Entwicklungsverzögerung: Regelschule vs. Sonderpäd. Schule

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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kati543
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Beitragvon kati543 » 23.11.2018, 14:41

Hallo,
du wirst hier keine Allgemeingültigkeiten Antwort finden. Es gibt gute inklusive Grundschulen und grottenschlechte, genauso gibt es gute Förderschulen und grottenschlechte.
Bei uns war es so, dass die Förderschulen im Schullandkreis furchtbar waren/sind und wir das Glück hatten mit viel Suchen eine Grundschule einige Orte weiter zu finden, die einige Jahrzehnte Erfahrung mit Inklusion hat. Mehrere behinderte Kinder in jeder Klasse und die Lehrer/Schulleitung stehen zu dem Konzept und verteidigen das auch allen anderen gegenüber. Mobbing gegenüber behinderten Kindern gab es dort schlichtweg nicht. Den Kindern wird schon beim Schulanfang gezeigt, dass es normal ist, verschieden zu sein.
Zu den Therapien „in house“ ... bitte informiere dich vorher über Bedingungen und Warteliste. Ich kenne Schulen, da muss man in der PKV sein oder Selbstzahler und es gibt ewig lange Wartelisten (also mindestens 1 Schuljahr). Auch inklusiv unterrichtende Schulen bieten übrigens Therapien in-house an - aber wie gesagt, das ist mit Vorsicht zu genießen.
Vorteil der Regelschule sehe ich prinzipiell in der Schulbegleitung. Dein Kind würde mit Tremor sicher eine bekommen. Eine Schulbegleitung ist letztendlich immer eine 1:1 Situation - in der Förderschule ist das nicht möglich.
Eine Regelgrundschule unterrichtet grundsätzlich den Regellehrplan - eine Förderschule tut das nicht wirklich. Selbst wenn die Kinder geistig fit sind, irgendwo haben sie ja Einschränkungen und dadurch wird das Vermitteln des Stoffes verlangsamt. Das wäre also die Frage - wo siehst du dein Kind auf lange Sicht?
Nachteil an der Betreuung bis nachmittags...ich sehe es an meinen Kids. Die Beiden müssen zu x Ärzten, Sanihaus,... dann kommt mal der Pflegedienst, MdK,... na du kennst es. Das ist jedesmal ein Fehltag, weil mir der Nachmittag fehlt.
Wer zahlt die Betreuung nachmittags bei deinem Kind? Damit meine ich, braucht dein Kind eine spezielle Begleitung? Würde die vom Amt bezahlt werden?
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Bastelia
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Beitragvon Bastelia » 23.11.2018, 22:34

Hallo,

Ich bin ein großer Verfechter der Sonderschulen, aber wenn dein Kind kognitiv fit ist, würde ich es an eurer Stelle in der Regelgrundschule probieren! Allerdings mit entsprechenden Rahmenbedingungen - also ev. Förderbedarf für körperliche Beeinträchtigung schon vorab beantragen zwecks Erhöhung des Personalschlüssels! Beim Einschreiben merkt ihr ohnehin gleich wie offen und bemüht die Lehrkräfte/Direktion dem Thema gegenüber sind!
Aber Integration funktioniert meiner Meinung nach -wenn, dann bei den Kleinsten am optimalsten!! Vor allem wenn sich die Kinder untereinander schon vom KIGA her kennen! Wenn die schulische Seite engagiert ist, klappt das in der Grundschule meistens sehr gut!
Später nach der Grundschule besteht noch immer die Möglichkeit an eine sonderpädagogische Einrichtung zu wechseln!

Liebe Grüße
Bastelia mit Sohn (geb. Mai 2011) , kombinierte Entwicklungsstörung, myoklonische Epilepsie (erkannt Jänner 2015) und seit 2017: Störung des Knochenstoffwechsels - idiopathische Osteoporose
Tochter (geb. August 2015)

Nelli82
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Beitragvon Nelli82 » 23.11.2018, 23:17

Danke für Eure Ratschläge und Erfahrungen. Sie helfen natürlich nicht dabei, sofort eine Entscheidung zu fällen – das war so auch nicht geplant ;) –, geben mir aber ein paar nützliche Hinweise in welche Richtung ich weiterdenken muss.

@Rita2: Danke für die Links, schaue ich mir an!

