppelte Zeit für den Stoff des 1.Schuljahres, eine Beschulung nach dem Lehrplan L würde ich nicht akzeptieren.

Ich wünsche dir viel Kraft!

LG Ayala
Lehrkraft an einer Förderschule mit den Förderschwerpunkten ganzheitliche und motorische Entwicklung

Schwester J. Smith-Lemli-Opitz-Syndrom
Kusine A. Angelmann-Syndrom

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Beitragvon HollysAnne » 25.11.2018, 15:56

Hallo Ayala,

Es werden alle in einer Klasse unterrichtet und wohl auch zielgleiche Lerngruppen aus verschiedenen Klassen gebildet. In der Klasse meiner Tochter ist ein schwermehrfach behindertes Kind, meine Tochter (körperlich schwer behindert) und 4 Kinder, die laufen, sprechen und sinnvoll miteinander spielen können. Ich kenne sie zu wenig, um einschätzen zu können, wo da die Reise hingeht.
Meine Tochter jedenfalls malt sicher nicht verkrampft irgendwelche Zahlen, es waren nämlich noch keine dran. Die Lehrerinnen selber haben gesagt, dass sie sie auf normal intelligent einschätzen. Nur weil sie körperlich so schwach ist, könne es sein, dass sie den Stoff nicht schafft.
Ich weiß jetzt, dass ich die Beschulung nach dem L Lehrplan gegebenenfalls ablehnen kann. :idea: Das lässt mich sicher ruhiger schlafen. Natürlich bleibe ich dran!

LG Anne
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Anne_mit_2
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Beitragvon Anne_mit_2 » 25.11.2018, 17:19

Hallo Anne,

ist Holly denn passend mit Hilfsmitteln zum Schreiben ausgestattet (Computer / I-Pad zum Ausfüllen von Blättern oder Ähnliches), wenn sie körperlich so schwach ist?

Darf Holly in geeigneter Postition dem Unterricht folgen oder wird Sie z.B. zum Hinlegen in einen anderen Raum gebracht? Sind die Lehrerinnen dem Irrglauben aufgesessen, dass Holly beim Liegen immer Ausruhen/Schlafen würde, obwohl sie nur einfach nicht lange genug sitzen kann? Wird sie rechtzeitig hingelegt, so dass sie noch nicht völlig erschöpft ist?

Hast Du die Möglichkeit, bei Holly unabhängig von der Schule das Lesen anzubahnen?
Gerade in ihrer Lage wäre frühes flüssiges Lesen ein Segen für das Gefühl der Selbständigkeit, denn beim Lesen braucht sie (zumindest am Kindle/I-Pad o.ä.) dann vermutlich keinerlei Hilfe, oder?.

Ich wünsche Dir den richtigen Instinkt, um die Stellschrauben zu finden, die für Deine Tochter die Schule zum Erfolg machen.

Viele Grüße,
Anne

Ayden
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Beitragvon Ayden » 25.11.2018, 18:32

Liebe Ayala,

unsere Kleine hat wegen ihrer Skoliose eine Schulverkürzung. Sie darf (Regelschule, 3. Klasse) um 11.30 Uhr nach Hause gehen, kann sich dann hinlegen, schroten und dann geht es weiter. Vielleicht wäre das für Deine Tochter auch eine Option?

Wegen ihrer starken Skoliose/Korsett und bei Einschulung noch sehr deutlicher Hypotonie wurde unsere Kleine auch intellektuell völlig unterschätzt: Da hat ein IQ Test geholfen, die leidigen Diskussionen abzukürzen.

Unsere Tochter wird (natürlich) zielgleich beschult, den Stoff der versäumten Unterrichtsstunden hole ich zu Hause mit ihr nach. Das wird Dir als Logopädin bestimmt auch möglich sein!

Vielleicht, wenn Du den `Pädagogen´ erst einmal gezeigt hast, dass Deine Tochter lernen kann, sind die nämlich unter Zugzwang : Wenn die Mutter der Tochter z.B. Lesen beibringen kann, wird eine Lehrerin es wohl auch hinbekommen, dem Mädchen etwas beizubringen. Oder so ähnlich....


Viel Glück! Kämpfe für Deine Tochter!!!!!

LG, Ayden

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HollysAnne
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Beitragvon HollysAnne » 25.11.2018, 18:56

Hallo Anne,

Holly hat solche Hilfsmittel noch nicht. (Sie nutzt das I-pad für Spiele und Filme gucken, das kann sie alles allein.) Es ist geplant, dass sie erstmal von Hand schreiben lernt, weil sie auch ziemlich gut malt.

Sie bekommt nun endlich ein Pflegebett für die Schule. Bisher wird sie im Klassenzimmer auf eine Matte gelegt und kann da auch alles machen. Das haben die Lehrerinnen schon ausprobiert. Sie achten darauf, dass Holly nicht zu lange sitzt.

Das Lesen hat Holly im Grunde selbst angebahnt. Sie war schon eine Weile vor der Schule offen dafür und ich bin drauf eingegangen, habe ein bisschen Hörtraining gemacht (wie ich es von meinem Beruf her kenne) und ein paar Sachen aus Vorschulübungsbüchern rausgesucht. Sie hat von sich aus Zahlen und Buchstaben geschrieben, wenn sie gemalt hat. Wenn wir unterwegs sind, liest sie kleine Worte, die irgendwo dran stehen. Beim Vorlesen lasse ich sie auch einzelne Worte lesen. Ich denke, sie kommt notfalls selbst drauf irgendwann. So richtig "Unterricht" nimmt sie von mir aber nicht, sonst hätte ich längst viel mehr gemacht. Die Sommer- und Herbstferien waren recht lang...

Wenn sie jetzt endlich Bücher bekommt, können wir uns wenigstens daran halten.

Viele Grüße, Anne
Anne (*83, Logopädin) mit Holly (*3/2012) Abszess zerstörte 2. HW, heute Dystrophie, beinbetonte Spastik, Skoliose,u.v.m. Fröhliche Rollipilotin und meine größte kleine Heldin, Labertasche und Dramaqueen :)

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