Ich glaube, meine größte Sorge ist natürlicherweise die, dass mein Sohn unglücklich sein wird, in welcher Kombination auch immer: Mit Freunden auf der Regelschule, dafür kann er das Pensum nicht halten, wird ggf. ausgegrenzt oder alternativ auf der Sonderschule, dafür nachmittags alleine, weil ohne Freundschaften und mit dem Hintergedanken "warum bin ich dort, wenn alle anderen woanders zur Schule gehen"... Man macht sich als Mama ja immer Sorgen! Auch bei den gesunden Kindern. Ich glaube, wenn die Option der Sonderpäd. Schule nicht bestünde, würden wir einfach den Weg Regelschule mit Hilfe gehen.

Ich denke, das unsere nächsten beiden Schritte sind: nochmalige Beurteilung unseres Sohnes durch eine Sonderpädagogin – ich denke, deren Einschätzung könnte uns ein gutes Stück weiterbringen – und vor allem die Regelgrundschule mal richtig kennenlernen. Irgendwie dachten wir die ganze Zeit: Wir haben ja noch so viel Zeit bis zur Einschulung im nächsten Sommer! Aber Anmeldung wäre ja schon im März... :shock:

Danke Euch!
Nelli mit Leonard (03/12, 40+2 SSW), schwere Asphyxie unter der Geburt, milde CP/ Entwicklungsverzögerung, fein- und grobmotorische Probleme, Tonus-Regulationsstörung (Tremor), Mikroschielen

Sohn, 12/15
Tochter, 05/18

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veroma
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Beitragvon veroma » 25.11.2018, 12:00

Hallo nelly82,

mein Sohn ( jetzt 9 Jahr) besuchte die ersten 2 Jahre eine Schwerpunktschule, wo Inklusion und individuelle Förderung auf dem Papier und der Homepage groß geschrieben wurde. Leider hat man in der Praxis, aufgrund von Personalmangel, überforderten Lehrkräften, nichts davon gemerkt. Zu allem Überfluss wurde bei meinem Sohn, der auch motorisch verzögert ist und in seinem Lern und Arbeitsverhalten sehr langsam ist, eine Innenohrschwerhörigkeit diagnostiziert. Ab da war es ganz vorbei mit der Inklusion und die Schwierigkeiten fingen so richtig an.......
Wir haben uns dann für eine Förderschule mit dem Schwerpunkt hören entschieden. Für uns war auch ganz wichtig, dass unser Sohn glücklich ist und sich angenommen und dazugehörig fühlt. Das war an der Regelgrundschule nicht der Fall. Er war an der ganzen Schule ( 250 Schüler) der Einzige! mit dieser Problematik und hat sich zunehmend als Außenseiter empfunden. Je älter die Kinder werden, desto mehr bemerken Sie auch ihre Andersartigkeit. Das tat mir in der Seele weh und es war eine sehr schwierige Zeit für uns. Er hat an der neuen Schule einen Tag lang hospitiert und sagte anschließend zu mir: „ Mama, hier möchte ich hin, hier bin ich nicht mehr alleine!“ Das war für uns ausschlaggebend. Jetzt ist er seit Sommer an dieser Schule und er fühlt sich rundum wohl und glücklich. Er hat viele Entbehrungen dadurch, wir müssen morgens um 5.00 Uhr Aufstehen, die Schule ist 70km von uns entfernt, er hat kaum Möglichkeiten sich in der Woche mit Freunden zu treffen weil es auch eine Ganztagesschule ist ABER: er ist glücklich und hat sich über all diese Dinge noch kein einziges Mal beschwert. Ich glaube auch, dass es mir größere Schwierigkeiten bereitet. Kinder haben mit solchen Dingen meist einen viel unkomplizierteren Umgang.
Außerdem hat er einen Freund in seiner Klasse gefunden, der wie er die gleiche Problematik hat. Das tut ihm unwahrscheinlich gut und diesen Jungen sieht er ja 5 Tage die Woche, 7 Stunden am Tag.
Ich möchte dir Mut machen, wir sind so unendlich dankbar, dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Es hat für alle Beteiligten unheimlich viel Druck raus genommen und unser Sohn fühlt sich wieder wohl und dazugehörig. Das war und ist für uns der wichtigste Punkt!
Außerdem kann ich dir sagen, ich arbeite als heilpädagogische Schulbegleitung, ich betreue ein Kind in der 2.Klasse. Es läuft sehr gut aber dieses Kind hat durch mich automatisch einen Sonderstatus in der Klasse. Das durchschauen die anderen Kinder sehr schnell......
Ich wünsche dir viel Kraft für die Entscheidungsfindung. Ich würde mich freuen von dir zu hören.
Herzliche Grüße von veroma

r.bircher
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Beitragvon r.bircher » 26.11.2018, 11:18

Hallo Nelli

Nelli82 hat geschrieben:Ich glaube, meine größte Sorge ist natürlicherweise die, dass mein Sohn unglücklich sein wird, in welcher Kombination auch immer: Mit Freunden auf der Regelschule, dafür kann er das Pensum nicht halten, wird ggf. ausgegrenzt oder alternativ auf der Sonderschule, dafür nachmittags alleine, weil ohne Freundschaften und mit dem Hintergedanken "warum bin ich dort, wenn alle anderen woanders zur Schule gehen"... Man macht sich als Mama ja immer Sorgen! Auch bei den gesunden Kindern. Ich glaube, wenn die Option der Sonderpäd. Schule nicht bestünde, würden wir einfach den Weg Regelschule mit Hilfe gehen.


Als Selbstbetroffener kann ich dir sagen, dass dieses "Unglücklich sein" mit 99% Sicherheit sowieso eintreffen wird. Ganz egal welche Schulart du wählst. Denn es kommt der Zeitpunkt wo einem die Behinderung als Kind so richtig bewusst wird und das führt zwangsläufig zu inneren Konflikten. Gerade leicht betroffene haben da das Problem, dass sie weder zu den Behinderten noch zu den nicht Behinderten gehört. Du kannst diesen Prozess deinem Kind nicht abnehmen. Du kannst es höchstens dabei begleiten.

Wie ist es dann im Kindergarten, du sprichst von Freundschaften. Wie schätzt du die qualitativ ein? Wenn das gute Freundschaften sind, die auch ihm viel bedeuten, würde ich auf jeden Fall erst mal den Versuch der Inklusion wagen. Du kannst dann davon ausgehen, dass er auch an der Grundschule gute Freunde findet. Setze dich vor allem dafür ein, dass er die Hilfe bekommt, die er braucht, um zu bestehen.

Einige Eltern denken, sie können ihren Kinder die Brutale Realität ersparen in dem sie sie erst mal auf eine Förderschule schicken. Das Problem ist, man nimmt den Kindern damit auch die Chance, sich mit der "Brutalen Gesellschaft" auseinander zu setzen. Spätestens im Berufsleben ist dann das Problem wieder da.

Ja, als Behinderter ist man erst mal beliebtes Ziel von Mobbern. Aber nur so lange bis man lernt, seine Stärken spielen zu lassen. Und genau dieses "Stärken spielen lassen" will gelernt sein. Das Beste Umfeld dafür ist meiner Meinung nach die freie Wildbahn.

Natürlich kann das Scheitern, aber es kann auch sehr gut kommen, es kann sein, dass ihn die Nichtbehinderten Freunde mitziehen und er dadurch weiter kommt als mit allen Therapieen. Es kann auch sein, dass die Nichtbehinderten eine wichtige Lektion durch ihn lernen. Und ich sag das nicht einfach so, ich weiss aus eigener Erfahrung, dass genau das geschehen kann.

Gruss Raphael
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Beitragvon Silvia & Iris » 26.11.2018, 20:36

Lieber Raphael,


ja, genau das war auch meine Motivation... so wenig Unterstützung wie möglich, so viel wie nötig! - Und ich denke, er wird die Kurve schaffen... - Ja, auch ich denke, dass das nur dann geht, wenn eine gewisse kognitive Grundlage da ist, der Schüler fit ist und nicht ständig versagt bei den Schul- und Hausaufgaben... - und irgendwelche Probleme hat eh ein jeder...

Auch ich erhalte jetzt das Feed-back, dass die Schüler - die "Normalos" mitbekommen, dass jemand mit einem Handicap nicht dumm sein muss... und nachdem heute bereits etwa 1/4 der Schüler eine LRS haben... - wird in diesem Bereich schon einiges an Rücksicht genommen... - Keiner hat etwas davon, wenn Kinder ewig in die Schule gehen und Resignieren, aber ebenso hat keiner etwas davon, wenn sie in der Schule gar nichts kapieren... :roll:

Auch ich komme manchmal ins Schleudern... - was ist durch die Beeinträchtigung - was kommt durch die altersbedingten hormonellen Schwankungen?? - Wo kann man Ansetzen, was muss man hinnehmen?


Wo passt Hilfe - wo hindert Hilfe an der Entwicklung zur Selbständigkeit?


Nein, einfach ist es nicht... :oops:


Aber je näher an der Wirklichkeit, je weniger Abschotung (solange es für das Kind nicht gefährlich wird und nicht ein rumreichen droht von einer Klasse - einer Schule in die andere...) desto besser...

Und wenn wirklich Gefahr in Verzug ist, öffnet sich meist eine Tür!


Liebe Grüße
Silvia
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Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Beitragvon Lisa Maier » 26.11.2018, 22:20

Hallo Nelli,

ich würde in der Grundschule die Regelschule versuchen. Auch ich war in der Grundschule motorisch (Schreiben) langsamer wie die anderen. Aber wenn man normal schnell denken kann, ist das im Zeitalter der Nachteilsausgleiche (gab es zu meiner Zeit noch nicht) eigentlich unrelevant. Ich habe mein langsames Schreiben mit besserem Denken damals mehr als kompensiert.
In Neckargemünd ist die Grundschule auf 5 Jahre verteilt. Da hätte ich zumindest mich zu Tode gelangweilt. Wer wirklich nur körperlich eingeschränkt ist, braucht das meiner Meinung nach nicht. Überlege mal, wie alt er mit Rückstellung und Verwässerter Grundschule, vielleicht mal noch eine Ehrenrunde aus ganz normalen Gründen, wird, bis er mit der Schule fertig ist. Um Lerninhalte aufzunehmen, ist es unwichtig, ob man einen Tremor in den Händen hat.

Viele Grüße

Lisa

veroma
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Beitragvon veroma » 27.11.2018, 06:56

Hallo,
ihr habt sicherlich Recht, allerdings gebe ich noch zu Bedenken, dass die meisten Lehrer ( natürlich gibt es immer irgendwo Ausnahmen) überfordert sind, in einer großen Klasse auch noch nach den individuellen Bedürfnissen von „Förderkindern“ zu schauen. Oft sind in den Klassen mehr wie ein Kind, welches Auffälligkeiten in welchem Bereich auch immer zeigt und aber keine Diagnose haben. Dazu kommen dann die getesteten „Förderkinder“. Meiner Meinung steht und fällt eine gelungene Schulzeit mit den Menschen, also Lehrern an die man gerät. Wenn das Kind irgendwie durchgeschleift wird oder es ein einziger Kampf ist weil die Lehrer nicht an einer Zusammenarbeit interessiert sind oder schlichtweg überfordert sind, ist niemandem am wenigsten dem Kind geholfen. Und Nachteilsausgleiche sind gar nicht so einfach zu bekommen. Also wir hatten trotz Diagnose keinen! Vielleicht ist das aber auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und abhängig von der Diagnose.
Was ich eigentlich damit sagen will, bei aller Liebe und Fürsprache der Inklusion, sollte man sehr gut prüfen ob das wirklich das Richtige fürs Kind ist und ob es möglichen Schwierigkeiten, Druck und eben der Andersartigkeit standhalten kann, also vom Typ/Wesen her bewältigen kann.
Ich habe meinen Sohn immer als sehr selbstbewusst und taff eingeschätzt aber diesem Druck und den Schwierigkeiten die da plötzlich auf ihn zukamen war er nicht gewachsen. Er heißt Sebastian und wurde immer Basti genannt, als die ersten mit Spasti um die Ecke kamen, viel sein Selbstbewusstsein und sein Selbstwert ganz in sich zusammen. Jetzt ist er einer von vielen und sein Selbstbewusstsein baut sich langsam wieder auf.
Die Entscheidung ist nicht leicht, wir haben es selber erlebt und uns genau mit den gleichen Fragen beschäftigt. Alles hat immer Vor und Nachteile. Guckt was für euren Sohn am besten wäre. Ihr kennt ihn auch am Besten!!
Herzliche Grüße von veroma

Nelli82
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Beitragvon Nelli82 » 27.11.2018, 12:50

Erst einmal Tausend Dank für Eure Einblicke und Eure Hilfe!

Ich denke aktuell über nichts anderes nach und merke dabei, dass ich mich komplett im Kreis drehe. Mir fehlen u.a. einfach noch Infos, z.B. die Einschätzung der Sonderpädagogin, ein Gespräch mit der Regelschule... mir müssen jetzt einen Schritt nach dem anderen gehen und dann wird sich wahrscheinlich herauskristallisieren, welchen Weg wir einschlagen.

Im Moment ist meine Tendenz – auch motiviert durch die letzten Beiträge – meinen Sohn zunächst in der Regelschule einzuschulen, alle möglichen Hilfen zu beantragen und dann zu schauen, was passiert. Wenn wir nach einem oder zwei Jahren feststellen, es geht nicht, kann er immer noch wechseln. Natürlich wird man sich dann ggf. ärgern, es nicht gleich richtig gemacht zu haben, aber wir sind ja keine Hellseher.

Ich denke, so geben wir ihm einfach die Chance, es zu versuchen. Man darf auch nicht unterschätzen wie willensstark er ist und welche Ausdauer er hat, noch dazu ist er ein totaler Sonnenschein und hat ein gutes Selbstbewusstsein. Prince Charming sozusagen. Er bringt einige Kriterien mit, mit denen er seine Defizite bisher sehr, sehr gut ausgleichen konnte – vielleicht schafft er das auch in der Grundschule, obwohl da die Menge der Kinder größer ist, die Hilfestellung durch die Lehrer weniger und der Leistungsdruck dazu kommt.

Was seine Freunde angeht: Ja, er hat Freunde. Einen sehr, sehr guten, der wohnt direkt nebenan, und dann einige Kinder aus dem Kindergarten, mit denen er zum Sport oder zum Singen geht, mit denen er sich nachmittags verabredet, sich auf der Straße zum Spielen trifft... Im Sommer ist er eigentlich den ganzen Tag auf Achse mit Freunden, spielt Fußball, ist auf dem Spielplatz und und und. Laut Kindergarten gibt es schon immer mal "Ausgrenzungssituationen", aber ob die nun 100%ig auf seine körperlichen Defizite zurückzuführen sind oder einfach stinknormal sind wie bei anderen Kindern, weiß ja nun auch keiner.

Jedenfalls hat er keine Berührungsängste, was andere Kinder angeht, ist extrem aufgeschlossen, findet sofort Freunde überall, weil er auch stets auf andere Kinder zugeht. Er ist aber eben anfällig für Hänseleien, weil auffällt, dass er ein kleiner Tollpatsch ist und sich auch gar nicht so gut wehren kann. Dafür fehlt ihm die Kraft und wahrscheinlich auch der Wille. Das heißt, Kinder, die sehr auf Machtspielchen aus sind, merken schnell, dass er sich nicht ausreichend zur Wehr setzt und zack! ist er das gefundene Fressen. Im Moment stört ihn das noch nicht.

Ich halte Euch gerne auf dem Laufenden! :)
Nelli mit Leonard (03/12, 40+2 SSW), schwere Asphyxie unter der Geburt, milde CP/ Entwicklungsverzögerung, fein- und grobmotorische Probleme, Tonus-Regulationsstörung (Tremor), Mikroschielen



Sohn, 12/15

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Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 27.11.2018, 13:20

Liebe Nelli,

Fakt ist, für welche Schule auch immer ihr euch entscheidet, ihr geht mit dieser Schule einen Vertrag ein. Die Schule sichert euch zu euer Kind nach bestem Wissen und Gewissen auszubilden. - Das kann natürlich unterschiedlich ausschauen, das kommt darauf an, wie die örtlichen und personellen Gegebenheiten sind.
Ich habe mich auch in jede Schule mal reingesetzt, Tag der Offenen Türen genutzt und mich in die Lage meines Kindes versetzt, wie es ihm da erginge...


Und auch auf die Aussagen der Lehrer gehört - wie kommt es rüber - ist da wirklich der Wille da MEIN Kind anzunehmen und aufzunehmen, oder ist es für die Schule ein aufs Aug drücken...

Leider sind nicht viele Lehrer wirklich mit dem Herzen dabei zu inkludieren, da es wirklich ein Aufwand ist und man dazu schon auch genug Kapazitäten haben muss. Und auf dem Papier schaut vieles anders aus, als in natura!

Ich kann mir auch vorstellen, dass eine Ganztagsform nicht das passende ist für dein Kind, da es sicher nach 5 - 6 Stunden Unterricht Ruhe brauchen wird...

Wie schaut die Anfahrt - das nach Hause kommen aus? - Gibt es einen zuverlässigen Fahrtendienst? - Oder ist die Schule so nahe, dass er den Schulweg selbst schafft?

Heute, wo Schüler keine Meter mehr zu viel gehen... - und es auch für gesunde Kinder unzumutbar scheint einen Schulweg von 1 - 2 km per pedes zurück zu legen...

So leicht ist es auch nicht aus dem Vertrag wieder raus zu kommen!
Bei uns wurde im ersten Halbjahr aussortiert... - und da flogen gewisse Kinder raus... - TROTZ Integration...

Und danach war es so, dass man Mitschwimmen musste...
So leicht ist es dann nicht... auch wenn man dann drauf kommt, dass Ganztag nicht passt oder so...

Wobei ich hier wirklich eine spezielle Konstellation hatte...


Die Frage, die man sich ernsthaft stellen muss, ist: Kannst du dir wirklich vorstellen, dass dein Kind in der Schulstufe 4 problemlos eine Schularbeit schreiben kann? Eines Stunde still sitzen und das vorgegebene Quantum vollständig erledigen?



LG

Silvia
Liebe Grüße

Silvia

Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein

Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört


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